Ich kann es einfach nicht lassen. Kennst du das? Du weißt genau,
dass dir etwas nicht guttut – und machst es trotzdem. Ich lese
mir fast immer die Kommentare zu den Morgenimpulsen durch. Und ja,
da steht auch Unschönes. Von Ablehnung bis hin zu richtigen
Beleidigungen. Und ja, das trifft mich. Und dann ärgere ich
mich manchmal fast noch mehr darüber, dass es mich überhaupt
trifft. Denn eigentlich möchte ich doch einfach Persönliches
teilen. Über meinen Glauben sprechen. Über Zweifel. Über das, was
mir selbst manchmal schwerfällt. Weil ich glaube, dass andere
Menschen genau das auch kennen. Ich möchte Glauben nicht weit
weg formulieren, sondern mitten in unserem Alltag suchen. Dort, wo
wir gerade stehen. Fragend. Suchend. Nicht perfekt. Und
trotzdem merke ich: Kritik macht etwas mit mir. Sie verletzt mich.
Und manchmal mach sie mich auch wütend. Und lange dachte ich,
das dürfte ich vielleicht gar nicht so fühlen. Gerade als Christin.
Man sollte doch verständnisvoll sein, ruhig bleiben, sich nicht
provozieren lassen. Aber ich glaube inzwischen: Wut ist
erstmal nichts Schlechtes. Wut zeigt oft, dass etwas wichtig
ist. Dass eine Grenze berührt wurde. Dass uns etwas nicht egal
ist. Die Frage ist nur, was wir mit dieser Wut
anfangen. Ob wir zurück verletzen. Oder ob wir versuchen, mit
dieser Energie trotzdem etwas Gutes zu tun. Und dann versuche
ich genauer hinzuschauen. Denn neben den verletzenden Kommentaren
gibt es eben auch die anderen. Menschen, die Mut machen. Menschen,
die ehrlich zuhören. Menschen, die schreiben, dass sie sich
verstanden fühlen. Und dann gibt es vielleicht auch
dich. Du kommentierst vielleicht gar nicht. Du liest oder
hörst einfach nur zu. Vielleicht, weil du froh bist, dass jemand
auch über Zweifel spricht. Über Alltag. Über Glauben, der manchmal
suchend und tastend bleibt. Und vielleicht brauchen wir genau
dafür manchmal Mut in all der Wut. Nicht, um perfekt zu glauben.
Sondern um ehrlich zu bleiben. Trotz der Angst, missverstanden zu
werden. Trotz der Sorge, nicht zu genügen. Und vielleicht ist
Gott genau dort besonders nah. Nicht in unserer Unverletzlichkeit.
Sondern mitten in allem, was uns bewegt.
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