Was passiert mit unserem Selbstbild, wenn Maschinen auch die
Arbeit übernehmen können, auf die wir stolz sind? Norman Müller
spricht mit Prof. Dr. Gunter Dueck, Mathematiker, Informatiker
und ehemaligem Chief Technology Officer von IBM Deutschland, über
sein neues Buch „Die neue Krone der Schöpfung“. Gunter entwickelt
darin eine Zukunftsvision humanoider Roboter und fragt, wie viel
von unserem Arbeitsverhalten wir schon heute nach festen Vorgaben
ausrichten.
Im Gespräch geht es um mögliche Unterstützung im Alter,
Roboterfähigkeiten zum Nachladen und Deutschlands Rolle zwischen
Zulieferindustrie und eigenen Produkten. Gunter erzählt außerdem,
wie er selbst Veränderungen im Geschäft mit Büchern und Vorträgen
erlebt. Wir diskutieren, welche Aufgaben Menschen künftig
übernehmen könnten und weshalb ein technischer Fortschritt allein
noch keine Antwort auf die berufliche Zukunft jedes Einzelnen
gibt.
* 00:00 Gunter Dueck und die neue Krone der Schöpfung
* 01:25 KI als nächste Kränkung unseres Selbstbilds
* 03:33 Teamfähigkeit, Kreativität und die Grenzen heutiger KI
* 07:20 Welche Aufgaben bleiben uns Menschen?
* 08:48 Der Funktionsmensch: Arbeit nach Anreizen und Vorgaben
* 15:38 Deutschlands Chance in der humanoiden Robotik
* 16:58 NEURA Robotics und die Idee nachladbarer Fähigkeiten
* 19:30 Roboterhände und der Preis deutscher Perfektion
* 24:06 Warum ein Haushalt so schwer zu automatisieren ist
* 25:11 Roboter als Begleiter im Alter
* 27:34 Selbstständigkeit, Einsamkeit und Beziehungen zu
Maschinen
* 30:28 Uncanny Valley: Wie menschlich sollen Roboter aussehen?
* 33:41 Sicherheit und kulturelle Unterschiede im Umgang mit
Robotern
* 35:08 Photonische Chips und die Frage nach marktfähigen
Produkten
* 38:53 Was Autoindustrie und Robotik verbindet
* 40:33 Entscheidungen, Kooperationen und Umsetzungstempo
* 43:14 Xiaomi als Beispiel für industrielle Geschwindigkeit
* 47:11 Wann Menschen einer neuen Technik vertrauen
* 50:26 Konkrete Anwendungen statt pauschaler Zukunftsurteile
* 52:43 Wie Gunter Veränderungen bei Vorträgen und Büchern erlebt
* 55:17 Die Idee einer dirigierenden Rolle für Menschen
* 57:24 Pflege, Generationen und demografischer Wandel
* 01:01:04 Regeln für Roboter und das Buch zur Folge
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Shownotes
Prof. Dr. Gunter Dueck ist Mathematiker, Informatiker und Autor.
Als ehemaliger Chief Technology Officer von IBM Deutschland
beschäftigt er sich mit technischen Veränderungen und ihren
Folgen für Arbeit und Gesellschaft. Zu seinen Büchern gehören
„Schwarmdumm“ und „Das Neue und seine Feinde“. In dieser Folge
spricht er als Autor über die Überlegungen hinter seinem neuen
Buch „Die neue Krone der Schöpfung“.
* Gunter auf LinkedIn https://www.linkedin.com/in/gunterdueck/
* Omnisophie: Gunters Website, Blog und weitere Bücher
https://www.omnisophie.com/
* „Die neue Krone der Schöpfung“ beim Redline Verlag:
Buchinformationen und Bestellung
https://www.m-vg.de/redline/shop/article/25794-die-neue-krone-der-schoepfung/
* Daily Dueck 392: Buchteaser und frühe Gedankenskizze zum Buch.
Hier nennt Gunter auch die Kontaktmöglichkeit für signierte
Exemplare.
https://www.omnisophie.com/die-neue-krone-der-schoepfung-humanoide-als-bessere-menschen-daily-dueck-392-oktober-2026/
* NEURA Robotics: im Gespräch angesprochener Robotikhersteller
und Zugang zum Neuraverse https://neura-robotics.com/
* Unitree Robotics: im Gespräch genannte Roboter zum eigenen
Anschauen
https://www.unitree.com/
* SCHUNK: im Gespräch angesprochene Greif- und
Automatisierungstechnik https://schunk.com/de/de
Was wird aus unserer Arbeit, wenn Roboter mehr
können?
Gunter erzählt von seinem Enkel. Zum sechsten Geburtstag fragt er
ihn, ob er gern einen Roboter hätte. Die Antwort kommt ohne
philosophischen Umweg: Er soll das Spielzimmer aufräumen.
Ausgerechnet diese scheinbar kleine Aufgabe hält Gunter für
schwierig. Zwischen Spielsachen, persönlichen Vorlieben und
wechselnder Unordnung müsste die Maschine verstehen, was wohin
gehört und was sie besser liegen lässt.
Die Geschichte passt zu unserem Gespräch. Wir wünschen uns einen
Helfer, der uns Arbeit abnimmt. Sobald wir genauer hinsehen,
müssen wir klären, welche Arbeit wir meinen und woran wir
erkennen, dass die Maschine sie zuverlässig erledigt. Ein Kind
möchte sein Zimmer aufgeräumt haben. Ein älterer Mensch braucht
vielleicht jemanden, der ihn beim Einkaufen begleitet. Ein
Unternehmen sucht eine Lösung für einen bestimmten Handgriff.
Prof. Dr. Gunter Dueck denkt diese Wünsche in seinem Buch „Die
neue Krone der Schöpfung“ weiter. Seine Zukunftsvision fordert
unser Selbstbild heraus: Wie reagieren wir, wenn Maschinen auch
Fähigkeiten übernehmen, mit denen wir bisher unseren eigenen Wert
begründet haben?
Der Funktionsmensch als Vorlage für die Maschine
Gunter führt einen Begriff ein, an dem ich hängen bleibe: den
Funktionsmenschen. Er meint damit Menschen, deren Verhalten im
Beruf durch Abläufe, Anreize und Erwartungen geprägt ist. Sie
sollen freundlich auftreten, Aufgaben nach Vorgabe erledigen und
sich im Team so verhalten, wie das Unternehmen es verlangt.
Seine These lautet, dass sich gerade solche ausdrücklich
beschriebenen Verhaltensweisen als Vorlage für Maschinen eignen
könnten. Wer von Beschäftigten vor allem erwartet, dass sie
vorgegebene Schritte ausführen, muss damit rechnen, dass auch
Maschinen für diese Schritte entwickelt werden. Gunter überträgt
diesen Gedanken auf humanoide Roboter und auf das soziale
Verhalten, das wir uns von ihnen wünschen könnten.
Das ist eine weitreichende Zukunftserwartung. Aus einem höflichen
Dialog mit einem Sprachmodell folgt noch keine verlässliche Hilfe
in einer Wohnung oder einem Pflegeheim. Im Gespräch interessiert
mich aber auch die Frage an uns selbst: Welche Freiräume nutzen
wir bei unserer Arbeit? Wo entscheiden wir, hinterfragen einen
Ablauf oder übernehmen Verantwortung für etwas, das sich vorher
niemand genau überlegt hat?
Wenn wir über menschliche Stärken sprechen, sollten wir an
solchen konkreten Situationen ansetzen. Sonst erklären wir eine
Fähigkeit zur letzten menschlichen Bastion und müssen unsere
Behauptung nach dem nächsten technischen Fortschritt wieder
zurücknehmen.
Hilfe im Alter braucht einen klaren Auftrag
Beim Thema Pflege wird die Diskussion greifbar. Gunter stellt
sich einen Roboter vor, der Zeit für Menschen hat, an das Essen
erinnert, ein Lied singt oder jemanden zu einem Spaziergang
ermuntert. Er beschreibt mögliche Formen der Begleitung. Einen
Menschen aus dem Bett zu heben ist eine andere Aufgabe, mit
anderen körperlichen Anforderungen und Folgen bei einem Fehler.
Ich bringe die Vorstellung ein, mit Unterstützung länger in der
eigenen Wohnung leben zu können. Gemeinsam einkaufen gehen,
Einkäufe tragen lassen oder eine Erklärung wiederholen können,
ohne sich für die erneute Nachfrage zu schämen: An solchen
Beispielen lässt sich über einen möglichen Nutzen sprechen. Ob
ein bestimmter Roboter das sicher und bezahlbar leisten kann,
müsste man jeweils prüfen.
Gunter widerspricht auch der Vorstellung, ein Roboter müsse einem
Menschen äußerlich möglichst nahekommen. Er spricht über das
Uncanny Valley, also das Unbehagen, das eine beinahe menschliche
Erscheinung auslösen kann. Vielleicht wäre uns ein erkennbarer
Roboter oder eine freundlich gestaltete Figur angenehmer.
Für mich steckt darin eine Gestaltungsfrage: Wie soll sich die
Unterstützung für den Menschen anfühlen, der sie tatsächlich
nutzt? Ein Hersteller kann eine beeindruckende Maschine
vorführen. Ob jemand mit ihr in seiner Wohnung leben möchte,
erfahren wir erst, wenn wir seine Wünsche ernst neh…
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