International Archiv
100 Episoden
12 Minuten
In Frankreich sind schon tausende «Bar-Tabacs» verschwunden. Verlieren die Dörfer ihre Seele, wenn diese sozialen Treffpunkte schliessen? Frankreichkorrespondentin Zoe Geissler erzählt von ihren Eindrücken in Lothringen und warum sich viele dort von der Hauptstadt im Stich gelassen fühlen.
28 Minuten
Das «Bar-Tabac» ist eine französische Institution - Bar und Tabakladen in einem. Wenn diese Treffpunkte überleben sollen, müssen sie sich weiterentwickeln, sagen die Behörden und investieren in Transformation. Doch liegt die eigentliche Bedeutung nicht gerade darin, dass sie so bleiben «wie früher»? In manchen «Bar-Tabacs» hängt noch der abgestandene Rauch der Vergangenheit, als die Gäste zum wässrigen Café am Tresen selbstverständlich Zigaretten rauchten – und sie einfach auf den Boden warfen, bevor sie die nächsten anzündeten. «Bar-Tabacs» sind legendär, sie dienten als Filmkulisse, wurden besungen in Chansons - nicht wirklich gemütlich, aber entscheidend als sozialer Treffpunkt, der keine Reservierung verlangt und keine Kleiderordnung kennt. Doch die Französinnen und Franzosen rauchen weniger, das Sozialleben in den Dörfern verändert sich, tausende «Bar-Tabacs» sind verschwunden. Sind diese Lokale noch zu retten? Yann Collet, der Patron im «Café du Centre» in Lothringen versucht es mit Diversifizierung. Bei ihm gibt’s neben Bier und Zigaretten nun auch Schweinsbäckchen mit Pommes und Päckliservice. Chunzi Ye, Patronne im «Étincelle» in Paris, setzte auf sanfte Renovation – sie hoffte, der Funke springe so auf die junge Generation über. Und tatsächlich, das «Étincelle» ist bis spätabends voll. «Die Jungen suchen Authentizität», sagt Joao, ein Stammgast. Im «Bar-Tabac» fänden sie sie.
10 Minuten
Solarenergie ist in Spanien auf dem Vormarsch. Doch mit den Anlagen wächst auch die Skepsis, das hat Auslandredaktor Beat Vogt auf seiner Reise durch die Extremadura erfahren. Zu gross, zu hässlich seien sie, heisst es. Manche geben dem Solarstrom gar die Schuld am grossen Stromausfall von 2025.
28 Minuten
Viel Sonne und viel Land: Dank idealer Voraussetzungen für Solaranlagen könnte die westspanische Region Extremadura die Vorzeigeregion für die Energiewende sein. Doch die riesigen Anlagen wecken Widerstand. Und ausgerechnet im Solarparadies kämpfen Dörfer wieder für Atomkraft. In der Extremadura lohnt es sich mehr als anderswo, Solarenergie zu nutzen: die Sonne scheint an gegen 300 Tagen im Jahr. Tatsächlich steht in der Region bereits der grösste Solarpark Spaniens, der bald Strom für rund eine halbe Million Haushalte produzieren wird. Doch viele Einheimische stören sich an den gigantischen Anlagen, sie verschandelten die Natur und nähmen der Landwirtschaft den Raum weg. «Sollen wir künftig Solarpanels essen?», fragt eine Frau aus Almaraz. Sie möchte stattdessen, dass das über 40 Jahre alte Kernkraftwerk in ihrem Dorf noch weiter betrieben werden darf – obschon dessen Schliessung beschlossen ist. Viele Spanierinnen und Spanier würden ihr zustimmen. Die Kernkraft hat wieder stark an Popularität gewonnen. Der Ausbau der Solarenergie geht derweil unvermindert weiter. Ihr Anteil an der spanischen Stromproduktion hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. International – aus der Extremadura, im Spannungsfeld der spanischen Energiewende.
10 Minuten
Rund zehn Prozent aller Tibeterinnen und Tibeter im Exil leben in Nepal. Doch ihr Leben dort ist schwierig, China betrachtet sie als Terroristen. Im Talk erzählt Südasienkorrespondentin Maren Peters wie die tibetische Gemeinschaft überwacht wird und warum kaum jemand darüber reden will.
25 Minuten
Vor knapp 70 Jahren wurde das unabhängige Tibet von China besetzt. Zehntausende Tibeterinnen und Tibeter flohen ins Ausland. Die zweitgrösste Exil-Gemeinde lebt heute in Nepal. Sie hat wenig Rechte und wird streng überwacht. Dahinter steckt China, das die Flüchtlinge als Terroristen betrachtet. Dolma ist frustriert. Die 48-jährige Tibeterin fühlt sich auf Schritt und Tritt überwacht. «Sogar wenn wir nur kleine kulturelle oder religiöse tibetische Feste feiern, sind immer zwei oder drei Polizisten dabei.» Denn die Flüchtlinge sind in Nepal nur geduldet. Dolma, die in Wirklichkeit anders heisst, lebt mit ihrem Mann in einem Flüchtlingslager in der nepalesischen Touristenstadt Pokhara. Vor dem Eingang hängen Überwachungskameras. In dem Lager lebten einmal 900 Menschen, heute sind es nicht einmal mehr halb so viele. Denn viele junge Tibeterinnen und Tibeter, auch Dolmas Töchter, sehen keine Zukunft in Nepal und sind ins Ausland gezogen. Ihr Gastland Nepal weigert sich schon seit den 1990er Jahren, die Tibeterinnen und Tibeter als Flüchtlinge anzuerkennen. Die meisten haben daher keine Ausweis-Dokumente, die Jüngeren nicht einmal eine Geburtsurkunde. Als Folge können sie keine Arbeit finden, kein Bankkonto eröffnen, keinen Führerschein machen und auch nicht reisen, zumindest nicht legal. Die Tibeter werden in Nepal unterdrückt, weil China Angst vor Aufständen hat. Nepal hilft, weil das arme Land abhängig von Chinas Wirtschaftshilfe ist.
13 Minuten
Transnistrien gilt den einen als russisches Einfallstor, andere sehen es als sowjetisches Freilichtmuseum. Im Talk erzählt SRF-Auslandredaktor Janis Fahrländer von seinen Eindrücken aus dem Staat, den es nicht gibt, und wieso der Alltag dort schwieriger wird.
27 Minuten
Die Republik Moldau ist täglich russischen Aggressionen ausgesetzt: Verletzungen des Luftraums, Schäden an der Infrastruktur oder Desinformationskampagnen. Doch Moldau wehrt sich und will endgültig weg von der russischen Einflusszone – hin zur EU. Moldaus Regierung fährt einen kompromisslosen Westkurs. Innert kürzester Zeit hat sie die wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland gekappt und die Abhängigkeit vom russischen Gas beendet. Stattdessen soll das Land bis 2030 EU-Mitglied werden. Eine Mehrheit im Land unterstützt diese Politik. Sie fühlt sich aktiv von Russland bedroht. Denn der Ukraine-Krieg ist in Moldau allgegenwärtig: Sei es durch abgestürzte Drohnen im Grenzgebiet oder Problemen in der Energieversorgung, weil Russland Stromleitungen in der Ukraine angreift. Von der EU erhofft sich das Land besseren Schutz. Doch Russland will dies verhindern. Experten sprechen von einem hybriden Krieg, den das Land gegen Moldau führt. Von Stimmenkauf bis zu Desinformationskampagnen unternimmt der Kreml einiges, um Moldau in der eigenen Einflusszone zu behalten. Russlands Propaganda fällt dabei teilweise auf fruchtbaren Boden. Weiterhin gibt es starke Stimmen im Land, die gegen eine Abkehr von Russland sind. Hinzu kommt noch die abtrünnige Region Transnistrien, die weiterhin stark von Russland abhängig ist. Sie ist einer von mehreren möglichen Stolpersteinen auf dem Weg in die EU.
10 Minuten
Die wegen eines Vulkanes evakuierte isländische Stadt Grindavík soll wiederauferstehen. SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann hat sich vor Ort einige Tage in einem Gästehaus eingemietet. Im Talk erzählt er von den starken Frauen Islands, die im Umgang mit den Naturgefahren den Ton angeben.
27 Minuten
Die Hafenstadt Grindavik wurde wegen eines drohenden Vulkanausbruchs evakuiert. Ein Lehrstück im Umgang mit der Natur. Die Reportage. Grindavik ist eine der wichtigsten Hafenstädte Islands. Ganz in der Nähe liegt die Blaue Lagune, eine berühmte Touristenattraktion. In den letzten zweieinhalb Jahren haben Lava-Ströme grosse Teile des Gemeindegebietes verschüttet. Die Bevölkerung wurde evakuiert. Nun kämpfen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt langsam zurück. Was in Grindavik passiert, könnte für andere Weltregionen lehrreich sein, die ebenfalls mit Naturgewalten zu kämpfen haben. Nach der Evakuierung der Hafenstadt ersetzte der Staat den Gemeinderat durch ein Technokraten-Gremium und kaufte den Evakuierten ihre Häuser zum Marktwert ab: damit sie sich anderswo etwas kaufen konnten. Und der isländische Staat investierte viel Geld in die Erneuerung der beschädigten Infrastruktur in die Hafenstadt, um sie am Leben zu erhalten. Kann die Rückkehr der Bevölkerung nach Grindavik verantwortet werden? Vom Vulkan geht weiterhin Gefahr aus. Die Stadt aufzugeben, würde eine Gemeinschaft für immer zerstören. Noch nie musste in Island eine ganze Stadt evakuiert werden. Der Umgang mit der vulkanischen Gefahr ist deshalb ein Lehrstück für das Land selbst, das sich die Frage stellen muss: Was ist ein akzeptables Risiko?
10 Minuten
Die radikal-islamistischen Taliban haben Afghanistan in einen totalitären Gottesstaat umgewandelt. ARD-Korrespondent Peter Hornung hat das Land besucht und festgestellt, dass es für ihn als ausländischen Journalisten einfacher ist, sich frei im Land zu bewegen als für manche Einheimische.
26 Minuten
Gut vier Jahre nach der Machtübernahme der Islamisten in Afghanistan zeigt sich: Die Taliban sind kein homogener Block. Zwischen dem extremistischen und dem pragmatischeren Lager schwelt ein Konflikt. Die Taliban haben ein neues Afghanistan geschaffen. Das Land am Hindukusch ist im fünften Jahr ihrer Herrschaft deutlich vorangekommen auf dem Weg zu einem totalitären Gottesstaat. Vor allem in den Städten herrscht die Angst, vor den Patrouillen der Sittenpolizei und dem allgegenwärtigen Geheimdienst. Gleichzeitig jedoch wird immer wieder klar: Die Taliban sind keine homogene Gruppe, es gibt deutliche Brüche zwischen den Pragmatikern in der Hauptstadt Kabul und den besonders Radikalen im südafghanischen Kandahar. Dort sitzt nämlich der geheimnisvolle Emir, der die oberste Autorität im Land darstellt. Er hat eine weitgehende Blockade des Internets angeordnet, er verbannt Mädchen von den Schulen und Frauen von den Universitäten. Doch seine Dekrete werden regelmässig von gemässigteren Regime-Vertretern sabotiert. Wohin also steuert das Land der Taliban?
12 Minuten
Seit einer Weile spricht US-Präsident Donald Trump davon, Kuba einzunehmen. Der Inselstaat in der Karibik ist immer noch geprägt von einem revolutionären Sozialismus. Aber auch von Mangel allüberall. Im TALK erzählt Anna Lemmenmeier wie der Alltag der Menschen auf Kuba aussieht.
26 Minuten
Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba waren noch nie konfliktfrei. Doch nun sinniert US-Präsident Donald Trump sogar darüber, Kuba «einzunehmen». Kuba, diesen sozialistischen Inselstaat, auf dem jegliche Revolutionsromantik verblasst und Mangel an allem allgegenwärtig ist. Ein Augenschein. «Der Sozialismus und der Kommunismus sollten verboten werden». Aida hat genug von Propaganda und schönen Worten ihrer Regierung. Denn während Kader der kommunistischen Partei ein angenehmes Leben führen, ist ihr Alltag geprägt von Mangel: Strommangel, Lebensmittelmangel, Medikamentenmangel, und das wenige, dass es zu kaufen gibt, ist viel zu teuer. So wie Aida ergeht es den meisten in Kuba. Die «Perle der Karibik», wie der Inselstaat auch genannt wird, hält für seine Bevölkerung einen harten Alltag bereit. Seit dem de facto Öl-Embargo, das die USA Anfang Jahr über das Land verhängt haben, hat sich die Lage noch verschlimmert. Die Infrastruktur zerfällt weiter, wer laut dagegen aufmuckt, kommt ins Visier der Behörden. Doch die Kubanerinnen und Kubaner sind Meister im Manövrieren des Alltags zwischen Propaganda, Planwirtschaft und Repression. Mit beeindruckendem Pragmatismus, Kreativität und einer gehörigen Portion Humor hoffen sie darauf, dass sich endlich etwas ändert.
12 Minuten
Der Altkleiderberg wächst und wächst. Für «International» hat sich SRF-EU-Korrespondent Charles Liebherr auf Recycling-Höfen durch weggeworfene «Ultra Fast Fashion» aus China gewühlt und Rat gesucht bei cleveren Mode-Schöpferinnen in Brüssel und Paris, die einen Gegentrend setzen wollen.