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  4. Gott ist keine Sehenswürdigkeit
Wenn man so vor einer Sehenswürdigkeit steht, dann lohnt es sich
auch mal, die anderen Menschen ein bisschen zu
beobachten. Denn da sind Menschen, die die richtige Pose
suchen. Den richtigen Winkel. Noch ein Bild. Und noch eins. Wie
viele dieser Bilder werden wohl auch direkt wieder
gelöscht?  Und dann frage ich mich manchmal schon: Geht
es da jetzt eigentlich noch um die Sehenswürdigkeit? Oder darum,
dass man da war? Oder vielleicht sogar darum, dass man sich selbst
möglichst gut an einem Ort darstellt, an dem alle anderen auch
schon waren? Aber am Ende ist es eben immer nur ein
Schnappschuss. Ein Bild. Und die richtig krassen
Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Kölner Dom, die kann man
sowieso fast gar nicht fotografieren. Zu groß, zu erhaben und
vielleicht auch einfach zu prächtig. Irgendwie passt der nie so
richtig aufs Bild. Ist das mit Gott nicht auch
so? Dorothee Sölle stellte einmal die These auf, dass das
Bilderverbot der Bibel gar nicht bedeutet, dass wir uns Gott nicht
vorstellen dürfen. Das fände ich auch ziemlich schwierig.
Gerade wenn ich gleichzeitig daran glaube, dass Gott einer ist, mit
dem wir in Beziehung treten dürfen. Mehr noch: mit dem wir immer
schon in Beziehung sind. Sölle versteht das Bilderverbot
anders: Ein Bild wird dem, was es abbildet, niemals ganz gerecht.
Es zeigt etwas. Aber eben nie alles. Und deshalb kann auch
kein Bild Gott festhalten. Vielleicht gilt das genauso für
unsere Worte. Für alles, was wir über Gott sagen. Es kann auf ihn
verweisen. Es kann etwas von ihm zeigen. Vielleicht sogar etwas
ziemlich Wichtiges. Aber es ist niemals Gott ganz. Als
Theologin verstehe ich das. Als Mensch möchte ich trotzdem
einfach von meinem Gottesbild erzählen. Von dem, was mich in meinem
Alltag auf Gott hinweist. Von den Momenten, in denen ich glaube,
etwas von ihm zu erkennen. Von den Schnappschüssen von dem
Gott, an den ich glaube. Und vielleicht reicht das ja
auch. Denn ein Schnappschuss zeigt nie alles. Aber
manchmal zeigt er genug, um sich zu erinnern, was man gesehen
hat. 
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„Gott ist keine Sehenswürdigkeit“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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