Altes Bürgertum, zerfallende Biografien, heimisches Geld. Eine Old
Lady blickt auf ihr Leben im Zürich der Zwischenkriegszeit zurück,
als sie mit ihrer Familie in einem Anwesen am See residierte.
Andreas Liebmann schuf mit dieser Erzählung eine Vorstufe zu seinem
neuen SRF-Hörspiel «Meine Mütter». Wer die Sendung am Radio hören
will: Freitag, 02.10.2026, 20.00 Uhr, Radio SRF 1 Der Stoff
basiert auf Lebenserinnerungen von Mitgliedern eines Zweigs der
Familie des Autors und Regisseurs. Die Cousine seines Vaters ist im
heutigen Museum Bellerive aufgewachsen, das ihr Vater, ein Zürcher
Seidenhändler, hatte bauen lassen. Das Bellerive ist ein
herrschaftliches Anwesen mit separaten Eingängen für Bedienstete,
einer grossen Marmortreppe für gesellschaftliche Auftritte und
einem Männersalon für zigarrenrauchende Stützen einer nervösen
Gesellschaft. Wegen des Krieges zieht die jüdische Familie nach
Amerika, wo sie später heimisch wird und ihren Reichtum in
Eigentumswohnungen und lebenslange Absicherung verwandelt. Der
Vater und Hausbesitzer aber kehrt noch Anfang der 40er-Jahre nach
Zürich zurück, wo er in seinen selbst gebauten Mauern mit Blick auf
den See stirbt. Die Grande Dame ist kürzlich im Alter von über
hundert Jahren in New York verstorben. Ihr Geld hatte sie
zeitlebens vor der Erwerbsarbeit bewahrt, von der sie lapidar
sagte: «I tried it once, but I didn't like it». Der «nostalgische
Trip ohne Vergangenheit» (Andreas Liebmann) wurde 2017 am SonOhr
Festival Bern mit dem 1. Preis für Fiktion ausgezeichnet. Andreas
Liebmann, geboren 1972, wurde ausgebildet an der Schauspiel
Akademie Zürich, der heutigen ZHDK. Arbeiten als Performer und
Autor u.a. am HAU und Sophiensäle Berlin, X-Firmen (Theater der
Welt 2014), Rote Fabrik Zürich, Theater Freiburg, Schauspiel
Stuttgart u. v. a. Er lebt mit seiner Familie in Kopenhagen und ist
seit 2015 Dozent für Konzept- und Ideenbasierte Regie an der
dortigen Theaterhochschule. In Kopenhagen betreibt er auch sein
lokal-spezifisches Theater «Tårnby Park Studio», das Festivals und
eine eigene performative Praxis entwickelt. ____________________
Mit: Nikola Weisse, Georg Scharegg, Martin Klaus, Pascale Pfeuti
____________________ Tontechnik: Jean Szymczak – Komposition:
Matthias Meppelink – Regie: Andreas Liebmann ____________________
Produktion: Autorenproduktion 2015 ____________________ Dauer: 50’
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