Gstaad Menuhin Festival Podcast - Die Geschichten hinter den Meisterwerken der klassischen Musik Archiv
50 Episoden
9 Minuten
So mancher befürchtete, er könnte bald «abstürzen», denn seine phänomenale Technik schien ... nicht von dieser Welt. Aber Daniil Trifonov ist noch immer da, und seine Programme halten immer neue Überraschungen bereit. Nachdem Trifonov bereits 2015 für eine Interpretation von Rachmaninows 4. Klavierkonzert und 2018 für ein Programm rund um Chopin zum Festival reiste, kehrt er nun erneut mit einem Meisterwerk zurück nach Saanen. Auf dem Programm stehen die Klaviersonate Nr. 3 von Szymanowski (der zu jener Zeit, kurz vor der Russischen Revolution, seine impressionistische Periode beschliesst), Debussys «Pour le piano» (ein Werk, das einen Wendepunkt markiert, da es sich an den grossen Meistern des 18. Jahrhunderts orientiert und sich somit von Franck und dem spätromantischen Einfluss ablöst) und die Klaviersonate Nr. 3 des jungen Brahms, die von dessen Mentor Robert Schumann als «verschleierte Sinfonie» bezeichnet wurde.
9 Minuten
Die Beschäftigung mit der deutschen Sakralmusik des 17. Jahrhunderts führt Christina Pluhar zurück zu ihren Quellen und damit an ihre musikalischen Wurzeln. Ausgangspunkt der neuen Einspielung von L'Arpeggiata mit Star-Countertenor Philippe Jaroussky ist das berührende Lamento «Ach, dass ich Wassers g'nug hätte» für Alt und Streicherensemble von Johann Christoph Bach, einem Vorfahren Johann Sebastian Bachs. Das Programm vereint bekannte Komponisten wie Heinrich Schütz mit zu Unrecht weniger bekannten Namen wie Philipp Heinrich Erlebach, Johann Theile und Franz Tunder und lässt die enge Verbindung der deutschen Sakralmusik mit seinen italienischen Vorbildern hören. Die himmlischen Stimmen von Céline Scheen und Philippe Jaroussky vereinigen sich mit den reichen Klangfarben von L'Arpeggiata.
10 Minuten
Programmänderung: Neu wird Haydns Missa «in tempore belli» (Messe in Zeiten des Krieges) und das Requiem von Mozart aufgeführt. Auch wenn er kein eifriger Kirchgänger ist, lässt Beethoven immer einen aufrichtigen Glauben erkennen. Als er fühlt, dass sein Körper ihm nicht mehr gehorcht, verinnerlicht er sein ganzes Leben (seine vollständige Taubheit setzt etwa gegen 1820 ein) und wendet sich zugleich dem Himmel zu. Im Jahre 1818 veranlasst ihn die bevorstehende Inthronisation des ihm besonders nahestehenden Erzherzogs Rudolph von Österreich als Erzbischof von Olmütz, die Komposition einer Messe von gewaltigen Ausmassen in Angriff zu nehmen, wie sie ihm schon lange vorgeschwebt hat. Sein schlechter Gesundheitszustand, aber auch sein hoher künstlerischer Anspruch hindern ihn daran, diese Missa solemnis rechtzeitig zu vollenden. Erst 1823 kann er das Werk Erzherzog Rudolph übergeben. Doch es gleicht einer musikalischen Kathedrale. Denn Beethoven war vor allem bemüht, das Erbe von Bach und mehr noch von Händel anzutreten, den er als den grössten Komponisten aller Zeiten ansah.
7 Minuten
Ihre Majestät, die Queen, ihre Diamanten, ihre Corgis und nicht zu vergessen ihre Geheimagenten! Könnte es einen besseren Abschluss für ein Festival geben als eine grosse Soirée der englischen Filmmusik, bei der das City Light Symphony Orchestra hauptsächlich die Melodien aus der Welt des unverwüstlichen 007 anstimmt? Das Ensemble wird von dem in der Schweiz lebenden englischen Dirigenten Kevin Griffiths geleitet, der dem Publikum in der Region durch seine langjährige Arbeit als Leiter des Gstaad Festival Amateur Orchestra wohlbekannt ist. Und er wird die Geigerin und neues Familienmitglied der exklusiven «Menuhin's Heritage Artists», Bomsori Kim, auf der Bühne begrüssen, um die schönsten Themen aus Der Duft von Lavendel [Ladies in Lavender] erklingen zu lassen, einem Film aus dem Jahr 2004, der die Geschichte eines virtuosen Geigers (exzellent verkörpert von Daniel Brühl) erzählt, der die Aufmerksamkeit von mehr als nur einer Frau erregt!
