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Auf den Tag genau Archiv

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6 Minuten
Die Spezialdisziplin mit dem Namen Porträtforschung versucht, sich mithilfe von erhaltenen Büsten, Reliefs, Abbildungen auf Münzen, die sie mit schriftlichen Beschreibungen kombiniert, etwa dem Aussehen des Gaius Julius Ceasar anzunähern. Das Objekt des Interesses muss aber gar nicht vor Tausenden von Jahren gelebt haben. Zwei Jahre vor den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Immanuel Kant begann man, alle erreichbaren Bildnisse von ihm zusammenzutragen, um sich ein physisches Bild von ihm zu machen. Und schon bei Kant, 120 Jahre nach dessen Tod, zeigt sich, wie Paula Leu zusammen mit der Berliner Börsen-Zeitung vom 9. August 1922 zu berichten weiß, dass man sich gar nicht so sicher ist, wie er wirklich ausgesehen hat.
5 Minuten
Es gibt Fragen, die seit jeh her das Potential haben, aus friedlichen Nachbarn eine zerstrittene Meute zu machen. Scheinbar kleine Probleme, sie zum ultimativen (und wörtlichen) Zankapfel werden. „Wem stehen die Früchte von Bäumen zu, die über die Grundstücksgrenze reichen?“, ist solch eine Frage. Daher überrascht weder, dass sich die Jurisprudenz ausführlich mit dieser Frage beschäftigt, noch die Service-Leistung des Friedenauer Tageblatts, das am 8. August 1922 einen Abriss über den rechtlichen Stand zu dieser Frage gibt. Frank Riede hält uns auf dem Laufenden.
5 Minuten
Regelmäßige Leser des Goldenen Blattes und Zuschauerinnen des NDR werden es wissen: Die amtierende Königin Silvia von Schweden, geborene Sommerlath aus Heidelberg, ist bei weitem nicht die erste schwedische Monarchin deutscher Abstammung. Zu ihren zahlreichen Vorgängerinnen aus dem ‘Süden‘ zählte u.a. vor einhundert Jahren Viktoria von Baden, Ehefrau des damaligen schwedischen Regenten Gustav V. und Urgroßmutter von Silvias Mann Carl XVI. Gustaf, und auch schon damals war dieser Umstand der hiesigen Presse den einen oder anderen Seitenblick wert. So etwa am 7. August 1922, als die Deutsche Allgemeine Zeitung der Landsfrau im Stockholmer Schloss, die freilich längst getrennt von ihrem Mann die meiste Zeit in Rom lebte, herzlich zum 60. Geburtstag gratulierte. Mitgefeiert für uns hat Paula Leu.
4 Minuten
Zu den vielen schrecklichen ‘Erbstücken‘ des Ersten Weltkriegs zählte auch der Luftkrieg. Erstmals in einer großen militärischen Auseinandersetzung waren, neben Zeppelinen, Jagdflugzeuge zu einem wesentlichen Faktor der Kriegsführung geworden, der, heute fast vergessen, zahlreiche auch zivile Opfer bereits damals forderte. Dass dies indes nur der furchtbare Anfang war, ahnten bereits die Zeitgenossen. Der niederländisch-deutsch-amerikanische Flugzeughersteller Anton Herman Gerard Fokker sah als vielleicht erster sehr klar voraus, dass die Kriege der Zukunft im Wesentlichen aus der Luft entschieden würden, und warb, wie wir der Berliner Morgenpost vom 6. August 1922 entnehmen können, an allen Fronten um entsprechende Aufrüstung. Es liest Frank Riede.
3 Minuten
Dass Drehort und Handlungsort bei Spielfilmen, auch was große Außenaufnahmen betrifft, nicht immer zusammenfallen, ist eine Binse. Schon lange vor dem Ukrainekrieg beispielsweise drehte man westliche Streifen kaum je in Moskau, sondern wich aus finanziellen und vielfältigen logistischen Gründen bevorzugt nach Berlin aus – der Stalinallee, heute Frankfurter Allee, sei Dank. 1922 gab es diese noch genauso wenig wie ihre Moskauer Vorbilder. Dennoch, erfahren wir aus dem Berliner Börsen-Courier vom 5. August, doubelte die deutsche auch schon damals gelegentlich die russische Metropole, und das in diesem Fall ausgerechnet an ihrem westlichsten Punkt: in Staaken! Für uns vor Ort war Paula Leu.
