Verurteilt! Der Gerichtspodcast Archiv
171 Episoden
1 Stunde 12 Minuten
Weil er sein eigenes WLAN-Passwort nicht mehr finden konnte, ist ein 57-Jähriger am 16. Juli 2021 durchgedreht. Er hat einen Freund, der ihm helfen wollte, hinterrücks mit einem Fleischklopfer und einem Messer attackiert. Der 44-Jährige hat die schwere Attacke nur knapp überlebt. Die Staatsanwaltschaft Fulda hat darin einen versuchten Mord gesehen. Das Landgericht verurteilte den geständigen Täter im Februar 2022 aber nur zu vier Jahren - und zwar nicht wegen Mordes, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung. Es war laut Urteil ein einmaliger Ausraster, eine Spontantat.
1 Stunde 11 Minuten
Ein altes Ehepaar tyrannisiert jahrzehntelang seine Nachbarn und die eigene Tochter. Es verschickt Drohschreiben, Beleidigungen, dringt in fremde Wohnungen ein. Dann überziehen Hannelore und Dieter L. ihre Nachbarn mit einer Armada von Strafanzeigen. Darunter Bedrohung, Beleidigung, Nachstellung, Hausfriedensbruch und Betrug. Alles frei erfunden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen falsche Verdächtigung und Vortäuschen einer Straftat, aber auch Körperverletzung von April 2016 bis April 2018 vor. Ein Jahr lang verhandelt das Frankfurter Landgericht schließlich gegen die beiden 70-Jährige. Im Sommer 2022 wird das Paar zu je drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und die alten Leute werden noch im Gerichtssaal verhaftet.
1 Stunde 12 Minuten
Am 9. Juli 2014 stirbt die Make-Up-Artistin Hilda L. in ihrer Wohnung in Frankfurt. Erst Tage später wird die 29-Jährige gefunden. Ihr Freund Domenico D. soll sie getötet haben, weil sie herausgefunden hat, dass er gar kein erfolgreicher Vermögensberater ist. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen Mordes an. Ein hochemotionaler Prozess beginnt vor dem Landgericht Frankfurt, in dem zum Teil unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen verhandelt werden muss, weil die Angehörigen des Opfers für Tumulte sorgen. Domenico D. wird 2015 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Doch das Urteil hält nicht, der Bundesgerichtshof hebt es auf. Auch der zweite Prozess wird 2018 unter strengen Sicherheitsvorkehrungen geführt. Es offenbaren sich schwere Fehler der Polizei. Sie führen dazu, dass Domenico D. am Ende nur noch wegen Totschlags zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt wird.
59 Minuten
Sie waren offenbar auf Bomberjacken aus. Aber nicht auf irgendwelche, sondern auf das Original. Und deshalb haben zwei junge Männer einen Mitvierziger angeblich dazu gebracht, zwei dieser Jacken für fast 600 Euro für sie zu bestellen - und sie auch zu bezahlen. Er zeigt sie an, spricht von Schlägen, Quälereien, Bedrohungen, Fesseln und Erpressung. Ihm sei angedroht worden, es werde ihm das Geschlechtsteil abgeschnitten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht einen Anfangsverdacht und ermittelt wegen räuberischer Erpressung. Aber war es wirklich so? Wurde Doninik E. tatsächlich genötigt? Die Staatsanwältin stößt auf einen Vertrag, in dem das Opfer seinen mutmaßlichen Peinigern ein derartig ruppiges Verhalten erlaubt.
1 Stunde 19 Minuten
Der Orthopäden Dr. R. betreibt eine gutgehende Praxis im kleinen Städtchen Höchst im Odenwald. Kurz vor Silvester 1984 brennt die Praxis. Die Feuerwehr findet in den Trümmern die Leiche des Vermieters. Der Arzt gerät in Verdacht. Die Ermittler fragen sich: Musste der Vermieter sterben, weil der Orthopäde mit dem Brand die Versicherung betrügen wollte? Dr. R. hatte Pläne, in eine größere Praxis nach München zu ziehen. Der Orthopäde leugnet hartnäckig. In einem Indizienprozess spricht ihn das Landgericht Darmstadt schuldig. 17 Jahre lang sitzt er im Gefängnis - und beteuert immer seine Unschuld. Nach der Haftentlassung zieht er nach Bayern. Der vorbestrafte Mörder arbeitet dort wieder als Arzt. In der Nähe seines Wohnortes kommt es 2008 zu einem weiteren Mord. Und wieder hat ihn offenbar seine Geldgier zum Mörder gemacht.
1 Stunde 13 Minuten
Anfang 2010 wird auf einen Frankfurter Anwalt geschossen. Lange suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nach Täter und Motiv. Im September 2018 dann die sensationelle Nachricht: Alexander Falk, bekannter Erbe des Stadtplanverlags und Unternehmer, ist an seinem Firmensitz in Hamburg festgenommen worden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen versuchter Anstiftung zum Mord an. Motiv: Der Rechtsanwalt hatte eine Millionenklage gegen ihn vorbereitet. Im Juli 2020 nach langer und konfliktreicher Verhandlung verurteilt das Landgericht Falk zu einer 4einhalb-jährigen Freiheitsstrafe wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung. Aber damit ist der Fall noch lange nicht vorbei...
1 Stunde 5 Minuten
Am 10. Oktober 2010 dreht ein 30 Jahre alter Kunststudent durch. Er fühlt sich bedroht, hört Stimmen, leidet unter Wahnvorstellungen - und er hasst seinen Stiefvater. Der Stiefvater ist ein erfolgreicher Promi-Tierarzt in Frankfurt. In jener Nacht schlägt und sticht der Stiefsohn auf ihn ein. Der schlafende Mann hat keine Chance. Seine Ehefrau findet den sterbenden Mann, ruft noch Rettung und Polizei. Doch der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen. Der Stiefsohn lässt sich widerstandslos festnehmen. Er ist psychisch schwer krank. Ein halbes Jahr nach der Bluttat weist ihn das Landgericht dauerhaft in die Psychiatrie ein. Er ist für die Allgemeinheit gefährlich.
54 Minuten
Im Café Leidenschaft in Frankfurt gibt der Betreiber seiner Mitarbeiterin eine weiße Spraydose. Sie soll die verstaubte Lüftung des Kühlschranks damit reinigen. Aber in der Dose ist kein Reinigungsmittel, sondern ein Duftspray, das extrem entzündlich ist. Die junge Frau sprüht damit in den Kühlschrank, es entsteht ein Gasgemisch. Der Startfunken reicht, um eine schwere Explosion auszulösen. Die Mitarbeiterin erleidet schwere Verbrennungen, ein Gast wird von Scherben eines zerborstenen Fensters getroffen und der benachbarte Friseursalon wird ebenfalls durch die heftige Druckwelle beschädigt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Betreiber fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und fahrlässige Körperverletzung vor. Im August 2022 sehen sich alle vor dem Frankfurter Amtsgericht wieder.
1 Stunde 10 Minuten
Im November 2020 rast ein 40-Jähriger mit seinem 625 PS starken SUV in eine Kurve in der Nähe der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Das Heck bricht bei einer Geschwindigkeit von fast 80 Kilometern in der Stunde aus. Der schwere Wagen erfasst einen 27 Jahre alten Fahrradkurier. Er stirbt. Auch ein 62 Jahre alter Mann wird getötet, der gerade mit seiner stark sehbehinderten Tochter einen Schrank ins Auto lädt. Die 31 Jahre alte Frau wird schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft klagt den Mann, der bereits mehrfach wegen seiner rücksichtslosen Fahrweise aufgefallen ist, wegen Mordes an. Das Frankfurter Landgericht verurteilt ihn nach dreimonatiger Hauptverhandlung zu 8einhalb Jahren wegen eines illegalen Fahrzeugrennens. Und nicht wegen Mordes.
59 Minuten
Aus Rache an seiner getrennt lebenden Ehefrau ermordet ein 44-Jähriger seine beiden Kinder. Der Mann fesselt die 4 und 5 Jahre alten Söhne mit einem Gürtel aneinander und bindet sie auf sein Fahrrad. Nachts stößt er das Rad dann in Frankfurt in den Main. Die Kinder ertrinken qualvoll. Laut Gericht wollte er sich damit an seiner Ehefrau rächen, mit der er um das Sorgerecht gekämpft hat - und die sich gegen seinen Herrschaftsanspruch zur Wehr gesetzt hatte. Deshalb habe er die gemeinsamen Kinder heimtückischen und aus niedrigen Beweggründen getötet. Das Frankfurter Landgericht verurteilt ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellt die besondere Schwere der Schuld fest.
57 Minuten
Auf einer Rasenfläche in einer Wohnanlage in Frankfurt-Praunheim spielen Jugendliche Fußball. Der Ball fliegt auf einen Balkon im ersten Stock. Einer der Jungs klettert über den Balkon eines 70-Jährigen nach oben. Das ärgert den Mann so sehr, dass er zur Eisenstange greift und dem Jungen beim Runterklettern auf den Rücken haut. Dessen drei Kumpels geraten derweil mit der Ehefrau des Mannes in Streit. Daraufhin holt der Mann eine Schreckschusspistole, zielt in die Gesichter der Jungs und schlägt schließlich mit dem Griff zu. Einer wird am Kinn getroffen, die anderen können ausweichen. Die Staatsanwaltschaft klagt den 70-Jährigen deshalb beim Jugendrichter an: wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.
49 Minuten
Maximilian Abel war ein Ausnahmetalent. Er hatte es weit gebracht im internationalen Tenniszirkus. Der gebürtige Frankfurter erreichte 1999 das prestigeträchtige Orange-Bowl-Finale, nachdem er Größen wie Mardy Fish bezwungen hatte. Sein Gegner: die Nummer 1 der Weltrangliste, Andy Roddick. Doch Maximilian Abel hat seine vielversprechende Karriere ruiniert, indem er seine Freunde, Trainingskollegen und Nachbarn bestahl. Er fischte aus ihren Briefkästen Bankunterlagen, EC- und Kreditkarten. Er durchwühlte fremde Trainingstaschen und Spinde. Er prellte Rechnungen in Hotels und betrog Prostituierte. Und immer wieder gelobte er vor Gericht Besserung. Doch er tat es wieder und wieder. Und aus Bewährungsstrafen wurden Gefängnisstrafen. Zuletzt verurteilte ihn das Frankfurter Landgericht in einem Urteil gleich zu zwei Strafen: 4 Jahren und 10 Monaten sowie 1 Jahr und 11 Monate. Jedes Mal wegen gewerbsmäßigem Betrug mit gestohlenen EC- und Kreditkarten.
1 Stunde 2 Minuten
Die 74 Jahre alte Betsy Buckwitz wird brutal in ihrer Königsteiner Wohnung ermordet. Der Täter hat es auf den wertvollen Schmuck der Witwe des ehemaligen Frankfurter Theaterintendanten Harry Buckwitz abgesehen. 19 Jahre fahndet die Polizei vergeblich - dann führen DNA-Spuren zu einem Busfahrer aus dem Taunus. Er bestreteitet die Tat. Vor dem Frankfurter Landgericht erzählt er die Geschichte einer Liebe. Er habe ein Verhältnis mit der Witwe gehabt. Das Gericht glaubt ihm nicht. Es verurteilt den 57-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes aus Habgier.
50 Minuten
Eine Kleinstadt im Taunus mitten in der dritten Corona-Welle. Die Schulen sind für die höheren Klassen noch geschlossen. Zwei Jungs, 15 Jahre alt, machen in einer gehobenen Wohngegend einen Klingelstreich am Haus eines 64-Jährigen. Das ärgert den Mann so sehr, dass er ausrastet. Einen der Jungs schlägt er so heftig ins Gesicht, dass der 15-Jährige gegen eine Baustellenabsperrung prallt. Doch damit nicht genug: Der 64-Jährige zieht ihn am Bein über den Boden. Als der Freund seinem Kumpel helfen will, wird auch er geschlagen. Die Staatsanwaltschaft klagt den Mann wegen Körperverletzung an. Aber war es wirklich so? Im Frühjahr 2022 treffen alle Beteiligten vorm Amtsgericht der gediegenen Kleinstadt aufeinander.
1 Stunde 5 Minuten
Mit einem Gewehr mit Laser-Zielvorrichtung schießt John Ausonius Anfang der 90er Jahre in Schweden auf Migranten. Einen Mann tötet er. Die Medien geben ihm den Namen „Lasermann“. 1994 wird er in Schweden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Kurz bevor er aus der Haft entlassen werden sollte, wird der Lasermann 2017 erneut wegen Mordes angeklagt. Diesmal in Frankfurt. Er soll 1992 die jüdische KZ-Überlebende Blanka Zmigrod erschossen haben, weil sie ihm angeblich einen Taschencomputer mit wichtigen Daten gestohlen hatte. 2018 verurteilt das Frankfurter Landgericht John Ausonius zu lebenslanger Haft und ordnet die anschließende Sicherungsverwahrung an.