10 Minuten
Obwohl die internationale Situation es der Sinfonía por el Perú aktuell nicht ermöglicht, in die Schweiz zu kommen, kann Maestro Flórez Gstaad Menuhin Festival und seinen Gästen ein weiteres aussergewöhnliches Opernprogramm präsentieren. Nach einem Fest italienischer Duette mit Olga Peretyatko im Jahr 2018 ist der peruanische Tenor mit einem neuen Opernfeuerwerk und grossem Orchester zurück im Festival-Zelt Gstaad. Einmal mehr steht Italien mit den Meistern des transalpinen Kreises des 19. Jahrhunderts im Rampenlicht, von Rossini bis Puccini und über Donizetti zu Verdi; aber auch Streifzüge in die französische Welt mit Gounod werden unternommen. Um diesen Abend unvergesslich zu machen, kann der Startenor auf die Unterstützung des amerikanischen Dirigenten Christopher Franklin (mit dem er zuletzt in den grössten Sälen der Welt auftrat) und dem Musikkollegium Winterthur setzen, einem der ältesten Orchesterinstitutionen Europas, gegründet 1629.
11 Minuten
Es ist eines der Hauptwerke des italienischen Belcanto: Gstaad Menuhin Festival ist stolz darauf, seinem Publikum mit einer von Domingo Hindoyan speziell für diesen Anlass getroffenen Auswahl ausladender Arien, Chören und Orchesterzwischenspielen alle Facetten aus Vincenzo Bellinis «I puritani» zu präsentieren. Die Zürcher Sing-Akademie und das Orchestre de la Suisse Romande führen mit einer erstklassigen Besetzung durch den Abend, bei dem die musikalische Vielseitigkeit der letzten Oper Bellinis im Mittelpunkt steht. Damit bietet sich die Gelegenheit, die zwangsläufig oberflächliche Bekanntschaft mit einem solchen Werk, das aus einer Handvoll grossartiger, durch die legendären Interpretationen unter anderem von Maria Callas und Joan Sutherland unveränderlicher Arien besteht, zu vertiefen und in das Innerste des gefeierten Kleinods Bellinis einzutauchen, das in Paris zu Beginn des Jahres 1835 und damit nur wenige Monate vor seinem viel zu frühen Tod mit 33 Jahren uraufgeführt wurde. Bellinis Belcanto-Kunst legt mehr Sorgfalt auf die Details der Instrumentation, weniger auf die solistische «Überschall»-Gesangstradition. So ist Elvira der «Prototyp der romantischen Heldin, die wegen eines seelischen Schocks den Verstand verliert» (Alain Perroux). Ihre sanften Melodien sind es, die Frédéric Chopin später das Klavier als singendes Instrument begreifen lassen …
8 Minuten
Sie ist eine lebende Klavierlegende. Maria João Pires, die abwechselnd in ihrem Heimatland Portugal und ihrer Wahlheimat, der Schweiz, lebt, reist nach Saanen mit Schubert, Debussy und Beethovens letzter Klaviersonate, der unergründlichen Sonate op. 111. Bereits als Fünfjährige debütierte sie 1949 mit Werken von Mozart. Die u. a. bei Karl Engel ausgebildete Pianistin hat sich in den letzten Jahrzehnten auch durch ihr intensives Engagement für den musikalischen Nachwuchs hervorgetan, sowohl in dem von ihr gegründeten Belgais-Centre for the Study of Arts in Portugal, als auch in der Chapelle Musicale Reine Elisabeth in Brüssel.
11 Minuten
Die «Schottische» und das Violinkonzert von Sibelius! Ein zweiter Abend mit Valery Gergiev und seinem Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg. Mit Alexandra Conunova und ihrer kraftvollen und zugleich warmen Spielweise wird eine Idealbesetzung an der Violine im Konzert von Sibelius mitwirken. Die gebürtige Moldawierin, die in der Schweiz lebt und zum ersten Schülerjahrgang von Renaud Capuçon an der Haute Ecole de Musique de Lausanne gehörte, schaffte 2012 ihren künstlerischen Durchbruch mit dem Gewinn des ersten Preises beim Joseph Joachim Violinwettbewerb Hannover, der drei Jahre später durch einen dritten Preis beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau untermauert wurde.
9 Minuten
Es ist immer ein grosses Ereignis, wenn Valery Gergiev die Bühne betritt. Vor allem dann, wenn er sein Orchester des Mariinski-Theaters St. Petersburg durch Meisterwerke der russischen Orchesterkunst wie die «Romeo und Julia»-Ballettmusik von Prokofjew führt. Zusätzlich wird einer der neuen Menuhin's Heritage Artists, Alexandre Kantorow, die Tasten für das 2. Klavierkonzert von Prokofjew zum Klingen bringen. Der junge Pianist, Sohn des Geigers und Dirigenten Jean-Jacques Kantorow, ist eine wahre Offenbarung. Als erster Franzose gewann er 2019 den renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau und erhielt im darauffolgenden Jahr für seine Einspielung des «Ägyptischen Konzerts» von Saint-Saëns, seinem Lieblingskomponisten (neben Brahms), den Victoire de la Musique.
5 Minuten
Ohne die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker wäre das namhafteste Orchester der Welt schlicht zum Schweigen verurteilt! 1972 machen sie sich zu einem neuen Abenteuer auf: einem Ensemble, das heute zu den ältesten und symbolträchtigsten Formationen gehört, die aus dem deutschen Klangkörper hervorgegangen sind. Ihr Markenzeichen ist eine Musik frei von Komplexen, die zum Grossteil aus Arrangements besteht, sowie eine lockere Haltung, die sich von der steifen Atmosphäre der grossen Konzertsäle abhebt – der natürliche Swing der Bässe!
