Lebende Legenden Archiv
27 Episoden
37 Minuten
In der zweiten Folge der siebenten Staffel von „Lebende Legenden“ blickt Marianne Kohn, Patronin der Wiener Loos-Bar, auf ihre frühen Jahre im Nachkriegswien zurück. Am 27. Oktober 1945 geboren, verbrachte sie ihre Kindheit unter kargen Bedingungen im dritten Wiener Gemeindebezirk. Ihre Mutter entging als Jüdin der nationalsozialistischen Vernichtung knapp, während das Regime einen Großteil der Verwandtschaft ermordete. Der Dramaturg Marcel Prawy führte seine Stieftochter an das Musiktheater heran, ehe Kohn das beengte Österreich verließ, um in den Filmstudios der römischen Cinecittà zu arbeiten.
Trümmer und Theater: Die Familie bewohnte in der Reisnerstraße eine winzige Wohnung mit Gangtoilette. Dank ihres Stiefvaters besuchte das zehnjährige Mädchen 1955 die Eröffnung der wiederaufgebauten Wiener Staatsoper.
Filmriss und Flucht: Nach dem vorzeitigen Schulabbruch verdingte sie sich als Cutterin in den Wiener Rosenhügel-Studios. In den 1960er-Jahren übersiedelte sie nach Rom und fand ohne Sprachkenntnisse eine Anstellung im Filmstudio Cinecittà.
Rückkehr und Überleben: Im Oktober 1971 brachte sie in Wien ihre Tochter Nicole zur Welt. Mediziner diagnostizierten im Jahr 2010 Eierstockkrebs. Sie überlebte komplexe Eingriffe und eine unmittelbar lebensbedrohliche Sepsis.
Hinweis zu den Inhalten: Die Erzählung thematisiert sexualisierte Gewalt. Betroffene finden in Österreich gebührenfreie Unterstützung bei der Frauenhelpline unter 0800 222 555 oder beim Opfer-Notruf unter 0800 112 112. Die Österreichische Krebshilfe berät zu onkologischen Erkrankungen unter www.krebshilfe.net.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
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Eine Produktion von Storytime MEDIA.
Musik: Patrick Pulsinger
Artdirektion: Christian Sulzenbacher
Ton & Schnitt: Soundfiler
Vermarktung: Missing Link Media
Gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien (einem Fonds der Stadt Wien) und dem Media Innovation Lab der WZ GmbH – bei redaktioneller Unabhängigkeit.
#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
Trümmer und Theater: Die Familie bewohnte in der Reisnerstraße eine winzige Wohnung mit Gangtoilette. Dank ihres Stiefvaters besuchte das zehnjährige Mädchen 1955 die Eröffnung der wiederaufgebauten Wiener Staatsoper.
Filmriss und Flucht: Nach dem vorzeitigen Schulabbruch verdingte sie sich als Cutterin in den Wiener Rosenhügel-Studios. In den 1960er-Jahren übersiedelte sie nach Rom und fand ohne Sprachkenntnisse eine Anstellung im Filmstudio Cinecittà.
Rückkehr und Überleben: Im Oktober 1971 brachte sie in Wien ihre Tochter Nicole zur Welt. Mediziner diagnostizierten im Jahr 2010 Eierstockkrebs. Sie überlebte komplexe Eingriffe und eine unmittelbar lebensbedrohliche Sepsis.
Hinweis zu den Inhalten: Die Erzählung thematisiert sexualisierte Gewalt. Betroffene finden in Österreich gebührenfreie Unterstützung bei der Frauenhelpline unter 0800 222 555 oder beim Opfer-Notruf unter 0800 112 112. Die Österreichische Krebshilfe berät zu onkologischen Erkrankungen unter www.krebshilfe.net.
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• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
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32 Minuten
Seit einem halben Jahrhundert prägt Marianne Kohn das Wiener Nachtleben. In der ersten Folge der siebenten Staffel schildert die Leiterin der Loos Bar ihre gastronomischen Anfänge.
Ihre Erzählung setzt in den frühen 1970er-Jahren an der Ecke Neubaugasse und Mariahilfer Straße gegenüber dem Underground-Club Camera ein. Wenig später macht sie die Garderobe im 1973 eröffneten Lokal Motto. Das Lokal von Franz Thell bietet der Schwulenszene einen Treffpunkt und zieht rasch internationale Gäste wie Rudolf Nurejew und Helmut Berger an.
Ihren ersten Dienst hinter der Schank versieht sie im Lokal Schoko. Dort bestellt der Musiker Wolfgang Ambros bei ihr Tequila mit Zitrone. In den 1980er-Jahren zieht die Wiener Szene in die Diskothek „U4“ weiter. Kohn teilt das Personal ein, will Falco als Zechpreller anzeigen und und erlebt legendäre Konzerte wie jedes der Sade Adu bevor sie zum Weltstar wird. Und Andy Warhol überlässt ihr nach einer Begegnung ein Kuvert voll mit Kokain. Auch der Rennfahrer Niki Lauda zählt zu ihren Gästen.
Nach Stationen im Café Europa und in einem temporären Club im Technischen Museum übernimmt Kohn 1995 die Loos Bar. Sie führt das 1908 von Adolf Loos gestaltete Architekturjuwel im ersten Bezirk bis heute. Ihr Überleben in der Gastronomie sichert ein radikaler Entschluss. Vor über zwanzig Jahren beendete sie ihren Alkoholkonsum von einem Tag auf den anderen vollständig.
Hinweis zu Suchtthemen
Diese Folge thematisiert den Konsum von Alkohol und illegalen Drogen.
Vertrauliche Hilfe und Beratung bietet die österreichweite Suchthotline rund um die Uhr kostenfrei unter der Telefonnummer 0800 20 20 16.
In Wien steht das 24-Stunden-Krisentelefon der Suchthilfe unter +43 1 4000 53799 zur Verfügung.
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Ihre Erzählung setzt in den frühen 1970er-Jahren an der Ecke Neubaugasse und Mariahilfer Straße gegenüber dem Underground-Club Camera ein. Wenig später macht sie die Garderobe im 1973 eröffneten Lokal Motto. Das Lokal von Franz Thell bietet der Schwulenszene einen Treffpunkt und zieht rasch internationale Gäste wie Rudolf Nurejew und Helmut Berger an.
Ihren ersten Dienst hinter der Schank versieht sie im Lokal Schoko. Dort bestellt der Musiker Wolfgang Ambros bei ihr Tequila mit Zitrone. In den 1980er-Jahren zieht die Wiener Szene in die Diskothek „U4“ weiter. Kohn teilt das Personal ein, will Falco als Zechpreller anzeigen und und erlebt legendäre Konzerte wie jedes der Sade Adu bevor sie zum Weltstar wird. Und Andy Warhol überlässt ihr nach einer Begegnung ein Kuvert voll mit Kokain. Auch der Rennfahrer Niki Lauda zählt zu ihren Gästen.
Nach Stationen im Café Europa und in einem temporären Club im Technischen Museum übernimmt Kohn 1995 die Loos Bar. Sie führt das 1908 von Adolf Loos gestaltete Architekturjuwel im ersten Bezirk bis heute. Ihr Überleben in der Gastronomie sichert ein radikaler Entschluss. Vor über zwanzig Jahren beendete sie ihren Alkoholkonsum von einem Tag auf den anderen vollständig.
Hinweis zu Suchtthemen
Diese Folge thematisiert den Konsum von Alkohol und illegalen Drogen.
Vertrauliche Hilfe und Beratung bietet die österreichweite Suchthotline rund um die Uhr kostenfrei unter der Telefonnummer 0800 20 20 16.
