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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
10 Minuten
Seit über zweihundert Jahren gilt der mythenumwobene Iffland-Ring als das höchstdotierte Erbstück der hiesigen Theaterwelt, gestiftet um dem „jeweils bedeutendsten und würdigsten [männlichen] Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ auf Lebenszeit verliehen zu werden. Der fünfte von bis heute neun und dabei zugleich der bis heute am längsten ‘amtierende‘ Träger war der gebürtige Mannheimer Albert Bassermann, der seit den 1890er Jahren das Berliner Theaterleben in unzähligen Rollen entscheidend prägte. Am 13. September 1921 widmete das Berliner Tageblatt Bassermann ein ausführliches Porträt, das indes weniger nochmals von dessen großen Bühnenerfolgen erzählte, als es sich für den Privatmann hinter dem großen Schauspieler interessierte. In herbstlicher Grunewaldkulisse entsteht dabei das Bild eines außergewöhnlich in sich gekehrten und höchst disziplinierten, gängige Mimenklischees in vielerlei Hinsicht unterlaufenden Menschen. Es liest Frank Riede.
4 Minuten
Von dem langanhaltenden Konflikt zwischen der Regierung von Kahr und der Reichsregierung, in dem es u.a. um die Beendigung des Ausnahmezustandes, damit um die Entwaffnung der Bürgerwehren ging, haben wir an dieser Stelle berichtet. Als der Bayerische Landtag einem Schlichtungsangebot zustimmte, mit dem eine Entwaffnung stattfinden sollte, traten Gustav von Kahr und sein Justizminister zurück. Vorerst hatte sich die Reichsregierung durchgesetzt – aber, wen überrascht es, die Querelen rund um eine besonderer Rolle Bayerns im Deutschen Reich waren damit nicht aus der Welt. Am 12. September berichtet der Berliner Börsen-Courir über den Rücktritt, für uns liest Paula Leu.
6 Minuten
Global warming war vor einhundert Jahren noch kein Thema, CO2-Emission völlig unverdächtig und der Verbrennungsmotor ein Versprechen auf die Zukunft! Entsprechend stolz und vorfreudig präsentierte man sich in der deutschen Hauptstadt, fortan auf der längsten Autobahn der Welt durch den Grunewald brettern zu können. Bei einer Vorabbesichtigung vor der offiziellen Eröffnung war auch die Berliner Morgenpost dabei und zeigt sich in ihrer Ausgabe vom 11. September 1921 von der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße bereits vor deren Fertigstellung schwer beeindruckt. Einzig dem Akronym, unter dem sie firmieren soll, gibt man keine Zukunft ... Für uns auf Spritztour geht Frank Riede.
6 Minuten
Manche Missstände in der großen wie in der kleinen Welt – die Erfahrung durften wir in diesem Podcast schon häufiger machen – sind uralt und können oder wollen offensichtlich auch in einhundert Jahren nicht behoben werden. Das Privatdozentum an deutschen Universitäten ist offensichtlich so ein Fall. Wer sich nach langen Galeerenjahren im sogenannten akademischen Mittelbau in einem aufwendigen Verfahren habilitiert hat, muss anschließend, so lange er auf keine Professur berufen wurde, seine Lehrkraft quasi unentgeltlich zur Verfügung stellen, sonst verliert er den hart erarbeiteten Status umgehend wieder und kann, theoretisch, von vorne anfangen. Wenn man ein paar Namen (Euro statt Mark) und ein paar Zahlen (eher nach unten als nach oben) korrigierte, könnte man den von uns aufgespürten Artikel aus der Vossischen Zeitung vom 10. September 1921 auch heute noch so ähnlich abdrucken. Wir haben ihn lieber eingesprochen bzw. Paula Leu das für uns tun lassen.
