Heute sprechen wir über das, was man uns nicht beigebracht hat. Und
vor allem über die Menschen, die uns etwas beigebracht haben — und
ob es schlau war, darauf zu hören. Wenn ich mit meinen 61 Jahren in
die Welt blicke, sehe ich eins sehr deutlich, und es macht mich
traurig: Die Menschen sind randvoll mit Träumen. In meiner
Außendienstzeit habe ich sehr viele Wohnungen kennengelernt, und in
jeder saß jemand mit Wünschen, Sehnsüchten, Vorstellungen, wie es
sein könnte. Und unser Verstand vergleicht ständig: Was ist heute —
und was wünsche ich mir eigentlich? Wenn da viel auseinanderliegt,
tut das weh. Also verdrängen wir es. Wir müssen ja funktionieren.
Und wer das lange genug tut, wird taub für seine eigenen Träume.
Übersetzt heißt das: Ich verlerne, mir zuzuhören. Das ist nicht das
Kernthema dieser Folge. Aber wir brauchen es dafür. Das Kernthema
sind die Menschen um uns herum. Wir sind Herdenwesen. Unser
Nervensystem braucht Sicherheit und Verbundenheit, sonst gerät
alles in Schieflage. Und genau deshalb sind wir in der Lage, ein
völlig falsches Konzept zu übernehmen, ohne es zu prüfen — weil es
uns dazugehören lässt. Das wäre wunderbar in einem Umfeld voller
Menschen, die ihr eigenes Leben leben. Aber wo findest du die? Die
meisten von uns hatten permanent die falschen Lehrer um sich.
Menschen mit Konzepten, die niemals zu einem freien,
selbstbestimmten Leben führen. Niemals. Wenn du das ändern willst,
hat es einen Preis: Du wirst dein Umfeld enttäuschen. Du wirst
nicht mehr bestätigt. Und dann kommen die Sprüche. Pass auf. Das
wird nichts. Ein Freund von mir hat es auch versucht. Diese Sätze
ziehen dich wie ein Gummiband ins alte System zurück, damit du
wieder dazugehörst. Mein wichtigster Tipp, und ich habe ihn mein
ganzes Leben befolgt: Hör nicht auf dein Umfeld. Akzeptiere, dass
sie einen anderen Weg gehen. Lass sie gehen. Und akzeptiere, dass
sie dich dann vielleicht nicht mehr akzeptieren. Mein Umfeld fand
es nicht witzig, dass ich mit Anfang zwanzig lieber an meiner
Zukunft gearbeitet habe. Die meisten haben sich an meiner Seite
schnell schlecht gefühlt — nicht, weil ich etwas getan hätte,
sondern weil ich mich entwickeln wollte. Hinter meinem Rücken hieß
es: Der glaubt, er ist was Besseres. Ob ich etwas Besseres bin?
Nein. Wir sind alle randvoll mit Potenzial. Ich habe nur meinen
Traum nicht hergegeben. Woher meine Vision kam? Aus einem
Schwarz-Weiß-Fernseher in einem Berliner Hinterhof, zwischen Gewalt
und Alkohol. Ein einziger Film, „Ein Herz und eine Krone", hat mich
nach Rom mitgenommen, in eine Welt, die mir gefiel. Und mir wurde
klar: Dafür braucht man Geld. Also habe ich als Kind beschlossen,
Millionär zu werden. Meine Eltern hielten mich für bescheuert.
Meine Stärke war nicht ein Gen, das du nicht hast. Meine Stärke
war: Ich habe mir das gehalten. Vier Kliniken, Burnout, zehn Jahre
Panikattacken, ein zerrüttetes Elternhaus — mein Leben hätte jedes
Recht gehabt, in die Brüche zu gehen. Es ist ein Traum, den ich mir
nicht habe nehmen lassen. Das ist Regel Nummer eins: Schütze deinen
Traum. Vor jedem, der auch nur einen Hauch dagegen spricht oder die
Augen verdreht. Das ist nicht dein Freund. Niemand hat das Recht,
deinen Traum infrage zu stellen. Hast du dich mal gefragt, woher
dein Traum überhaupt kommt? Wer das morgens in dich hineinlegt: Ich
will ans Meer. Ich saß Jahre in einem großen Haus im
Hochschwarzwald, alle schwärmten vom Blick auf den Kaiserstuhl, und
ich bin morgens aufgewacht und wollte Palmen sehen. Ist nett. Ist
nicht mein Traum. Heute habe ich das alles — weil ich nie auf die
Idee gekommen bin, dass die anderen vielleicht recht haben. Und
dann die Schulzeit. Frag dich mal: Wer von deinen Lehrern hat das
erreicht, was du erreichen willst? Wer lebt seinen eigenen Traum?
Ich hatte einen. Meinen Deutschlehrer. Bei ihm hatte ich Einsen,
überall sonst Vieren, weil ich keinen Bock hatte. Bei ihm wollte
ich lernen. Ich war gern sein Schüler. Er war wie ein Vater für
mich. Und eines Tages hat e
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