Auf den Tag genau Archiv
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Die Tradition Leipzigs als bedeutende Messestadt reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Trotz aller wirtschaftlichen Not nach dem Weltkrieg hatte der Messebetrieb im Sommer 1921 längst wieder Fahrt ausgenommen und lockte nicht nur, wie wir gleich hören werden, zahlreiche internationale Gäste an die Pleiße, sondern auch neugierige Vertreter der Hauptstadtpresse. Aus dem Berliner Tageblatt vom 29. August 1921 liest für uns Paula Leu.
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Auch am zweiten Tag nach den Geschehnissen von Bad Griesbach kannte das politische Berlin kein anderes Thema als die Ermordung von Ex-Minister Matthias Erzberger. Alle Tageszeitungen in der Hauptstadt trieb die Frage um, was die Bluttat für die junge und fragile deutsche Republik bedeutete. Für Carl von Ossietzkys Kommentar in der Berliner Volks-Zeitung weichen wir aus gegebenem Anlass ausnahmsweise von dem für die Dauer unseres Sommerprogramms selbst auferlegten Gebot der Kürze ab. Es liest Frank Riede.
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Das republikanische Deutschland stand unter Schock: Der Zentrumspolitiker und ehemalige Reichsminister der Finanzen Matthias Erzberger – seit seinem prominenten Werben für eine Annahme des Versailler Vertrages Hauptfeindbild und Hassobjekt der völkischen Rechten – war am 26. August 1921 in der Nähe seines Urlaubsortes Bad Griesbach im Schwarzwald am helllichten Tag ermordet worden. Was über das Attentat bereits bekannt war, zeichnet am Folgetag der Vorwärts nach. Es liest Paula Leu.
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Ägypten-Begeisterung, Schauspielstars zum Greifen nah, Live-Musik und opulente Tanznummern. Das alles gab es für einen guten Zweck im Zoologischen Garten am 27. August 1921. Am Tag zuvor kündigte die Berliner Volks-Zeitung dieses, wir würden heute sagen, „Event“ an. Für uns liest Frank Riede.
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Am 20. August hatten wir von der Suche nach dem Serienmörder berichtet, der seit Monaten die Stadt in Atem hielt. Nur einen Tag später, am 21. August 1921 wurde er, nach unzähligen Morden (vermutet werden über 100 Opfer), auf frischer Tat in seiner Wohnung am Schlesischen Bahnhof ertappt. Die Identität des Mörders war geklärt. Es handelte sich um den 1863 in Neuruppin geborenen Carl Großmann, einen Fleischerlehrling, der nach Abbruch der Lehre hausierend durch Süddeutschland gezogen und dabei mit zahlreichen Sexual- und Gewaltdelikten aufgefallen war. Er ließ sich 1913 in einer Wohnküche in Berlin nieder und lockte fortan Frauen in seine Wohnung, wohl oftmals eine Stelle aus Hauswirtschafterin in Aussicht stellend, um sie dann zu missbrauchen und zu töten. In den Tagen nach der Festnahme war dieses soeben skizzierte Bild des Täters noch nicht so klar, die Polizei sammelte Beweise und verhörte Großmann. Vom aktuellen Stand berichtete die Berliner Volks-Zeitung am 25. 8. Tatsächlich gab Großmann bei dem anschließenden Prozess nur 3 Morde zu und entzog sich der Verurteilung durch einen Selbstmord. Auch beim heutigen Bericht, den Paula Leu verliest, möchten wir vorab warnend auf die in ihm enthaltenen verstörenden Details dieser bestialischen Gewaltakte hinweisen.
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Max Reinhardt galt und gilt noch immer als Theatermagier mit einem unvergleichlichen Sinn für Effekte. Wo er bei seinen Massenspektakeln in Berlin modernste Drehbühnen und Hubpodien bewegte, ging er bei den von ihm 1920 mitbegründeten Salzburger Festspielen einen entgegengesetzten Weg und bespielte bei seiner Inszenierung von Hofmannsthals Jedermann die barocke Stadt als Bühne . Bei der Wiederaufnahme ein Jahr später setzte Reinhardt atmosphärisch nun noch einen drauf und lud zum Abschluss des Festivals zu einer Abendvorstellung bei Fackelbeleuchtung. Mit dabei waren das am 24.August kurz berichtende Berliner Tageblatt – und für uns Frank Riede.
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Nachdem wir am 27. Juli mit dem Vorwärts über ein nationalistisches Propaganda-Theaterstück “Die schwarze Schmach” in Zeven gehört hatten, berichten wir heute mit der Vossischen vom 23. August 1921 über die Filmoberprüfstelle, die für den mindestens ebenso rassistischen Film gleichen Namens tatsächlich ein Verbot ausgesprochen hat. Paula Leu kennt die Begründung.
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1887 veröffentlichte der jüdische Augenarzt Ludwig Zamenhof die Grundlagen der Plansprache Esperanto. Dieses Projekt der friedvollen Völkerverbrüderung durch eine künstlich geschaffene und einfach für jedermann zu erlernende Sprache fand weltweit Anhänger, die sich vernetzten und das Esperanto propagierten. Am 22. August 1921 berichtet der Vorwärts über den 13. Internationalen Esperantokongress in Prag - ĝi legas Frank Riede.
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Knappe Nachrichten von nur wenigen, dafür aber prägnanten Zeichen erfreuten sich bekanntlich auch schon vor SMS und Twitter großer Beliebtheit. Vor einhundert Jahren fand man sie vor allem in der Zeitung. Aus einer solchen, nämlich aus der Deutschen Allgemeinen vom 21. August 1921, bedient sich für uns in aller Kürze Paula Leu.
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Unser heutiger Beitrag aus der Berliner Volks-Zeitung vom 20. August 1921 ist nichts für ganz Zartbesaitete: Ganz Berlin fahndete vor einhundert Jahren nach einem Massenmörder, der Leichenteile seiner weiblichen Opfer, offensichtlich um Spuren zu verwischen, nach ihrer Tötung im gesamten Stadtgebiet verteilte. Für uns auf kriminaldienstliche Ermittlung begibt sich Frank Riede.
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“Sexualwissenschaft” wurde in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts als eigenständiger Wissenschaftszweig etabliert. Einer der Pioniere war Hermann Rohleder, der Aufklärung mit Büchern wie „Die Sexualphysiologie“ und „Die Sexualpsychologie“ betrieb und von fortschrittlichen Zeitungen wie der Freiheit, hier in der Ausgabe vom 19. August 1921 empfohlen wurde. Uns legt Paula Leu die Werke ans Herz.
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Wer hat nicht alles schon Ehrendoktorwürden verliehen bekommen. Mal passen Titel und Person besser mal schlechter zusammen. Als dem General a.D. Erich Ludendorff ein Ehrendoktor der medizinischen Fakultät verliehen wurde, kommentierte der Vorwärts am 24. August 1921 amüsiert. Es liest Frank Riede.
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Zu den hierzulande unbekanntesten und wahrscheinlich kurzlebigsten staatlichen Gebilden in der jüngeren europäischen Geschichte zählt die Republik Baranya. In das Gebiet um die Stadt Fünfkirchen – heute eher unter ihrem magyarischen Namen Pécs bekannt – hatten sich seit 1919 zahlreiche Gegner des Regimes von Miklós Horthy geflüchtet, die in einem interessanten Verbund mit Vertretern der dort ansässigen serbischen wie deutschen Bevölkerungsgruppen im Sommer 1921 ihre Unabhängigkeit von Ungarn proklamierten. Am 17. August, drei Tage nach seinem Anfang und drei Tage vor seinem Ende, berichtet das Berliner Tageblatt von diesem Projekt. Es liest Paula Leu.
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Ungefähr 3 Jahre nachdem Roald Amundsen 1911 den Südpol erreicht hatte, begann Ernest Shackelton die sogenannte Endurance-Expedition, deren Ziel es war, die Antarktis über den Südpol hinweg zu durchqueren. Der Versuch scheiterte früh, da das Schiff “Endurance” von Eismassen beschädigt sank, noch bevor es den Ausgangspunkt der Expedition erreichte. Es folgte eine abenteuerliche und heldenhafte, vor allem erfolgreiche Rettung aller Expeditionsteilnehmer. Eine Pioniertat gelang allerdings. Zur Expedition gehörte ein Kameramann, der erste dokumentarische Bilder der südlichen Polarregion machte. Und von diesem Südpolfilm berichtet die Berliner Börsenzeitung am 16. August 1921. Für uns kurbelt Frank Riede.
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Zwischen den Kursentwicklungen an der Börse und der Situation in der Realwirtschaft besteht bekanntlich nicht immer eine nachvollziehbare Korrelation. Während die deutsche Volksökonomie in der Folge des Weltkriegs vor einhundert Jahren noch immer weithin siech darniederlag, grassierte unter den Wertpapierhändlern an der Berliner Burgstraße längst eine ganz andere Krankheit: das Börsenfieber. Die Vossische Zeitung vom 15. August 1921, und für uns Paula Leu, widmen sich dessen Symptomen.