5 Minuten
„Wir enden tragisch und leiden ein Martyrium, wenn wir die Zukunft zu früh in die Gegenwart hineintragen wollen.“ So wird Minna Cauer zitiert, die Vorkämpferin der Frauenrechte in Deutschland, die im Alter von achtzig Jahren am 3. August 1922 in Berlin verstarb. Zu ihren Lebensprojekten gehörte das Frauenwahlrecht, die Unterstützung lediger Mütter, die freie Berufswahl der Frauen und das journalistische Organ „Die Frauenbewegung“, um publizistisch für diese Themen zu werben. Eigentlich im Bürgertum verwurzelt, gab sie in ihren letzten Lebensjahren die Hoffnung auf die bürgerlichen Parteien auf, denen der Mut zum Fortschritt fehlte und näherte sich der Sozialdemokratie an. Zahlreiche Zeitungen widmeten ihr Nachrufe. Frank Riede liest für uns den entsprechenden Text aus der Berliner Morgenpost vom 4. August.
6 Minuten
Nicht nur in Deutschland stand die junge Republik im Sommer 1922 unter schwerem Druck. Noch dramatischer stellte sich die Situation damals in Italien dar. Dass die parlamentarische Demokratie dort vor dem Zusammenbruch stand; dass sich die beiden großen Blöcke, Sozialisten und Faschisten, unversöhnlich auf eine bürgerkriegsähnliche Konfrontation zubewegten; dass die Faschisten, im Unterschied zu den Sozialisten, in großer Zahl bewaffnet waren und dass mit deren Machtübernahme entsprechend kurzfristig gerechnet werden musste, war Anfang August offenbar bereits weithin absehbar. Das Neuköllner Tageblatt im fernen Berlin sah die Entwicklung bis hin zum sogenannten ‘Marsch auf Rom‘ jedenfalls schon am 3.8. ziemlich präzise voraus. Es liest Paula Leu.
4 Minuten
Südfrankreich ist reich an alten römischen Theatern und Arenen. Was läge also näher, als sie des Sommers in lauen Nächten künstlerisch zu bespielen? Nichts, lautete die Antwort auch schon vor einhundert Jahren, und so machte sich damals sogar das Ensemble der altehrwürdigen Comédie Française auf und tourte durch den Midi. Mit dabei war zeitweise offensichtlich auch ein Journalist der Londoner Times, dessen Bericht über den Ödipus des Sophokles in Nimes wiederum der Berliner Börsen-Zeitung vom 2. August 1922 eine kurze Nachricht wert ist. Für uns liest diese: Frank Riede.
6 Minuten
Die Bemühungen, die in der Verschiebung von Wassermassen durch Ebbe und Flut enthaltene Energie zu nutzen, reicht weit in die Geschichte zurück. Bereits im 17. Jahrhundert wurden am Ärmelkanal von den Gezeiten angetriebene Mühlen erbaut. Die Umwandlung des Tidenhubs in elektrische Energie ist, so steht es in den einschlägigen Artikeln, seit der Eröffnung des Kraftwerks in St. Malo, Frankreich im Jahre 1966 Realität. Übersehen wird dabei die Pioniertat des Ingenieurs Emil Pein, der bei Husum bereits 1912 ein Probe- und Beweisflutkraftwerk aufgebaut hatte, mit dem er die Vertreter der Politik überzeugen wollte, dass es sich lohnen würde, ein solches Werk in größerem Maßstab zu bauen. Der Erste Weltkrieg beendete diese Bemühungen. Doch das Thema wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen, wie der heutige Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier belegt, den Paula Leu für uns liest.
