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Neuerscheinungen von Giulia Enders bis Peter Stamm

Neuerscheinungen von Giulia Enders bis Peter Stamm

Literaturclub vor 11 Monaten
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Jennifer Khakshouri, Nina Kunz, Milo Rau und die Ärztin und
Schauspielerin Natalia Conde diskutieren über «Organisch» von
Giulia Enders, «Auf ganz dünnem Eis» von Peter Stamm, «ë» von
Jehona Kicaj, «Eine Familie in Brüssel» von Chantal Akerman sowie
über «Herscht 07769» von László Krasznahorkai. «Darm mit Charme»
heisst der Bestseller, mit dem Giulia Enders noch als
Medizinstudentin den Darm aus der Scham-Ecke befreit hat, witzig
und wissenschaftlich fundiert. Nun – als promovierte Ärztin – legt
sie mit «Organisch» in ihrem unverwechselbaren Stil nach: Die Lunge
etwa vergleicht sie mit ihrer Urgrossmutter. Sie will, dass wir den
Körper nicht länger als eine Art Maschine betrachten, sondern als
lebendiges Ganzes. Der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm
umreisst in wenigen Worten ganze Leben. «Auf ganz dünnem Eis»
heisst sein neuer Erzählband, in dem er Unspektakuläres spektakulär
schildert. Ganz gewöhnliche Menschen am Wendepunkt. Einsame
Menschen in der digitalen Welt. Die Figuren sind nahbar,
beschrieben in knapper, klarer Sprache. Der Debutroman «ë» von
Jehona Kicaj ist ein starkes Beispiel literarischer
Vergangenheitsbewältigung. Seine Protagonistin ist mit ihren Eltern
Ende der 1990er-Jahre aus dem Kosovokrieg nach Deutschland
geflohen. Jetzt knirscht sie mit den Zähnen – so stark, dass ihre
Zähne splittern. Das Schweigen fordert seinen Tribut. Der Roman
führt vor Augen, wie wenig in Mitteleuropa über diesen Krieg Ende
der 1990er-Jahre bekannt ist. «Eine Familie in Brüssel» ist ein
Buch von Chantal Akerman, die vor allem als Filmemacherin berühmt
war. Eine alte Frau berichtet darin in erlebter Rede über ihre
Familie, die über die ganze Welt verstreut ist. Eine Familie, in
der man kaum miteinander spricht, weil es Dinge gibt, die nicht
berührt werden dürfen. Der atemlose Text ist auch eine Hommage an
ihre eigene Mutter, die das Konzentrationslager von Auschwitz
überlebte. László Krasznahorkai ist der diesjährige
Nobelpreisträger. In seinen Werken beschreibt er regelmässig den
Einbruch des Schreckens und der Gewalt in eine geschlossene Welt.
Sein skurriler Roman «Herscht 07769» spielt in einer von Neonazis
terrorisierten Kleinstadt im ostdeutschen Thüringen. Ein
Gebäudereiniger sorgt sich um das drohende Weltende und wendet sich
in verzweifelten Briefen an Angela Merkel.

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