Böll Bremen Archiv
13 Episoden
1 Stunde 31 Minuten
Angesichts der multiplen weltweiten Krisen verlieren vielen Menschen den Glauben an eine gestaltbare Zukunft. Der taz-Journalist Christian Jakob untersucht in seinem aktuellen Buch „Endzeit“ die Ursachen und Folgen dieser Ängste auf unsere Gesellschaft: Wie und warum tragen Medien heute zu einer negativ fokussierten Wahrnehmung bei? Wie beeinflusst die Angst vor dem Kollaps das Verhältnis von Eltern und Kindern? Mit welchen Interessen werden Untergangsängste geschürt? Welche Folgen haben diese für die Demokratie? Und was macht manche Menschen handlungsfähig, während andere sich ohnmächtig fühlen? Christian Jakob seziert die Mechanismen der Endzeitangst und spricht über Gründe, dennoch zuversichtlich sein zu können. Jakob studierte Soziologie, Volkswirtschaft, Philosophie in Bremen und Mailand sowie Global Studies in Berlin, Buenos Aires und Delhi. Seit 2006 ist er Redakteur der tageszeitung, zuerst bei der taz Nord in Bremen, seit 2014 Redakteur im Reportage und Recherche-Ressort. 2020/2021 Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Völkerrecht in Heidelberg. Für seine Berichterstattung wurde er mit dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus ausgezeichnet.
27 Minuten
Wenn es ums leistbare Wohnen in einer Großstadt geht, schaut die ganze Welt nach Wien. Im Rahmen des Stadtentwicklung-Camps haben wir Veronika Iwanowski von der Stadt Wien (Wiener Wohnen) eingeladen. Sie sprach über die Strategie des sozialen Wohnungsbaus in Wien.
19 Minuten
Das Mietshäuser Syndikat steht für eine aktive Wohnraumpolitik „von unten“. Welchen Beitrag kann es zu einer sozial nachhaltigen Wohnraumpolitik leisten? Moritz Holtappels stellte beim Stadtentwicklungs-Camp das Modell des Mietshäuser Syndikats und dessen Projekte vor.
1 Stunde 25 Minuten
Was verbinden wir mit dieser vielfältigen Region? Oder vielmehr Regionen? Und worauf basieren unsere Bilder eigentlich? Darüber sprachen wir am 29. Januar 2023 mit der Historikerin Elisa Satjukow. Sie forscht an der Universität Leipzig zu ost- und südosteuropäischer Verflechtungsgeschichte und beschäftigt sich mit postkolonialen Perspektiven auf Osteuropa und der Dekolonisierung ihres Forschungsfeldes. Denn auch die Wissenschaft war und ist nicht frei von Vorurteilen. Umso wichtiger ist es, unsere eigenen Annahmen zu hinterfragen. Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „OSTOPIE“, die die Heinrich Böll-Stiftung Bremen zusammen mit der Jungen DGO Bremen (Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde) und dem Theater Bremen veranstaltet. Sie besteht aus klassischen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Lesungen, nutzt aber auch Formate wie Quiz und Science Slam.
1 Stunde 47 Minuten
Hannes Heer hat mit der Ausstellung „Vernichtungskrieg“ über die Verbrechen der Wehrmacht das Weltbild der Deutschen verändert. Ab Mitte der 1990er Jahre sorgte die Wanderausstellung in Deutschland und darüber hinaus für heftige Auseinandersetzungen, für biographische, gesellschaftliche und politische Erschütterungen. Erstmals wurden die massenhaft begangenen Kriegsverbrechen der regulären deutschen Streitkräfte für eine breite Öffentlichkeit dokumentiert und sichtbar. Besonders intensiv verliefen die Debatten in Bremen und München 1996/1997. Dort kam es zwar nicht, wie andernorts, zu rechtsextremen Anschlägen auf die Ausstellung - in Bremen aber fast zum Bruch der großen Koalition von CDU und SPD. Schließlich konnte die Ausstellung, die den Mythos von der „sauberen Wehrmacht“ nachhaltig demontierte, dennoch im Bremer Rathaus eröffnet werden. Hannes Heer hat das Thema lebenslang bearbeitet und ein Buch darüber geschrieben: „Vernichtungskrieg im Osten. Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik“. Neben der Beteiligung der Wehrmacht am Holocaust und am Porajmos beschreibt es den Völkermord auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, Belarus‘ und Russlands, der auch an der nicht-jüdischen Bevölkerung begangen wurde. Ihm fielen mehr als 15 Millionen Menschen zum Opfer. Zudem starben 11 Millionen Rotarmist:innen, ein Drittel von ihnen in deutscher Kriegsgefangenschaft.
1 Stunde 37 Minuten
Zunehmend entscheiden sich Städter:innen für ein Landleben, denn mit der Etablierung von Homeoffice ist es egal, wo man wohnt. In den deutschen Großstädten fehlen zwei Millionen bezahlbare Wohnungen, während fast ebenso viele Wohnungen im ländlichen Raum leer stehen, trotz niedriger Wohnkosten. Ernst Paul Dörfler wendet in einem aktuellen Buch Auf’s Land den derzeit gern verwendeten Begriff der „Systemrelevanz“ auf den ländlichen Raum an und plädiert zugleich für lebenswerte Städte mit mehr grün/blauer – statt grauer – Infrastruktur. Auf’s Land ist vor Kurzem bei Hanser erschienen und schaffte es in die Spiegel-Bestseller-Liste – denn gerade vor dem Hintergrund von Corona steht die Stadt/Land-Frage verstärkt im Fokus. Wir wollen mit E.P. Dörfler über die Belastbarkeit alternativer Lebensentwürfe in Stadt und Land sprechen – etwa über seine Vorschläge, Natur in die Stadt zu holen und gleichzeitig Ressourcen zu schonen. Was konkret bedeutet der Gedanke, dass „soziale und ökologische Dorfstrukturen auch in Städten Einzug halten könnten“?
1 Stunde 20 Minuten
Der Vortrag beschreibt die Grundzüge der nationalsozialistischen „Asozialenpolitik“ und erläutert die Kriterien, anhand derer Mädchen und Frauen in die Verfolgungsmaschinerie gerieten. An einzelnen Fallbeispielen wird das behördliche Vorgehen veranschaulicht und gezeigt, dass die Stigmatisierung der Betroffenen häufig bereits vor dem Nationalsozialismus begonnen hatte und auch nach 1945 nicht endete. Elke Rajal studierte Politikwissenschaft in Wien und Granada und forscht derzeit am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Passau. Sie beschäftigt sich mit den Schnittstellen von Politik, Zeitgeschichte und Bildung und engagiert sich in der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Nationalsozialismus und seine Nachwirkungen, Antisemitismus, Rechtsextremismus und politische Bildung. Weitere Informationen und Veranstaltungen: https://boell-bremen.de Die Veranstaltung fand am 4. Februar 2022 statt im Rahmen des Bremer Programms zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar).
33 Minuten
Es ist nass, es ist kalt, es ist Winter – Zeit für einen Besuch im Bremer Klimacamp, das mittlerweile in den Wallanlagen steht. Larissa und Henning von der Heinrich Böll-Stiftung Bremen wollten wissen, wie es den Klimacamper:innen dort geht und haben vor Ort Stefan getroffen, der von Anfang an dabei ist. Er erzählt von seiner Motivation, weiter durchzuhalten. Vom Alltag zwischen Camp, Familie und Lohnarbeit. Und davon, dass der Trubel rund um den Dom so ziemlich das Letzte ist, was er vom alten Standort am Markt vermisst.
1 Stunde 42 Minuten
Im Theater zu Gast waren Dr. Tanja Stratmann, die am Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie im Rahmen eines internationalen Forschungsverbunds (der HGF MPG Joint Research Group for Deep-Sea Ecology and Technology) über Tiefseebergbau arbeitet; Prof. Dr. Morten Iversen vom Marum der Uni Bremen (zugleich Sektionsleiter für biologische Ozeanographie beim AWI), der u.a. den Beitrag von Walen zur CO2-Minderung erforscht; der Biologe Alfred Schumm, Director Innovations-Sciences-Technologies and Solutions beim WWF, der lange den Fachbereich Meere und Küsten der Umweltstiftung und sowie das von ihm aufgebaute internationale Fischereiprogramm des WWF leitete. Heute arbeitet er daran, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, zum Beispiel aus der Verhaltensforschung, sowie technische und soziale Innovationen für den Umweltschutz nutzbar zu machen. Warum OIKOS? Ökonomie und Ökologie haben eine gemeinsame sprachliche Wurzel: Oikos. So bezeichneten die Griechen eine Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft. In sprachlicher Verbindung mit nomos, dem „Gesetz“, entwickelte sich aus Oikos die „Ökonomie“ – womit seither die Gesetze, Ordnungen und Sitten des Haushaltens, vulgo des Wirtschaftens bezeichnet werden. Oikos und „logos“ hingegen verschmolzen als „Ökologie“ zur Lehre vom Naturhaushalt. Wir nennen unsere neue Reihe OIKOS, weil wir fragen wollen, wie Ökologie und Ökonomie wieder in eine tragfähige Balance gebracht werden können. In der Reihe OIKOS also beschreiben Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen, Politiker:innen und Künstler:innen ihre Perspektive auf die Möglichkeiten einer sozial-ökologischen Transformation. Covid19 hat uns gezeigt, dass die Organisation unserer Gesellschaft eben nicht „alternativlos“ ist (TINA), sondern überraschend viel Geld investiert werden kann, wenn es nur als notwendig erachtet wird. Was also können wir tun, was ist uns wichtig? Und was sind die hinter dem Zustand der Welt und ihrer Wirtschaftsordnungen stehenden Menschen- und Naturbilder?
1 Stunde 51 Minuten
Die französische Kunsthistorikerin zeigt in ihrem Buch, wie intensiv viele afrikanische Länder schon unmittelbar nach Erlangung ihrer Unabhängigkeit um die Rückgabe von Kunstwerken kämpften. Was können wir heute daraus lernen? Bénédicte Savoy lehrt Kunstgeschichte an der TU Berlin und am Collège de France in Paris. Unter Protest verließ Sie das Kuratorium des Berliner Humboldt-Forums: Sie beklagte mangelnde Transparenz und unzureichende Provenienzforschung in Bezug auf die umfangreichen ethnologischen Sammlungen, deren Präsentation vergangene Woche feierlich eröffnet wurde. Im Auftrag des französischen Staatspräsidenten erarbeitete Savoy schon 2018, gemeinsam mit Felwine Sarr, einen Bericht über die Restitution afrikanischer Kulturgüter aus französischen Museen. Deren Vollzug bleibt jedoch fraglich.
1 Stunde 15 Minuten
Nana Oforiatta Ayim studierte Afrikanische Kunstgeschichte, arbeitete für die UN in New York und ist heute weltweit v. a. als Kunstvermittlerin, Kuratorin und Filmemacherin aktiv. Mit „Wir Gotteskinder“ hat sie einen autobiographischen Roman geschrieben, der die Suche nach verlorenen Wurzeln, kulturellen Zusammenhängen und Beheimatung in verschiedenen Welten thematisiert. Das Unrechts-Bewusstsein für die koloniale Ausbeutung wächst, aber die Konsequenzen, beispielsweise für Kulturgüter in Museen, meist unklar. Im Übersee-Museum Bremen haben wir deshalb mit Nana Oforiatta Ayim und Silke Seybold (Afrika-Referentin des Überseemuseums) auch über die Restitution afrikanischer Kunstwerke gesprochen. Es moderierten Henning Bleyl von der Heinrich Böll-Stiftung Bremen und Libuse Cerna vom Literaturfestival globale°.
1 Stunde 9 Minuten
Erik Marquardt war in den letzten Jahren immer wieder auf der Balkanroute, in Afghanistan und bei der Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er insbesondere durch seine Berichte über die katastrophalen Zustände im Flüchtlingslager Moria bekannt. Sein neues Buch Europa schafft sich ab. Wie die Werte der EU verraten werden und was wir dagegen tun können widmet sich dem scharfen Kontrast zwischen dem vorgetragenen Selbstbild der EU und der ernüchternden Realität. Im Rahmen des 13. Europa-Quartetts der Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Theater Bremen stellte Marquardt am 11. September 2021 sein Buch vor, im Gespräch mit Moderator Emanuel Herold und Jasper v. Legat, Friedensbeauftragter der Bremer Evangelischen Kirche.
1 Stunde 6 Minuten
Wir haben im Theater Bremen über türkisch-deutsche Arbeitsbiographien, Identitäten, Familiengeschichten und die sogenannte „Integrationspolitik“ gesprochen. Ausgangspunkt war das "Anwerbeabkommen" für türkische Arbeitskräfte, das vor 60 Jahren geschlossen wurde.