In dieser Folge sprechen wir über russlanddeutsche
Familiengeschichten, transgenerationale Traumata und die Frage,
wessen Erinnerungen in einer postmigrantischen Gesellschaft
sichtbar werden. Zwischen familiärem Schweigen, institutionellen
Leerstellen und dem Wunsch nach Zugehörigkeit geht es darum, wie
wir Geschichte erzählen und Gegenwart gemeinsam gestalten.
Erinnerung ist nicht nur privat, sondern auch politisch. Wer
bekommt Raum, die eigene Geschichte zu erzählen? Wer muss sich
diesen Raum erst erkämpfen? Und wer trägt die Verantwortung
dafür, dass Erfahrungen von Deportation, Zwangsarbeit und
Ausgrenzung nicht unsichtbar bleiben?
Wie lassen sich russlanddeutsche Geschichten sichtbar machen,
ohne die Vielfalt der Identitäten und Erfahrungen auf eine
einzige Erzählung zu reduzieren?
Wie können Institutionen das Wissen der Communitys anerkennen und
Erinnerungsarbeit ermöglichen, statt sie allein den Betroffenen
zu überlassen?
Und wie schaffen wir solidarische Erinnerungskulturen, die
unterschiedliche Erfahrungen miteinander verbinden, ohne
historische Verantwortung zu relativieren?
️ Gemeinsam mit Lina Fustok @belapobi und Ksenja
Holzmann @kseni_ho sprechen wir über die
Leerstellen der Erinnerungskulturen in Deutschland: über
Deportationen und Zwangsarbeit in der Sowjetunion, die
Verantwortung für den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg
und die oft übersehenen Erfahrungen russlanddeutscher Betroffener
rechter Gewalt. Dabei verbinden unsere Gästinnen persönliche
Familiengeschichten mit ihrer Arbeit in der politischen Bildung
und der Gedenkstättenpädagogik.
Diese Folge wurde am 2. September 2026 vor Publikum im
Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer aufgezeichnet, im
Rahmen der Kultur- und Erinnerungstage 2026 unter dem Motto
„Demokratie braucht Erinnerungskultur“. Die Veranstaltung
entstand in Zusammenarbeit mit Walter Gauks
@aussiedlerbeauftragter.berlin Ansprechperson
für Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene in
Berlin, sowie der Beauftragten des Senats von Berlin für
Partizipation, Integration und Migration
@integrationsbeauftragteberlin.
Herzlichen Dank an die Stiftung Berliner Mauer
@stiftungberlinermauer für die Zusammenarbeit
und den Raum für dieses Gespräch. Danke an n-ost für die
Kooperation und den technischen Support!
Lina Fustok studierte Sozialwissenschaften im
Bachelor und Master an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Aktuell arbeitet sie als Sozialwissenschaftlerin und Referentin
bei der Berliner Landeszentrale für politische Bildung, wo sie
den Bereich der Communitys-orientierten politischen Bildung
verantwortet. Sie beschäftigt sich mit der politischen Teilhabe
migrantischer und migrantisierter Communitys sowie der Stärkung
der Zivilgesellschaft. Als Tochter einer russlanddeutschen Mutter
und eines syrischen Vaters bringt sie in das Gespräch eine
Perspektive ein, in der unterschiedliche Familiengeschichten und
Zugehörigkeiten zusammenkommen.
Ksenja Holzmann (sie/ihr) ist PostOst-Mensch und
Russlanddeutsche+. Sie ist Historikerin und
Gedenkstättenpädagogin und interessiert sich für Bildung,
Geschichten und Erinnerungskultur(en) in einer postmigrantischen,
postnationalsozialistischen und postkolonialen Gesellschaft.
Dabei sind ihr ein emanzipatorischer Ansatz,
Diskriminierungskritik und Multiperspektivität wichtig. Sie
beschäftigt sich überwiegend mit NS-Zwangsarbeit, hier
insbesondere mit zivilen Zwangsarbeiter*innen aus dem „östlichen
Europa“, Antislawischen/ Antiosteuropäischen Rassismus sowie dem
Themenfeld Arbeit und Migration.
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Die Hosts:
Julia Boxler: @boxxler
Ani Menua: @ani_menua
Weitere Podcastfolgen zum Thema
Folge 26: Russlanddeutsch und BIPoC, zu Gast Angelika Kim
Folge 88: Talking PostOst Migration, mit Emilia Smechowski, Maria
Alexopoulou, Nane Khachatryan & Julia Boxler
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