„Du bist immer so ruhig.“ – „Man weiß gar nicht, was du von uns
hältst.“
Wer im Berufsleben wenig Small Talk macht, gerne konzentriert für
sich arbeitet oder persönliche Distanz bevorzugt, wird schnell
als kühl, unsicher oder sogar arrogant wahrgenommen.
Doch Stille hat viele Gründe.
In dieser Folge von „Angst im Blick“ geht es um
den Unterschied zwischen sozialer Angst und schizoiden
Persönlichkeitszügen am Arbeitsplatz. Vielleicht
möchtest du eigentlich Kontakt aufnehmen, hast aber Angst, etwas
Falsches zu sagen. Vielleicht fühlst du dich mit weniger sozialer
Nähe einfach wohler. Oder es trifft beides auf dich zu.
Du erfährst, warum Kolleg zurückhaltendes Verhalten manchmal
falsch interpretieren und wie schon kleine Signale – ein Gruß,
ein Lächeln oder ein kurzer persönlicher Satz – Missverständnisse
reduzieren können, ohne dass du dich verbiegen musst.
Die zentrale Frage lautet:
Bin ich still, weil ich es möchte – oder weil ich Angst
habe, gehört und bewertet zu werden?
Kleiner Selbsttest: Warum bin ich im Team so still?
Beantworte die folgenden Aussagen spontan mit
Ja, manchmal oder
Nein.
Ich würde mich gerne häufiger an Gesprächen beteiligen, traue
mich aber nicht.Vor einem Gespräch überlege ich lange, was ich
sagen könnte.Ich habe Angst, dass Kolleg mich negativ
beurteilen.Nach Gesprächen denke ich darüber nach, ob ich etwas
Falsches gesagt habe.Ich sage manchmal nichts, obwohl ich
eigentlich etwas beitragen möchte.Gleichzeitig empfinde ich längere
Gespräche häufig als anstrengend.Ich arbeite lieber alleine als
ständig im Team.Persönliche Gespräche am Arbeitsplatz brauche ich
nur selten.Ich genieße meine Ruhe und vermisse Gespräche dabei
nicht unbedingt.Andere Menschen halten mich manchmal für
distanziert, obwohl ich ihnen gegenüber nichts Negatives empfinde.
Was könnten deine Antworten bedeuten?
Wenn du dich besonders in den ersten fünf
Aussagen wiederfindest, könnte soziale Bewertungsangst
bei deinem Rückzug eine Rolle spielen.
Wenn eher die Aussagen sechs bis zehn passen,
könnte ein ausgeprägteres Bedürfnis nach Distanz, Autonomie und
geringer sozialer Stimulation dahinterstehen.
Und wenn du dich in beiden Bereichen
wiedererkennst?
Dann können sich soziales Distanzbedürfnis und soziale
Unsicherheit überlagern.
Der Test ist kein diagnostisches Instrument und
erlaubt insbesondere keine Diagnose einer schizoiden
Persönlichkeitsstörung. Er soll dir lediglich helfen, dein
eigenes Verhalten bewusster zu beobachten.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Fragen mit „Ja“ zu
beantworten.
Entscheidend ist die Frage:
„Bin ich mit meiner Art zufrieden – oder hindert mich
Angst daran, so zu leben und zu arbeiten, wie ich es eigentlich
möchte?“
Bei starkem Leidensdruck oder deutlichen Einschränkungen im
Berufs- oder Privatleben kann eine professionelle psychologische
oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll sein.
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