Diese Folge widmet sich Steven Wilson, der als Songwriter,
Gitarist, Produzent und Engineer den Klang immer gleich mitdenkt
– und zu einer Art Dolby Surround Superstar aufgestiegen
ist.
Multiple Persönlichkeiten werden üblicherweise als Störung
angesehen. In der Musik hingegen gelten sie als Auszeichnung.
Schon in Porcupine Tree sah Steven Wilson sich bereits als
Gruppe, ehe daraus eine richtige Band wurde. Und während bereits
die stilistischen Pirouetten von PT für drei bis vier
durchschnittliche Karrieren gereicht hätten, tobte er sich
zusätzlich in einer Vielzahl von Nebenschauplätzen aus: I.E.M.,
Blackfield, No-Man, Continuum, Storm Corrosion. So ist ein wild
wuchernder Diskographie-Wald entstanden, der Komplettisten
Albträume beschert.
Hinter dem Elektizismus und der Rastlosigkeit steht ein hungriger
Hörer. Jahrelang waren Wilsons öffentlich geteilte Playlists eine
Anlaufstelle für unkonventionelle Empfehlungen, in denen
vermeintlich Kommerzielles neben Kunst stand, Kurioses neben
Klassikern. In dem mit seinem langjährigen Kreativpartner Tim
Bowness geführten Podcast „The Album Years” diskutieren sich die
Freunde, fein säuberlich nach Jahrzehnt geordnet, durch die
großen und möglicherweise überbewerteten Alben der
Musikgeschichte – ein Konzept, mit dem sie inzwischen sogar vor
Publikum auftreten.
In den letzten Jahren hat sich Steven Wilson mit Remastering und
Surround-Sound-Mixen ein weiteres Standbein aufgebaut und ist
damit, in sofern das überhaupt möglich ist, in diesem Bereich zu
einer Art Superstar aufgestiegen, dem einige der größten Bands,
vor allem aus dem Progressive Rock und 80er-Jahre Synthie Pop,
ihr Vertrauen schenken.
Das Thema Klang ist somit für ihn präsenter denn je, weswegen wir
das neuste Album seines Ambient-Elektronik-Projekts Bass
Communion, „The Itself Of Itself,” als Aufhänger für ein Gespräch
nahmen, in dem sich alles um Technologie, Klang und Experimente
dreht. Das mag wie ein sehr fokussierter Aufhänger klingen. Doch
steht gleichzeitig bereits das neue Solo-Album unter seinem
bürgerlichen Namen in den Startlöchern – immer, wenn man meint,
man habe seine musikalische Persönlichkeit genauer gefasst, ist
sie einem bereits wieder entglitten.
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