Freiheit ist eine Aufgabe. Man kann sie auch aufgeben. Marko
Martin über Widerspruch, Wehrhaftigkeit und 1989
„Freiheitsaufgaben" heißt das Buch von Marko Martin, und das Wort
lässt sich auf zwei Arten lesen: als das, was uns täglich
aufgegeben ist, und als das, was wir schon aufgegeben haben. Um
beides geht es in diesem Gespräch.
Marko ist im Mai 1989 mit 19 aus der DDR ausgereist und hat
seitdem über Freiheit geschrieben, von Kuba bis Tel Aviv. Live im
DDR Museum Berlin erzählt er Nine vom 21. August 1990 in Prag,
als Václav Havel mit Raucherhusten auf einen Balkon trat und für
einen Moment das Gute gewonnen hatte. Er erzählt von Sebastian
Haffner, bei dem man nachlesen kann, wie schnell ein Land kippt,
das sich für zu erfahren hält, um zu kippen. Und er erklärt,
warum Freiheit verteidigt werden muss, auch von Leuten, die
lieber am Mittelmeer säßen.
Dann ist da noch die Rede im Schloss Bellevue. Der
Bundespräsident erinnerte ihn daran, dass er dort Gast sei. Marko
erinnerte den Bundespräsidenten daran, dass das für ihn auch
gelte. Das Lob für seinen Mut lehnt er ab: Im Schloss gab es
schließlich keine Falltür. Wer in einem freien Land widerspricht,
riskiert nichts. Umso erstaunlicher findet er, wie wenige es tun.
Zum Schluss sagt er, dass er Ost-West-Befindlichkeiten nicht mehr
hören kann. Nine hat ihn trotzdem ausreden lassen.
00:00 Vorstellung Marko Martin
02:20 Heimat im Plural
05:10 Rückkehr in die DDR 1990
08:20 Prag und Václav Havel
11:40 Freiheit als Aufgabe
13:10 Haffner, Zweig und das Kippen
16:27 Widerstand im Alltag gegen AfD
20:40 Mieten, Plakate und Linke
24:14 Wehrhaftigkeit und Generationenfrage
28:02 Lernen von Nord- und Osteuropa
34:16 Rede im Schloss Bellevue
35:50 Deutschlands bequemes Geschäftsmodell
38:20 Kein Mut, nur Gelegenheit
39:00 Dissidentisches Denken
40:57 Innere Einheit Ost und West
44:30 Nächstes Buch Freiheitsgefährdung
48:18 Levinas, Sperber, Jürgen Fuchs
52:30 Abschluss und Dank
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