Auf den Tag genau Archiv
2057 Episoden
7 Minuten
Das beschauliche oberösterreichische Städtchen Ischl war zu k.u.k.-Zeiten so etwas wie die heimliche Sommer-Hauptstadt Österreich-Ungarns. Alljährlich residierte Franz Josef I. hier mit seinem gesamten Hofstaat zur Sommerfrische und ließ ganz Ischl wochenlang in Kaisergelb erstrahlen. Mit diesem imperialen Glanz war es nach der Abdankung des Kaisers und dem Zerfall der Doppelmonarchie naturgemäß vorbei, und Ischl über Nacht ein profaner Ort im Salzkammergut. Wie sehr die kaiserliche Vergangenheit freilich immer noch hinter jeder Ecke hervorlugte und der daraus resultierende Phantomschmerz die Atmosphäre an der Traun prägte, weiß der große Feuilletonist Alfred Polgar in seinem vorösterlichen Reisebericht im Berliner Tageblatt vom 31. März 1920 zu beschreiben. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Der Erste Weltkrieg mit seiner abschließenden militärischen Niederlage hatte Deutschland nicht nur politisch und wirtschaftlich isoliert. Die Ächtung vor allem in der sogenannten westlichen Welt erstreckte sich vielerorts auch auf die deutsche Kultur, die sich – erklärt oder unerklärt – gerade in Amerika jahrelang ausgeprägter Boykottmaßnahmen ausgesetzt sah. Von dem zarten Pflänzchen einer vorsichtigen Rückkehr deutscher Komponisten in das Konzertleben berichtet am 30. März 1920 aus New York der Korrespondent der B.Z. am Mittag – und auch von feinen Unterschieden, die dabei zwischen einzelnen Künstlern vorerst gemacht wurden. Gelesen von Paula Leu.
5 Minuten
Die Weimarer Zeitungen hatten alle eine Rubrik für kleine und Kleinstmeldungen, die jeweils unterschiedliche Namen trugen: Drahtmeldungen oder Aus aller Welt. Im Falle der Neuköllnischen Zeitung hieß sie Lokales und Vermischtes. In der Ausgabe vom 29. März liest man dort etwa von einer spektakulären Schmugglerjagd, von den Berufsqualifikationen einer Fernsprechgehilfin und vom S-Bahn-Todesschützen. Es liest Frank Riede.
2 Minuten
Nach der erfolgreichen Abwehr des Kapp-Putsches war recht schnell klar, dass das zwischenzeitlich nach Stuttgart geflohene Kabinett unter dem Sozialdemokraten Gustav Bauer am Ende war. Am 28. März konstituierte sich eine neue Regierung unter dem Sozialdemokraten Herrmann Müller. An der Macht blieb aber eine Koalition aus SPD, Zentrumspartei und der Deutschen Demokratischen Partei, der DDP. Die neue Ministerliste präsentieren alle Zeitungen des Tages, sowie sie auch von der juristischen Verteidigung des ehemaligen Generals Ludendorff berichten, der nicht am Kapp-Putsch beteiligt gewesen sein will. Hier die entsprechende Meldung aus der Vossischen Zeitung.
6 Minuten
Der Kapp-Putsch hatte gezeigt, wie sehr auch große Teile der Reichswehr noch durch anti-demokratisch monarchistische Kräfte bestimmt waren. Statt sie zu schützen, schien das Militär eher Gefahr für die junge Republik zu sein. In der Berliner Volkszeitung vom 27. März 1920 fordert Willy Meyer, Hauptmann a.D, eine radikale Lösung: Statt Soldaten in Uniform brauche es Polizisten im Trainingsanzug, statt Säbeln, Gummiknüttel, um die Sicherheit des neuen Staatswesens zu garantieren. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
Die Frage, wie sich die Republik zukunftssicher machen und ihre Jugend in republikanischem, weltoffenem Geist erziehen kann, wird zu Beginn der 1920er Jahre immer wieder diskutiert. Das Verhältnis der staatlichen Bildungseinrichtungen, vor allem der Schulen steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. In seinem Beitrag für den Vorwärts vom 26. März 1920 erläutert Oberlehrer Doktor Erich Witte die Bedeutung der Entscheidung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in diesem Zusammenhang, die noch aus dem Kaiserreich stammenden Lehrbücher für den Geschichtsunterricht durch neue, republikanisch taugliche zu ersetzen. Es liest Frank Riede.
9 Minuten
Natürlich beschäftigen sich auch am 25. März die Leitartikel der Hauptstadtpresse mit den überstandenen Kapp-Putsch. Das Berliner Tageblatt hebt besonders eine Charakteristik der Putschisten hervor, nämlich die massive Verbreitung dessen, was wir heute als „Fake-News“ oder „alternative Fakten“ bezeichnen würden. Zudem wird eine ausgesprochene „Verantwortungsflucht“ der Beteiligten herausgestellt. Weder die direkt am Putsch beteiligten, noch die rechten Sympathisanten in Presse und Politik stellen sich ihrer Verantwortung, sondern entziehen sich dieser durch Flucht oder neue „Fake-News“. Es liest Frank Riede.
7 Minuten
In der ersten Ausgabe nach Beendigung des Generalstreiks zieht die Vossische Zeitung ein erstes Fazit der Ereignisse. Der Autor hebt die breite Koalition aus bürgerlichen Milieus und der Linken hervor, die wesentlich zum Scheitern des Putsches beitrug. Aber er beklagt auch die unübersichtliche Lage bei den noch wütenden Kämpfen, vor allem im Ruhrgebiet, bei denen die rechten Freicorps nun doch wieder gegen die „bolschewistische Gefahr“ kämpfen. Eines ist für ihn klar: Es kann nach diesem Putschversuch kein „weiter so“ geben, keine Rückkehr zum Zustand vor dem Putsch. Es liest Paul Leu.
2 Minuten
Am 23. März 1920 erscheinen in Folge des Generalstreiks wegen des sogenannten Kapp-Putsches letztmals keine Zeitungen in Berlin. Zwar haben etliche Betriebe ihre Arbeit wieder aufgenommen, und auch die Omnibusse fahren wieder. Die Druckereien sind jedoch weiter im Ausstand, da unter den Streikenden noch immer Uneinigkeit über dessen Fortsetzung besteht. Das ändert sich, als im Laufe des Tages auch die USPD-Mitglieder der Berliner Zentralstreikleitung ihre Zustimmung zum Abbruch des Generalstreiks geben. Während Berlin in der Folge langsam zur Normalität zurückkehrt, setzen sich die Kämpfe in anderen Teilen des Landes unvermindert fort. Der Arbeiteraufstand im Ruhrgebiet hatte sich fast bis Münster ausgedehnt. Rechte Freicorpskräfte sammelten sich daraufhin am 23. März in Hamm. Soeben noch unter der Flagge von Kapp und Lüttwitz an der Erhebung gegen die Republik beteiligt, sollten sie nun im Namen eben dieser Republik die linke Revolte gewaltsam niederschlagen.
8 Minuten
Auch am 22. März 1920 konnte von einer vollständigen Rückkehr zur Normalität nach den Wirren des sogenannten Kapp-Putsches und dem gegen diesen gerichteten Generalstreik noch immer nicht die Rede sein. Während in den meisten Fabriken die Arbeit langsam wieder aufgenommen wurde, war das Berliner Zeitungswesen auch weiterhin lahmgelegt. Eine einsame Ausnahme machte die sozialdemokratische Parteizeitung Vorwärts, die in einer Sonderausgabe vorerst einmalig erscheinen konnte. Allbeherrschendes Thema in dieser waren natürlich der Putsch und seine Folgen. Der Leitartikel ‘Vorwärts in den Kampf‘ lässt wenig Sympathie für die räterepublikanische Linke erkennen, deren Aufstand vor allem im Ruhrgebiet immer noch andauerte. Zugleich plädiert er jedoch für einen klaren Linksschwenk der SPD in Hinblick auf die vorgezogene Reichstagswahl im Frühsommer – und für einen konsequenten Rückzug des bisherigen Reichswehrministers Gustav Noske. Gelesen von Frank Riede.
2 Minuten
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
2 Minuten
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
2 Minuten
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
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Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.