In dieser Episode von „Damit die Guten gewinnen" spricht Thomas
Mühlnickel mit Gilda Sahebi, Journalistin und Autorin. Sie ist in
Teheran geboren, ihre Eltern flohen aus politischen Gründen, als
sie noch ein Kleinkind war. Sie studierte Medizin in Heidelberg,
machte das Physikum, wechselte die Universität und nahm Politik
dazu – Neurologin wollte sie werden. Im praktischen Jahr entschied
sie sich gegen das System Klinik, Ende 20 war das, spät, wie sie
selbst sagt. Eine schwere Erkrankung vor einigen Jahren hat sie
noch einmal verändert. Heute arbeitet sie journalistisch, hält
Hochzeits- und Trauerreden und versucht, durch die vier Türen zu
sprechen: true, kind, necessary, complete. Eine Folge über
Polarisierung, Machtgefälle, Emotionen und Autoritarismus und die
Frage, warum eine Gesellschaft, die im Alltag erstaunlich gut
funktioniert, sich selbst für zerrissen hält. Hauptthemen der
Episode: Die Spaltung ist eine Erzählung: warum die Daten keine in
zwei Hälften zerfallene Gesellschaft hergeben. Nur 25 Prozent
kommentieren online: wie ein winziger Ausschnitt zur gefühlten
Realität aller wird. Algorithmen sind Manipulation: was sich seit
der Übernahme von Twitter durch Elon Musk verschoben hat. Der Beef
mit den Demokraten: warum Sahebi die demokratischen Parteien härter
kritisiert als die autoritären Kräfte. 70 Lobbyisten pro
Abgeordnetem: wie wenig Einzelne im Finanzausschuss des Bundestages
gegen Strukturen ausrichten. Deutschland ist emotional
unterentwickelt: warum sie deshalb Hochzeits- und Trauerrednerin
geworden ist. Hoffnung gibt es nur in der Gemeinschaft: was das
Zusammenkommen im Iran gerade am Leben hält. Wichtige Stellen der
Episode: 0:00 Begrüßung 0:16 „Ich glaube nicht an die Guten" 1:08
Die vier Türen: true, kind, necessary, complete 10:17 Warum
affektive Polarisierung immer den Autoritären hilft 14:24 Die SPD
und die Frage, ob sie es wirklich anders macht 18:09 Der Gedanke,
Deutschland zu verlassen 21:32 Was die Parteien zuerst anerkennen
müssten 33:45 Machtgefälle und 27 Millionen Ehrenamtliche 40:02
Warum Deutschland emotional unterentwickelt ist 44:16 Teheran,
Flucht, Familie: Wer ist Gilda Sahebi? 46:38 Die Erkrankung, die
vieles verändert hat 51:03 Die Lage im Iran nach drei Jahren
Umbruch 58:39 Im Jahr 2050 am Brandenburger Tor Was wir besprochen
haben: Warum Gilda Sahebi nicht an die Guten glaubt, sondern nur an
Menschen, die sich öfter dafür entscheiden, gut zu handeln – und
warum das niemanden zum besseren Menschen macht. Die vier Türen als
persönlicher Maßstab: true, kind, necessary, complete. Für „kind"
gibt es im Deutschen kein Wort. Der Verweis auf den
Harvard-Politikwissenschaftler Daniel Ziblatt, nach dem in jeder
Gesellschaft 20 bis 30 Prozent der Menschen autoritären Wegen
zuneigen – das Problem entsteht erst, wenn demokratische
Politiker*innen sich mit ihnen verbünden. Die Beobachtung, dass 30
bis 40 Prozent der Menschen in Deutschland keine Spareinlagen haben
und eine kaputte Waschmaschine zur Existenzfrage wird. Deutschland
liegt neben Estland an der Spitze der Vermögensungleichheit in
Europa – eine Zahl, die aus ihrer Sicht keine Partei ernsthaft
anerkennt. Die Szene auf dem Juso-Kongress, nach der ihr ein junger
Teilnehmer sagte, sie sei die Einzige auf dem Podium gewesen, die
sozialdemokratische Sachen gesagt habe. Der Supermarktbesitzer in
Brandenburg, der Senior*innen zehn Prozent Rabatt gibt, außer auf
Tabak. Für sie ein Beispiel dafür, wie viele Menschen sich täglich
für gutes Handeln entscheiden. Mehmonie: das Zusammenkommen von
Familien und Freund*innen im Iran, mit Musik, Tanz und Gesang –
eine Lifeline, die wegen der wirtschaftlichen Lage seltener wird.
Der Satz, der das Gespräch trägt: „Das kleinste Licht kann eine
Dunkelheit erhellen, egal wie klein es ist." Der Blick ins Jahr
2050: Auf die Frage, welches Land sie am Brandenburger Tor sieht,
antwortet sie „Das Land, das wir daraus machen." Eine Strategie
dafür hat sie nicht – nur die Arbeit am eigenen Schatten und die
vie
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