Wir erschrecken uns oft vor dem, was wir nicht verstehen, vor allem
auch vor dem Leid, vor der Ohnmacht, vor dem, was uns überfordert.
Doch gerade darin offenbart sich eine besondere
Wirklichkeit. In der Bibel begegnet uns ein Mensch, der
leidet, dem das Leben zu entgleiten droht. In ihm ist nicht ein
guter, lebenspendender Geist vorherrschend, sondern etwas, das ihn
an den Rand des Todes führt, ein unreiner Geist. Die alten
Autoren nannten ihn Dämon, was man auch mit Zerteiler übersetzen
kann. Es geht dabei nicht um Fantasiegestalten, sondern um die
Wirklichkeit des Leidens, die wir oft nicht mit Worten begreifen
können.Jesus aber spricht in solcher Situation mit Vollmacht. Das
griechische Wort dafür, exousia, bedeutet Freiheit, Freiheit zu
wirken, zu verfügen, zu bestimmen. Macht verträgt sich nicht mit
Ohnmacht, könnte man meinen. Und doch zeigt gerade die göttliche
Vollmacht in Jesus: Freiheit kann sogar mitten in der Ohnmacht
wirken. Am Kreuz wird das sichtbar. Paradoxerweise ist die Macht
Gottes gerade im scheinbaren Verlust wirksam.Das Heil, das Jesus
wirkt, ist kein Entrinnen aus der Welt, keine Flucht vor den
Problemen. Es ist die Kraft, mitten im Schmerz und in der
Zerbrochenheit den Weg der Heilung zu gehen. Emotionen, Leid,
Angst, all das sind keine Hindernisse, sondern Hilfen, um uns in
die Welt einzufügen, um zu erkennen, wo unsere Kraft liegt.Sie
zeigen uns, wie wir auf das Leben reagieren können. Es gibt Wege,
sich der Wirklichkeit des Leidens zu stellen, sich an Stärken
erinnern, an Erfolge, die man erlebt hat, den Blick auf das
Naheliegende lenken, Schritt für Schritt die Zukunft nicht aus den
Augen verlieren und in all dem immer wieder die Nähe Gottes zu
suchen. Thomas von Aquin, der hier in Köln gelebt hat, sagte
einmal: "Es ist unmöglich, dass ein Mensch gut ist, außer es steht
im rechten Bezug zum gemeinen Wohl."Gottes Vollmacht wirkt in uns
und durch uns. Sie befreit uns von der Ohnmacht, verbindet Heilung
mit der Realität des Lebens und macht uns fähig, uns einzufügen in
Gottes Welt, zum Wohl der Menschen, in unsere eigenen Probleme,
ohne die anderen aus dem Blick zu verlieren. Und so, so wird
sichtbar: Heilung geschieht nicht, weil Probleme verschwinden,
sondern weil die Kraft Gottes mitten hineintritt und neues Leben
ermöglicht.
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