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Auf den Tag genau Archiv

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6 Minuten
Wie lässt sich der Straßenverkehr regeln, damit er etwa an Kreuzungen sicherer und effizienter abläuft, wie lassen sich Übergangsstellen für Fußgänger schaffen? Der Direktor des New-Yorker Verkehrswesens kam im Juli 1922 nach Berlin um eine bahnbrechende Idee vorzustellen: Steuerung des Verkehrs durch Lichtsignale. Seine „Ampeltürme“ sollten auch in Berlin ausprobiert werden. Das Berliner Tageblatt berichtete in ihrer Ausgabe vom 25. Juli interessiert darüber und im Aufnahmestudio gibt es grünes Licht für Frank Riede.
5 Minuten
Bayern war während der Weimarer Jahre zweifellos so etwas wie der ‘weiche Bauch‘ der Republik. Nicht nur, wie überall in Deutschland, antidemokratische Kräfte, sondern zusätzlich auch separatistische Strömungen destabilisierten den Freistaat dauerhaft und darüber mittelbar immer auch das Reich. Auch die 1922 nach dem Attentat auf Walther Rathenau erhobenen Verordnungen zum Schutz der Republik fanden in Bayern keine Mehrheit, weshalb das Kabinett des Ministerpräsidenten von Lerchenfeld in eine schwere Regierungskrise schlitterte und Sorgen vor einem Staatsstreich die Runde machten. Das Berliner Tageblatt vom 24. Juli zitiert, was die bayerischen Tageszeitungen dazu verlautbarten. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Sommerzeit ist eigentlich und war auch schon vor einhundert Jahren Theaterferienzeit, aber das galt selbstverständlich nie für alle. Wo heutzutage mit der Spielzeitpause der Stadt- und Staatstheater vor allem die Stunde der Freiluft- und Off-Ensembles schlägt, hatten früher die Boulevardbühnen im Sommer die Aufmerksamkeit des Publikums weitgehend für sich. Der französische Autor Victorien Sardou ist uns heute überwiegend nur mehr als Librettist von Jacques Offenbach und als Stichwortgeber für Giacomo Puccinis Tosca ein Begriff. Er hinterließ jedoch auch etliche Lustspiele und Dramen für die Sprechbühne, von denen eines, Fedora (seinerseits die Vorlage für die gleichnamige Oper von Umberto Giordano) 1922 nach längerer Zeit mal wieder in Berlin gegeben wurde. Was die Berliner Volks-Zeitung vom 23. Juli von dieser Wiederentdeckung hielt, weiß Frank Riede.
5 Minuten
„Kühles Blondes“ als Bezeichnung für ein Bier hat unverkennbar eine sexistische Note. Um die geht es im Artikel vom 22. Juli aus dem Vorwärts nicht, sondern um das Verhältnis der Berliner zu verschiedenen Biersorten und zum eigentlichen Bier der Stadt: der Berliner Weißen, die wohl gar nicht in Berlin erfunden worden ist. Paula Leu betätigt sich für uns als Bierhistorikerin.
4 Minuten
Nicht alle werden es wissen, aber Berlin ist bis heute eine veritable Blutwurst-Metropole! Gegen die vermeintlich übermächtige Konkurrenz der französischen Charcuterien hat eine alte Neuköllner Manufaktur in den vergangenen Jahren gleich mehrfach den begehrten Europameistertitel davongetragen und setzt damit, wie wir aus der Berliner Volks-Zeitung vom 21. Juli 1922 erfahren, eine lange berlinische Tradition fort. Damals freilich ging es noch nicht um gastronomische Trophäen und auch nicht um Nachhaltigkeit bei der Tierverarbeitung aus ökologischen, sondern aus sehr handfesten sozialen und ökonomischen Gründen, die mitunter in Nachkriegsjahren auch alte jahreszeitliche Gewohnheiten über den Haufen warfen. Das Wort hat Paula Leu.

Skorbut

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Beim Stichwort Skorbut denken wir an durch Mangelernährung gepeinigte Besatzungen der Segelschiffe von Weltendeckern oder von Piraten. Für die medizinischen Korrespondenten der Vossischen Zeitung vom 20. Juli 1922 drohten Ausbrüche von dieser Vitaminmangelkrankheit auch auf dem Festland bei der immer noch unterernährten Bevölkerung. Frank Riede warnt zusammen mit ihnen die Politik vor einer möglichen Epidemie.
5 Minuten
In ihren Anfängen im späten 18. und 19. Jahrhundert war die Archäologie naturgemäß noch weit davon entfernt, als moderne Wissenschaft praktiziert zu werden. Ihre Pioniere waren häufig – wie etwa Heinrich Schliemann – Seiteneinsteiger, die die Begeisterung für die Antike ihre bürgerlichen Berufe aufgeben und die Erde aufreißen ließ. Der Engländer Arthur Evans wurde zwar bereits in eine Archäologenfamilie hineingeboren. Seine Ausgrabung des berühmten minoischen Palastanlage Knossos unweit der der kretischen Hauptstadt Iraklion gilt wegen der anschließenden eigenwilligen Rekonstruktion, die Evans vornahm, heute gleichwohl als Kuriosum – freilich als ein sehr publikumswirksames. Das ahnte auch schon die Berliner Börsen-Zeitung vom 19. Juli 1922, aus der für uns Paula Leu liest.
4 Minuten
„In den Zeiten des Verrats sind die Landschaften schön", heißt es in einem Gedicht von Heiner Müller. Tatsächlich versteckten sich die beiden Rathenau-Mörder Erwin Kern und Hermann Fischer nach der Tat in einer der wohl lieblichsten deutschen Landschaften auf einer Burg im Saaletal, wo ein Netz aus Helfern sie wochenlang deckte und anscheinend nur ein Zufallshinweis sie doch auffliegen ließ. Im Artikel aus der B.Z. am Mittag vom 18. Juli 1922 ist noch von einem dem polizeilichen Zugriff zuvorkommenden Doppelselbstmord der beiden Rechtsterroristen von der Organisation Consul die Rede. Heute weiß man, dass nur Fischer sich selbst richtete, während Kern – der auch ein Mitglied der nach dem Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt benannten Marine-Brigade-Ehrhardt war – wohl doch bei einem Schusswechsel mit Kriminalbeamten ums Leben kam. Es liest Frank Riede.
3 Minuten
Woran könnten auf die Straßenbahn Wartende interessiert sein? Dach über dem Kopf? Zeitung kaufen? Vielleicht sonst etwas erwerben? Oder Telefonieren? Ein Geschäftsmann beantwortete alle diese Fragen mit „Unbedingt!“ und schloss einen Vertrag mit den Verkehrsbetrieben, Wartehallen an Verkehrsknotenpunkten zu erbauen, die genau dies ermöglichen sollten. Die DAZ berichtet in ihrer Ausgabe vom 17. Juli darüber, für uns präsentiert Frank Riede diese unternehmerische Vision.
6 Minuten
Heute gehen wir mit der Berliner Börsen-Zeitung vom 16. Juli 1922 zu den Filmpremieren ins Kino. Ein Programm mit vier kürzeren Charlie-Chaplin Filmen regt den Rezensenten zu der zeitlosen Reflexion an, was Chaplins Komik so einzigartig macht. Ein weiterer Film mit besonderen lebendigen Schauwerten wird mit sog. Schwedenfilmen verglichen - nach dem kriegsbedingten Wareneinfuhrverbot kamen 1921/22 innerhalb kürzester Zeit 20 abendfüllende skandinavische Produktionen in die deutschen Kinos, die rasch als besonders künstlerisch und ästhetisch Wertvoll angesehen wurden, weshalb “Schwedenfilm” zu einem Qualitätslabel wurde. Und schließlich bespricht der Kritiker einen Film, der offensichtlich zu der „Stangenware“ der Zeit gehörte. Für uns war Frank Riede in den Filmpalästen.
5 Minuten
Das Verhältnis des Vatikan zum Staat Israel gilt seit eh und je als kompliziert; erst seit 1994 unterhält man überhaupt diplomatische Beziehungen. Streitpunkt zuvor waren lange der Status von Jerusalem und die Kontrolle über die heiligen christlichen Stätten, und dieser Konflikt reicht, wie unser heutiger Artikel aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 15. Juli 1922 belegt, sogar bereits weit in die britische Mandatszeit über Palästina zurück. Schon damals wollte Rom im ‘Heiligen Land‘ gerne mitreden und beobachtete alle britisch-zionistischen Annäherungsversuche mit Argwohn. Von den Muslimen im Land ist in dem Artikel nur wenig die Rede, und wenn, dann in heute nicht mehr gebräuchlicher Terminologie. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Man kennt das Phänomen auch aus unseren Tagen: Kaum ist eine berühmte Autorin, ein berühmter Autor gestorben, wird eilig ihr Nachlass geplündert und jede noch so beiläufige Zeile zur postumen Veröffentlichung gebracht. Walther Rathenau war zwar nicht hauptberuflich schriftstellerisch tätig; als echter Workaholic fand er neben seinen fordernden Betätigungen als Staatsmann und als Wirtschaftskapitän gleichwohl auch noch Zeit, sich ausführlich schriftlich zu verschiedensten Fragen des Weltgeschehens zu äußern. Für die Berliner Volks-Zeitung war es insofern durchaus ein Coup, am 14. Juli 1922, also knappe drei Wochen nach dem verheerenden Attentat auf Rathenau, bislang noch unveröffentlichte Aphorismen von ihm erstmals einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Frank Riede bringt sie zur Anhörung.
4 Minuten
Wird man immer informiert, ob ein Zoom-Call aufgezeichnet wird? Sagt man immer „Nein“, wenn man nicht einverstanden ist, dass bei einer Hotline der Anruf zu Trainingszwecken aufgezeichnet wird? Fragen, mit denen sich offensichtlich auch schon Telephonist_innen 1922 beschäftigen mussten, wenn auch unter anderen technischen Vorzeichen. Die Berliner-Börsen Zeitung jedenfalls ist ganz begeistert ob der Möglichkeiten des neuen „Telegrapohons“, das es in der Ausgabe vom 16. Juli vorstellt. Paula Leu zeichnet auf.
7 Minuten
Auch beinahe drei Wochen nach der Ermordung Rathenaus jagte die Polizei die beiden Mörder, die die tödlichen Schüsse aus dem vorbeifahrenden Auto abgegeben, bzw. die Handgranate geworfen hatten. Eine Sichtung von beiden bei Gardelegen in Sachsen-Anhalt führte zu einer großräumigen Einkreisung durch Polizeikräfte. Die Bevölkerung war zur Mitarbeit aufgerufen. Das nach dem Druckerstreik erstmals wieder erscheinende Berliner Tageblatt vom 12. Juli berichtet über den Stand der Verfolgung und vermutet, dass die Täter durch Falschaussagen aus der Bevölkerung geschützt würden. Frank Riede liest.
5 Minuten
Die Sozialdemokratie der Weimarer Republik gehörte mit Sicherheit zu den Kräften, die für Frauenrechte kämpften und etwa das Frauenwahlrecht begrüßten. Jedoch wurde sie immer wieder davon überrascht, dass die mit diesem Recht ausgestatteten Frauen dann Parteien wählten, die ihnen dieses Recht am liebsten wieder wegnehmen würden. Mit diesem Phänomen befasst sich der Vorwärts vom 11. Juli 1922 bei der Analyse der holländischen Wahlen. Für uns wundert sich Paula Leu mit.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren