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  4. Franz Vranitzky - Hemingway, Basketball & Coca-Cola (2/4)
Die sechste Staffel des Podcasts Lebende Legenden erzählt das
Leben von dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Franz
Vranitzk. Die zweite Folge erzählt vom Krieg, wie ihn ein Kind in
Wien-Hernals erlebt, von der Befreiung 1945 und von den
US-Besatzungssoldaten, die dem Buben mit Basketball, einem
Radiosender und einer Bibliothek die Welt öffnen. Diese
amerikanische Prägung begleitet Franz Vranitzky durch sein
Berufsleben – bis ins Weiße Haus.

Erster Schultag im Krieg: Im September 1943
kommt Franz Vranitzky, noch fünf Jahre alt, in die Volksschule.
Seine Mutter Rosa fotografiert ihn vor dem Schultor – mit kurzer
Hose und Aktentasche, weil er keine Schultasche auf dem Rücken
tragen will. Dann heult die Sirene: Fliegeralarm. Ab dem Frühling
1944 bombardieren die Alliierten Wien immer öfter, Tausende
Menschen sterben. Auch auf Dornbach, wo die Familie in einer
Villa lebt, fallen Bomben – zwei Nachbarn kommen ums Leben. Ein
18-jähriger Sohn aus dem Haus wird noch im Frühjahr 1945 zur
Wehrmacht eingezogen und fällt wenige Wochen später. Die
Erwachsenen im Haus, die nicht zur NS-Blase gehören, hören
verbotene Radiosender und stellen sich zwei Fragen: Wann ist der
Krieg aus? Und was wird dann sein?

Ein grinsender Kopf im Kellerfenster: Anfang
April 1945 erreicht die Rote Armee Wien, die Schlacht um die
Stadt dauert bis zum 13. April. Nacht für Nacht hört der Bub das
Heulen der „Stalinorgeln", so nennen die Wiener die sowjetischen
Raketenwerfer. Die Villa hat keinen Luftschutzkeller, die Familie
schläft in Stockbetten in einer ebenerdigen Passage. Franz
Vranitzky liegt oben, auf Höhe eines Kellerfensters. Eines
Morgens wird das Fenster eingeschlagen, und er sieht das breit
grinsende Gesicht eines sowjetischen Soldaten – seine erste
Begegnung mit den Befreiern. Danach ziehen Pferdegespanne und
Feldküchen in den Garten der Villa ein, ein Soldat schenkt ihm
Schokoriegel, ein anderer nimmt ihm auf der Straße das Fahrrad
weg.

Basketball, Blue Danube Network und Hemingway:
Im September 1945 teilen die vier Siegermächte Wien in Sektoren
auf, der 17. Bezirk gehört zum amerikanischen. Ab 1947 besucht
Franz Vranitzky das Gymnasium in der Geblergasse, das eine Bombe
teilweise zerstört hat. Die US-Soldaten renovieren zuerst den
Turnsaal und hängen Basketballkörbe auf. Im Messepalast, dem
heutigen MuseumsQuartier, betreiben die Amerikaner eine
Basketballhalle mit versiegeltem Boden und elektrischer
Anzeigetafel – dort trinkt Franz Vranitzky sein erstes Coca-Cola.
Er wechselt vom Fußball beim Wiener Sportclub zum Basketball. Mit
seinen Mitschülern wetteifert er, wer die neuesten Sendungen des
US-Soldatensenders Blue Danube Network gehört hat, im Amerikahaus
leiht er sich amerikanische Literatur aus. Seine
Englischprofessorin bescheinigt seinem Vater, der Sohn spreche
wie ein Engländer – und gibt ihm trotzdem einen Vierer, weil er
Hemingway liest, die „Literatur eines besoffenen Amerikaners".

Nationalteam hinter dem Eisernen Vorhang: Kurz
nach der Matura schafft es Franz Vranitzky als einer der jüngsten
Spieler ins österreichische Basketball-Nationalteam, 42
Länderspiele wird er bestreiten. 1957 fährt er zur
Europameisterschaft nach Sofia – sein erster Aufenthalt in einem
Staat des Ostblocks, der kommunistischen Staaten unter Führung
der Sowjetunion, die der Eiserne Vorhang vom Westen trennt. Die
Ostblock-Teams dominieren das Turnier, viele ihrer Spieler sind
Armeeangehörige, die sich nach Trikotnummern aufstellen müssen.
Was er vom Basketball mitnimmt: dass man sich auf dem kleinen
Spielfeld nie ausruhen kann – und seine Frau.

