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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
9 Minuten
Die Berliner Arbeiterviertel und Hinterhöfe sind schon um schon um 1900 ein sozialer Brennpunkt. Wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den ersten Nachkriegsjahren aber Verschärfen diese Situation noch. Die Vossische Zeitung vom 5.11.1920 zeichnet ein deprimierendes Bild. Kinder und Alte sind – wie immer – besonders betroffen. Und der Winter ist nah. Gelesen von Paula Leu.

America first!

9 Minuten
Auch am Tag danach, dem 4. November 1920, waren die US-Präsidentschaftswahlen immer noch das bestimmende Thema in der deutschen Presse. Mit dem Wahlsieg des Republikaners Warren G. Harding verband sich bei nicht wenigen in Berlin die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung der Beziehungen zwischen den vormaligen Kriegsgegnern, andere blieben skeptisch. Zu letzteren zählte kaum überraschend auch die naturgemäß wenig amerikafreundliche Rote Fahne, die Parteizeitung der KPD, die zwischen den außenpolitischen Programmen beider großen Parteien bzw. ihrer Kandidaten keine großen Unterschiede erkennen mochte: Beide würden sich vom geschwächten Europa absehbar wieder abwenden und auf eine America first-Politik zurückziehen. Es liest Frank Riede.
8 Minuten
1920 fiel der erste Dienstag nach dem 1. November auf den 2. November und nicht wie dieses Jahr auf den 3. November, an welchem die Welt vor einhundert Jahren das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen entsprechend schon kannte: Auch wenn verbindliche Zahlen aus den einzelnen Staaten noch nicht vorlagen, war an der Kür des Republikaners Harding zum Nachfolger des Demokraten Wilson nicht zu deuteln. Wie allgemein bekannt (und der Artikel aus der Vossischen Zeitung bestätigt,) hat sich am Wahlprocedere mit den Wahlmännern, dem ‘Winner-takes-it-all‘-Prinzip und den zeitgleichen Kongresswahlen seither nichts geändert. Deutlich verschoben haben sich indes, auch das macht der Bericht deutlich, die Hochburgen der beiden Parteien – und die Sympathien der deutschen Beobachter, die den Demokraten seinerzeit die Versailler Nachkriegsordnung übel nahmen. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Vor einigen Monaten berichtete in unserem Podcast ein Filmkritiker von den Dreharbeiten zu Paul Wegeners Film „Golem, wie er in die Welt kam“ in den aufwändigen expressionistischen Bauten von Hans Pölzig auf dem Tempelhofer Feld. Am 29. Oktober feierte der fertige Film im Ufa Palast am Zoo seine Premiere und wurde in der Folge zu einem der erfolgreichsten deutschen Stummfilme im In- und Ausland. Nicht nur die Kulissen, die Schauspielleistungen machen den Film besonders, sondern auch eine eigens für den Film komponierte Filmmusik. Wurden frühere Stummfilme in der Regel von kleinen Orchestern oder einem Pianisten mit bereits bekannten Musikfetzen, die zu der im Film dargestellten Emotion passen sollten, begleitet, zeigt sich an der aufwändigen Komposition für den Golem der Anspruch des Films, als ein vollwertiges Kunstwerk anerkannt zu werden. Dies schlägt sich auch in der Filmkritik in der Vossischen Zeitung vom 2. November nieder, in der beinahe 50 Prozent des Artikels der Filmmusik gewidmet sind. Es liest Frank Riede.
1 Stunde 15 Minuten
In dieser Sonderfolge unseres Podcasts hören Sie die Gesamtfassung eines Gesprächs zwischen Hans-Jörg Lieder, Christian Mathieu und Clemens Neudecker von der Staatsbibliothek Berlin und Jan Fusek vom Auf den Tag genau-Team. Für die Moderation dieser Gesprächsrunde danken wir herzlich Florenz Gilly.
5 Minuten
Als Helgoland 1890 von einem britischen Seebad zu einer deutschen Festungsinsel wurde, war die Frage, ob die Helgoländer selbst tatsächlich Preußen werden wollten, zweitrangig behandelt worden. Um das Zugeständnis einer Reihe von Sonderrechten an die Einwohner der Insel aber kamen die Vertragsparteien nicht herum. Als diese im Zusammenhang der administrativen Neuordnung nach dem 1. Weltkrieg aufgehoben werden sollten, kam es auf Helgoland zur ‚Rebellion’. Nicht zuletzt die Ausweitung des Kommunalwahlrechts auf Zugezogene empörte die eingeborenen Helgoländer, was wiederum die Freiheit vom 1.11.1920 als partikularistisch und nationalistisch scharf kritisiert. Es liest Paula Leu.
9 Minuten
Nachdem unser Podcast vorgestern einen Blick in den alten Westen des Reiches, nach Köln, geworfen hat, richtet sich dieser heute in die entgegengesetzte Richtung: in die „Stadt des Ostens“, wie die berichtende Berliner Volks-Zeitung vom 31. Oktober 1920 sie nennt, nach Breslau. Vormals als verschnarchter Hort der Reaktion verschrien, sieht Korrespondent Hans Gathmann die Hauptstadt Niederschlesiens mittlerweile, trotz aller Nöte der Nachkriegszeit, auf dem guten Weg zu einer modernen, liberalen Großstadt im Osten des Reiches. Es liest Frank Riede.
5 Minuten
Vor einhundert Jahren – man erinnert sich mit Wehmut – waren die Vereinigten Staaten von Amerika noch eine stabile Demokratie. So stabil und unaufgeregt, dass Präsidentschaftswahlen – man kann es sich kaum vorstellen – mitunter fast ein wenig langweilig gerieten. Ob auf den (vor allem in Deutschland sehr unbeliebten) Kriegspräsidenten Wilson sein demokratischer Parteifreund Cox oder der republikanische Kandidat Harding folgte, schien die Amerikaner nicht sonderlich umzutreiben und von den wirklich wichtigen Ereignissen des Lebens abzulenken. Der Korrespondentenbericht der Berliner Morgenpost vom 30. Oktober 1920 handelt denn auch fast weniger vom laufenden Wahlkampf als von den Endspielen um die nationale Baseball-Meisterschaft – bzw. von den neuartigen Live Tickern, mit denen die Menschen auf dem New Yorker Times Square und in den Bahnhöfen der Provinz diese verfolgten. Es liest Paula Leu.
9 Minuten
Nicht Berlin, Köln ist das eigentliche Zentrum Deutschlands. Zumindest, wenn man die Kölner fragt. Im Nachkriegsjahr 1920 kommt die spezielle geographische wie kulturgeschichtliche Position der Domstadt auf besondere Weise zum Tragen. In ihren engen Gassen mischen sich ausländische Glücksritter mit Einheimischen, die von der großen Metropolenzukunft träumen; das mittelalterliche Erbe mit all seinen Geschichten spiegelt sich im Schmuggler- und Kleinkriminellenalltag der Gegenwart. In diesem Niemandsland seiner Stadthistorie sieht Heinrich Goeres Köln in einem für den Vorwärts des 29.10. verfassten Beitrag und schlägt dabei durchaus auch unangenehme völkisch-nationale Untertöne an. Seine Hoffnung auf einen die ehrwürdige colonia agrippina wieder zu selbstbewusstem Glanz geleitenden Führer sollte sich – freilich als nicht ganz bewusste – Vorahnung der dunkelsten Epoche deutscher Geschichte herausstellen. Es liest Frank Riede.
6 Minuten
In den 1920ern bildete sich in der rasch wachsenden Filmindustrie ein System heraus, wie es schon lange in der Theater- und Opernwelt existierte. Filmdiven, von lat. divus, göttlich, dominierten die mediale Berichterstattung und sorgten durch ihre Anwesenheit für „besondere“ Filmvorführungen, in denen es freilich, wie ein Autor für den Vorwärts vom 28. Oktober 1920 beklagt, nicht mehr um den Film selbst ging. Aus Amerika schwappte eine andere Bezeichnung nach Deutschland, die sich auf lange Sicht durchsetzte: Filmstar, von engl. star, Stern. Oder doch von einem Singvogel? Es liest Paula Leu.
10 Minuten
Herbstzeit ist Weinlesezeit, heute wie vor einhundert Jahren. Und heute wie vor einhundert Jahren ist es vor allem der Riesling, der den Weltruf des deutschen Weines begründet. Zu seinen berühmtesten Anbauregionen zählt, wiederum heute wie vor einhundert Jahren, der Rheingau, dessen berühmten steilen Südhängen und malerischen Winzerdörfern das Berliner Tageblatt vom 27. Oktober 1920 einen Besuch abstattet. Mit Blick auf das Wetter zeigt sich der Autor dabei durchaus optimistisch, dass das für Deutschland so entbehrungsreiche Jahr wenigstens einen guten Wein bringen möge. Und tatsächlich: 1920 gilt zumal im Rheingau als sehr guter Jahrgang, für dessen Trockenbeerenauslesen man heute gut und gern drei-, viertausend Euro die Flasche hinlegen muss. Für uns trinkt bzw. liest Frank Riede.
8 Minuten
Reisen war vor einhundert Jahren bekanntermaßen noch ein ziemlich exklusives Vergnügen der begüterteren Stände. Dennoch – oder gerade deshalb – fiel der Radius der Reiseberichte in der zeitgenössischen Presse kaum geringer aus, als wir es aus unseren Zeitungen kennen. So machte sich zum Beispiel die Vossische Zeitung vom 26. Oktober 1920 auf in ein Land, das selbst heute noch zu den exotischsten Destinationen in Europa zählt: ins Land der Skipetaren, nach Albanien. Der umtriebige Berichterstatter Mario Passarge berichtet von einer urigen Schiffspassage und verwebt seine dort gemachten Beobachtungen mit allgemeineren Bemerkungen zur Weltlage. Es liest Paula Leu.
6 Minuten
Am 25. Oktober 1920 begann der Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei in Hannover. Und auch das Berliner Tageblatt desselbigen Tages berichtete. Die nationalkonservative DNVP hatte eine unter anderem antisemitische und monarchistische Agenda. Nach dem Kapp-Putsch aber war die Partei 1920 an Regierungskoalitionen beteiligt, stellte Minister und unterdrückte vorübergehend ihren rechtsradikalen Flügel. Auch auf dem Parteitag wurde offenbar die soziale Frage in den Vordergrund gestellt, und eine Ausweitung der Wählerschaft angestrebt. Es liest Paula Leu.
8 Minuten
Der österreichische Journalist und spätere Romanautor Joseph Roth war im Frühjahr 1920 nach Berlin gekommen und arbeitete dort für verschiedene Zeitungen, insbesondere für den Berliner Börsen-Courier. Dort erschien am 24.10. des Jahres auch ein kleines Feuilleton über die „Tyrannei der Stunde“. Die temporäre Freiheit von seiner im Leihhaus hinterlegten Uhr veranlasst Roth, über das Verhältnis des modernen Menschen zur Zeit zu reflektieren. Sind wir ihr Herr oder ihr Sklave? Zeit ist, was wir aus ihr machen. Wir können die Uhr bezwingen. Wenn wir es wollen, so das Résumé der Überlegungen. Es liest Frank Riede.

…wiki

4 Minuten
Im November 1919 rief sich Lettland zu einer Republik aus und erkämpfte sich im darauf folgenden Krieg mit Sowjetrussland, der mit dem Friedensschluss im August 1920 endete, die territoriale Unabhängigkeit. Doch war dieser Unabhängigkeitskrieg zugleich, wie es in Russland auch der Fall war, ein Bürgerkrieg, in dem rote, bolschewistische lettische Verbände gegen bürgerliche, weiße Verbände kämpften. Und in diesem unübersichtlichen Feld versuchte die aufs deutsche Militär gestützte deutschbaltische Minderheit vergeblich, den deutschbaltischen Einfluss, der ja seit den Kreuzrittern des Livländischen Ordens aus dem 13. Jahrhundert in der Region präsent war, zu erhalten. Die Ritter hatten 1265 in dem von Liven besiedelten Gebiet das Schloss Mitau gebaut, um das herum die Stadt Mitau (auf lettisch: Jelgava) entstand. Dort spielt die in der Berliner Volks-Zeitung vom 23. Oktober 1920 kolportierte Anekdote aus den Bürgerkriegswirren, die Paula Leu für uns liest.
Auf den Tag genau

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Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren