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Der oekom podcast - Die guten Seiten der Zukunft Archiv

74 Episoden
55 Minuten
Kann ein Fluss eine Person sein? In Aotearoa/Neuseeland ist das so: 2017 erhielt der 300 Kilometer lange Whanganui-Fluss als erstes Ökosystem der Welt die Rechte einer juristischen Person. Der »Te Awa Tupua«-Act beendete einen jahrzehntelangen Streit zwischen den Māori und dem Staat, wem der Fluss »gehört«. Das Gesetz erkennt den Fluss als »unteilbares und lebendiges Ganzes« mit eigenem Wert an: Er gehört von nun an sich selbst. Der »Te Awa Tupua«-Act gilt als Meilenstein des Umweltrechts, und inzwischen haben weitere Ökosysteme in Neuseeland und überall auf dem Globus ähnliche Rechte erhalten – jüngst erstmals auch innerhalb der EU. Wie ist diese umweltrechtliche Pionierleistung entstanden? Wären Rechte der Natur nach neuseeländischem Vorbild auch in Deutschland rechtlich möglich? Sind sie angesichts der sich verschärfenden Klima- und Biodiversitätskrise vielleicht sogar notwendig?
1 Stunde 2 Minuten
Dass der Klimawandel bereits heute unseren Alltag prägt, zeigt sich vor allem in den Städten: Die vielen Gebäude und versiegelten Flächen, die eingeschränkte Luftzirkulation machen aus Städten „Hitzeinseln“, Unwetter führen zu Überschwemmungen ganzer Stadtteile. Wie können Städte in Zeiten des Klimawandels resilienter werden, sich an die neuen Klimabedingungen besser anpassen und zugleich dabei lebenswerter und gerechter werden? Die Sozial- und Kulturwissenschaftlerin Claudia Acklin nimmt uns mit auf eine inspirierende Reise zu Städten, die hierzu innovative, naturbasierte Lösungen entwickelt haben: von Kopenhagen bis Melbourne, von Wuhan über Singapur bis Vancouver. Sie zeigt, dass urbane Transformation gelingen kann, wenn Menschen und Stadtregierungen gemeinsam handeln – mit und für die Natur.
Ein Podcast für alle, die an eine nachhaltige, faire und blühende Stadt von morgen glauben.
1 Stunde 14 Minuten
Europa hat schon bessere Zeiten gesehen: Polarisierte Gesellschaften, Rechtsextreme auf dem Vormarsch, veraltete Strukturen – Es wird Zeit, Europa neu zu erfinden und mit unerhörten Ideen neu zu beleben. Diesem Ziel haben sich die beiden Europa-Aktivist:innen Katja Sinko und Peter Jelinek verschrieben. Beide blicken anders auf Brüssel als die meisten von uns. Wo andere in der EU nur ein lästiges „Bürokratiemonster“ sehen, erkennen sie die Potenziale für uns alle. Etwa durch die Einführung einer kostenlosen EuropaCard für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, durch ein „Recht auf Natur“, das uns freien Zugang zur Natur gewähren soll, oder ein „Recht auf Auszeit“, um Europa zu erleben und sich fortzubilden. Dass keine ihrer „unerhörten Ideen“ utopisch ist, verdeutlichen konkrete Beispiele aus Luxemburg, Estland oder Schweden. Sie lassen hoffen: Europa kann das Leben von Millionen Menschen besser, fairer und lebenswerter machen.
41 Minuten
Wir recyceln, kaufen »klimaneutral« ein und vertrauen darauf, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsversprechen halten. Doch nicht jede „grüne“ Werbeaussage hält, was sie verspricht. „Greenwashing“ ist eher die Regel als die Ausnahme. Ein aktueller Greenpeace-Report deckt auf, wie die Industrie systematisch Politik und Verbraucherschaft mit leeren Versprechen und »freiwilligen Selbstverpflichtungen« ruhigstellt – und sich über ihre Lobbyarbeit längst Einfluss auf politische Entscheidungen gesichert hat. Greenwashing ist nicht nur irreführende Werbung – es ist ein lukratives Geschäftsmodell und Milliardenbusiness. Denn statt Umweltschutz zu betreiben, ist es billiger, ihn vorzutäuschen. Welche Strategien der Täuschung, aber auch politischen Einflussnahme stecken hinter Greenwashing? Welche tiefgreifenden Veränderungen bräuchte es, um Greenwashing zurückzudrängen und durch glaubwürdiges, wirksames Handeln zu ersetzen?
50 Minuten
Noch sind Europas Äcker weitgehend gentechnikfrei – doch das könnte sich bald ändern. Die EU plant die weitgehende Deregulierung von Pflanzen, die mithilfe Neuer Gentechnik hergestellt wurden. Sie sollen ohne jegliche ökologische und gesundheitliche Risikoprüfung und ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen. Doch wie sicher ist die „Neue Gentechnik“ wirklich? Welche Kriterien für deren „Unbedenklichkeit“ liegen dem Gesetzesvorschlag zugrunde? Und was würde es für uns alle (aber auch für die Natur) bedeuten, wenn die Vorgaben der EU-Kommission wie geplant umgesetzt würden? Werden Vorsorgeprinzip und Wahlfreiheit dann den Interessen einiger weniger Gentechnikkonzerne geopfert? – Eine kritische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Vorschlag der EU-Kommission, der Neuen Gentechnik den Weg auf die Äcker Europas zu ebnen.
1 Stunde 6 Minuten
Künstliche Intelligenz ist inzwischen allgegenwärtig: Wir lassen uns Texte von ihr übersetzen, ganze Referate schreiben, Staus vorhersagen und Bilder generieren. Alles in rasantem Tempo und mit z.T. verblüffenden Ergebnissen. Die Wildbiologin Frauke Fischer erklärt, wie mittlerweile auch im Naturschutz KI eingesetzt wird – etwa beim Monitoring von Tierarten, der Analyse von Tierstimmen oder der Früherkennung von Umweltveränderungen. Anhand konkreter Beispiele illustriert sie, wie digitale Technologien helfen können, Ökosysteme besser zu verstehen und die biologische Vielfalt zu schützen. Die Natur selbst braucht zwar keine App und keine KI. Aber wir Menschen brauchen die Natur – und die Hilfe von KI, um die Natur (vor uns) zu schützen.
58 Minuten
Milliarden fließen in Panzer und Raketen, doch vor der wahren Bedrohung verschließt Europa die Augen: die fatale Abhängigkeit von Energieimporten aus Krisenregionen und erpresserischen Regierungen. Mehr als 90 Prozent von Europas Öl und Gas stammen aus dem Ausland – aus autoritären Regimen wie Russland und Katar oder den unberechenbaren USA unter Donald Trump. So entstehen doppelte Risiken: Europa macht sich erpressbar – und stärkt gleichzeitig autoritäre Regime. Doch trotz der bitteren Lektionen aus Putins Angriffskrieg und Trumps Erpressungspolitik halten Berlin und Brüssel an fossilen Geschäften fest und torpedieren gleichzeitig die Energiewende, die allein uns unabhängiger machen könnte. Denn Sicherheit ohne Energiewende ist eine Illusion.
49 Minuten
Moore sind nicht nur faszinierende Lebensräume und Heimat seltener Pflanzen und Tiere. Sie speichern in ihren über Jahrtausenden gewachsenen Torfböden auch mehr Kohlenstoff als jedes andere Landökosystem der Welt – aber nur, solange sie nass und als Feuchtgebiete intakt sind. Das sind in Deutschland aber nur noch ganz winzige Moorflächen. Über 90 Prozent der Moore sind mittlerweile großflächig entwässert, um sie land- und forstwirtschaftlich zu nutzen. Mit entsprechend fatalen Folgen für den Klimaschutz. Deshalb ist es heute wichtiger denn je, Moore zu erhalten und ehemalige Moorgebiete wieder zu vernässen. Doch wie kann das gelingen und wo stehen wir in diesem Prozess?
57 Minuten
»Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Elitenprojekte auf Kosten des Volkes.« – Narrative wie diese sind zunehmend Teil rechtspopulistischer Argumentation. Sie richten sich gegen jede Form ambitionierter Umwelt- und Klimaschutzpolitik und zielen darauf ab, diese zu delegitimieren. In dem Podcast werden zentrale rechtspopulistische Narrative im Bereich der Umwelt- und Klimapolitik analysiert. Einige von ihnen haben eine hohe Anschlussfähigkeit für breite Teile der Bevölkerung und wirken bereits bis in die sog. »gesellschaftliche Mitte« hinein. Wie ist dem zu begegnen – kommunikativ, aber auch politisch?
36 Minuten
Die Klimakrise duldet keinen Aufschub – doch sind die Lösungen der sog. „Energiewende“ wirklich nachhaltig? Während Europa, Nordamerika und Asien auf erneuerbare Energien, Elektroautos und Wasserstoff setzen, bleibt eine unbequeme Wahrheit verborgen: Diese Wende basiert auf dem massiven Abbau strategischer Rohstoffe im Globalen Süden. Unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit entstehen neue Ungerechtigkeiten – für Mensch und Umwelt. In dem Vortrag werden die Schattenseiten dieser Entwicklung aufgezeigt. Mit Stimmen aus dem Globalen Süden beleuchtet die Referentin, wie grüner Kolonialismus Ressourcen ausbeutet, bestehende Abhängigkeiten vertieft und wirklich nachhaltige Alternativen verdrängt. Sie analysiert die geopolitischen Verflechtungen der Energiewende und zeigt, dass eine klimagerechte Zukunft nur mit globaler Gerechtigkeit möglich ist.