Erste Begegnung mit seiner späteren Ehefrau:
Nach einem schweren Unfall als Fußgänger trägt Franz Vranitzky
1958 einen langen Armgips, als ihn im Palais Ferstel in der
Wiener Herrengasse – wo damals in einer baufälligen Halle
Basketball gespielt wird – ein Mädchen anspricht: Christine
Kristen, 18, Leichtathletin, Wiener Jugendmeisterin im
Speerwerfen. Er ist 21. Sie gehen ins Kino. Er studiert an der
Hochschule für Welthandel, der Vorläuferin der heutigen
Wirtschaftsuniversität, und heiratet erst nach dem Diplom: im
Juni 1962. Die Kinder Claudia und Robert kommen 1966 und 1969 zur
Welt. Die Familie zieht von der Untermiete in eine
Genossenschaftswohnung. Die Hauptarbeit in der Erziehung trägt
Christine Vranitzky, ihr Mann hat mit der Karriere immer weniger
Zeit.

Ein Hotdog und ein Budweiser: Ab 1961 arbeitet
Franz Vranitzky in der volkswirtschaftlichen Abteilung der
Österreichischen Nationalbank und verantwortet die
Berichterstattung über Nordamerika. Mitte der 1960er-Jahre
schickt ihn die Bank für mehrere Monate nach Washington und New
York: Er soll die Geldstromrechnung der US-Notenbank Federal
Reserve, den „Flow of Funds", studieren, damit Österreich eine
eigene bekommt. Er besucht Währungsfonds, Weltbank und Börse,
geht zu Fuß durch Washington und schaut sich im Madison Square
Garden Basketball, Eishockey und Leichtathletik an. Im
Hotelfernseher sieht er am 25. Februar 1964, wie der 22-jährige
Cassius Clay den als unbesiegbar geltenden Weltmeister Sonny
Liston schlägt – bald darauf nennt er sich Muhammad Ali. Es sind
die Jahre der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, im
Süden gilt noch die Rassentrennung. In vielen Gesprächen hört
Vranitzky: tolle Sportler – aber Schwarze. Die Kontakte, die er
damals knüpft, nützen ihm Jahrzehnte später als Finanzminister.

Reagan, Bush, Clinton: Im Mai 1987, ein Jahr im
Amt, reist Bundeskanzler Franz Vranitzky nach Washington, weil
Bundespräsident Kurt Waldheim von der westlichen Welt geächtet
wird. US-Präsident Ronald Reagan, der frühere Schauspieler,
empfängt ihn höflich – Österreich ist ihm weit weg. Auf die
UN-Drogenkonferenz in Wien angesprochen, verweist er auf seine
Frau: Nancy Reagan führt als First Lady die Kampagne „Just Say
No" gegen Drogenmissbrauch. Mit George Bush senior sitzt
Vranitzky bei OSZE-Treffen zwischen Armenien und Aserbaidschan,
die sich wegen des Konflikts um Bergkarabach nicht
nebeneinandersetzen wollen. Bill Clinton lernt er 1991 bei der
Bilderberg-Konferenz in Baden-Baden kennen, einem vertraulichen
Jahrestreffen von Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft. Beide reden viel von ihren Müttern, beide sind
nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren – die Freundschaft
hält bis heute. Beim Trauerakt der EU für Helmut Kohl 2017
erinnert Clinton daran, wie viel der deutsche Kanzler beim
Abendessen essen konnte.

Rechtsruck in Europa und den USA: Gefragt nach
Donald Trump, der seit 2025 zum zweiten Mal US-Präsident ist,
sieht Franz Vranitzky Parallelen zwischen den USA und Europa.
Sein Appell: Demokratie nicht nur verteidigen, sondern aktiv
leben und gestalten – und nicht erst darüber nachdenken, was
passiert, wenn rechtsaußen stehende Parteien regieren. Und seine
Lebensweisheit für junge Menschen: so viel Wissen wie möglich
erwerben, um nicht in die Irre zu gehen – oder in die Irre
geschickt zu werden.

 

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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.

In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu.
Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in
ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und
dem, was rückblickend wirklich zählt.

Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.

• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als
Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.

• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und
Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.

• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der
den sozialen Zusammenhalt stärkt.

• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das
durch generative KI nicht ersetzt werden kann.

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Gefällt dir der Podcast? Wir freuen uns über eine positive
Bewertung! Feedback oder Legenden-Vorschläge an:
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Eine Produktion von Storytime MEDIA.

Musik: Patrick Pulsinger

Artdirektion: Christian Sulzenbacher

Ton & Schnitt: Soundfiler

Vermarktung: Missing Link Media

Gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien (einem Fonds der Stadt
Wien) und dem Media Innovation Lab der WZ GmbH – bei
redaktioneller Unabhängigkeit.

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„Franz Vranitzky - Hemingway, Basketball & Coca-Cola (2/4)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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