Auf den Tag genau Archiv
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5 Minuten
Der Kapp-Lüttwitz-Putsch vom März 1920 war zwar mit vereinten lagerübergreifend republikanischen Kräften innerhalb weniger Tage abgewehrt worden – die Angst vor einer gewaltsamen Machtübernahme von rechts war damit aber keineswegs vom Tisch. Nachdem die von der eigenen Armeespitze ausgehende Gefahr vorher naiv verkannt worden war, nahm man dort auszumachende Umtriebe nun von Regierungsseite umso nervöser in den Blick und versuchte sich gegen etwaige neue Staatsstreichbestrebungen zu wappnen. Die sozialdemokratische Parteizeitung Vorwärts vom 15. April 1920 belässt es deshalb denn auch nicht bei einem sorgenvollen Bericht aus ostelbischen Kasernen. Sie verbindet diesen vielmehr mit einem vorangestellten Aufruf an die eigenen Parteigenossen, die Republik notfalls auch mit der Waffe zu verteidigen. Es liest Paula Leu.
8 Minuten
Im April 1920 schickte sich die Schulverwaltung von Groß-Berlin an, die Ferienzeiten der Schulen zu reformieren. Ausgehend von der Einsicht, dass es auch eine „Pädagogik der Ferien“ gibt, versuchte man den Kindern eine seelische und körperliche Erholung, vorzugsweise in der Natur außerhalb des innerstädtischen Lebensalltags, zu ermöglichen. Die Berliner Volkszeitung berichtet über diese sozialpädagogischen Pläne in ihrer Ausgabe vom 14. April 1920. Es liest Frank Riede.
2 Minuten
Noch eine Pandemie? Eine Putsch-Pandemie? Am 13.4.1920 berichtet der Berliner Börsen-Courier vom Höhepunkt der sogenannten „Tragischen Woche“ in Guatemala. Der langjährige, das Land autokratisch führende Präsident Manuel Estrada Cabrera war von der Nationalversammlung als zur Amtsführung unfähig erklärt worden. Cabrera hatte seinen Getreuen darauf den Befehl zum Beschuss der Hauptstadt gegeben. In seiner kurzen Notiz stellt der BBC diese Nachricht in die Reihe politischer Putschversuche aus der jüngsten Vergangenheit. Es liest Paula Leu.
8 Minuten
In Bayern gehen die Uhren bisweilen politisch etwas anders: Diese Regel galt auch schon zu Zeiten der Weimarer Republik. Während sich in Berlin in der Revolution von 1918/19 die republikanischen Kräfte durchsetzen, wird in München die berühmte bayerische Räterepublik aus der Taufe gehoben. Sie bleibt freilich eine Erscheinung von kurzer Dauer. Nach den für die USPD verheerenden Landtagswahlen 1919 und dem Attentat auf ihren Kopf und Ministerpräsidenten Kurt Eisner entwickelte sich der Freistaat, im Gegenteil, nun wiederum zu einer Hochburg und zu einem Laboratorium rechtsreaktionärer Kräfte. Eine Tendenz, die spätestens mit dem Kapp-Putsch einsetzte und bereits dem Berliner Tageblatt vom 12. April 1920 Sorgen bereitet. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Die Tageszeitung „Freiheit“ bestand zwischen 1918 und 1922 als Parteizeitung der USPD, also, der Partei, die sich sozusagen als „linker Flügel“ von der SPD abgespalten hatte. Die Zeitung stand dementsprechend der herrschenden Regierungskoalition unter SPD-Führung sehr kritisch gegenüber, vor allem was ihre Zusammenarbeit mit den „bürgerlichen” Parteien anging, etwa bei der Niederschlagung der Aufstände im Industrierevier. Am 11.4. findet sich in der Freiheit ein Artikel, der eine von der allgemein dominierenden Perspektive abweichende Sicht auf die Kämpfe im Ruhrgebiet präsentiert. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Pandemien hat es bekanntlich immer schon gegeben. Zu den schwersten diesbezüglichen Geißeln zählte im 20. Jahrhundert die sogenannte Spanische Grippe, die in den Jahren 1918 bis 1920 in mehreren Wellen um den Globus ging und mit ihren mindestens 25 Millionen Opfern wohl allein mehr Tote forderte als der Erste Weltkrieg. Im Gegensatz zu heute wurden seinerzeit zumindest in Deutschland und Europa indes erstaunlich wenig epidemologische Schutzmaßnahmen ergriffen; das öffentliche soziale und kulturelle Leben pulsierte fast ungebremst weiter. Auf nachgerade skurrile Weise vertraut nehmen sich hingegen die medizinischen Ratschläge gegen eine weitere Verbreitung aus, die die Kliniker seinerzeit aussprachen und die der Vorwärts in seiner Ausgabe vom 10. April 1920 wie folgt zusammenfasst. Es liest Paula Leu.
7 Minuten
Die Berliner Unterwelt, im übertragenen Sinne, hat ihren festen Platz in der Erinnerungskultur an die 20er Jahre. Ein Autor der Morgenpost widmet sich am 9. April 1920 aber der tatsächlichen Unterwelt Berlins, wie er sie dutzende Meter unterhalb der Großstadt vorfindet. Für ihn sind die Kanäle, Leitungen und Tunnel, nun wieder im übertragenen Sinne, die Verdauungsorgane Berlins. Gelesen von Frank Riede.
4 Minuten
Der sogenannte Kapp-Putsch vom 13. März 1920 galt zwar spätestens mit der Beendigung des Generalsstreiks am 23. März als abgewehrt. Die von ihm ausgelösten Erschütterungen zogen allerdings immer noch weite Kreise. Nach wie vor tobten Anfang April vor allem im Ruhrgebiet Kämpfe zwischen aufständischen Arbeitern und der Reichswehr - was wiederum die französische Politik auf den Plan rief, die durch die damit verbundenen deutschen Truppenbewegungen in Grenznähe wesentliche Paragraphen des Versailler Friedensvertrags verletzt wähnte. Unmittelbare Folge war ein Vorstoß französischer Armeeverbände über den Rhein, der in einer mehrtägigen Besetzung Frankfurts am Main und umliegender Städte mündete. Die deutsche Empörung über diese Aktion und die durch sie ausgelösten blutigen Zusammenstöße war enorm, wovon auch der folgende Bericht im Berliner Tageblatt vom 8. April 1920 eindrücklich kündet. Es liest Frank Riede.
6 Minuten
Am 7. April wirft das 8-Uhr Abendblatt einen Blick auf den Fremdsprachenunterricht in Berlin. Welche Fremdsprachen sind beliebt und wer lernt diese Fremdsprachen? Die Ergebnisse der Recherche werden mit der Situation vor dem Ersten Weltkrieg verglichen. Dabei zeigt sich nicht nur eine Verschiebung bei den Präferenzen, sondern auch eine neue am Fremdsprachenerwerb interessierte Kundschaft: die Schieber. Es liest Paula Leu.
5 Minuten
Wie befürchtet kommt es aufgrund der Unruhen an der Ruhr zu einer Polizeiaktion im sogenannten Industriegebiet. Truppen der Reichswehr rücken auf die Hochburgen der Aufrührer vor. Obwohl Kampfhandlungen, wenn möglch, vermieden werden sollen, leidet die Bevölkerung unter der Auseinandersetzung und der Gewalt von beiden Seiten. Politisch gibt es durch das gesamte Spektrum der republikanischen Parteien kaum Widerspruch – obwohl hier zur Verteidigung der Republik auf Truppenteile und auf Freikorps zurückgegriffen wird, die diese noch vor kurzem mit Kapp und Lüttwitz zu stürzen suchten. Der Vorwärts berichtet über den Vormarsch ins Ruhrgebiet am 6.4.1920.
56 Sekunden
Auf den 5. April fiel 1920 der Ostermontag. An diesem Tag erschienen keine Zeitungen, weshalb unser Podcast heute nicht wie gewohnt einen Artikel präsentiert. Sie können natürlich gerne alte Folgen nachhören. Uns bleibt nicht anderers übrig, als Ihnen zu Wünschen, dass Sie gesund durch die Covid 19-Krise kommen.
5 Minuten
Viele, auch in diesem Podcast immer wieder berücksichtigte, Debatten nach dem Ersten Weltkrieg, und noch mehr nach dem gescheiterten Kapp-Putsch, drehten sich um die vergangene und zukünftige Rolle des Militärs. Eine eindeutige Position zum “Beitrag” des Militärs für die Gesellschaft bezieht Kurt Tucholsky in einem unter seinem Pseudonym Ignaz Wrobel veröffentlichten Text in der Berliner Volkszeitung vom 4. April 1920. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Der Kapp-Putsch ist vorbei, aber noch sind nicht alle Landesteile vollständig befriedet. Im Ruhrgebiet kämpfen bewaffnete Gruppen, die sich selbst als ‚Rote Armee‘ bezeichnen und politisch außerhalb der parteimäßig organisierten Linken verorten, um Städte wie Essen, Duisburg oder Bochum. Die Situation ist angespannt, ein polizeiliches Einschreiten der Regierung nicht ausgeschlossen, wie die Vossische Zeitung am 3.4.1920 berichtet. Es liest Paula Leu.
4 Minuten
Heute wie vor einhundert Jahren findet sich weit draußen im Jagen 135 des Grunewalds, nahe des Schildhornwegs, ein abgelegener kleiner Waldfriedhof, für den sich im Volksmund der Name „Friedhof der Namenlosen“ oder „Selbstmörderfriedhof“ eingebürgert hat. Nach den lärmenden Wochen des Kapp-Putsches nimmt sich die Berliner Morgenpost vom 2. April 1920 die Muße, diesem in der Karwoche einen stillen Besuch abzustatten. Und appelliert an Staat und Gemeinde – im Tod seien schließlich alle Menschen gleich –, ihm die gleiche Pflege wie anderen Friedhöfen zukommen zu lassen. Es liest Frank Riede.
6 Minuten
Zwei Wochen nach dem sogenannten Kapp-Putsch sind Einigkeit und Zusammenhalt von demokratischen Parteien und Zivilgesellschaft gegen Rechts beinahe schon Geschichte. Die alten Streitigkeiten brechen wieder auf. In der Berliner Volkszeitung vom 1.4.1920 analysiert der spätere Herausgeber der Weltbühne und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky die Lage und fordert eine neue demokratische Parole, eine offene, wahrhafte Politik der Eindeutigkeit, um den Herausforderungen der kommenden Zeit gewachsen zu sein. Es liest Paula Leu.