Folge 104 beginnt 1994.
Maxi Dance Sensation 12. Jam & Spoon. Culture Beat. DJ Bobo.
Nissan Terrano. Kassette im Radio.
Hannes trifft nach Jahrzehnten einen alten Schulfreund wieder und
innerhalb weniger Minuten sind plötzlich all die Geschichten
wieder da: BMX Räder mit Teilen vom Schrottplatz, selbst gebaute
Federgabeln und die Erkenntnis, dass Musik manchmal zuverlässiger
Zeitreisen ermöglicht als jeder DeLorean.
Sascha landet parallel wieder 1988 bei der Augsburger
Puppenkiste.
Und damit wären wir eigentlich schon bei dem, worum es
Maschinenhort seit zwei Jahren immer wieder geht:
Dinge, die einen innerhalb von Sekunden zurück in eine andere
Zeit werfen.
Das funktioniert mit Musik.
Mit Autos sowieso.
Und manchmal merkt man erst beim direkten Vergleich, warum man
diese alten Kisten eigentlich so liebt.
Sascha fährt aktuell einen fast neuen Mietwagen und stellt
ziemlich schnell fest: Spurhalteassistent, Displays und
elektronische Helfer machen ein Auto nicht automatisch besser.
Hannes kann ein noch traurigeres Lied davon singen.
Sein Firmenwagen erkennt sein iPhone nicht mehr.
Elf Schritte später funktioniert CarPlay vielleicht wieder. Bis
zum nächsten Termin.
Und wenn das Auto dann morgens nach fünf Minuten Fahrt fragt, ob
man nicht vielleicht eine Pause brauche, bleibt eigentlich nur
eine angemessene Antwort:
"Lüg mich an, du miese Karre!!! Sag wenigstens, dass ich gut
aussehe."
Von dort aus geraten wir zwangsläufig in die etwas größere Frage:
Was passiert eigentlich gerade mit der europäischen
Autoindustrie?
Hannes sieht beruflich chinesische Hersteller, deren Ausstattung,
Technik und Preis Leistungs Verhältnis inzwischen ziemlich brutal
wirken.
Unsere These:
Europa steht nicht kurz davor, den Anschluss zu verlieren.
Der Anschluss ist teilweise schon weg.
Markentreue wird für kommende Generationen möglicherweise weit
weniger wichtig sein als für uns. Ähnlich wie bei Jeans,
Stereoanlagen oder Unterhaltungselektronik.
Wenn das Auto aus China besser ausgestattet ist, weniger kostet
und im Alltag funktioniert, reicht ein Stern oder ein Propeller
auf der Haube irgendwann vielleicht nicht mehr.
Und genau deshalb landen wir wieder bei den Autos, die uns noch
etwas geben.
Sascha macht seinen Range Rover L322 zum Ganzjahresauto.
280.000 Kilometer, V8 Diesel und genug kleine Geräusche, bei
denen man die Musik einfach etwas lauter drehen muss.
Hannes wiederum hat den Golf 3 GTI jetzt tatsächlich gekauft.
Noch steht er nicht im Männerhort, aber Scheinwerfer, Blinker,
Auspuff und diverse andere Teile liegen bereits bereit.
Natürlich sollte das Auto ursprünglich weitgehend original
bleiben. Mittlerweile sprechen wir über Fahrwerk, Felgen,
Bremsen, Lochkreis Umbau, Auspuffanlage und Smart Repair.
Also alles ganz normal.
Folge 104 ist damit eine Reise von 1994 bis zum chinesischen
Automarkt, vom Kassettenradio bis CarPlay und vom Mietwagen
zurück zum Range Rover.
Und am Ende bleibt eine beruhigende Erkenntnis:
Wenn das Fenster nicht mehr hochgeht, hilft notfalls ein
Schraubenzieher.
Wenn das Handy sich nicht verbindet, wird es kompliziert.
Viel Spaß mit der neuen Folge Maschinenhort.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.