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forsch: Wissenschaft und Menschen Archiv

93 Episoden
3 Minuten
Forschende, Studierende, Lehrende und Beschäftigte international vernetzen und fit machen für die Herausforderungen einer globalisierten Wissenschafts- und Arbeitswelt: Das hat sich die Uni Bonn mit der Internationalisierungsstrategie auf die Fahnen geschrieben.

Dazu gehören etwa Englischkurse für Verwaltungsmitarbeitende in Irland und Schottland sowie Hospitationen bei europäischen Partner-Universitäten oder anderen Gasteinrichtungen. Mitarbeitende frischen ihre Fremdsprachenkenntnisse auf und erleben einen intensiven interkulturellen, fachlichen Austausch, bei dem man eben auch erfährt, wie andere Hochschulen die Dinge angehen - der berühmte Blick über den Tellerrand.

Viele Angebote für Hochschulmitarbeitende finden im Rahmen des Förderprogramms Erasmus-Personalmobilität statt – zum Teil in Kooperation mit der Personalentwicklung. Dabei steht das Erasmus-Motto „Enriching lives, opening minds“ genau für die Motivation, die die Uni ihren Beschäftigten ans Herz legt: Seid offen für Neues, erweitert euren Horizont und nutzt das starke Netzwerk der Partner-Unis, um eure eigenen Kompetenzen zu stärken. „Die Internationalisierung der Verwaltung kann nur gelingen, wenn alle Universitätsangehörigen beteiligt sind, allen voran Verwaltungsmitarbeitende, die Internationalisierungsmaßnahmen umsetzen und mit internationalen Studierenden und Forschenden arbeiten“, ist Bärbel Konermann-Krüger überzeugt.

Sie leitet die Staff-Mobility-Angebote zur interkulturellen Qualifizierung von Verwaltungsmitarbeitenden und wird nicht müde für die verschiedenen Austauschformate zu werben: „Viele zögern, weil während der Abwesenheit zuhause alles geregelt werden muss, weil der Schreibtisch zu voll und das Englisch vielleicht nicht top mit Sternchen ist“, erklärt sie. Die Bedenken seien meistens unbegründet und internationale Kontakte zu knüpfen, mache einfach Spaß. „Jeder nimmt persönlich so viel mit.“

Das ist auch ihr Resümee zur International Staff Week, die erstmals an der Uni Bonn stattfand. 15 internationale Gäste von Partnerhochschulen und fünf Mitarbeitende der Uni Bonn teilten ihre Erfahrungen und Sichtweisen zum Thema „Arbeiten in einem diversen Umfeld“. Ein wertvoller Erfahrungsgewinn, weil alle Inspirationen für ihre eigene Arbeit mitnehmen und ihr Netzwerk erweitern konnten. Das Kontakthalten ist fest eingeplant, damit man sich ab und zu mit Außenstehenden austauscht, die einen anderen Blick auf die Dinge haben – so gewinnt man neue Perspektiven für die eigene Arbeit.
8 Minuten
Zwei aktuelle Studien zeigen den ökonomischen Nutzen der Universität Bonn auf

Welche Wirkung haben Universitäten auf die Wirtschaft? Antworten liefern zwei neue Erhebungen. In der einen geht es um den Effekt, den die Universitäten Nordrhein-Westfalens insgesamt haben, in der anderen wurde der „ökonomische Fußabdruck“ der Exzellenzuniversität Bonn in Stadt und Region ermittelt.
30 Minuten
Bald 1000 angehende Lehrkräfte, auf der Höhe der Forschung und Didaktik und eng eingebunden in die schulische Praxis: Das Bonner Zentrum für Lehrerbildung (BZL) bildet im zehnten akademischen Jahr Lehrende für Gymnasien und Berufskollegs aus und ist unter anderem der NRW-weit einzige Standort für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in der Agrarwissenschaft.
2 Minuten
Ein bunter, summender Blühstreifen am Ackerrand – wer freut sich nicht über diese Augenweide und die Vielfalt an Insekten? Doch immer wieder gibt es Kritik an dieser Naturschutzmaßnahme.

Insbesondere dann, wenn die abgeblühten Pflanzen gemäht und danach das zerkleinerte Schnittgut als Mulch auf den Flächen verbleibt. Die Befürchtung ist, dass Insekten durch die blühenden Pflanzen angelockt und anschließend durch das Zerhäckseln insgesamt gefährdet werden.

Sind Blühstreifen ökologische Fallen? Diese Frage hat der Biologe Dr. Heiko Schmied vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn und von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit weiteren Wissenschaftlern im Projekt „Summendes Rheinland“ untersucht. Sechs Jahre hat das Team Daten gesammelt und ausgewertet.

In dem Projekt wurden 50 Kilometer hochwertige Wildpflanzenblühstreifen aus regionalem Saatgut angelegt und die Biodiversität der Wildbienen und Tagfalter unterschiedlich alter Blühstreifen erfasst. Hierbei zeigte sich, dass auch schmale und jährlich gemulchte Blühstreifen neben konventionell genutzten Flächen keineswegs ungünstige Lebensräume oder sogar ökologische Fallen darstellen, sondern die Artenvielfalt der Wildbienen und Tagfalter fördern.

 „Blühstreifen sind ein sehr wichtiges Element bei der Förderung der Biodiversität von Insekten in der Agrarlandschaft“, sagt Schmied. Die Streifen könnten sich in der Qualität aber sehr stark unterscheiden.

 
1 Minute
In den Botanischen Gärten der Universität Bonn wurden die Pforten der Grünen Lernwerkstatt eröffnet. Durch altersgerechte Programme werden dort zukünftig Kinder die Pflanzenvielfalt spielerisch entdecken und selbst erforschen können. Die Lernwerkstatt ist ganzjährig und unabhängig vom Wetter nutzbar und erweitert das Angebot der Grünen Schule. Die Sanierung und Ausstattung der Räumlichkeiten wurde durch finanzielle Mittel der Bonner Universitätsstiftung, der Universität Bonn und einer Vielzahl von Förderinnen und Förderern ermöglicht.

Wie man Menschen grüne Themen und Forschung aus der Flora erfolgreich nahebringt, damit hat der Freundeskreis der Botanischen Gärten der Universität Bonn e.V. Erfahrung. Seit vielen Jahren betreibt er erfolgreich die Grüne Schule. Dort werden Führungen durch den Garten am Poppelsdorfer Schloss, den Nutzpflanzengarten und den Melbgarten organisiert und damit den Menschen der Region die Pflanzenvielfalt nähergebracht.

Durch die Einrichtung einer Grünen Lernwerkstatt werden diese Angebote für die jungen Besucher der Gärten erweitert. So können etwa Schulklassen oder Kindergärten praktische und vertiefende Angebote in festen Räumen erleben oder in eigenen Projekten die Pflanzenvielfalt entdecken. Dabei setzen Sie Untersuchungen um, bauen Modelle oder präsentieren Arbeitsergebnisse und diskutieren gemeinsam. Bereits früh sollen sie Einblicke und eigene Erfahrungen in naturwissenschaftliche Erkenntnisprozesse erhalten.

„Die Lernwerkstatt ist ein tolles Projekt, um jungen Menschen biologische Sachverhalte näherzubringen. Hier können Kinder und Jugendliche Wissenschaft im wahrsten Sinne des Wortes anfassen und erleben das Themenfeld Biodiversität mit allen Sinnen. Ich freue mich sehr, dass durch die neuen Räumlichkeiten die Arbeit der Grünen Schule massiv ausgebaut werden kann“, erklärt Prof. Maximilian Weigend, der Direktor der Botanischen Gärten.

Die Lernwerkstatt der Grünen Schule will damit zur Förderung der frühen naturwissenschaftlichen Bildung beitragen und die Bonner Bildungslandschaft mit einem außerschulischen Lernort ergänzen. Die Mittel für Lernmaterialien und eine professionelle Ausstattung der Werkstatt und den grundlegenden Umbau der Räume einschließlich eines barrierefreien Zugangs wurden durch die Förderung der Universitätsstiftung, der Universität Bonn und einer Vielzahl von Förderinnen und Förderern ermöglicht.

