Walter Grond, Wiebke Jahn, Faisal Kawusi und René El Khazraje über
Absender und Adressaten, Auswandern und Ausgrenzen Treffen sich ein
Österreicher, eine Auswanderin, ein berühmter Comedian und ein
Rapper. Wer jetzt denkt, es gibt hier in den Shownotes einen
schlechten Joke, der täuscht sich. Und auch, wer jetzt
schlussgefolgert hat, nach einem kurzen Blick auf die untenstehende
Gästeliste, dass es in der #301 sehr lustig zugeht, täuscht sich.
Denn Walter Grond, Wiebke Jahn, Faisal Kawusi und René El Khazraje
besprechen und beleuchten gemeinsam Themen, die allesamt nicht so
leicht daher kommen, wie die Einstiegsrunde vermuten lässt. Denn
das, was wahrscheinlich schon vielen in hektischer Unachtsamkeit
passiert ist, dass sie eine nicht so nette Nachricht an den oder
die Falsche adressieren, ist die Ausnahme. Stattdessen aber
empfängt Wiebke Jahn viel falsch adressiertes: „Ich habe mich total
daran gewöhnt, dass ich stets mit dem falschen Namen angesprochen
oder in Emails angeschrieben werde. Das ist mittlerweile für mich
komplett normal, weil mein Name in Schweden nicht aussprechbar
ist.“ Aus Wiebke wird dann in Schweden Wiebeke. Und aus El Khazraje
wird dann an einem deutschen Standesamt auch Mal El Karacho: „Meine
Familie fand das weniger lustig, aber da ich meinen Personalausweis
vergessen hatte und ich trotzdem heiraten durfte, konnte ich damit
leben.“ Sogar Walter Grond, seit 2009 künstlerischer Leiter der
Europäischen Literaturtage (Termine 2026), musste damit leben,
„dass auf dem Land, wo ich großgeworden bin, niemand meinen Namen,
der aus dem Niederländischen kommt, aussprechen konnte.“
Nachlässigkeit? Ignoranz? Oder ist das nicht sogar schon
Alltagsrassismus? „Nicht unbedingt“, sagt der Rapper, der nicht nur
in seinem Buch, Die ungestellte Antwort, sondern auch in
begleitenden Songs (aus den bekannten Gema-Gründen nicht in der
Episode zu hören) auf Vinyl, „struktureller bedingte“ Beispiele
benennt. Beispiele aus der Schulzeit, in der auch Faisal Kawusi
gemobbt wurde und, „da würde ich schon sagen, dass das
Alltagsrassismus ist, wenn die Lehrer sich keine Mühe geben, den
Namen richtig auszusprechen.“ Nicht nur bei sprengerspricht der
Moderator, der von 2018 bis 2020 seine eigene und nach ihm benannte
Fernsehshow hatte, über die spätere Verunglimpfung seines Namens
durch einen berühmten Bühnenkollegen, sondern auch in seinem Buch
Egotod: „Ah, du bist also dieser Fasan?« »Nein, ich bin Faisal.
Freut mich.« Er grinste. »Ja ja, ich sag doch. Der Fasan.« Und
damit ging er weiter. Man könnte sagen: Hey, das war doch nur
lustig gemeint. Aber das war es nicht. Es war eine klare Botschaft:
Du bist es nicht wert, dass ich mir deinen Namen merke!“ Eine
Botschaft, die auch bei der dreifachen Mutter Spuren hinterlässt:
„Ich habe darüber noch gar nicht so genau nachgedacht. Ich finde es
auch schade, dass ich Kolleginnen und Kollegen habe, die mich seit
vier, fünf Jahren Wiebeke nennen. In Deutschland würde schließlich
niemand einen Miguel Michael nennen.“ Und in Schweden, „bekomme ich
nicht mal Antwort auf eine E-Mail, in der mein Name richtig steht.“
Die große Frage, die „sich mir jetzt stellt, wenn ich Euch höre,
wie Eure Kindheit war, wie wird es meinen Kindern gehen, hier in
Schweden?“ Ob die auch nicht zum Geburtstag eingeladen werden,
„weil meine Mutter keine Türken mag?“ Wer bis hierhin gelesen hat,
merkt, es ist ein intensiver Austausch, es ist die Antwort auf die
Frage des Mannes, der als Hip-Hop-Artist die 1990er Jahre geprägt
hat: Ja, eine Gesellschaft kann darüber differenziert diskutieren?
Sehr differenziert, Grenzen und vor allem auch Generationen
übergreifend, wie Walter Grond auch durch sein Buch Die Wandlung
beweist. Aber der Wiener, der für den Aufbau der eljub Europäischen
Jugendbegegnungen im Jahr 2021 vom Europäischen Parlament mit dem
Europäischen Bürgerpreis ausgezeichnet wurde, ist sehr viel mit
jungen und vor allem Leuten, „die überall herkommen“ zusammen. Und
weil die Perspektiven auch durch „die Lebensrealität“ so
unterschiedlich sind, hat die Runde nicht nur den tourenden Faisal
Kawusi inspiriert. Das Buch des Comedian, „das alles andere als
lustig ist“, gibt´s genauso zu gewinnen, wie die Bücher von Wiebke
Jahn („da steht dann auch sehr viel Positives drin“), Walter Grond
(„ich habe versucht einen Zeitroman zu schreiben, vielleicht etwas,
was heutzutage nicht mehr möglich ist“) und René El Khazraje („ich
wollte nichts aus der Hand geben, habe alles selber gemacht“). Eine
Lösungsantwort braucht es dafür nicht. Einfach sprengerspricht bei
instagram taggen, teilen, folgen, bewerten und/oder mailen an
buchverlosung@sprengerspricht.de part I (00:00:00) falsch
adressiert part II (00:44:05) falsch ausgespielt part III
(01:41:58) falsch annonciert guests Walter Grond Wiebke Jahn Faisal
Kawusi René El Khazraje books Walter Grond - Die Wandlung
Wiebke Jahn – Schneesturmtage Faisal Kawusi - Egotod René El
Khazraje – Die ungestellte Antwort cover: jennie_laluna
voice: miriam sinno music sprengerspricht impro
– by toby gad kontakt@sprengerspricht.de
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