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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
6 Minuten
Auf unserem Weg zur Reichstagswahl am 6 Juni 1920 hören Sie heute den Wahlaufruf der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, abgedruckt in ihrer Parteizeitung, der Freiheit am 28. Mai. Ganz systematisch werden darin die um die Wählerinnengunst konkurrierenden Parteien von rechts nach links, von der Deutschnationalen Volkspartei bis zu der als Rechtssozialisten bezeichneten SPD, abgearbeitet, stets mit einer Begründung, warum man diese nicht wählen könne. Da bleibt letztlich nur die USPD. Es liest Frank Riede.
3 Minuten
Wahlen stehen vor der Tür – aber wohin mit den unzähligen Wahlplakaten? Eine zeitlose Frage. Am 6. Juni fanden die Reichstagswahlen 1920 statt, deren Vorlauf wir nun auch in unserem Podcast verstärkt bespielen wollen. Den Auftakt zu unserer „Berichterstattung“ macht ein am 27. Mai im Vorwärts abgedruckter und kommentierter Aufruf des Magistrats von Berlin, der verhindern will, dass die ganze Stadt beliebig mit Wahlplakaten und -aufrufen zugekleistert wird und es dadurch zur Schädigung der Bausubstanz kommt. Es liest Paula Leu.

Zwei Menschen

4 Minuten
Die traurige Geschichte des Antisemitismus ist lang. Obwohl der Begriff erst Ende des 19. Jahrhunderts durch den deutschen Journalisten, Anarchisten und Gründer der ‚Antisemitenliga’ Wilhelm Marr geprägt wurde, gibt es Judenfeindschaft in unterschiedlichen Ausprägungen schon seit gut 2500 Jahren. Auch in der Weimarer Republik war antisemitische Diskriminierung weit verbreitet. Im Vorwärts vom 26.5.1920 beschreibt Artur Zickler – selbst eine durchaus schillernde Figur zwischen Sozialismus und Nationalismus – in einer Alltagsszene eindrücklich den großen Teilen der Bevölkerung ganz selbstverständlichen Judenhass. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Direkt nach Ausbruch des 1. Weltkriegs hatte Spanien seine Neutralität erklärt. So wurde es schnell zum Zufluchtshafen für diejenigen, welche die Mittel hatten, ihr Vermögen aus den Kriegsgebieten auf die iberische Halbinsel zu verlagern. Nach Ende des Krieges aber führten Spekulation und Schiebertum auch in Spanien zu dramatischen Preissteigerungen bei Produkten des täglichen Bedarfs und Luxusgütern. Schuhe und Hüte waren für einen Großteil der Bevölkerung bald kaum noch zu bezahlen. Konnte man auf letztere notgedrungen noch verzichten, so fand man in den einfachen, traditionellen Alpargatas die Lösung des Schuhproblems. Eine Mode war geboren. Am 25.5. 1920 berichtet die Vossische Zeitung. Es liest Frank Riede.
21 Minuten
In der heutigen Folge unseres monatlichen Interviewformats ‚3 1/2 Fragen an…’ sprechen wir mit der Berliner Literaturwissenschaftlerin Ethel Matala de Mazza. In ihrem 2018 erschienen Buch ‚Der populäre Pakt. Verhandlungen der Moderne zwischen Operette und Feuilleton’ untersucht Matala de Mazza die Rolle der beiden populären Kleinformen für die Transformation der Öffentlichkeit, wie sie sich auf prägnante Weise auch am Berlin der 1920er beobachten lässt. Was aus Sicht der Hochkultur als marginal erscheinen mag, zeigt sich nun als Motor der gesellschaftlichen wie ästhetischen Entwicklung.