46 Minuten
[28. August 2025] Die Coronapandemie hat uns eine klare Lektion erteilt: Gesundheit ist wertvoller als bloßes Wirtschaftswachstum. Fürsorge und Sorgearbeit (»Care«), die der Gesundheit dienen, bilden die Grundlage allen Lebens und Zusammenlebens. Doch diese Lektion droht in Vergessenheit zu geraten. Zumal eine »Ökonomie der Fürsorge« dem kapitalistischen Streben nach Effizienz und Arbeitsproduktivität widerspricht. Denn »Zeit ist Geld« – da bleibt nicht mehr viel Platz für zeitaufwendige Sorgearbeit. Tätigkeiten der Fürsorge, die Zeit weil Aufmerksamkeit benötigen, werden zu »Bürgern zweiter Klasse«. Sie führen gleichsam ein Schattendasein: konstant unterbezahlt, geringgeschätzt, entwertet und »feminisiert«. Wie sähe demgegenüber eine grundlegende Neuausrichtung unseres Wirtschaftssystems aus, die endlich Menschen und ihre Gesundheit über das Streben nach Profit stellt? Health statt wealth!
42 Minuten
[16. Juli 2025] Fürsorge ist die Grundlage allen Lebens: Kinder großziehen, Angehörige pflegen, sich um den Haushalt kümmern, Trost spenden, Zuhören, einfach „da“ sein – all das sind Formen der Fürsorge, von Sorge- oder Care-Arbeit. Sie sind ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft und des menschlichen Miteinanders. Fürsorge bzw. Care-Arbeit halten unsere Gesellschaft am Laufen. Und doch bleiben sie unsichtbar, werden schlecht oder gar nicht bezahlt und sind meist weiblich und marginalisiert. Obwohl Fürsorge für alles Leben so unerlässlich ist, dass sie selbst in unseren Instinkten tief verwurzelt ist, wird sie durch ökonomische Interessen und gesellschaftliche Konventionen immer wieder außer Kraft gesetzt bzw. entwertet. Wie sind wir in diese dysfunktionale Situation geraten? Was würde es bedeuten, Fürsorge ganz oben auf die gesellschaftliche Agenda zu setzen – allem voran die Sorge um den Erhalt und die Wiederherstellung von Gesundheit und gesunden Lebensverhältnissen?
45 Minuten
Das Bild vom Blauen Planeten, das sich den ersten Astronauten bei ihrem Flug zum Mond bot, ist zur Ikone unserer Zeit geworden. Wie ein kreisrunder Juwel schwebt die Erde als unser Heimatplanet inmitten der Weite des unermesslichen, pechschwarzen Weltraums – vermutlich einzigartig. Denn für die Entstehung von komplexem Leben müssen viele günstige Faktoren zusammenkommen. Die Erde – ein planetarischer »Glücksfall«. Können wir aus dieser astronomischen Perspektive Lösungswege für die Probleme auf unserer Erde ableiten, allem voran der globalen Klimakrise? Dr. Leonard Burtscher, ist diesen weiten Weg von der Astronomie und der Erkundung des Weltalls zur „Erdpolitik“ auch persönlich gegangen: Der Physiker wurde am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg promoviert und forschte in Garching und Leiden (Niederlande). 2019 war er Mitgründer von »Astronomers for Planet Earth«: eine internationale Graswurzelbewegung von Studierenden, Amateuren und Wissenschaftler:innen, die die Klimakrise aus astronomischer Sicht angehen. Seit September 2022 arbeitet Leonard Burtscher als Referent für Energie- und Klimapolitik am Umweltinstitut München e.V.
59 Minuten
Die Landwirtschaft leidet unter der Klimakrise, trägt aber auch maßgeblich zu ihr bei. Dabei spielt die Tierhaltung eine entscheidende Rolle. Bis zu einem Drittel aller anthropogenen Treibhausgasemissionen entstammen den globalen Ernährungssystemen – allein auf die Tierproduktion gehen 12 % bis 20 % aller Emissionen zurück. Fachleute sind sich einig: Ohne eine deutliche Reduktion der Tierhaltung wird es keine effektiven Klimaschutz geben. Doch wie könnte der notwendige Wandel zu einer stärker pflanzenbasierten Ernährungsweise konkret gestaltet werden?
42 Minuten
Die Repressionen gegen die Klimabewegung nehmen zu. Angefangen bei der polizeilichen Praxis über Strafverfolgung und Präventivhaft bis hin zu Beschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Begleitet und angefeuert von sprachlichen Diffamierungen in den Medien und dem Versuch einiger Politiker:innen, weite Teile der Klimabewegung zu kriminalisieren („Klimaterroristen“) – statt sich mit deren berechtigen Forderungen konstruktiv auseinanderzusetzen. Alles in allem eine Gefahr für Klimaschutz und demokratische Teilhabe gleichermaßen. Was sind die Auslöser dieser Entwicklung, welche neuen Gefahren drohen und warum muss die Zivilgesellschaft gestärkt statt weiter geschwächt werden?