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Laut Gedacht - der Gediche-Podcast Archiv

32 Episoden
54 Sekunden
Bei einer Linde - Joseph von Eichendorff

Seh ich dich wieder, du geliebter Baum,

In dessen junge Triebe

Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum

Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?

Wie anders ist seitdem der Äste Bug,

Verwachsen und verschwunden

Im härtren Stamm der vielgeliebte Zug,

Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!

Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du,

Und nichts an mir wollt weilen,

Doch meine Wunde wuchs - und wuchs nicht zu, 

Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.
7 Minuten
Die Bürgschaft - Friedrich SchillerZu Dionys, dem Tyrannen, schlichMöros, den Dolch im Gewande;Ihn schlugen die Häscher in Bande.»Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!«Entgegnet ihm finster der Wüterich.»Die Stadt vom Tyrannen befreien!«»Das sollst du am Kreuze bereuen.«»Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereitUnd bitte nicht um mein Leben,Doch willst du Gnade mir geben,Ich flehe dich um drei Tage Zeit,Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,Ich lasse den Freund dir als Bürgen,Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen.«Da lächelt der König mit arger ListUnd spricht nach kurzem Bedenken:»Drei Tage will ich dir schenken.Doch wisse! Wenn sie verstrichen, die Frist,Eh du zurück mir gegeben bist,So muß er statt deiner erblassen,Doch dir ist die Strafe erlassen.«Und er kommt zum Freunde: »Der König gebeut,Daß ich am Kreuz mit dem LebenBezahle das frevelnde Streben,Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,So bleib du dem König zum Pfande,Bis ich komme, zu lösen die Bande.«Und schweigend umarmt ihn der treue FreundUnd liefert sich aus dem Tyrannen,Der andere ziehet von dannen.Und ehe das dritte Morgenrot scheint,Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,Eilt heim mit sorgender Seele,Damit er die Frist nicht verfehle.Da gießt unendlicher Regen herab,Von den Bergen stürzen die Quellen,Und die Bäche, die Ströme schwellen.Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,Da reißet die Brücke der Strudel hinab,Und donnernd sprengen die WogenDes Gewölbes krachenden Bogen.Und trostlos irrt er an Ufers Rand,Wie weit er auch spähet und blicketUnd die Stimme, die rufende, schicket,Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,Der ihn setze an das gewünschte Land,Kein Schiffer lenket die Fähre,Und der wilde Strom wird zum Meere.Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,Die Hände zum Zeus erhoben:»O hemme des Stromes Toben!Es eilen die Stunden, im Mittag stehtDie Sonne, und wenn sie niedergehtUnd ich kann die Stadt nicht erreichen,So muß der Freund mir erbleichen.«Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,Und Welle auf Welle zerrinnet,Und Stunde an Stunde entrinnet.Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich MutUnd wirft sich hinein in die brausende FlutUnd teilt mit gewaltigen ArmenDen Strom, und ein Gott hat Erbarmen.Und gewinnt das Ufer und eilet fortUnd danket dem rettenden Gotte,Da stürzet die raubende RotteHervor aus des Waldes nächtlichem Ort,Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet MordUnd hemmet des Wanderers EileMit drohend geschwungener Keule.»Was wollt ihr?« ruft er, für Schrecken bleich,»Ich habe nichts als mein Leben,Das muß ich dem Könige geben!«Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:»Um des Freundes willen erbarmet euch!«Und drei mit gewaltigen StreichenErlegt er, die andern entweichen.Und die Sonne versendet glühenden Brand,Und von der unendlichen MüheErmattet sinken die Kniee.»O hast du mich gnädig aus Räubershand,Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,Und soll hier verschmachtend verderben,Und der Freund mir, der liebende, sterben!«Und horch! da sprudelt es silberhell,Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,Und stille hält er, zu lauschen,Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,Und freudig bückt er sich niederUnd erfrischet die brennenden Glieder.Und die Sonne blickt durch der Zweige GrünUnd malt auf den glänzenden MattenDer Bäume gigantische Schatten;Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,Will eilenden Laufes vorüberfliehn,Da hört er die Worte sie sagen:»Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.«Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,Ihn jagen der Sorge Qualen,Da schimmern in Abendrots StrahlenVon ferne die Zinnen von Syrakus,Und entgegen kommt ihm Philostratus,Des Hauses redlicher Hüter,Der erkennet entsetzt den Gebieter:»Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,...
56 Sekunden
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,

geht durch der Glieder angespannte Stille –

und hört im Herzen auf zu sein.
80 Sekunden
Der Zeitgeist

Zu lang schon waltest über dem Haupte mir,

    Du in der dunkeln Wolke, du Gott der Zeit!

          Zu wild, zu bang ist's ringsum, und es

                Trümmert und wankt ja, wohin ich blicke. 

Ach! wie ein Knabe, seh' ich zu Boden oft,

    Such' in der Höhle Rettung von dir, und möcht',

          Ich Blöder, eine Stelle finden,

                Alleserschütt'rer! wo du nicht wärest. 

Laß endlich, Vater! offenen Aug's mich dir

    Begegnen! hast denn du nicht zuerst den Geist

          Mit deinem Strahl aus mir geweckt? mich

                Herrlich ans Leben gebracht, o Vater! — 

Wohl keimt aus jungen Reben uns heil'ge Kraft;

    In milder Luft begegnet den Sterblichen,

          Und wenn sie still im Haine wandeln,

                Heiternd ein Gott; doch allmächt'ger weckst du 

Die reine Seele Jünglingen auf, und lehrst

    Die Alten weise Künste; der Schlimme nur

          Wird schlimmer, daß er bälder ende,

                Wenn du, Erschütterer! ihn ergreifest.
76 Sekunden
Im Frühling

Eduard Mörike

Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel:

Die Wolke wird mein Flügel,

Ein Vogel fliegt mir voraus.

Ach, sag' mir, alleinzige Liebe,

Wo d u bleibst, dass ich bei dir bliebe!

Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,

Sehnend,

Sich dehnend

In Liebe und Hoffen.

Frühling, was bist du gewillt?

Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,

Es dringt der Sonne goldner Kuss

Mir tief bis ins Geblüt hinein;

Die Augen, wunderbar berauschet,

Tun, als schliefen sie ein,

Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,

Ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:

Halb ist es Lust, halb ist es Klage;

Mein Herz, o sage,

Was webst du für Erinnerung

In golden grüner Zweige Dämmerung?

- Alte unnennbare Tage!
46 Sekunden
Heinrich Heine: Und wüssten's die Blumen

Und wüssten's die Blumen, die kleinen,

Wie tief verwundet mein Herz,

Sie würden mit mir weinen,

Zu heilen meinen Schmerz.

Und wüssten's die Nachtigallen,

Wie ich so traurig und krank,

Sie ließen fröhlich erschallen

Erquickenden Gesang.

Und wüssten sie mein Wehe,

Die goldnen Sternelein,

Sie kämen aus ihrer Höhe,

Und sprächen Trost mir ein.

Die alle können's nicht wissen,

Nur Eine kennt meinen Schmerz:

Sie hat ja selbst zerrissen,

Zerrissen mir das Herz.
53 Sekunden
Invictus - William Ernest Henley

Out of the night that covers me, 

Black as the pit from pole to pole, 

I thank whatever gods may be

For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance

I have not winced nor cried aloud.

Under the bludgeonings of chance

My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears

Looms but the horror of the shade, 

And yet the menace of the years 

Finds and shall find me unafraid.

It matters not how strait the gate,

How charged with punishments the scroll, 

I am the master of my fate: I am the captain of my soul.
77 Sekunden
Ein milder Wintertag

An jenes Waldes Enden,

Wo still der Weiher liegt

Und längs den Fichtenwänden

Sich lind Gemurmel wiegt;

Wo in der Sonnenhelle,

So matt und kalt sie ist,

Doch immerfort die Welle

Das Ufer flimmernd küßt:

Da weiß ich, schön zum Malen,

Noch eine schmale Schlucht,

Wo all die kleinen Strahlen

Sich fangen in der Bucht;

Ein trocken, windstill Eckchen,

Und so an Grüne reich,

Daß auf dem ganzen Fleckchen

Mich kränkt kein dürrer Zweig.