4 Minuten
Wer, wie wir in diesem Podcast, eine Zeitreise in und durch die 1920er Jahre antritt, weiß, dass irgendwann unvermeidlich der Tag kommt, an dem ein gewisser Adolf Hitler aus Braunau am Inn auch unsere Bühne betreten wird. Dieser Tag ist – heute. Zum ersten Mal seit Beginn unserer Recherchen ist uns in der Vossischen Zeitung vom 31. Juli 1922 ein Artikel ins Netz gegangen, der den Namen Hitler nennt, und das auch gleich in der Überschrift. Hintergrund sind wieder einmal die speziellen politischen Umstände in Bayern, die in diesem Fall eine Abschiebung des in München längst berüchtigten Agitators Hitlers als „lästiger Ausländer“ verhindert haben und jetzt im Sommer 1922 dazu führten, dass eine mehrmonatige Haftstrafe Hitlers bereits nach wenigen Wochen zur Bewährung aufgehoben wurde. Die Vossische beklagt diesen frühen Triumph Hitlers in einer kurzen, aber unmissverständlichen Notiz. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Den Lunapark am Halensee kennt auch heute noch, wer sich nur ein bisschen für berlinische Geschichte interessiert. Was aber bitte war der ULAP? Der Universum Landes-Ausstellungs-Park, so der vollständig ausbuchstabierte Name, war in der Tat auch ein Vergnügungspark, der am 1. Juli 1922 an durchaus innerstädtisch-lukrativem Standort in und um das Areal des heutigen Hauptbahnhofs herum entstand. Wo sich zuvor Gewerbeanlagen und ein Messegelände befanden – und die Nazis später ein Foltergefängnis errichten sollten –, kreisten für wenige Jahre Karussells, Teufelsrad und Alpensturzbahn nebst sonstigem Jahrmarktstamtam und offensichtlich viel Alt-Berliner Kulisse, bevor die Betreibergesellschaft bereits 1925 wieder insolvent ging. Die Freiheit hat es sich nehmen lassen, kurz nach der Eröffnung einmal vorbeizuschauen und ihre sanfte Skepsis in der Ausgabe vom 30. Juli zu Protokoll zu geben. Für uns hat Paula Leu auf dem Rummel ihre Runde gedreht.
4 Minuten
Besonders die Arbeiterzeitungen boten ihrer Leserschafft, bei der man davon ausgehen konnte, dass sie sich keine kostspieligen Reisen quer durch Deutschland, geschweige denn ins Ausland, leisten konnte, immer wieder Ausflugstipps und Wanderrouten-Empfehlungen rund um Berlin. Am 27. Juli 1922 empfiehlt der Vorwärts eine Wanderung nach, durch und um Teltow. Angesichts der verregneten Ostseesaison des Jahres waren die wanderfreudigen Leser:innen vielleicht mit Teltow sogar bestens bedient. Frank Riede steigt auch in Zehlendorf aus und wandert mit.
4 Minuten
In den Zeiten des 9-Euro Tickets und des heißen Sommerwetters würde eine Zeile, wie wir sie im Berliner Tageblatt vom 27. Juli 1922 finden, verblüffen: “Die Züge, die nach der Ostsee fahren, sind dünn besetzt.” Das anhaltend schlechte Wetter bremste 1922 offensichtlich den Touismus erheblich. Lediglich im vom Meereszugang abgeschnittenen Böhmen war der Leidensdruck so groß, dass seine Bewohner:innen trotz des Dauerregens an die Osteseebäder strömten. Paula Leu liest.
4 Minuten
Die Frage nach dem Verhältnis des großen Rußland zu seinen kleinen baltischen Nachbarn ist dieser Tage im Sommer 2022 von bekanntermaßen bedrückender Aktualität. Auch vor einhundert Jahren, kurz nach der Unabhängigkeit von Estland, Lettland und Litauen im Zuge von Weltkrieg und russischen Revolutionswirren war die Lage nicht einfach. Zwar, erfahren wir am 27. Juli 1922 in der Deutschen Allgemeinen Zeitung aus Moskau, dass sich beide Seiten gute Beziehungen wünschen und versprechen. Eine hinterhergeschickte zweite kurze Depesche aus Petersburg deutet aber an, dass die Situation wirklich entspannt auch damals nicht war. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Der Eindruck, dass früher die Verbrechen nicht so häufig geschahen und auch selten so schlimm waren, ist eine der Konstanten gesellschaftlicher Selbstwahrnehmung. Wird in diesem Kontext oft mit einzelner anekdotischer Evidenz von besonders krassen Verbrechen argumentiert, so schaute der Berliner Börsen-Courier am 26. Juli 1922 zumindest in die Statistiken der Polizei, um den Eindruck zu untermauern. Obgleich Paula Leu für uns nun viele Zahlen verlesen wird, sind die Kategorien der Verbrechensstatistik doch interessant. Es verblüfft die Zahl der Fälle von Gefangenenbefreiung, hingegen gab es schon damals die vielen polizeilichen Verfolgungen von Schwarzfahrern.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren