Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Gstaad Menuhin Festival Podcast - Die Geschichten hinter den Meisterwerken der klassischen Musik Archiv

50 Episoden
10 Minuten
Es ist zweifellos das am seltensten gespielte Konzert Beethovens und dennoch eines der reizvollsten. Das Tripelkonzert bietet Möglichkeiten für den Dialog zwischen Solisten und Orchester, wie man sie sonst nur in Meisterwerken der Kammermusik findet, zumal wenn die Beteiligten – wie hier – nicht nur selbst brillieren, sondern es auch verstehen, ihre Partner in Szene zu setzen. Auf dem Programm steht neben der 5. Sinfonie eine weitere Rarität des Bonner Genies, seine Chorfantasie. Dieses Stück bestreitet der grossartige Pianist Sergei Babayan ohne seine Tripelpartner Dmitry Smirnov und Edgar Moreau, aber wiederum mit Vasily Petrenko und dem Royal Philharmonic Orchestra London. Mit von der Partie ist die Zürcher Sing-Akademie, die zu den besten Schweizer Chören zählt.
7 Minuten
Trotz eines Altersunterschieds von nahezu zwei Generationen bestehen zwischen Fritz Kreisler und Yehudi Menuhin zahlreiche Verbindungen. Für den jungen Menuhin ist Kreisler ein Idol – ebenso wie Jascha Heifetz und Mischa Elman. Er scheut sich nicht, ihn mit Beethoven, seinem Lieblingskomponisten, zu vergleichen und gesteht, dass ihm seine «subtile Emphase» mehr liegt als das «glanzvolle, aber weniger tiefgründige» Spiel von Heifetz. Kreisler stellt seinerseits fest, dass der junge Menuhin bereits mit zwölf Jahren einen Großteil der ihm von der Natur verliehenen Gaben zur Entfaltung gebracht hat und vor allem das anspruchsvollste Ziel eines jeden Künstlers erreicht hat, nämlich unabhängig vom Repertoire sich immer selbst treu zu bleiben. Als Chef der Menuhin Academy Soloists (deren Leitung er 2019 übernommen hat) knüpft Renaud Capuçon an diese geistige Verwandtschaft an, indem er die Werte, die dem Mythos dieser beiden Titanen des Violinspiels zugrunde liegen, in den Mittelpunkt seiner Lehrtätigkeit stellt.
3 Minuten
Gute Musik kennt keine Grenzen, so können auch Mozart und die Urban Culture eine höchst klangvolle Liaison eingehen. Ein glänzendes Beispiel hierfür ist die Produktion «Breakin’ Mozart» des deutschen Dirigenten und Regisseurs Christoph Hagel. Hagel, der sich auf grosse Crossover-Shows wie «Flying Bach» mit über 300 000 Besuchenden in 27 Ländern spezialisiert hat, führt hier vom Klavier aus Sänger und Breakdancer der DDC Dance Floor Destruction Crew (wörtlich «Tanzflächenverwüstungsteam») zusammen, die 1999 in Schweinfurt im Zuge kultureller Auseinandersetzungen gegründet wurde und jüngst dank Mozart ihren internationalen Durchbruch erzielte.
9 Minuten
Beethoven hat nur eine Oper geschrieben ... aber was für eine! Sie ist Ausdruck seines dramatischen Genies, das er bekenntnishaft in den Dienst seiner tiefsten Überzeugungen stellt, durchweht vom Geist der Aufklärung und der Französischen Revolution, vom Geist der Freiheit und Brüderlichkeit. In Fidelio, das von Jean-Nicolas Bouillys Theaterstück Léonore ou l’amour conjugal inspiriert ist, sehen (und hören) wir eine Frau (Leonore), die nichts unversucht lässt, um ihren Gatten (Florestan) aus dem Gefängnis zu befreien und sich sogar (unter dem Namen Fidelio) als Mann ausgibt, um in seine Nähe zu gelangen. Das in einer konzertanten Aufführung dargebotene Meisterwerk beschert uns ein Wiedersehen mit dem Startenor Jonas Kaufmann und dem Dirigenten Jaap van Zweden am Pult des Gstaad Festival Orchestra.
2 Minuten
Die Musikzeitschrift International Piano hat ihn als «letzten der Titanen» bezeichnet. Und tatsächlich hat Grigory Sokolovs Art zu spielen, seine Art, am Klavier zu sein, etwas Titanisches. Wie die Auftritte eines Richter oder eines Gould vor ihm, sind auch seine Konzerte Ereignisse, und seine Live-Aufnahmen (heute von der Deutschen Grammophon herausgegeben) werden mit der gleichen Spannung erwartet, wie man die nächste Folge einer Kultserie erwartet. Meilenweit entfernt von all den fabrizierten Erfolgen, die die Hochglanzcover der Zeitschriften bevölkern, ist das Erfolgsrezept des Russen ganz einfach: Musik, nichts als Musik!
8 Minuten
In den 1770er Jahren werden die deutschen Lande von einer Strömung – dem Sturm und Drang – erfasst, die bald danach auf einen beträchtlichen Teil Europas übergreift. Die erst später aufgekommene Bezeichnung geht auf ein 1776 verfasstes Stück des Dichters Friedrich Maximilian Klinger zurück. Das berühmteste Werk dieser Periode ist Goethes Werther. Die als Vorläufer der Romantik betrachtete Strömung unterscheidet sich von der Empfindsamkeit, in deren Fussstapfen sie tritt, durch den Willen, den Gefühlsüberschwang zu kanalisieren, d. h. in eine strengere Form einzubinden. Das Programm des Ensembles Il Pomo d’Oro, in dessen Zentrum die wichtigsten Wiener Vertreter dieser Strömung – Haydn und Mozart – stehen, führt uns von den Anfängen (mit Wagenseil) bis zur Vollendung (mit einem selten gehörten Werk von Heberle) dieser bedeutenden künstlerischen Bewegung.
10 Minuten
Dezember 1790. Mit fast siebzig Jahren stürzt sich Joseph Haydn in das verrückteste Abenteuer seines Lebens: zwanzig Konzerte in London und ebenso viele Uraufführungen – eine «Wette», die den Grundstein für das grösste Sinfonien-Feuerwerk seines Lebens legen wird, beginnend mit der Sinfonie «Das Wunder». Seine Abreise aus Wien wird sehr bedauert, vor allem von Mozart, der befürchtet, seinen «Papa Haydn» nie mehr wiederzusehen. Die Trennung ist umso schmerzlicher, als das Publikum ihn immer mehr meidet, was ihn dazu bringt, einer Einladung nach Prag zu folgen, wo sein Don Giovanni und seine Nozze di Figaro begeistert bejubelt werden – so viel Wohlwollen war dem Komponisten glatt eine Sinfonie wert!
6 Minuten
Dieser Abend, der an die Gstaad Piano Academy anknüpft, welche in diesem Jahr unter der Leitung von Sir András Schiff und Robert Holl (Bariton) der Interpretation von Liedern und Chormusik von Franz Schubert gewidmet ist, wurde als «Schubertiade» angelegt, d. h. als zwanglose Zusammenkunft von Freunden, bei der man vergisst, wer Lehrer ist und wer Schüler. Solche Abende fanden in grossen privaten Wiener Salons wie dem Franz von Schobers statt, der nicht nur des Komponisten Freund, sondern auch ein Dichter war und einige der schönsten Liedtexte verfasste, die Schubert vertonte.
89 Sekunden
Im Laufe der Jahre sind seine Klavierabende zu einem absoluten Muss geworden. Sir András Schiff, der nicht nur ein brillanter Moderator ist, sondern auch innerhalb der Gstaad Piano Academy unterrichtet, schafft es, uns musikalische Meisterwerke, die wir auswendig zu kennen glauben, auf unerhört neue Weise darzubieten. Auf wen wird seine Wahl in diesem Sommer fallen? Mozart? Haydn? Beethoven? Schubert? Bei den Vertretern der Wiener Klassik hat er auf jeden Fall die Qual der Wahl. Freuen wir uns auf des Rätsels Lösung – am 3. August 2022!
15 Minuten
Er ist eine der grossen pianistischen Entdeckungen der vergangenen Jahre. Gerade erst hat er den Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau gewonnen, der nur alle fünf Jahre ausgetragen wird und als einer der wichtigsten Musikwettbewerbe überhaupt Weltkarrieren begründet. 2021 geht der erste Preis des Chopin-Wettbewerbs an den 25-jährigen chinesisch-kanadischen Pianisten Bruce Liu, der mit vollständigem Namen Bruce Xiaoyu Liu heisst und mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren nach Montreal zog, um hier seine Ausbildung zu absolvieren. Sein Debüt in Gstaad gibt er mit einem Programm, in dem der Komponist im Mittelpunkt steht, mit dem er Jury und Publikum bereits in Warschau fesseln und letztlich neben der grossen Konkurrenz überzeugen konnte: Chopin. Die Deutsche Grammophon hat bereits die Wettbewerbsaufnahmen der packenden Chopin-Interpretationen veröffentlicht. Doch hat Liu auch Musik von Bach (auf französische Art), Liszt (mit lyrisch-virtuosen Tönen) und die zartsinnigen Miroirs von Maurice Ravel, Ausdruck der impressionistischen Periode des Komponisten, für sein Programm gewählt.
5 Minuten
Sie hatten ihr gesamtes Programm bereits für 2020 geplant, doch die weltweite Pandemie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. In jenem beispiellosen Sommer konnte eine erste Episode gerade noch gerettet werden, doch nun freuen sich Sol Gabetta und Alexander Melnikov darauf, ihren «Beethoven-Marathon» zu vollenden, und zwar mit zwei neuen Variationszyklen und den beiden verbliebenen Sonaten, die für ganz unterschiedliche Schaffensperioden des Komponisten charakteristisch sind: Die Cellosonate Nr. 2 orientiert sich noch am Klassizismus (um nicht zu sagen, am Barock), während die der Gräfin (und Vertrauten) Marie Erdödy gewidmete Cellosonate Nr. 4 schon den innovativen Impuls der Romantik spüren lässt, der in Heiligenstadt aufkam und sich in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts weiterentwickelte.
2 Minuten
Für den dritten Teil seines Residency-Programms hat Starklarinettist Andreas Ottensamer ein eng mit der Wiener Musik verbundenes Ensemble nach Saanen eingeladen: die Wiener Sängerknaben. Dieser 1498 von Kaiser Maximilian I. gegründete hochkarätige Knabenchor ist mit der Zeit zu einem veritablen Mythos geworden, denn aus ihm gingen grosse Musiker wie Michael Haydn oder Schubert hervor und Komponisten wie Biber, Mozart oder Bruckner arbeiteten mit ihm zusammen. Der heute aus etwa hundert Knaben bestehende Chor gibt nahezu 300 Konzerte pro Jahr und betreibt zudem eine Schule, in der ca. 250 Kinder im imposanten barocken Ambiente des Palais Augarten eine umfassende Ausbildung erhalten.
6 Minuten
Sie gehören zu den Künstlerinnen und Künstlern, die man immer wieder gerne hört und die im Laufe der Jahre durch ihre Treue und ihr herausragendes Talent zu einer echten «Familie» geworden sind: Gstaad Menuhin Festival & Academy setzt das von Gründer Yehudi Menuhin gepriesene Ideal des gemeinsamen Musizierens unter Freunden in dieser so besonderen Umgebung ununterbrochen fort. Zu Sol Gabetta und Bertrand Chamayou gesellt sich in diesem Sommer eine der renommiertesten Geigerinnen ihrer Generation, nämlich die in München von Ana Chumachenco (einer der «Säulen» der Gstaad String Academy) ausgebildete Bayerin Veronika Eberle. Gemeinsam spielen sie Beethoven und Schubert – von letzterem das Klaviertrio Nr. 2 und dessen hypnotisches Andante, das heute untrennbar mit den legendären Szenen aus Stanley Kubricks Film Barry Lyndon verbunden ist.
11 Minuten
Musik ist eine lebendige Kunst, was dieses Programm eindrucksvoll unterstreicht. Es folgt ganz der Linie, die wir von Daniel Hope seit vielen Jahren kennen. Er lässt verschiedene Meisterwerke in neuem Gewand, nämlich in Bearbeitungen für Geige und Streichorchester, erklingen. So zum Beispiel die West Side Story Suite, die auf seinen Wunsch von Paul Bateman arrangiert wurde, die Cavatina aus Beethovens Streichquartett Nr. 13 in einer Transkription für Streicher oder das erhabene Adagietto aus Mahlers Sinfonie Nr. 5 in einer intimeren Fassung für Kammerorchester.
7 Minuten
Mozart an der Spitze! Zwei absolute Meisterwerke aus seinen letzten Wiener Jahren stehen hier im Fokus, vorgetragen von Klarinettistin und Weltstar Sabine Meyer, die zu den renommiertesten Solist*innen ihres Fachs überhaupt zählt, sowie dem Kammerorchester Basel, das in diesem Repertoire Wunder vollbringt, indem es die Werke in erfrischend neuem Licht präsentiert. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt den neuen interpretatorischen Erkenntnissen, die in das Dirigat von Giovanni Antonini eingeflossen sind: Können wir uns einen schöneren Abend wünschen?