Heute ist zwar erst der zweite Oktober, aber ich möchte mich gern
mit Dir an ein anderes Datum erinnern. Am 3. Oktober 1226, also
morgen auf den Tag genau vor 800 Jahren, stirbt Franziskus von
Assisi unterhalb der Stadt in der kleinen Kirche Portiuncula im
Kreis seiner engsten Brüder.So wie er radikal anders gelebt hat, so
war auch sein Sterben radikal anders. Er bleibt nicht in der warmen
behüteten Stube im weichen Bett des Bischofshauses oben in der
Stadt. Er feiert das Sterben mit seinen Ordensbrüdern wie eine
Liturgie, in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen
Aposteln. Sie singen zusammen, sie teilen das Brot und lesen aus
der Heiligen Schrift den Abschnitt des Abends vor Jesu Leiden. Und
er bittet seine Brüder um Verzeihung und er erteilt ihnen seinen
Segen für die dortigen Brüder und für alle, die ihnen nachfolgen
werden, also bis heute. Dann gibt es eine Szene, die ihn so
wunderbar nahbar sein lässt. Er schickt zwei Brüder los, um Jakoba
zu holen, die Freundin aus Rom, die ihn so gut verstanden hat und
lässt sie bitten, ihm seine Lieblingssüßigkeit zu bringen. Aber sie
ist schon an der Tür und bringt ihm diese letzte kleine Freude. Und
als er spürt, dass es zu Ende geht, lässt er sich nackt auf den
Boden legen, um so nackt, wie er auf die Welt gekommen ist, auch
aus ihr hinauszugehen. Und dann singen sie für ihn und mit ihm
seinen Sonnengesang. Es ist der Lobgesang auf den Schöpfergott, der
uns alles geschenkt hat und auch durch Krankheit, Leid und Tod
verherrlich werden kann. Und eine sehr freundliche Legende
erzählt, dass die kleine Glocke der uralten Kirche Santo Stefano
genau in dem Augenblick zu läuten beginnt, als Franziskus seine
unsterbliche Seele zurücklegt in die Hände seines geliebten
Schöpfers.Diesen Übergang, diesen Transitus des Franziskus vom
Leben über den Tod zum neuen Leben, feiern seither unendlich viele
Menschen Jahr für Jahr in Erinnerung an einen kleinen Bruder, der
den Tod als Schwester besungen hat, die ihn zu Gott bringen
wird.Vielen von uns ist der Gedanke an den Tod eher Angst
einflößend und wir verdrängen den Gedanken. Die Gewissheit des
Franziskus, dass der Tod unsere Schwester ist, die uns zu Gott
bringen wird, ist Dir da vielleicht eine Hilfe und ein Trost.Und
wenn Du magst, komm morgen Abend, am 3.10. um 18.00 Uhr zum
„Transitus“ in die Mutterhauskirche in Olpe, wo wir mit Kerzen und
Gebeten für Kirche und Gesellschaft und den Frieden in der Welt
beten werden.
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