Der Herbst ist da. Die Blätter färben sich golden, die Luft wird
kühler und die Natur verändert langsam ihr Gesicht. Doch manchmal
reicht schon ein Blick aus dem Küchenfenster, um nicht nur die
Jahreszeit wahrzunehmen, sondern auch eine Reise in die eigene
Vergangenheit anzutreten. In dieser Ausgabe der Abschweifung nimmt
Sascha Markmann den Herbst zum Anlass, über Kindheitserinnerungen,
das Älterwerden und die verschiedenen Jahreszeiten des Lebens
nachzudenken. Da sind die Erinnerungen an leuchtend rote Bäume,
gesammelte Kastanien, Drachensteigen auf abgeernteten Feldern und
eine Kindheit, in der die Jahreszeiten noch eine ganz eigene
Bedeutung hatten. Doch aus diesen zunächst unbeschwerten Gedanken
entwickelt sich eine tiefere Betrachtung darüber, wie sich unser
Blick auf die Welt mit zunehmendem Alter verändert. Mit fast 50
Jahren blickt Sascha auf die Erfahrungen seines Lebens zurück. Auf
spontane Motorradreisen quer durch Europa, auf jugendlichen
Leichtsinn, auf veränderte Lebensumstände und auf den Schlaganfall,
der vor zehn Jahren vieles grundlegend verändert hat. Dabei geht es
nicht allein um das, was mit den Jahren verloren geht, sondern vor
allem darum, was wir an Erkenntnissen und Gelassenheit gewinnen
können. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit der eigenen
Vergänglichkeit. Aus seiner früheren Arbeit in der Pflege berichtet
Sascha von Begegnungen mit älteren und sterbenden Menschen, von
deren Lebensgeschichten und von kleinen Weisheiten, deren Bedeutung
sich manchmal erst viele Jahre später erschließt. Eine dieser
Erkenntnisse steht besonders im Mittelpunkt: Wie wichtig ist es,
einen Menschen an seiner Seite zu haben, mit dem man auch nach
vielen gemeinsamen Jahren noch wirklich reden kann? Die Folge
beschäftigt sich außerdem mit der Frage, weshalb Altern und Sterben
in unserer Gesellschaft häufig an den Rand gedrängt werden, warum
Lebenserfahrung nicht einfach weitergegeben werden kann und weshalb
jede Generation ihre eigenen Fehler machen muss. Eine persönliche,
nachdenkliche und stellenweise humorvolle Abschweifung über
Erinnerungen, Veränderungen, Beziehungen und die Erkenntnis, dass
der Herbst des Lebens nicht dessen Ende bedeutet. Denn jede
Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit – und jedes Alter seine eigene
Bedeutung.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.