️ Work-Life Blending: Freiheit oder Arbeit ohne
Ende?
Freiheit, Verantwortung und die Kunst, selbst Grenzen zu setzen.
Worum geht es in dieser Folge?
Früher war Feierabend sichtbar. Wir verließen die Fabrik, das
Büro oder die Bank und machten uns auf den Heimweg.
Heute tragen viele von uns ihren Arbeitsplatz in der Hosentasche.
Smartphone, Homeoffice, Teams und flexible Arbeitszeiten
ermöglichen uns, nahezu überall zu arbeiten. Das schafft Freiheit
– kann aber auch dazu führen, dass die Grenzen zwischen Arbeit
und Privatleben verschwimmen.
Wenn alles Arbeitszeit sein kann – kann dann irgendwann
auch jede Zeit Arbeitszeit werden?
️ Von Work-Life Balance zu Work-Life Blending
Work-Life Blending beschreibt die zunehmende Vermischung von
Arbeit und Privatleben.
Der Arzttermin am Vormittag, Sport am Nachmittag oder eine
berufliche Idee am Sonntagmorgen müssen dabei kein Problem sein.
Entscheidend ist vielmehr: Wer bestimmt darüber,
wann gearbeitet wird und wann nicht?
Boundary Control
Ellen Ernst Kossek, Matthew Perrigino und Brenda Lautsch
untersuchten in einem Review 338
Studien zum Thema Work-Life-Flexibilität.
Ein zentraler Gedanke ist Boundary Control:
Wie viel Kontrolle haben Menschen tatsächlich über die Grenzen
zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit?
Denn Homeoffice und flexible Arbeitszeiten bedeuten nicht
automatisch mehr Selbstbestimmung.
Flexibilität beschreibt die Möglichkeiten. Boundary
Control beschreibt, ob wir tatsächlich darüber bestimmen
können.
Psychological Detachment
Laura Vieten, Anne Marit Wöhrmann und Alexandra Michel
analysierten Daten von 8.586
Beschäftigten aus der BAuA-Arbeitszeitbefragung.
Überstunden, Sonntagsarbeit und erweiterte berufliche
Erreichbarkeit standen mit einem schlechteren Erholungszustand in
Zusammenhang.
Eine wichtige Rolle spielt Psychological
Detachment – die Fähigkeit, sich gedanklich von der
Arbeit zu lösen.
Denn wir können längst auf dem Sofa sitzen und trotzdem noch im
Büro sein – zumindest in unserem Kopf.
Freiheit braucht Selbstführung
Je weniger eine Organisation vorgibt, wann, wo und wie lange wir
arbeiten, desto wichtiger wird unsere eigene Verantwortung.
Wann arbeite ich?
Wann erhole ich mich?
Wann bin ich erreichbar?
Wann bin ich bewusst nicht erreichbar?
Dabei braucht nicht jeder Mensch dieselben Grenzen. Manche
möchten Arbeit und Privatleben stärker integrieren, andere
bevorzugen eine klare Trennung.
Freiheit bedeutet nicht, keine Grenzen zu haben. Freiheit
bedeutet auch, die eigenen Grenzen selbst bestimmen zu
können.
Und was bedeutet das für Führung?
Flexible Arbeit braucht Rahmenbedingungen, in denen Menschen
tatsächlich Nein sagen können.
Führungskräfte sollten Grenzen selbst vorleben, Erwartungen an
Erreichbarkeit transparent machen und unterschiedliche
Bedürfnisse akzeptieren.
Denn digitale Anwesenheit ist nicht dasselbe wie ein gutes
Arbeitsergebnis.
Studien & Quellen
Kossek, E. E., Perrigino, M. B. & Lautsch, B. A.
(2023): Work-Life Flexibility Policies From a Boundary
Control and Implementation Perspective. Journal of
Management, 49(6), 2062–2108.
Vieten, L., Wöhrmann, A. M. & Michel, A.
(2022): Boundaryless working hours and recovery in
Germany. International Archives of Occupational and
Environmental Health, 95, 275–292.
Kanter, R. M. (1977): Work and Family in the United States.
Frage zum Weiterdenken
Wo verschwimmen in deinem Alltag die Grenzen zwischen Arbeit und
Privatleben – und bestimmst du selbst, wann du sie öffnest und
wieder schließt?
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