3 Minuten
Da die Pfingstsonntagsausgabe 1920 der Zeitungen gewissermaßen auch den Pfingstmontag bespielte, haben wir uns entschieden, heute einen weiteren Artikel, der streng genommen am 23.5.1920 erschien, zu präsentieren. Am 15. Mai feierte das umstrittene Theaterstück des expressionistischen Dichters Walter Hasenclever „Die Menschen“ im Deutschen Landestheater in Prag seine Premiere. Das Stück, in dessen Regieanweisungen Hasenclever versucht, Montageprinzipien des Stummfilms auf die Theaterbühne zu bringen, stieß auf Ablehnung beim Publikum und der Kritik, weshalb das Stück nach wenigen Reprisen abgesetzt wurde. Deutlich positiver schreibt Max Brod in besagter Pfingstausgabe des Berliner Tageblatts über das Stück und die Inszenierung durch Hans Demetz. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Marie Juchacz ist eine wichtige weibliche Stimme des frühen 20. Jahrhunderts. Die Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin und Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt saß ab der Einführung des Frauenwahlrechts 1919 als Abgeordnete im Reichstag und hielt als erste Frau eine Rede vor der Nationalversammlung der Weimarer Republik. Am 23. Mai 1920 schrieb sie im sozialdemokratischen Vorwärts anlässlich der kommenden Reichstagswahlen einen Aufruf, der sich besonders an die Frauen richtet, bei der anstehenden Wahlentscheidung an ihre Interessen und die Interessen ihrer Kinder zu denken. Bevor wir an Paula Leu abgeben, die den heutigen Artikel eingelesen hat, müssen wir darauf hinweisen, dass Juchacz zu Beginn eine deutlich rassistische Haltung gegenüber Schwarzafrikanern formuliert, die wir hier als Zeitdokument präsentieren. Es sagt etwas über die Verbreitung und Alltäglichkeit solch rassistischer Ansichten aus, dass auch eine progressive Politikerin wie Juchacz sich ihrer bedient. Konkret war es 1920 ein breiter Konsens über alle Parteigrenzen hinweg, die Stationierung von französischen aus Schwarzafrika stammenden Truppen in den besetzten Gebieten des Rheinlands als ultimative Demütigung zu interpretieren, da ein, so die rassistische Benennung damals, niederes Volk ein Kulturvolk wie die Deutschen mit Waffengewalt in Schach hielt. Es liest Paula Leu.
7 Minuten
Wer kennt nicht das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem allmächtigen Postbeamten am Schalter der Paketausgabe! In Notzeiten, in denen ein Paket aus Übersee Hoffnung auf ein Bisschen Schokolade, ein Bisschen Luxus hieß, war diese Ohnmacht mehr als nur Ärgernis. Sie konnte Träume platzen lassen. Am 22. Mai 1920 berichtet Walter Hammer für die Berliner Volks-Zeitung von einem besonders dramatischen Fall… Es liest Frank Riede.
4 Minuten
Der Pfingstausflug ist eine Tradition fast wie der Osterspaziergang. Als Berliner locken einen Ziele in der Mark Brandenburg. Landschaftlich und kulturell ein echter Höhepunkt ist dabei das ehemalige Zisterzienserkloster Chorin nördlich von Eberswalde. Für den 21. Mai 1920 schlägt die Berliner Volkszeitung ihren Lesern so auch eine Waldwanderung von Eberswalde nach Chorin vor, mit kleinteiliger Wegbeschreibung, einer kurzen Impression aus der Klosterruine und dem Hinweis, dass sich die teure Zugfahrt aus Berlin in die Mark für dieses besondere Erlebnis durchaus lohnt. Gelesen von Paula Leu.
8 Minuten
Aktuell fordern die Dissertationsordnungen der Universitäten in Deutschland eine Publikation der Doktorarbeit; erst mit der Veröffentlichung darf der Doktortitel ohne Einschränkung getragen werden. Eine Flut mehr oder weniger gut lesbarer wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten auf dem Buchmarkt ist die Folge – und eine Doktorin, die sich ihren neuen Status mit den meist selbst zu tragenden Druckkosten auch materiell teuer hatte erwerben müssen. Schon vor einhundert Jahren begrüßt somit nicht ganz zu unrecht ein mit dem Kürzel Dr. W. A. zeichnender Autor im Vorwärts die Abschaffung der Veröffentlichungspflicht von Doktorarbeiten durch den preußischen Unterrichtsminister. Dieser hatte den herrschenden Papiermangel als Grund für seine Entscheidung angegeben, Dr. W.A. verweist hingegen auf die Sinnlosigkeit, jedes Jahr unzählige, seiner Meinung nach völlig irrelevante Arbeiten in die Buchhandlungen zu bringen. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Der große italienische Komponist Giacomo Puccini, Schöpfer von Opern wie Tosca, La Boheme oder Madame Butterfly, war 1920 62 Jahre alt. Immer noch sehr produktiv war sein letztes umfangreicheres Werk erst zwei Jahre zuvor an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt worden. (Tryptichon aus den Einaktern Il tabarro (der Mantel), Suor Angelica (Schwester Angelika) und Gianni Schicchi). Wie es bis heute üblich ist, empfing er hin und wieder bei sich Journalisten, so auch den Korrespondenten des Berliner Tageblattes Hanns Warning, der in der Ausgabe vom 19. Mai von seinem Gespräch mit Puccini berichtet. Darin geht es nicht zuletzt um dessen Verhältnis zur deutschen Musikszene und um die Aussicht auf kommende Puccini-Aufführungen im Deutschen Reich. Gelesen von Frank Riede.
4 Minuten
Die Freiheit von Lehre und Forschung ist ein hohes Gut. Wissenschaft sollte sich nicht nach dem Parteibuch richten. Dass extreme Gruppierungen das anders sehen und durch Gewalt und Sabotage eine bestimmte politische Linie in universitären Veranstaltungen durchzudrücken suchen, ist allerdings kein ganz neues Phänomen. Am 18.5.1920 berichtet die Vossische Zeitung von einem entsprechenden Vorfall an der Frankfurter Universität: die deutschnationale Studentenschaft hatte versucht, die Antrittsvorlesung des Rechtswissenschaftlers, SPD-Mitglieds und engagierten Gegners der Todesstrafe Hugo Sinzheimer durch lautstarke Störungen zum Abbruch zu bringen. Gelesen von Paula Leu.
7 Minuten
Am 17. Mai 1920 standen die Ergebnisse zweier lokaler Wahlen fest. Bei der Braunschweiger Landesversammlung blieb das Verhältnis zwischen „rechten“ und „linken“ Parteien ungefähr gleich. Allerdings verzeichneten die Parteien rechts außen sowie die USPD und die Kommunisten am linken Rand enorme Zuwächse, während die „Mitte“ massiv verlor. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Wahl zum Volkstag in Danzig. Nicht nur die Vossische Zeitung nahm in ihrer Wahlanalyse an, dass diese Tendenz hin zu den Extremen auch bei den im Juni anstehenden Reichstagswahlen von Bedeutung sein würde. Es liest Frank Riede.
6 Minuten
Aufgrund des Krieges und der Wirren und Nöte der Nachkriegszeit waren touristische Reisen in europäische Staaten nicht an der Tagesordnung. Umso neugieriger macht sich der Kolumnist der Vossischen Zeitung Emil Thieben auf den Weg nach Mailand, um seine dortigen Eindrücke mit seinen Erinnerungen aus Vorkriegszeiten abzugleichen. Am 16. Mai 1920 schreibt er dann über neue Uniformen der italienischen Polizeieinheiten, über neue Bauprojekte und allgemein über die Stimmung in der Stadt. Hoffen wir, dass es auch heute, für uns bald wieder möglich sein wird, sich vor Ort in Mailand umzuschauen. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
In den 1920er Jahren, wie auch schon in den Jahrzehnten zuvor, erfreuten sich Hypnotiseure großer Beliebtheit. An der Grenze zwischen Attraktion, Magie und medizinischen Therapiesitzungen traten sie vor großem Publikum auf, führten Sitzungen in spiritistischen Zirkeln durch oder wurden für private Sitzungen bezahlt. Die Strahlkraft ihrer Kunst verlockte viele Amateure dazu, auf dem lukrativen Markt der Hypnotiseure mitzumischen. Am 15. Mai 1920 warnt im Vorwärts der Nervenarzt Dr. Engelen vor den Gefahren der Hypnose. Bei nicht sachgerecht durchgeführter Hypnose drohten schwere, oft bleibende Schädigungen. Es liest Paula Leu.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren