In Folge 3 spricht Thomas Steierer mit der Schriftstellerin,
Lyrikerin und Kulturpreisträgerin Nora Gomringer und dem Münchner
Buchhändler Thomas Vogelsang über die biografischen und emotionalen
Ursprünge des Schreibens, die Herausforderungen bei der Arbeit an
einem ersten Roman über die eigene Familie sowie den
unternehmerischen und gesellschaftlichen Alltag des unabhängigen
Buchhandels. Thematisiert werden zudem die Professionalisierung im
Literaturbetrieb, der Umgang mit Erinnerungen als fluidem Material,
die veränderten Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden sowie die
Bedeutung des persönlichen Austauschs zwischen Autorschaft und
Buchhandel. Ergänzt wird das Gespräch durch eine Lesung Nora
Gomringers aus ihrem Debütroman „Am Meerschwein übt das Kind den
Tod“, einen Einspieler-Beitrag der Leserin Silke zu ihren
literarischen Präferenzen sowie durch literarische Entdeckungen und
Empfehlungen der Gäste Nora Gomringer und Thomas Vogelsang. Gäste:
Nora Gomringer (*1980 in Neunkirchen/Saar, aufgewachsen in
Oberfranken) ist Schriftstellerin, Lyrikerin und
Spoken-Word-Künstlerin. Sie studierte Amerikanistik, Germanistik
und Kunstgeschichte in Bamberg. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche
Auszeichnungen, darunter 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis für den
Prosatext „Recherche“ sowie 2025 den Kasseler Literaturpreis für
grotesken Humor. 2025 erschien ihr Prosadebüt „Am Meerschwein übt
das Kind den Tod“. Seit 2010 leitet sie als Direktorin das
Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Thomas
Vogelsang (*1970 in München) studierte Germanistik und Geschichte.
Nach einigen Jahren als angestellter Buchhändler machte er sich
2005 selbstständig und eröffnete die Buchhandlung „Buch und Töne“
im Münchner Stadtteil Haidhausen. Mittlerweile betreibt er vier
Standorte in München, das Stammhaus in Haidhausen, die „Auslese“
nebenan, eine Filiale im Univiertel in der Maxvorstadt sowie einen
Standort am Rindermarkt. (03:20) – Vom Suchen und Finden der
eigenen Sprache Nora Gomringer spricht über ihre literarisch
geprägte Kindheit als Tochter des Dichters Eugen Gomringer, ihren
frühen Entschluss im Jugendalter, Autorin zu werden, sowie über den
tiefen Einschnitt durch den Tod ihrer Mutter im Dezember 2020, der
den emotionalen Anstoß für ihr Romandebüt gab. (06:37) – Erinnerung
als fluidem Material und das Lektorat Nora Gomringer gibt Einblicke
in die Schwierigkeiten beim Verfassen eines längeren Textes ohne
klassischen Plot, den Umgang mit realen Personen im Text, die
redaktionelle Unterstützung durch Lektor Helge Pfannschmidt, ihren
gezielten Einsatz einer Sensitivity Readerin sowie ihre aktuellen
Schreibprojekte und künftigen Publikationen. (15:24) –
Professionalität im Literaturbetrieb und das Amt in der Villa
Concordia Nora Gomringer plädiert für Zuverlässigkeit, korrekten
E-Mail-Umgang und ein professionelles Auftreten hinter den
Kulissen. Zudem erläutert sie die klare Trennung ihrer
künstlerischen Arbeit von ihrer Leitungsfunktion als
Behördenleiterin des Künstlerhauses Villa Concordia, wobei sie
versucht, den kreativen Gästen eine gute und produktive Zeit in
Bamberg zu ermöglichen. (20:56) – Lesung aus „Am Meerschwein übt
das Kind den Tod“ Nora Gomringer liest eine Passage aus dem Kapitel
„Altes Gerät“ über den Verlust vertrauter Haushaltsrituale nach dem
Tod der Mutter und das symbolische Ableben des alten Kühlschranks.
(24:54) – Der Buchhandel als Basisdemokratie und unternehmerisches
Risiko Thomas Vogelsang blickt auf über 20 Jahre Selbstständigkeit
zurück, schildert die skeptischen Reaktionen von Banken bei der
Geschäftseröffnung im Jahr 2005 („Wer liest denn heute noch?“), die
zeitliche Belastung durch Vertreterreisen sowie die physische und
mentale Anforderung einer 60-Stunden-Woche. (38:34) – Wandel der
Kundenbedürfnisse und das Miteinander im Laden Thomas Vogelsang
berichtet von der aktuellen Nachfrage nach leichterer Lektüre zur
Zerstreuung angesichts der Weltlage, den ständigen Spagat zwischen
wirtschaftlichem Druck und persönlicher Beratung sowie den Umgang
mit Kundenerwartungen und fehlendem Dank mancher Autorinnen und
Autoren nach Lesungen. (39:20) – Über Buchhändler und
Schriftstellerinnen Nora Gomringer erzählt, dass sie von einem
Buchhändler in Bamberg entdeckt wurde als Autorin und ist auch sehr
dankbar, dass Buchhändlerinnen und Buchhändler für sie aufwändige
Lesungen organisieren. Thomas Vogelsang schätzt an
Schriftstellerinnen und Schriftstellern sehr die Begabung, die
großen Themen der Zeit auf eine individuelle Geschichte wortmächtig
herunterzubrechen, und würde sich von manchen Literaturschaffenden
etwas mehr Dankbarkeit im Bezug auf seinen Büchertisch wünschen.
(47:25) – Leserin-Stimme Die Leserin Silke stellt anhand ihrer
Lektüre von Joanna Bators Familiensaga „Bitternis“ und Elif Shafaks
historischem Roman „Am Himmel die Flüsse“ ihre Präferenzen für
komplexe Figuren, generationsübergreifende Traumata und dichte,
bildhafte Sprache vor. (52:33) – Literarische Entdeckungen und
Ausblick Zum Abschluss teilen die Gäste ihre Lektüreerfahrungen und
sprechen über prägende Werke wie Gustavo Favoráns Roman „Patria
o...“ und Madeleine Millers mythologische Nacherzählung „Circe“.
(58:59) – Verabschiedung und Danksagung Folge 4 wird am 27.
November 2026 zu hören sein.
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