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Frauenkampftag Bochum Archiv

7 Episoden
49 Minuten
Vortrag von Katharina Warda:

Beim Gedenken an die Wiedervereinigung fehlen wichtige Stimmen.  Das in den letzten Jahren gefeierte Narrativ ’30 Jahre Friedliche  Revolution‘ löst in seiner Rhetorik die abwertende Erzählung eines  ‚Dunkeldeutschlands‘ ab. An die Stelle eines ‚rückschrittlichen Ostens‘  tritt die Idee eines ‚friedlichen Umbruchs‘.

Beide Narrative verraten wenig über die tatsächlichen Erfahrungen  Ostdeutscher aus dieser Zeit. Vielmehr verschleiern sie wie wenig  friedlich sich die deutschen Transformationsjahre für viele Menschen  ereigneten. Die Folgen der Treuhand, der Massenarbeitslosigkeit und der  strukturellen Abwertungen ostdeutscher Biografien finden hier genauso  wenig Platz wie die zahlreichen Pogrome und die alltägliche rassistische  Gewalt gegen PoCs, oder gar das Zusammenwirken beider Diskurse. So  entsteht ein Bild vom Osten als homogen-Weißer Raum mit einheitlichen  Erfahrungen. Der Vortrag hinterfragt aus intersektionaler Perspektive  dieses Bild und stellt ihm ostdeutsche Erfahrungen entgegen, die von  Abwertung und Gewalt zeugen.
1 Stunde 4 Minuten
Vortrag von SchwarzRund:

In ihrem Vortrag spricht SchwarzRund über Queer Body  Empowerment. Wir werden von Fasia Jansen hören, über Intersektionen  sprechen, die sich in Körpern manifestieren und über Widerstand von  Schwarzen queeren Menschen die Krankheit, Behinderung und  Stigmatisierung erfahren haben. Gedichte, biographische Erzählungen und Gedanken aus queerer,  fetter, Schwarzer und disabilisierter Perspektive, die in vielen Stimmen  deutlich machen: BlackLives Matter only when AllBlackLivesMatter.
1 Stunde 19 Minuten
Talk mit Bernice Lysania Ekoula Akouala:

"Ich muss nicht fern sein, um auf Reisen zu sein, nicht fern sein, um ein Abenteuer zu erleben, nicht fern sein, um den schönsten Blumenstrauß der Welt zu pflücken."

Fololo bedeutet Blume auf Lingala, eine von vielen Sprachen, die in Brazzaville, Bernices Geburtsort, gesprochen wird. Bernice Lysania Ekoula Akouala hat sich in den letzten Jahren viel mit den Themen Herkunft, Geschichte und Identität beschäftigt. Im Gespräch mit Eva Busch setzt sie sich mit der Frage auseinander, was sie erzählen würde, wenn jede Blume ihres Blumenstraußes eine Geschichte wäre. Wie würde sich dieser Blumenstrauß anhören oder anfühlen? Bernice arbeitet aktuell an der Veröffentlichung ihrer Spoken Word Texte in Form eines Buches, das Fololo heißen wird. Der Vortrag bietet den Zuhörenden einen Einblick hinter die Fassade.
26 Minuten
Vortrag von Sabrina Rahimi:

Die natürliche Umwelt des Rassismus ist die äußere Welt: Im  Gegensatz dazu ist er in der inneren Welt beinahe unsichtbar – Kaum  jemand hält sich selbst für rassistisch.

Der Vortrag skizziert aus der klinischen Arbeit gewonnen  Erkenntnisse, wie innere rassistische Organisationen funktionieren. Zwei  Schlüsselszenen rassistischer Interaktion im Falle des brutalen Todes  von Stephen Lawrence (geb. 13. Sept.1974 – Tod am 22. April 1993) und  Victoria Adjo Climbié (geb. 2. Nov. 1991 – Tod am 25.02.2000 mit 10  Jahren) werden dargelegt und untersucht.
57 Minuten
Fat is a Feminist Issue von Koschka Linkerhand:

Essstörungen und weibliche Subjektivität im kapitalistischen Patriarchat.

Der Zusammenhang von Essstörungen mit Schönheitsidealen und weiteren sexistischen Anforderungen an Frauen ist offensichtlich. Mit einer Analyse der weiblichen Subjektform kann man ihm gesellschaftstheoretisch zu Leibe rücken. Was hat die kapitalistische Sphärentrennung damit zu tun, dass Frauen immer auch verfügbarer und gebärender Körper sein sollen? Wie lässt sich ein emanzipatorischer Umgang mit dem tief eingebrannten Wunsch finden, gleichzeitig begehrenswert und autonom zu sein?
39 Minuten
Non una di meno / Ni una menos / keine mehr:

Ausgehend  von Argentinien hat sich in den letzten Jahren eine feministische  Bewegung ausgebreitet, die sich weltweit vernetzt um gegen Gewalt an  Frauen* und geschlechtsbasierte Gewalt vorzugehen.

Der  italienische Teil der Bewegung Non Una Di Meno hat in diesem Zuge 2017  ihr Manifest mit dem Titel „Abbiamo un piano“ (dt.: „Wir haben einen  Plan“) herausgegeben. Um dieses Manifest auch hier zugänglich zu machen  wurde es von Natalie, Merle, Rina, Silvia und Marlene im Rahmen der  Initiative #keinemehr ins Deutsche übersetzt.

Der  Plan ist eine umfassende Beschreibung der aktuellen Verhältnisse und  zugleich ein Instrument feministischen Widerstands. Tausende Frauen*  haben gemeinsam an dem Plan geschrieben. In ihm kommen verschiedenste  Perspektiven zusammen und haben doch ein gemeinsames Anliegen, das in  einer scharfen Klarheit formuliert wird: Das Ende männlicher Gewalt an  Frauen* UND das Ende geschlechtsbasierter Gewalt in all ihren  (strukturellen) Ausmaßen.

Anhand  dieses Manifests wollen wir einen Einblick in die aktuelle  feministische (Streik)Bewegung vor allem in Italien geben um Bezüge zur  Situation in Deutschland herstellen um festzustellen, wie sich diese von  der Italienischen unterscheidet, wo Gemeinsamkeiten liegen und vor  allem wie wir voneinander lernen können.
1 Stunde 30 Minuten
Feministische Empfängnis von Madita Pims:

Es  scheint, als würde die Biologie der Gleichberechtigung im Wege stehen:  Schwangerschaft, Geburt, Stillen. Kaum geht es um Reproduktion, werden  Frauen mit Argumenten der Biologie in eine konservative Mutterrolle  gedrängt, die gesamtgesellschaftlich gehegt und gepflegt wird. Werdenden  Vätern hingegen wird mittels selber Argumentation ihre Relevanz in  Sachen Säuglingspflege abgesprochen. Wir Menschen haben uns längst von  biologischen Zwängen emanzipiert – ob mit Brille oder künstlichem  Hüftgelenk – doch beim Thema Kinderkriegen stehen die Uhren still.

Von  Orgasmus & Empfängnis bis zur Elternzeit – Madita Pims wirft in  ihrem Vortrag einen feministischen Blick auf Reproduktion und wirft  dabei nicht nur traditionelle Vorstellungen von Familie, sondern auch  romantisierte Fußfesseln wie „Mutterliebe“ über Bord.