8 Minuten
Heute lauschen wir dem im Berliner Tageblatt ausgetragenen Streit zwischen einem der damals prominentesten und erfolgreichsten Filmemacher Ernst Lubitsch und dem ebenso berühmten Autor und Publizisten Alfred Polgar. Beide Namen erklingen in diesem Podcast nicht zum ersten Mal. Alfred Polgar hatte am 1. September ein „Genre“ bedient, dass so alt wie die Filmkunst selbst ist, Rezo würde es „Zerstörung der Filmindustrie“ nennen. Offenbar hat Polgar dem Film den Kunstwert abgesprochen und scharfzüngig über die geringe Qualität der Filmwerke hergezogen. Ernst Lubitsch antwortet am 9. September mit nicht geringerer Süffisanz und Angriffslust. Vom verbalen Schlachtfeld berichtet Frank Riede.
7 Minuten
Ende Juli hörten wir an dieser Stelle von dem Notruf, mit dem sich Maxim Gorki an die Welt richtete, bei der Hungerkatastrophe in Rußland nicht wegzusehen. Am 8. September 1921 druckt die Berliner Volks-Zeitung den Bericht eines fliegenden Reportes ab, der die zutiefst schockierende Lage schildet. Es sind tatsächlich verstörende Bilder, die Frank Riede mit dem Verlesen des Textes für uns evoziert.
7 Minuten
Freunde des Wiener Walzers wissen es aus dem Pausenfilm des diesjährigen Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker: Österreich feiert heuer einhundert Jahre Burgenland. Das kleine östliche Bundesland gab es natürlich auch schon zu k.u.k-Zeiten. Damals hieß der Landstrich allerdings noch Deutsch-Westungarn und gehörte, trotz seiner in diesem Namen anklingenden deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit, zum magyarischen Teil der Doppelmonarchie. Die Friedensverträge von St. Germain und Trianon sprachen es nun der Republik Österreich zu, was in Ungarn erheblichen Widerstand mobilisierte und im Laufe des Jahres 1921 immer wieder zu bewaffneten und teilweise blutigen Auseinandersetzungen führte. Der Vorwärts vom 7. September nimmt diese zum Anlass, einmal etwas genauer in die Geschichte und die Kultur des Burgendlandes zu blicken, für uns folgt ihm darin Paula Leu.
9 Minuten
Gabriele D’Annunzio hatte es in Fiume alias Rijeka vorgemacht, wie man in Nachweltkriegs-Europa handstreichartig politische Fakten schuf – polnische Freischärler unter der Führung des Generals Żeligowski taten es ihm – letztlich sogar noch erfolgreicher – nach und besetzten im Herbst 1920 das im Versailler Vertrag eigentlich dem Nachbarn Litauen als Hauptstadt zugesprochene, freilich überwiegend polnischsprachige Vilnius, polnisch: Wilna. Fast ein Jahr später, am 6. September 1921, entsann sich die Berliner Börsen-Zeitung des nach wie vor schwelenden Konfliktes und machte im nachfolgenden Artikel aus ihrer wenig überraschenden Sympathie für die litauische Seite (‘Meines Feindes Feind ist mein Freund‘) keinen Hehl. Es liest Frank Riede.
4 Minuten
Schon wenige Jahrzehnte nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 wurden diese nicht nur etwa für Diagnostik benutzt, sondern auch gezielt als Mittel gegen Krebszellen eingesetzt, da diese empfindlicher als die Umgebung sind und von der Strahlung abgetötet werden. Ein Pionier auf diesem Gebiet war Herrmann Wintz von der Universität Erlangen, der die Tiefenwirkung der Strahlung zu erhöhen und die Nebenwirkungen zu verringern suchte. Von seinen dabei erzielten Erfolgen berichtet die Freiheit vom 5. September 1921 und weiß schon damals darauf hinzuweisen, dass eine Früherkennung das A und O sei. Paula Leu klärt für uns auf.
4 Minuten
Babylon Berlin hat es uns mit einiger Penetranz unter die Nase gerieben: Im Berlin der 1920er Jahre wurde gequalmt, dass einem noch vor dem digitalen Endgerät die Augen tränen. Heute (nicht nur wegen der aktuellen Maskenpflicht) völlig unvorstellbar, durften Nikotinistinnen und Nikotinisten ihrer Sucht seinerzeit selbst in der U-Bahn frönen, in der zu diesem Zweck an den Wänden sogar Aschbecher montiert waren. Zumal wohl während der Rush Hour war es mit deren Funktionalität freilich nicht so weit her, was die Berliner Volks-Zeitung vom 4. September 1921 zu einer kleinen conte morale inspirierte. Für uns gelesen von Paula Leu.
8 Minuten
Das Kino lebte von Anfang an - und gerade zu Beginn - vom Attraktionswert. Auch in den Zwanziger Jahren suchte die rasch wachsende Filmindustrie mit immer neuen “Sensationsfilmen” das Publikum zu beeindrucken, bzw. zu überwältigen. Eine wesentliche Rolle spielten dabei neben Actionszenen und opulenter Ausstattung auch gewaltige Massenszenen mit tausenden von Komparsen. Über die Bedeutung dieser choreographierten Statistenheere auf der Leinwad sinniert die Voss vom 3. September 1921 anlässlich der Premiere von Ernst Lubitschs “Historien-Groß-Film” “Das Weib des Paharao” - unser Mann des Mikrophons: Frank Riede.
4 Minuten
Gustav von Kahr, seit dem 16. März 1920 Ministerpräsident der von der Bayerischen Volkspartei geführten rechtsbürgerlichen Bayerischen Regierung, kämpfte für eine Sonderstellung Bayerns innerhalb des Deutschen Reiches, was zu einem offenen Konflikt führte. Es ging dabei besonders um die Entwaffnung der Einwohnerwehr, der sich Bayerns Regierung widersetzte. Im September spitzte sich der Streit weiter zu, als das Reichsinnenministerium Zeitungsverbote gegen bayerische Zeitungen aussprach, die besonders gegen die Reichsregierung hetzten, und von Kahr auch hier diese Anordnungen schlicht nicht umsetzte. Frank Riede liest für uns einen Bericht des Vorwärts vom 2. September über die angespannte Lage zwischen Bayern und dem Reich.
6 Minuten
Vor einhundert Jahren, im Sommer 1921, spielte zwar die NSDAP noch keine nennenswerte Rolle in der deutschen Politik; wüst antisemitische Töne prägten allerdings auch schon damals die parlamentarische wie außerparlamentarische Arena. Ein Lieblingsthema der völkischen Rechten war dabei die Rolle der deutschen Juden im zurückliegenden Weltkrieg, die abzuqualifizieren, zu verleumden, zu verunglimpfen sie sich in einem Fort überboten. Die Berliner Volks-Zeitung vom 1. September 1921 macht sich dankenswerterweise die Mühe, diese Fake News einmal mit Zahlen zu widerlegen. Es liest Frank Riede.
3 Minuten
Und wir beschließen unser Sommerprogramm mit einem letzten Strandbesuch. Die Berliner Volkszeitung vom 31. August 1921 klärt die Berliner Bevölkerung, aus den mondänen französischen Badeorten berichtend, über die Trends in der weiblichen Bademode auf. Paula Leu ist wie immer auf dem Laufenden.
4 Minuten
In den Tagen nach dem Attentat auf Matthias Erzberger fahndete die Polizei nach den flüchtigen Tätern. Der Verdacht fiel, verständlicher Weise, auch auf Oltwig von Hirschfeld, der zwar im Gefängnis seine Strafe für das versuchte Attentat auf Erzberger vom Januar 1920, bei dem er Erzberger mit zwei Schüssen verletzt hatte, verbüßte, aber wegen Krankheit für Monate aus dem Gefängnis beurlaubt war. Der Vorwärts berichtet am 30. August von den Versuchen des Berliner Polizeipräsidiums, Oltwig von Hirschfeld aufzuspüren. Für uns liest Frank Riede.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren