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Verurteilt! Der Gerichtspodcast Archiv

171 Episoden
58 Minuten
Am 15. August 1994 machen Polizisten eine grausige Entdeckung. Sie finden in einer Villa im noblen Frankfurter Westend sechs Leichen. Das Haus ist das Privat-Bordell eines Ehepaares. Die Eheleute und vier Prostituierte starben einen qualvollen Tod. Alle Opfer sind mit Stromkabeln erdrosselt und zum Teil bizarr drapiert worden. Die Kundschaft im Bordell ist handverlesen. Einlass bekommen die Herren aus Geschäftswelt, Politik und Justizkreisen nur auf Empfehlung von Bestandskunden.
1 Stunde 15 Minuten
Am 29. Juni 2001 kehrt Julia Hose aus Biebertal in Mittelhessen nicht mehr nach Hause zurück. Zuletzt war die 9-Jährige auf einem Spielplatz gesehen worden. Es dauert, bis klar wird: Der 33 Jahre alte Thorsten V., ein Nachbar der Familie, hat das Mädchen in seinen Keller gelockt. Dort versucht er vermutlich, das Kind zu vergewaltigen - und erschlägt es. Erst vier Tage nach Julias Verschwinden wird dank aufmerksamer Menschen 80 Kilometer entfernt in der Wetterau die stark verbrannte Leiche von Julia gefunden. Kurz danach versucht Thorsten V., Beweise zu vernichten. Dabei kommt es zu einer schweren Verpuffung in seinem Haus, er zieht sich lebensgefährliche Brandwunden zu, liegt lange im Koma. Seinen Prozess vor dem Landgericht Gießen verfolgt er halb liegend in einem Spezial-Rollstuhl. Im Mai 2003 wird er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
1 Stunde 11 Minuten
Am Ostersamstag 2021 macht ein Ehepaar eine Radtour. Plötzlich reißt der 55-Jährige seine Frau vom Rad und schlägt ihr von hinten mit einem großen Stein auf den Kopf - bis sich die 52-Jährige umdreht und ihn anschreit. Dann hört er auf. Vorbeifahrenden Radfahrern sagt sie, es sei ein Unfall. Doch die Rettungssanitätern glauben das nicht, rufen die Polizei. Sie sollte sterben, damit er mit seiner Geliebten zusammen leben kann ohne das Haus zu verlieren, wird später das Landgericht Darmstadt über die Tat sagen. Die Staatsanwaltschaft hat den 55-Jährigen wegen versuchten Mordes angeklagt. Aber war es das auch?
50 Minuten
Ein ehemaliger Frankfurter Stadtverordneter ist mit seiner Frau auf dem Heimweg von einem feucht-fröhlichen Abendessen. Einer Polizeistreife fällt der Wagen des Paares auf. Am Steuer sitzt der frühere Kommunalpolitiker: ohne Führerschein, dafür mit fast 3 Promille Alkohol im Blut. Der 49-Jährige ist so betrunken, dass der Alkoholtest nicht funktioniert. Deshalb soll er mit ins Polizeipräsidium. Er aber wehrt sich mit viel Geschrei. Seine Frau versucht, die Polizisten zu treten. Mit Verstärkung gelingt es den Beamten schließlich, den renitenten Mann mitzunehmen. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht wollen mit einem Strafbefehl den Fall beenden. Nicht so der Ex-Stadtverordnete und seine Frau. Ende 2021 sitzt der gerichtserfahrene Politiker nebst Gattin auf der Anklagebank. Vermutlich nicht zum letzten Mal.
1 Stunde
Die Berliner Menschenrechtsaktivistin Irmela Mensah-Schramm übersprüht Nazi-Parolen an Hauswänden oder kratzt Aufkleber von Verteilerkästen oder Bushaltestellenhäuschen. Deshalb hat die 75-Jährige auch häufig Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden. Und zwar wegen Sachbeschädigung. Im Dezember 2018 übersprühte sie in Eisenach einen Schriftzug und wurde im Jahr darauf zu 15 Tagessätzen à 70 Euro, also einer Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro, verurteilt. Das hat Irmela Mensah-Schramm aber nicht akzeptiert. Am Ende hat das Oberlandesgericht Jena das Urteil aufgehoben und das Verfahren eingestellt. Begründung: Die Schuld der Aktivistin sei gering, es gebe kein dringendes öffentliches Interesse an der Verfolgung und außerdem seien die Beweise so lückenhaft, dass ein unanfechtbares Urteil wegen Sachbeschädigung nicht möglich sei.