Will ich den Mantel dichte

Nun legen übers Moos,

Mich lehnen an die Fichte,

Und dann auf meinen Schoß

Gezweig' und Kräuter breiten,

So gut ich's finden mag:

Wer will mir's übel deuten,

Spiel ich den Sommertag?

Will nicht die Grille hallen,

So säuselt doch das Ried;

Sind stumm die Nachtigallen,

So sing' ich selbst ein Lied.

Und hat Natur zum Feste

Nur wenig dargebracht:

Die Lust ist stets die beste,

Die man sich selber macht.

Annette von Droste-Hülshoff
85 Sekunden
November - Heinrich Seidel

Solchen Monat muß man loben:

Keiner kann wie dieser toben,

keiner so verdrießlich sein

und so ohne Sonnenschein!

Keiner so in Wolken maulen,

keiner so mit Sturmwind graulen!

Und wie naß er alles macht!

Ja, es ist ′ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!

Und die armen welken Blätter,

wie sie tanzen in dem Wind

und so ganz verloren sind!

Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt

und sie durcheinander wirbelt

und sie hetzt ohn′ Unterlaß:

Ja, das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!

Und die Wolken, wie sie spinnen

ihren feuchten Himmelstau

Ur und ewig, trüb und grau!

Auf dem Dach die Regentropfen:

Wie sie pochen, wie sie klopfen!

Schimmernd hängt′s an jedem Zweig,

einer dicken Träne gleich.

Oh, wie ist der Mann zu loben,

der solch unvernüft′ges Toben

schon im voraus hat bedacht

und die Häuser hohl gemacht;

sodaß wir im Trocknen hausen

und mit stillvergnügtem Grausen

und in wohlgeborgner Ruh

solchem Greuel schauen zu.
66 Sekunden
Die Welt unser Traum

Nachts im Traum die Städt’ und Leute,

Ungeheuer, Luftgebäude,

alle, weißt du, alle steigen

aus der Seele dunklem Raum,

sind dein Bild und Werk, dein eigen,

sind dein Traum.

Geh am Tag durch Stadt und Gassen,

schau in Wolken, in Gesichter,

und du wirst verwundert fassen:

Sie sind dein, du bist ihr Dichter!

Alles, was vor deinen Sinnen

hundertfältig lebt und gaukelt,

ist ja dein, ist in dir innen,

Traum, den deine Seele schaukelt.

Durch dich selber ewig schreitend,

bald beschränkend dich, bald weitend,

bist du Redner und Hörer,

bist du Schöpfer und Zerstörer.

Zauberkräfte, längst vergeß'ne,

spinnen heiligen Betrug,

und die Welt, die unermeß'ne,

lebt von deinem Atemzug.
53 Sekunden
Der Sommerregen

Auf einmal ist aus allem Grün im Park

man weiß nicht was, ein Etwas fortgenommen;

man fühlt ihn näher an die Fenster kommen

und schweigsam sein. 

Inständig nur und stark, ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,

man denkt an einen Hieronymus:

so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer

aus dieser einen Stimme,

die der Guss erhören wird.

Des Saales Wände sind

mit ihren Bildern von uns fortgetreten,

als dürften sie nicht hören was wir sagen.

Es spiegeln die verblichenen Tapeten

das ungewisse Licht von Nachmittagen,

in denen man sich fürchtet als Kind.
3 Minuten
Der Handschuh

Vor seinem Löwengarten,

Das Kampfspiel zu erwarten,

Saß König Franz,

Und um ihn die Großen der Krone,

Und rings auf hohem Balkone

Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,

Auf tut sich der weite Zwinger,

Und hinein mit bedächtigem Schritt

Ein Löwe tritt,

Und sieht sich stumm

Rings um,

Mit langem Gähnen,

Und schüttelt die Mähnen,

Und streckt die Glieder,

Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder,

Da öffnet sich behend

Ein zweites Tor,

Daraus rennt

Mit wildem Sprunge

Ein Tiger hervor.

Wie der den Löwen erschaut,

Brüllt er laut,

Schlägt mit dem Schweif

Einen furchtbaren Reif,

Und recket die Zunge,

Und im Kreise scheu

Umgeht er den Leu

Grimmig schnurrend;

Drauf streckt er sich murrend

Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder,

Da speit das doppelt geöffnete Haus

Zwei Leoparden auf einmal aus,

Die stürzen mit mutiger Kampfbegier

Auf das Tigertier,

Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,

Und der Leu mit Gebrüll

Richtet sich auf, da wirds still,

Und herum im Kreis,

Von Mordsucht heiß,

Lagern die greulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand

Ein Handschuh von schöner Hand

Zwischen den Tiger und den Leun

Mitten hinein.

Und zu Ritter Delorges spottenderweis

Wendet sich Fräulein Kunigund:

»Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,

Wie Ihr mirs schwört zu jeder Stund,

Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«

Und der Ritter in schnellem Lauf

Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger

Mit festem Schritte,

Und aus der Ungeheuer Mitte

Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen

Sehens die Ritter und Edelfrauen,

Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.

Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,

Aber mit zärtlichem Liebesblick –

Er verheißt ihm sein nahes Glück –

Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.

Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:

»Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,

Und verläßt sie zur selben Stunde.
2 Minuten
When Great Trees Fall - Maya Angelou

When great trees fall,

rocks on distant hills shudder,

lions hunker down

in tall grasses,

and even elephants

lumber after safety.

When great trees fall in forests,

small things recoil into silence,

their senses eroded beyond fear.

When great souls die,

the air around us becomes 

light, rare, sterile.

We breathe, briefly.

Our eyes, briefly, see with a hurtful clarity.

Our memory, suddenly sharpened,

examines, gnaws on kind words unsaid,

promised walks never taken.

Great souls die and our reality, 

bound to them, takes leave of us.

Our souls, dependent upon their nurture,

now shrink, wizened.

Our minds, formed and informed by their radiance,

fall away. 

We are not so much maddened as reduced 

to the unutterable ignorance

of dark, cold caves.

And when great souls die,

after a period peace blooms,

slowly and always irregularly. 

Spaces fill with a kind of soothing electric vibration.

Our senses, restored, never to be the same, 

whisper to us: They existed. They existed.

We can be. Be and be better. For they existed.

*In memory of my good friend Larry St Onge (1964 - 2021)*
84 Sekunden
Schön ist's, wenn sich Lüfte regen

Im April, eh' Mai erwacht.

Nachtigall und Elster pflegen

Sangs die ganze heit're Nacht.

Will der Morgen dann erscheinen,

Schallt's von neuem fröhlich laut,

Und ein jedes von den Kleinen

Hat sein Weibchen süss und traut.

Und wenn alle Knospen springen,

Alle Erdenwelt sich freut,

Regt sich's auch in mir, zu singen

Von der Liebe Seligkeit;

Und Natur und Sitte geben

Neigung mir zu Lust und Scherz,

Wenn in sanfter Lüfte Weben

Mir so selig wird ums Herz.

Weisser ist sie als Helene,

Schöner als die Knospe zart,

Ihre blendend weissen Zähne

Bergen Worte holder Art.

Reines Herz voll edler Güte,

Frische Wange, blondes Haar -

Gott erhalte diese Blüte,

Die er schuf so wunderbar!

Liess' sie mich ihr Herz erkennen,

All mein Sehnen würde still,

Einmal möcht' ich mein sie nennen

Und noch oftmals, wenn sie will.

Im Vereine woll'n wir ziehen

Oft dann in die Frühlingsau -

All dies Glück kann mir erblühen

Von der holden, schönen Frau.

(Arnaut de Mareuil, 12. Jh., Troubadour der franz. Lyrik)
78 Sekunden
Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel:

Die Wolke wird mein Flügel,

Ein Vogel fliegt mir voraus.

Ach, sag' mir, alleinzige Liebe,

Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!

Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,

Sehnend,

Sich dehnend

In Liebe und Hoffen.

Frühling, was bist du gewillt?

Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,

Es dringt der Sonne goldner Kuss

Mir tief bis ins Geblüt hinein;

Die Augen, wunderbar berauschet,

Tun, als schliefen sie ein,

Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,

Ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:

Halb ist es Lust, halb ist es Klage;

Mein Herz, o sage,

Was webst du für Erinnerung

In golden grüner Zweige Dämmerung?

- Alte unnennbare Tage!