7 Minuten
Für sein zweites Konzert am Dirigierpult des Gstaad Festival Orchestra – das er zum dritten Mal im Rahmen der Gstaad Conducting Academy leitet – widmet sich Jaap van Zweden der Sinfonie Nr. 4 von Brahms und dem Cellokonzert von Elgar, einem musikalischen Leckerbissen, dem keine Geringere als Sol Gabetta mit ihrem Spiel die nötige Intensität verleiht. Vielleicht waren Sie dabei, als die Cellistin bereits 2013 an der Seite von Andris Nelsons und des City of Birmingham Symphony Orchestra das von Jacqueline du Pré zu neuen Höhen geführte Werk im Festival-Zelt Gstaad erklingen liess. Seitdem hat ihr Spiel zweifellos an Tiefe gewonnen: Eine wesentliche Dimension, um den Dämmerschein der Partitur wiederzugeben, die im Sommer 1919 geschrieben wurde, als Elgar de facto seit 1914 nichts mehr komponiert hatte und sein Geist durch den Kriegswahnsinn ausgedörrt war.
9 Minuten
Schon immer übte London mit seinen zahlreichen Bühnen, seinem anspruchsvollen Publikum und seinen generösen Institutionen (darunter die Royal Philharmonic Society) eine besondere Anziehungskraft auf Kunstschaffende aus. Einen aussergewöhnlichen Einblick in diese Welt bietet dieser musikalische Abend, an dem Khatia Buniatishvili (mit Tschaikowsky), Jaap van Zweden und das Gstaad Festival Orchestra das Festival-Zelt Gstaad zum Klingen bringen. Die Sinfonie Nr. 7 ist das erste Werk, mit dessen Komposition Dvořák beauftragt wurde. Unter tosendem Applaus am 22. April 1885 in der St. James's Hall uraufgeführt, stellt sie den tschechischen Komponisten vor die heikle Frage, ob er seiner natürlichen Neigung folgen und sein Herz und seine mährischen Wurzeln sprechen lassen oder sich stärker der (für ihn neuen) Notwendigkeit zuwenden soll, ein an die Regeln der «westlichen» Romantik gewöhntes Publikum anzusprechen, wie insbesondere sein Mentor Johannes Brahms sie verkörpert. Mit seinem Talent und seinem ihn charakterisierenden Grossmut trifft der grosse Meister auf Anhieb ins Schwarze!
14 Minuten
Seit nunmehr fast zwanzig Jahren beehrt sie das Saanenland Sommer für Sommer mit ihren Besuchen. Hélène Grimaud bittet uns an diesem Abend zu einem musikalischen Tête-à-Tête in die Kirche Saanen. Sie wartet auf mit einem Programm, das dem Phänomen der Erinnerung gewidmet ist und das 2018 für ihr vorletztes Album «Memory» bei der Deutschen Grammophon gestaltet wurde; eine äusserst subtile Reise zwischen Reflexion und purer Emotion, in deren Verlauf sich die Klänge von Debussy und Satie mit jenen von Chopin verflechten, aus denen sie zum Teil hervorgegangen sind; hier werden Kulturtraditionen fassbar als eine Form der Erinnerung, ohne die Musik gänzlich unmöglich wäre.
9 Minuten
Freuen Sie sich auf einen Abend der musikalischen Hochgenüsse! Haydn zeichnet in seiner Sinfonie «mit dem Paukenschlag» ein musikalisches Bild des «historischen» London. Dagegen hat einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten Grossbritanniens, Thomas Adès, im Auftrag des Festivals und anderer Musikinstitutionen ein Werk für Streicher mit dem Titel «Shanty – Over the Sea», geschaffen, das auf die Lieder Bezug nimmt, die seit jeher von den Seeleuten der Handelsschiffe angestimmt werden, um sich bei der Arbeit zu motivieren, und das dem extravaganten Treiben in der britischen Hauptstadt ein musikalisches Denkmal setzt. Zur Krönung des Abends wird Hélène Grimaud in Begleitung des Kammerorchester Basel mit dem 20. Klavierkonzert in d-Moll das dank seiner vollkommenen Romanze und der verträumten, gleichsam über dem unerbittlichen Lauf der Zeit schwebenden Melodie, vielleicht schönste Konzert Mozarts anstimmen.
5 Minuten
Die Liste der treuen Weggefährten des Festivals ist lang! Patricia Kopatchinskaja und Fazil Say haben für ihr musikalisches Feuerwerk Musik von Schubert und Brahms und die viel zu selten intonierte Violinsonate von Janáček gewählt. «Ich habe diese Sonate 1914 geschrieben, als wir in Mähren auf die Russen warteten», so der Komponist. Die Russen, die er im Herzen trägt und deren Seele und Kultur in seiner Musik anklingen, ebenso wie Themen aus seiner eigenen Oper «Katja Kabanova», in der – was sonst – eine russische Geschichte erzählt wird, sind in diese Sonate eingegangen.