59 Minuten
Im August 2018 stürzt ein 74 Jahre alter Radfahrer bei einem Ausflug in Oberursel bei Frankfurt. Am nächsten Tag schwillt der Hals des Mannes massiv an. Er wird in die zentrale Notaufnahme eines Krankenhauses in Bad Homburg gebracht. Die Ärztin zieht einen Hals-Nasen-Ohrenarzt hinzu. Der Mann, der Blutverdünner einnimmt, wird wieder entlassen - und stirbt kurz darauf zu Hause vor den Augen seiner Tochter und der Ehefrau. Die Staatsanwaltschaft klagt die beiden Ärzte wegen fahrlässiger Tötung an. Das Landgericht Frankfurt stellt jedoch nach einigen Tagen Hauptverhandlung das Verfahren gegen die Ärztin wegen geringer Schuld ein. Auflage: Sie muss an die Witwe 4000 Euro bezahlen. Den HNO-Arzt verurteilt das Gericht im November 2021 zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 700 Euro, also insgesamt 56 000 Euro.
1 Stunde 11 Minuten
Am 8. September 2005 spricht das Frankfurter Landgericht den 36 Jahre alten Fernsehmoderator Andreas Türck vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Nach dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. 10 Tage lang stand Türck vor Gericht, weil er 2002 eine Club-Bekanntschaft auf einer Brücke zum Oralsex gezwungen haben soll. Die 29-Jährige hatte den Fernsehmoderator nicht selbst angezeigt, durch einen Zufall war das Verfahren in Gang geraten. Bei der Polizei hat Türck den Vergewaltigungsvorwurf bestritten, vor Gericht hat er geschwiegen. Zwei Gutachter haben schließlich die Glaubwürdigkeit der 29-Jährigen bezweifelt. Darauf stützte das Gericht seinen Freispruch. Die Vorwürfe hatten die steile Karriere des Moderators abrupt gestoppt. Er hatte bei ProSieben seine tägliche Talkshow. Sein Sender hatte sich sofort von ihm getrennt.
55 Minuten
2000 wird Nadja Benaissa mit der Castingband No-Angels über Nacht berühmt. Zehn Jahre später steht die Sängerin in Darmstadt vor Gericht. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung. Sie soll ungeschützten Sex mit Männern gehabt haben, obwohl sie wusste, dass sie HIV positiv ist, sagt die Staatsanwaltschaft. Nadja Benaissa gesteht im Prozess und wird nach 5 Verhandlungstagen von einem Jugendschöffengericht zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Sie hat bedingt vorsätzlich gehandelt, aber nicht absichtlich, sagt der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Das Gericht attestiert Nadja Benaissa Reue und wertet strafmildernd, dass die Staatsanwaltschaft ihre Infektion öffentlich gemacht hat, nachdem sie vor einem Konzert in Frankfurt festgenommen worden war und dann zehn Tage lang in Untersuchungshaft saß.
59 Minuten
Zwei Autos stehen an einer stark befahrenen Straße in Frankfurt vor einer Baustelle. Als es Grün wird, fährt das vordere Auto nicht schnell genug los. Deshalb wird gehupt. Die Amtsanwaltschaft sagt, ein 53-Jähriger, von Beruf Radiomoderator, der genau dahinter steht, zeigt den Stinkefinger und überholt. Das lässt sich der andere Autofahrer nicht gefallen, folgt ihm bis nach Hause und spricht ihn an. Der Radiomoderator rastet laut Anklage aus und beschimpft den Autofahrer äußerst unflätig. Der zeigt ihn an. Wegen Beleidigung und Bedrohung wird ein Strafbefehl erlassen, doch den will der Radiomoderator nicht akzeptieren. Im Dezember 2021 begegnen sich die beiden Männer in Frankfurt vorm Amtsgericht.
1 Stunde
Im Herbst 2020 will eine 70-Jährige nach dem Einkaufen auf einem Supermarkt-Parkplatz ausparken. Doch hinter ihrem Auto sieht sie Hunde. Sie bittet den Besitzer und seine Freundin, die Hunde beiseitezunehmen. Daraufhin zerrt der 38-Jährige die Frau zweimal aus ihrem Auto, tritt und prügelt auf sie ein. Einer der Hunde geht auf die Frau los, beißt ihr einen Teil des Arms raus und in die Hand. Ein Jahr später steht der Mann in Frankfurt vor dem Landgericht. Er gesteht. Alles. Das erspart der 70-Jährigen die Aussage vor Gericht und verringert seine Strafe. Das Gericht verurteilt ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu 4 Jahren und 3 Monaten.
1 Stunde 2 Minuten
Am 19. Februar 2020 erschießt der 43-Jährige Tobias R. aus rassistischen Motiven neun Hanauer. Danach tötet er seine Mutter, dann sich selbst. 20 Monate später steht sein Vater vor Gericht. Wegen drei Fällen der Beleidigung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe Hinterbliebene der Opfer unter anderem wilde Fremde genannt, ein Spezialeinsatzkommando der Polizei als Terrorkommando bezeichnet und dem Hanauer Oberbürgermeister Wahlbetrug unterstellt. Was dann vor dem Amtsgericht Hanau passiert, ist ziemlich einmalig. Der Angeklagte kommt erst nicht, wird dann mit Gewalt von der Polizei geholt und nutzt schließlich den Prozess als Bühne. Nach rund zwölf Stunden endet die denkwürdige Verhandlung dann doch noch mit einem Urteil: Die Richterin verhängt gegen den 74-Jährigen eine Gesamtgeldstrafe von 5400 Euro.
48 Minuten
Sie kommen mit dem Versprechen auf Sex. Kaum sind die zwei Frauen in der Wohnung des wohlhabenden 50-Jährigen, verschaffen sie einer Dritten Zutritt. Dann stoßen sie ihn zu Boden, obwohl sie wissen, dass er wegen eines Bandscheibenvorfalls ein Korsett trägt. Sie treten den 4 Monate alten Hundewelpen, stehlen einen Saugroboter, zwei Designer-Sonnenbrillen und die beiden Pässe des Mannes. Anschließend zerstören die Frauen ein wertvolles Teleskop und zerschlagen das Geschirr. So steht es in der Anklageschrift, die im September 2021 vor einem Frankfurter Schöffengericht verlesen wird. Darin kommt einiges zusammen: gemeinschaftlich begangener Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Sachbeschädigung. Aber stimmt das wirklich?
1 Stunde 2 Minuten
Anfang 2007 erschlägt Torsten W. seine Großmutter und ihren Lebensgefährten, weil er Geld für seinen bereits gebuchten Skiurlaub benötigte. Die Großmutter wollte ihm diesmal aber nichts geben. Also geht er mit ihr in den Keller und erschlägt die 83-Jährige mit einem Hammer. Damit der 78 Jahre alte Lebensgefährte der Oma ihn nicht verraten kann, muss auch er sterben. Torsten W. nimmt die Kreditkarte der Oma, hebt 1500 Euro für den Skiurlaub ab und fährt nach Tirol ins Zillertal. Doch seine Handydaten, gefundene Kleidung im Altkleidercontainer und ein Foto vom Geldautomaten lenken den Verdacht auf ihn. Im Prozess räumt der Angeklagte Stück für Stück die die Tat ein. Das Landgericht Frankfurt verurteilt ihn Ende August 2007 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, stellt die besondere Schwere der Schuld fest und sieht gleich drei Mordmerkmale: Habgier, Heimtücke und die Ermöglichung einer Straftat.
59 Minuten
Woran starben die drei Babys von Natalija M.? Über Jahre hinweg beschäftigen sich Polizei und Staatsanwaltschaft in Mittelhessen mit dieser Frage. Dreimal wird Natalja. M. Mutter und immer wieder sterben die Kinder nach wenigen Wochen. Plötzlicher Kindstod lautet die erste Diagnose in allen Fällen. Auch die Obduktionen ergeben zunächst keine Auffälligkeiten. Doch ein Gießener Rechtsmediziner bleibt hartnäckig: Dreimal plötzlicher Kindstod ist statistisch nahezu ausgeschlossen. Schon bald richtet sich ein schrecklicher Verdacht gegen die Mutter: Hat Natalja M. ihre drei Kinder umgebracht? Und wenn ja, warum? Das Landgericht Limburg verurteilt sie 2012 wegen Totschlags zu 13 Jahren. Die Staatsanwaltschaft geht in Revison. Im Jahr darauf wird sie wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
47 Minuten
Am 5. Januar 2018 lauert ein 49-Jähriger in Hanau seiner Frau vor deren Wohnhaus auf. Er attackiert die 46-Jährige mit einem Messer. 21 Mal sticht er auf sie ein. Später sagt er, er habe nicht akzeptieren wollen, dass sich die Mutter seiner drei Kinder von ihm trennen wollte. Aus Eifersucht, aus einem übersteigertem Ehrgefühl und verletztem Stolz hat er zugestochen, sagt die Staatsanwaltschaft. Das Opfer hat die Tat überlebt, weil mutige Nachbarn den Mann gestoppt haben, als er auf seine Frau einstach. Eine Zeugin schlug ihm mit der Dachlatte auf den Kopf. Das Frankfurter Landgericht hat den 49-Jährigen zur Höchststrafe verurteilt: Lebenslang wegen versuchten Mordes.