„Unsere erklärte Strategie ist es, junge Menschen möglichst früh für die Wissenschaft und unsere Universität zu begeistern, nicht zuletzt, um Talente zu entdecken und bestmöglich zu fördern“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, der Rektor der Universität Bonn. „Mit dem Frühstudium FFF und der Jungen Uni haben wir hierzu seit vielen Jahren erfolgreiche Programme und Formate etabliert, die nun mit der Grünen Lernwerkstatt als einem weiteren Highlight ergänzt werden.“

Der Vorsitzende der Bonner Universitätsstiftung, Prof. Dr. Rainer Hüttemann, hob die Bedeutung des Projekts für die Stiftung hervor: „Im Jahr 2019 haben wir unser 10-jähriges Jubiläum gefeiert und zu diesem Zweck einen neuen Förderschwerpunkt gesetzt. Die finanzielle Unterstützung der Lernwerkstatt als Jubiläumsprojekt liegt mir besonders am Herzen, da wir damit zum ersten Mal ein Projekt gefördert haben, das Schülerinnen und Schülern zu Gute kommt.“

Ein sehr großer Teil der Fördersumme für die Ausstattung der Grünen Lernwerkstatt kam von der Evonik Stiftung. Deren Geschäftsführerin, Frau Dr. Heike Bergandt, lobte das Konzept: „Die Grüne Lernwerkstatt erfüllt alle Voraussetzungen, um von uns gefördert zu werden, da für unsere Stiftung die wissenschaftliche Nachwuchsförderung in den MINT-Fächern im Zentrum steht. Denn eine gute Ausbildung ist der Schlüssel für Innovation, Nachhaltigkeit und technischen Fortschritt. Dazu zählt eben auch, Kinder schon früh für das Fächerspektrum zu begeistern.“
2 Minuten
Bald 1000 angehende Lehrkräfte, auf der Höhe der Forschung und Didaktik und eng eingebunden in die schulische Praxis: Das Bonner Zentrum für Lehrerbildung (BZL) bildet im zehnten akademischen Jahr Lehrende für Gymnasien und Berufskollegs aus und ist unter anderem der NRW-weit einzige Standort für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in der Agrarwissenschaft.

Am 1. Oktober 2011, nach acht Jahren Pause, nahmen die ersten Studierenden am neugegründeten BZL ihr Lehramtsstudium auf. Mit der Anbindung an die Agrarwissenschaften ist Bonn der NRW-weit einzige Standort für die Ausbildung von Berufskolleg-Lehrkräften für das Berufsfeld Agrarwirtschaft und für das Berufskollegfach Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft, für das in Bonn die Lehrkräfte für den schulischen Teil der Bildungsgänge in den „grünen Berufen“ ausgebildet werden. Darüber hinaus bereiten sich am BZL Studierende in 18 Unterrichtsfächern auf eine Arbeit in Gymnasien vor. Die angehenden Lehrer:innen studieren dabei nicht nur intensiv ihre Wissenschaften gemeinsam mit den Fachstudierenden. „Herausragende und motivierte Lehrerinnen und Lehrer sorgen nicht nur für fachlich gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler“, so BZL-Geschäftsführer Robert Steegers, „sie begeistern zudem auch zukünftige Studierende für das Thema und ein Studium in Bonn“.
4 Minuten
Im Gespräch mit Sonja Lewandowski und Vanessa Briese. Den Raum zwischen Promotion und Arbeit und die Herausforderungen durch die Pandemie nutzten Sonja Lewandowski und Vanessa Briese unter anderem für ein feministisches Literaturfestival

Hintergrund:

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Gegenwartsliteratur hat Konjunktur. Sonja Lewandowski und Vanessa Briese beschäftigen sich beide auf unterschiedliche Weise mit Gegenwartsliteratur. Sie wollen zeigen, warum es gerade jetzt wichtig ist, feministischen Stimmen in der Literatur eine Plattform zu geben. Beide promovieren, unterstützt vom DFG-Graduiertenkolleg, und arbeiteten gemeinsam an dem Literaturfestival „Insert Female Artist“.

