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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
10 Minuten
Als eine der erfolgreichsten literarischen Figuren der Welt gilt mit Sicherheit Tarzan, der 1912 das Licht der Welt erblickte und sich in unzähligen Büchern, Comics und Filmen von einem Siegeszug zum anderen schwang. Der Autor Edgar Rice Burroughs hat 24 Romane rund um den im Dschungel von Affen großgezogenen englischen Adeligen geschrieben, auf denen die weiteren medialen Fortschreibungen basieren. Auch in Deutschland wurden die ersten Bände massenweise gekauft, bis Roman Nummer 7 wahrgenommen wurde: „Tarzan, the untamed“, den Rice Burroughs während des Ersten Weltkriegs verfasst hatte. Hier taucht der “deutsche Bösewicht” auf, der, unabhängig von Tarzan, auch eine lange Karriere in der Filmlandschaft besonders Hollywoods hinlegen sollte: Ein durch und durch bösartiger und gewissenloser Kolonisator, der foltert, verstümmelt und mordet. Dieser sehr offene Deutschenhass des Tarzan-Bandes führte zu einem Aufruhr in der deutschen Kritik, für die der heutige Artikel aus den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 6. Februar 1925 ein besonders heftiges Beispiel ist. Antwortet er doch mit einer Autorenbeschimpfung und einem ebenso deutlichem Hass auf England. Dabei verwendet er zudem noch rassistisches Vokabular. Wir bringen ihn dennoch als Beispiel für politische Konflikte, die auf dem Feld der Literatur ausgefochten wurden. Die Aufregung um diesen Band führte übrigens zu einem Einbruch in den Verkaufszahlen der Tarzan-Bücher in Deutschland, dem Burroughs vergeblich mit positiven deutschen Figuren in späteren Romanen entgegen zu wirken versuchte. Frank Riede wagt sich für uns in diesen konfliktreichen Dschungel.
8 Minuten
Im Jahr 1925 jährte sich zum zweihundertsten Mal der Todestag des russischen Zaren Peter I., genannt „der Große“. Grund genug für die Harburger Anzeigen und Nachrichten, sich am 5. Februar einmal in der von jenem gegründeten und nach ihm benannten Stadt Petersburg umzusehen, die man soeben, nach dem Tode Lenins 1924, nach diesem, dem Gründer der Sowjetunion, in Leningrad umbenannt hatte. Wobei „umsehen“ vielleicht nicht das richtige Verb ist, weil die Zeilen nicht unbedingt den Eindruck erwecken, ihr Autor habe sich zuletzt länger vor Ort aufgehalten. So bleibt der Artikel eher Geschichtsstunde, ergänzt um einige eher pauschal-kritische Anmerkungen über den Verfall des alten Glanzes unter den neuen kommunistischen Herrschern. Es liest Rosa Leu.
13 Minuten
Auseinandersetzungen rund um die Strukturierung des Schulsystems und um den Zeitpunkt des Übergangs von Grundschule zur Oberschule wurden auch vor 100 Jahren geführt. Die Frage ob die Höhere Schule 8 oder 9 Jahre dauern sollte war jedenfalls noch nicht geklärt, und die pädagogischen Konzepte der Grundschule und der weiterführenden Schule prallten aufeinander, zumindest, wenn wir dem Beitrag eines Prof. Wehnert aus Hamburg für den Hamburgischen Correspondenten vom 4. Februar 1925 Glauben schenken wollen. Uns bietet Frank Riede die Argumente für und wider eine differenzierte Grundschule und Einblick in die Schuldebatten der Zeit.
10 Minuten
Die sogenannte Februarflut von 1825 gilt als eine der schwersten Nordsee-Sturmfluten der letzten Jahrhunderte; man schätzt, dass ca. 800 Menschen hierbei ihr Leben ließen. So tief hatte sich diese Katastrophe ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass nahezu alle Tageszeitungen im Großraum Hamburg zum einhundertsten Jahrestag 1925 auf sie zurückblickten. Nicht verwunderlich, gilt dies auch am 3. Februar für die Alte Liebe aus dem seinerzeit besonders stark betroffenen Cuxhaven, welche nicht nur sehr anschaulich schildert, wie dramatisch das Wasser damals die Küstenbewohner im Schlaf überraschte, sondern die Ereignisse von 1825 auch in die sehr lange Geschichte der Sturmfluten in Norddeutschland einordnet. Es liest Rosa Leu.
13 Minuten
Das Land der Hellenen wie Goethe mit der Seele suchen – dem 1876 geborenen österreichisch-deutschen Schriftsteller Theodor Däubler war dies nicht genug, weshalb er seit 1921 für mehrere Jahre nach Griechenland übersiedelte, es ausgiebig bereiste und seine dortigen Erfahrungen nicht nur in verschiedenen Büchern verarbeitete, sondern sich von Zeit zu Zeit auch mit gelehrten Reiseberichten via Tageszeitung zu Wort meldete. Nachdem Auf den Tag genau Däubler bereits auf die Kykladen und die Peloponnes gefolgt war, geht es heute in die mittelgriechische Region Thessalien am Fuße des Olymps, wo wir mit ihm und dem Hamburger Anzeiger vom 2. Februar 1925 das Tal Tempe durchwandern. Unser Blick an diesem mythischen Ort gilt dabei nicht nur der wildromantischen Natur, sondern auch den zahlreichen Fußspuren, die mehr oder weniger berühmte literarische Giganten dort über die Jahrtausende hinterließen. Frank Riede sichtet sie für uns.
7 Minuten
Der neuzeitliche Kolonialismus gilt gemeinhin als ein europäisches Phänomen, doch fand er im späten 19. und 20. Jahrhundert vereinzelt sehr wohl auch Nachahmer auf anderen Kontinenten. Vorreiter waren diesbezüglich die USA, die sich – selbst ihrem Ursprung nach aus einer britischen Kolonie hervorgegangen – zunehmend auch für überseeische Landnahme interessierten. Die größte entsprechende Besitzung stellten vor einhundert Jahren die Philippinen dar, die man 1898 den Spaniern blutig entrissen hatte. Über die aktuelle Situation auf dem Archipel im westlichen Pazifik informiert uns ein Artikel aus dem Hamburger Echo vom 1. Februar 1925, der durchaus prophetisch bereits eine weitere außereuropäische Macht ein imperiales Auge auf die Philippinen werfen sah. Es liest Rosa Leu.
8 Minuten
Die Herzkammer der meisten Betriebe ist bekanntermaßen die Kantine. Warum sollte das in einem Parlamentsbetrieb anders sein? Konsequenterweise hat es Autor Franz Lehnhoff für seinen Bericht aus dem Reichstag im Hamburgischen Correspondenten vom 31. Januar 1925 gar nicht bis in dessen Sitzungssaal geschafft, sondern es sich stattdessen im Reichstagsrestaurant bequem gemacht. Wer dieses seinerzeit als Vorgänger von Feinkost Käfer betrieb, verrät der Artikel nicht; auch von der Art der Speisen erzählt er nur am Rande. Viel ist dagegen die Rede vom geschäftigen Treiben auf bzw. zwischen den Stühlen und Bänken. Und von der dicken Luft, die hier im durchaus nicht metaphorischen Sinn des Wortes geherrscht haben soll. Frank Riede hat sich für uns dennoch hineingewagt.
13 Minuten
Lange Zeit galt das schier unendliche Meer mit seinem Reichtum an Lebewesen als unerschöpflich. Nie würde die Menschheit dort fundamental verändernd eingreifen können. Die 1902 gegründete Deutsche wissenschaftliche Kommission für Meeresforschung kam rasch zu anderen Ergebnissen. Das Thema der Überfischung und als Reaktion darauf eine Schaffung von Fischerei-Schongebieten stand nun auf der Agenda der Politik. Zeitgleich wurde, das erklang auch in diesem Podcast, gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Krise die Bedeutung der Fische als eine wichtige Nahrungsgrundlage der Nation betrachtet. Der Hamburgische Correspondent führt in seiner Ausgabe vom 30. Januar 1925 in das Thema ein. Für uns tut dies Rosa Leu.
6 Minuten
Die etwas mehr als ein Jahr “junge” Türkei unter Mustafa Kemal sollte ein säkularer, moderner Staat werden – und einer der zentralen und überall sichtbaren Schritte auf diesem Weg war das Verbot des Kopftuches für die Frau. Das Studium an Universitäten etwa stand für Frauen offen, das Betreten des Campus war aber nur ohne Kopftuch gestattet. Ebenso war die Arbeit im Staatsdienst nur ohne Kopftuch möglich. Eine Regelung, die lange fortbestand und, zumindest was die Universitäten und Schulen angeht, erst durch die AKP unter Erdogan im Jahre 2010/11 aufgehoben wurde. Wie aus unserem regelmäßigen Blick in die Türkei abzulesen ist, interessierte sich die Hamburger Presse sehr an den Entwicklungen dieses neuen Staates, der antrat, um mit den europäischen Staaten zu konkurrieren, oder diese gar zu überflügeln. Bevor es aber an das Kopftuch ging, galt es zunächst die Schleierpflicht der Frau aufzuheben. Am 29. Januar 1925 behandelten die Harburger Anzeigen und Nachrichten die neuen Regelungen rund um die Schleierpflicht und die Vielehe, durchaus noch aus einer nicht gerade emanzipationsbegeisterten Position heraus. Rosa Leu liest.
9 Minuten
August Strindberg, schwedischer Schriftsteller, wurde laut übereinstimmenden Quellenberichten am 22. Januar 1849 in Stockholm geboren und starb ebenda am 14. Mai 1912. Nach Adam Riese hätte er, so er denn noch gelebt hätte, im Januar 1925 seinen 76. Geburtstag gefeiert – in den Altonaer Neuesten Nachrichten gedachte man seiner am 28. des Monats jedoch kurioserweise zum 75. Ob man seinerzeit noch von anderen Daten ausging, man sich schnöde verrechnet oder aber der Text des Bonner Literaturwissenschaftlers Oskar Walzel ein Jahr in der Schublade irgendeines Redakteurs geschmort hatte, war für uns nicht zu ermitteln. Weil uns die literaturgeschichtliche Einordnung Strindbergs, die hier vorgenommen wird, interessant erscheint, senden wir den Artikel trotzdem. Es liest Frank Riede.
11 Minuten
Der Luftverkehr war Mitte der 1920er Jahre seiner Pionierphase unerkennbar entwachsen und hatte sich – trotz aller fortbestehenden Hemmnisse durch den Versailler Vertrag – in Deutschland zu einer echten Boombranche entwickelt. Längst dachte man auch hier in Netzen mit Anschlussverbindungen und Drehkreuzen, wie ein Ausblick auf die Pläne für den Flugbetrieb im Jahr 1925 im Hamburgischen Correspondenten vom 27. Januar bestätigt. Dessen Autor Friedrich Andreas Fischer von Portuzyn war selbst Flieger und arbeitet für die Junkers Luftverkehr AG in Dessau, die sich in jenen Jahren für kurze Zeit zur bedeutendsten Fluggesellschaft der Welt entwickelte - auch wenn sich die Expansionspläne Richtung Orient und Sowjetunion, von denen der Artikel unter anderem kündet, letztlich nicht als rentabel erweisen sollten. Rosa Leu klettert für uns ins Cockpit.
8 Minuten
Luigi Pirandello, 1867 in Agrigent auf Sizilien geboren und 1936 in Rom verstorben, zählt zu den wichtigsten italienischen Literaten und vor allem Dramatikern des frühen 20. Jahrhunderts; 1934 erhielt er den Literatur-Nobelpreis. Spätestens seit der deutschsprachigen Erstaufführung seines bis heute berühmtesten Werkes Sei personaggi in cerca d’autore – Sechs Personen suchen einen Autor – 1924 in Wien kannte man ihn auch nördlich der Alpen und druckte Texte von ihm bisweilen sogar in Tageszeitungen ab. So unter anderem ein „Gleichnis“ im Hamburger Anzeiger vom 26. Januar 1925, für dessen Übersetzung hier der umtriebige Autor und Theatertausendsassa Jo Lherman verantwortlich zeichnete. Für die Lesung des Textes tut dies Frank Riede.
7 Minuten
Wer erinnert sich noch an den 7. Sinn? Die Fernsehsendung des Westdeutschen Rundfunk, die zwischen 1966 bis 2005 ausgestrahlt wurde. Sie klärte alle Beteiligten am motorisierten Verkehr über Gefahren und korrekte Verhaltensweisen auf und wird als Mutter aller Verkehrserziehungssendungen bezeichnet. Vielleicht wurde dieser Titel aber voreilig vergeben. Im Hamburger Echo vom 25. Januar 1925 erfahren wir von einem Lehrfilm der Bayerischen Filmgesellschaft, der das richtige Navigieren durch den städtischen Verkehr veranschaulichte. Interessant ist daran, dass er, zumindest aus der Sicht des Rezensenten, auch wertvolle Impulse für die Hamburger Polizei beinhaltete. Rosa Leu weiß welche.
11 Minuten
Nach Moskau, nach Moskau zieht es nicht nur die drei Schwestern in Anton Tschechows gleichnamigem Schauspiel, sondern immer wieder auch die norddeutschen Zeitungen im Januar 1925. Nachdem wir uns vor wenigen Tagen mit den Altonaer Neuesten Nachrichten auf die Suche nach Leo Trotzki gemacht haben, besuchen am 24.1. die Harburger Anzeigen und Nachrichten die größte sowjetische Stadt, die seit der Oktoberrevolution auch wieder als Hauptstadt firmierte. Neben den klassisch-historischen Sehenswürdigkeiten um den Roten Platz führt Autor Konrad Elert uns unter anderem auch in das dort nach dessen Tod vor Jahresfrist errichtete Lenin-Mausoleum, schaut sich in den Geschäften um und ahnt an den ersten Bohrlöchern für eine U-Bahn den großen Umbau voraus, der auf Moskau in den Folgejahren in der Tat zukommen sollte. Es liest Frank Riede.
19 Minuten
Die Alte Pinakothek in München mit ihrer Sammlung alter Meister zählt noch heute zu den spektakulärsten Kunstmuseen in Deutschland. Auch dem Besucher Albert Mähl, der heute eher für seine niederdeutschen Dichtungen und Theaterstücke in Erinnerung geblieben ist, hat es die dortige Ausstellung sehr angetan. Nach anfänglicher Distanz gehört seine wortreiche Bewunderung insbesondere den italienischen Exponaten, die in München von Perugino über vor allem Raffael bis Tintoretto reichen. Aber auch die Säle mit den deutschen und flämischen Meistern lassen den Autor im Hamburger Anzeiger vom 23. Januar 1925 ins Schwärmen geraten. Frank Riede schwärmt für uns mit.
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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren