50-jähriges Jubiläum des erfolgreichen Mundartstückes. Das
Theaterdebüt des Nürnberger Autors löste einen Skandal aus und war
der Startschuss für eine ungewöhnliche Karriere. Seine Texte im
fränkischen Dialekt wurden vielfach adaptiert, von Plattdeutsch bis
Schwäbisch – und: auf Berndeutsch für SRF. «Schweig, Bub!», am 6.
Oktober 1976 im Schauspielhaus Nürnberg uraufgeführt, stand dort
Jahrzehnte auf dem Spielplan und erlebte über 700 Aufführungen. DER
SPIEGEL nannte es «das Paradestück der neuen Volkstheaterbewegung»,
denn Mundart auf der Bühne galt damals noch als unseriös, und auch
im Hörspiel war sie meist beschränkt auf volkstümliche Genres wie
Krimis und Schwänke. Fitzgerald Kusz aber ist bei seinen kunstvoll
gebauten Alltagsdramen ein Meister des sozialrealistischen Dialogs,
satirische Überzeichnung inklusive. Den Rahmen für «Schwyg jetz,
Bueb» bildet eine Konfirmationsfeier. Es wird viel gegessen
(Pastetli!), diskutiert und monologisiert. Alkohol entfaltet seine
Wirkung. Nur Fritz, als frisch Konfirmierter eigentlich die
Hauptperson, darf nicht zu Wort kommen, er ist quasi zum Schweigen
verurteilt. Stattdessen entgleisen und entgleiten die Gespräche
unter den Verwandten und Bekannten immer wieder. Aber auch
übergriffiges Verhalten wird geduldet, und zum Schluss verträgt man
sich wieder und verabredet sich für die nächste Feier. So wird man
beim Wiederhören dieser SRF-Produktion bei aller Freude an den
herausragenden Schauspielerleistungen (zum Beispiel der jungen
Birgit Steinegger) auf eine irritierend unangenehme Weise daran
erinnert, dass die 1970er-Jahre in der Schweiz wohl mehr eine
Bünzlihölle waren als jene heile, heimatlich-gemütliche Welt, als
die sie heute gern verklärt werden. ____________________ Mit: Aljan
Hoffmann (Fritz, Konfirmant), Birgit Steinegger (Greti, Mutter),
Franz Matter (Hans, Vater), Ellen Widmann (Tante Fridi), Ernst
Stiefel (Onkel Willi), Susi Aeberhard (Rita, eine Bekannte), Dieter
Stoll (Bruno, ihr Mann), Silvia Jost (Lotti, Cousine), Schülerchor
der Sekundarschule Neuenegg/BE ____________________
Mundartbearbeitung: Susi Aeberhard – Tontechnik: Werner Feldmann –
Musik: Willy Bischof – Regie: Charles Benoit ____________________
Produktion: SRF 1978 ____________________ Dauer: 61’
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