Die Covid-19-Pandemie, das war Fluch und Segen zugleich für Sonja Lewandowski. An eine gewöhnliche Promotion war in der Zeit nicht mehr zu denken: „Zwar habe ich so viel geschrieben wie noch nie, vor allem in der ersten Phase der Pandemie. Aber man war lange auf sich gestellt“, äußert die ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin des DFG-Graduiertenkollegs Gegenwart/Literatur. In ihrer Promotion geht es um die Ausbildung von Autor*innen an akademischen Schreibschulen. Außerdem hätten Literaturveranstaltungen während Corona nochmal durch hybride und digitale Impulse eine ganz andere Konjunktur bekommen. „Ich habe gemerkt, dass da viel Luft nach oben ist. Es gibt einen Markt, um als Kulturkonzeptorin zu arbeiten.“, so die Literatursoziologin. Daher machte sie sich neben ihrer Promotion selbstständig.

Auch Vanessa Briese promoviert in Bonn, erforscht im Kolleg den Einfluss von Reisebloggenden auf den Literaturbetrieb. Im Qualifizierungs- und Betreuungsprogramm des DFG-Graduiertenkollegs können und sollen sich die Teilnehmenden in einschlägige literatur- und kulturwissenschaftliche Diskussionen einbringen, um ihre Forschungen in einem anspruchsvollen Forschungsumfeld zu fördern. Dazu gehören selbstredend der rege Austausch, sowie Kooperationen mit Kolleg*innen. Doch wie herausfordernd ein stetiger Dialog während einer Pandemie sein kann, haben beide aus erster Hand erfahren. Vanessa Briese startete 2020 am Kolleg, inmitten der Pandemie: „Es hat natürlich den Zusammenhalt in der Gruppe total erschwert, weil man sich nicht kannte und auch nicht alle in Bonn gewohnt haben, weder damals, noch heute. Und wenn alles nur online passiert, geht schon sehr viel verloren.“

Alleine zu Hause sitzen, einsam promovieren: Für Briese und Lewandowski fehlt da der dazugehörige Austausch. Viele Mitdoktorand*innen suchen sich zusätzliche Projekte, um ihren Alltag besser zu strukturieren. Vanessa Briese betont, dass die Mitgestaltung eines Festivals ihr während dieser Zeit enorm geholfen hat: „Weil man endlich wieder diese Energie spüren konnte, dass etwas in Kontakt mit Menschen passiert, man regelmäßige Termine als Team hatte und gemeinsam an einer Sache zu arbeiten einfach Spaß gebracht hat.“
3 Minuten
Mit viel Witz und Kreativität stellten Wissenschaftler:innen der Bonner Exzellenzcluster ihre Forschung in Kurzvorträgen im Arkadenhof vor. Ein Wettstreit, bei dem es am Ende eigentlich nur Gewinner gab.

Das Glöckchen klingelt an diesem Abend zum letzten Mal. Ein Zeichen für Lukas Drees vom Exzellenzcluster PhenoRob, dass er nur noch eine Minute Zeit hat, um seinen Vortrag zu beenden. Auf der hell erleuchteten Bühne steht der Geodät vor rund 600 Zuschauerinnen und Zuschauern. Sie alle sind in den Arkadenhof des Uni-Hauptgebäudes gekommen, um ihm und seinen Kolleg:innen der anderen Bonner Cluster beim „Excellence Slam“ zuzuhören. Bunte Bilder von van Gogh erstrecken sich auf der riesigen Leinwand hinter ihm, und er erklärt, was die Kunstwerke mit KI-generierten Pflanzenfotos für die Landwirtschaft zu tun haben. Drees‘ Fazit: Seine Forschung ist zwar keine Kunst, kann aber auch nicht weg. Das sieht das Publikum genauso und kürt ihn mit seinem Vortrag zum Sieger des Abends.

Bei dem kleinen Wettstreit zwischen den Exzellenzclustern sind heute aber eigentlich alle Teilnehmer:innen die Gewinner, denn sie schaffen es, mit viel Witz und Kreativität andere für ihre Forschung zu begeistern. Wochenlang haben sich die Ökonomin Barbara Boelmann (ECONtribute), der Physiker Andreas Redmann (ML4Q), die Biologin Nóra Balzer (ImmunoSensation2), die Mathematikerin Franca Hoffmann (HCM) und eben Lukas Drees (PhenoRob) auf den Abend vorbereitet.

Unterhaltsam erklären sie in ihren Slams, welche Rolle die west- und ostdeutsche Kultur für unterschiedlich lange Babypausen spielt, wie sich Licht im Spiegellabyrinth verhält, wie schon im Mutterleib das Immunsystem von Kindern beeinflusst wird und was der Transport von Sandhaufen mit moderner Datenanalyse zu tun hat. Dabei sind sie mit vollem Einsatz dabei – fahren mit E-Rollern über die Bühne, halten gekochte Eier als Requisiten in die Höhe und bringen das Publikum mit Videos und Bildern zum Lachen. Moderator David Fußhöller ist stolz auf seine „Slammies“. Bereits zum zweiten Mal nach 2018 moderiert der Biologe den Wettkampf der Exzellenzcluster, von denen es seit drei Jahren sechs an der Uni Bonn gibt – mehr als an jeder anderen deutschen Universität.

Um auch Personen außerhalb des universitären Kosmos Einblicke in ihre Forschung zu geben, stehen die Wissenschaftler:innen jetzt also auf der Bühne, stellvertretend für alle Forschenden, die in den Exzellenzclustern aktiv sind. Das Publikum ist bunt gemischt: Neugierige Bürger:innen, die teils spontan aus der Stadt vorbeigekommen sind, sitzen neben den lautstark anfeuernden Fanclubs der Cluster. Auch Letztgenannte lernen an diesem Sommerabend viel Neues, schließlich liegen die Fachrichtungen und Forschungsthemen der einzelnen Slammer:innen teils sehr weit auseinander.

Um kurz nach 22 Uhr steht nicht nur der Sieger fest, sondern auch: Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und schreit nach einer Wiederholung. An spannendem Stoff aus den Laboren und Arbeitsräumen der Exzellenzuniversität wird es nicht mangeln.
4 Minuten
Die Gottesanbeterin zappelt ein wenig in der Hand des Wissenschaftlers. Als sich das Insekt dem Sensor nähert, beißt es zur Abwehr auf die beiden Metallplättchen, die den Druck auf einen Piezokristall übertragen. Der Kristall erzeugt kraftabhängig eine Spannung, die über einen Verstärker auf ein Laptop übertragen wird. Auf dem Bildschirm entstehen Kurven, die teils steil ansteigen und zuckend ein Plateau erreichen, bevor sie wieder auf den Nullwert absinken. Manchmal sind Auf- und Abstieg auch flacher – je nachdem wie schnell sich das jeweilige Insekt der Maximalkraft beim Zubeißen annähert.

Kaum Daten zur Beißkraft

“Wie stark Insekten zubeißen können, dazu liegen kaum Daten vor”, berichtet Peter Rühr, Doktorand am Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn. Mit ihrem Sensorsystem “forceX” wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie sich Kiefer, Muskulatur und die Kopfform von Insekten evolutiv an die Herausforderungen ihrer jeweiligen Umgebung angepasst haben. “Nicht für jedes Insekt ist es vorteilhaft, stark zubeißen zu können, da hohe Beißkräfte auch mit höheren energetischen Kosten für das Tier einhergehen”, sagt Rühr. Die Beißkraft kann etwa davon abhängen, welche Nahrung ein Insekt zu sich nimmt oder ob es die Kiefer zur Verteidigung braucht.

Das Team um Prof. Dr. Alexander Blanke, der einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingeworben hat, entwickelte bestehende Systeme zur Messung von Beißkräften weiter. In der Messanordnung der Forscher der Universität Bonn dient ein Binokular - ähnlich einer starken Lupe - dazu zu erkennen, ob die Kiefer des zu untersuchenden Insekts an der richtigen Stelle mit den Metallplättchen des Aufbaus in Berührung kommen. Das untere Plättchen ist unbeweglich, während das obere über eine Wippe die Kraft auf den Sensor überträgt.

Flexible Anpassung an die Kiefergröße möglich

“Je nach Größe und Öffnungswinkel der Kiefer verwenden wir unterschiedlich große Beiß-Plättchen, die sich austauschen lassen”, erläutert Rühr die Weiterentwicklung. “Damit lässt sich der Sensor über eine relativ große Spannweite auf die jeweiligen Erfordernisse der Tiere einstellen.” Das komplette System ist akkubetrieben und damit mobil für Messungen einsetzbar - auch in der “freien Wildbahn”.

Für stechende Insekten nutzen die Wissenschaftler eine Halterung aus Kunststoff. In der Hülse verschwinden die Tiere vollständig, nur der Kopf mit den Mundwerkzeugen ragt vorne aus einem kleinen Loch heraus. Rühr: “Damit können wir die Insekten besser positionieren, ohne sie in der Hand halten zu müssen.” Meist lassen sich die Tiere nicht lange überreden, bis sie zubeißen. Sie fühlen sich in der fremden Umgebung unwohl und wehren sich mit Abwehrbissen. Bleibt dieses instinktive Verhalten aus, streichen ihnen die Forschenden mit einem zarten Pinsel über den Kopf – spätestens dann schließen die Insekten ihre Kiefer.

Hohe Genauigkeit der Messung

Für die Veröffentlichung in “Methods in Ecology and Evolution” haben die Forscher die Genauigkeit des Systems bestimmt: Hierfür beschwerten sie das bewegliche Metallplättchen mit unterschiedlichen Gewichten von einem Gramm bis fast einem Kilogramm. Insgesamt 1.600 Wiederholungen zeigen, dass die Abweichung zwischen den Messungen maximal 2,2 Prozent beträgt. “Das ist sehr exakt”, sagt Rühr. Mit dem System lassen sich etwa auch die Kräfte von Skorpions- oder Krebsscheren messen.

Rühr und Blanke haben das System während ihrer Zeit an der Universität zu Köln unter anderem mit der dortigen Feinmechanikwerkstatt gebaut. An der Universität Bonn haben es beide weiter optimiert und die Genauigkeits-Messungen durchgeführt. Mit dazu gehört auch die Software “forceR”, mit der sich die Beißkraftwerte und die Form der Bisskurven detailliert auswerten und vergleichen lassen. Auf den Markt bringen wollen die Wissenschaftler das Beißkraftsensorsystem nicht.
2 Minuten
Liebe Hörende,

Was nützen eigentlich Universitäten? Selten waren Antworten auf diese Frage so konkret wie in den beiden Studien, über die wir in dieser Ausgabe berichten. Die vorliegenden Zahlen zeigen auf, dass Hochschulen nicht nur ideell zu Wohlstand und Fortschritt beitragen, sondern auch ganz handfest und in Euro bezifferbar. Darüber hinaus spielen sie dank ihrer Forschung eine Rolle dabei, die Welt jeden Tag ein kleines Stückchen besser zu machen.

Auf der Suche nach neuen Perspektiven und spannenden Themen sind unsere Autor:innen für Sie auch buchstäblich in die Tiefe gegangen und haben mit dem Uni-Archivar die verborgenen Räume im Untergrund des Residenzschlosses besucht.

Perspektiven wechseln, Horizonte weiten: Das bringt das Thema Vielfalt mit sich. Viele haupt- und ehrenamtliche Akteur:innen an verschiedenen Stellen arbeiten bei uns intensiv daran, Diversität sichtbar zu machen und unterschiedliche Lebensentwürfe besser ins universitäre Leben zu integrieren. Denn klar ist: Wir profitieren alle davon. Warum das so ist, das erfahren Sie in unserem Interview mit der Prorektorin und der Leiterin der Stabsstelle für Chancengerechtigkeit und Diversität sowie in den Statements unserer Kolleg:innen, die tagtäglich mit diesen Aspekten zu tun haben.

Auch die Internationalisierungsbestrebungen der Universität tragen dazu bei. So haben sich Mitarbeitende der Verwaltung mit Kolleg:innen von anderen europäischen Universitäten zu einem Perspektivwechsel getroffen: um Erfahrungen aus dem Uni-Kontext auszutauschen sowie ihre Sprachkompetenz und ihre interkulturellen Fähigkeiten zu verbessern.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre und einen guten Start ins Wintersemester!

Ihre forsch-Redaktion
1 Minute
Der Angriff Russlands auf das souveräne Nachbarland Ukraine hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Der Krieg wirkt sich auf beinahe alle Lebensbereiche aus – auch auf die Universitäten. An der Universität Bonn wurden in kürzester Zeit zahlreiche Hilfsangebote entwickelt, die Solidarität mit den Betroffenen ist groß. Gleichzeitig wurden Kooperationen mit russischen Einrichtungen vorerst auf Eis gelegt.
17 Minuten
Die digitale Transformation an der Universität Bonn ist in vollem Gange

Was macht für Sie eine gelungene Digitalisierung aus? Die Antworten aus den Fakultäten auf diese und ähnliche Fragen legen den Grundstein für die neue Digitalstrategie der Universität. Bereits jetzt gibt es viel zu tun: Überall entstehen in Forschung, Lehre und Verwaltung digitale Projekte, die Alltag und Arbeitsweise von Mitarbeitenden, Studierenden und Forschenden verbessern werden. Dabei arbeiten verschiedene Akteur:innen eng zusammen, um Visionen und Vorgaben umzusetzen. Wer sich um was kümmert, bei wem Sie Ihre Ideen, Wünsche und Projekte anbringen können und wo die Kompetenzen verortet sind, das erfahren Sie in diesem Überblick.
1 Minute
Liebe Lesende,

das Sommersemester hat begonnen, die Kirschblüte ist gerade vorbei, die Hofgartenwiese füllt sich wieder – und für viele Studierende an unserer Universität könnte es das erste „richtige“ Unisemester werden. Denn das Sommersemester soll wieder ein „Präsenzsemester“ werden, so, wie es vor der Pandemie ganz normal war. Doch obwohl ein Großteil der bisherigen Corona-Regeln in Nordrhein-Westfalen weggefallen ist, besiegt ist das Coronavirus noch lange nicht.
1 Minute
In einem einzigartigen Gemeinschaftsprojekt haben Promovierende der Uni Bonn, des DLR und der TH Köln neuronale Netzwerke am ZARM-Fallturm in Bremen untersucht

Maschinenwummern und ein lautes Rauschen geht durch den kreisförmigen Raum mit den orangefarbenen Metallwänden. Eine Gruppe junger Forschender in Kapuzenpullis trägt behutsam einen Transportbehälter vom Format einer Picknick-Kühlbox hinein, bleibt konzentriert vor einer zylinderförmigen Kapsel stehen. Einer von ihnen reckt kurz den Kopf nach oben. Folgt man dem Blick, wird klar, dass der Raum eigentlich eine hochgestreckte Röhre ist, Treppen führen ein Stück hinauf, dann verliert sich der Blick in einer noch engeren Röhre. Pumpgeräusche und ein langgezogenes Quietschen im rhythmischen Abstand von einigen Sekunden mischen sich unter die angespannte Atmosphäre.
1 Minute
Universität setzt sich für Standort Hofgarten ein – Baubeginn bereits ab 2024

2024 soll die Sanierung des Hauptgebäudes der Universität Bonn starten. Das Residenzschloss ist seit 200 Jahren das Erkennungszeichen der Universität und eines der prägendsten Bauwerke der Stadt. Im Krieg zerstört und danach wiederaufgebaut, erfüllt es jedoch längst nicht mehr die Anforderungen einer Exzellenzuniversität. Während der mindestens zehnjährigen Sanierungszeit muss daher das gesamte Gebäude freigezogen werden, was gravierende Konsequenzen für die Innenstadt haben könnte.
forsch: Wissenschaft und Menschen

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