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• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
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29 Minuten
Die sechste Staffel des Podcasts Lebende Legenden widmet sich Franz Vranitzky, österreichischer Bundeskanzler von 1986 bis 1997. In der vierten und letzten Folge erzählt der 1937 in Wien geborene Sozialdemokrat von seinen elf Jahren an der Spitze der Republik Österreich: vom Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider, vom Fall des Eisernen Vorhangs, vom EU-Beitritt – und von seiner Frau Christine, mit der er seit 64 Jahren verheiratet ist.
Innsbruck und Neuwahlen: Im Herbst 1986 stürzt Jörg Haider beim FPÖ-Parteitag in Innsbruck den liberalen Parteiobmann Norbert Steger – im Saal sind Sieg-Heil-Rufe zu hören. Bundeskanzler Franz Vranitzky, seit drei Monaten im Amt, beendet die Koalition mit der FPÖ und ruft Neuwahlen aus. Die SPÖ gewinnt mit gut 42 Prozent, es folgt die Koalition mit der ÖVP. Aus „Nicht mit Haider“ wird ein Grundsatz, den die Medien Vranitzky-Doktrin taufen und der die SPÖ bis heute prägt.
Bolzenschneider und Eiserner Vorhang: Im Mai 1989 beginnt Ungarn, seinen Grenzzaun abzubauen. Am 27. Juni durchschneiden Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn bei Klingenbach den Stacheldraht – das Foto geht um die Welt. „War gestellt. Aber egal“, sagt Vranitzky heute. Zehntausende DDR-Bürger:innen fliehen über Ungarn und Österreich in den Westen. Österreich hilft mit Reisedokumenten aus – abgesprochen mit Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.
Volksabstimmung und Internationale: Im Juli 1989 beantragt Österreich den Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften, dem Vorläufer der EU. Am 12. Juni 1994 stimmen zwei Drittel für den Beitritt, bei 82 Prozent Beteiligung – obwohl Jörg Haider vor „Blutschokolade“ und Blattläusen im Joghurt gewarnt hat. Im Festzelt stimmt ausgerechnet ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek die Internationale an: Die Roten kannten den Text nicht.
Christine und eine Niere: Seine Frau Christine lernt Franz Vranitzky 1958 beim Basketball kennen. 30 Jahre später versagen ihre Nieren, die erste Spenderniere hält 16, 17 Jahre. Am 31. Mai 2005 spendet ihr Franz Vranitzky im Wiener AKH eine eigene Niere. Heute sind die beiden 64 Jahre verheiratet, haben zwei Kinder, sechs Enkel und ein Urenkelkind.
Rücktritt und Albanien: Am 18. Jänner 1997 tritt Vranitzky nach zehneinhalb Jahren überraschend zurück – niemand war eingeweiht. Entzugserscheinungen hat er keine: Er hat den Entzug selbst herbeigeführt, absichtlich und vorsätzlich. Wenige Wochen später schickt ihn die OSZE als Sonderbeauftragten nach Albanien, wo nach dem Kollaps betrügerischer Pyramidenspiele der Staat zusammenbricht. Heute fürchtet Vranitzky die Rückkehr der Kriegsgefahr in Europa – und will dem Verlust demokratischer Grundwerte entgegensetzen, was er kann.
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Innsbruck und Neuwahlen: Im Herbst 1986 stürzt Jörg Haider beim FPÖ-Parteitag in Innsbruck den liberalen Parteiobmann Norbert Steger – im Saal sind Sieg-Heil-Rufe zu hören. Bundeskanzler Franz Vranitzky, seit drei Monaten im Amt, beendet die Koalition mit der FPÖ und ruft Neuwahlen aus. Die SPÖ gewinnt mit gut 42 Prozent, es folgt die Koalition mit der ÖVP. Aus „Nicht mit Haider“ wird ein Grundsatz, den die Medien Vranitzky-Doktrin taufen und der die SPÖ bis heute prägt.
Bolzenschneider und Eiserner Vorhang: Im Mai 1989 beginnt Ungarn, seinen Grenzzaun abzubauen. Am 27. Juni durchschneiden Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn bei Klingenbach den Stacheldraht – das Foto geht um die Welt. „War gestellt. Aber egal“, sagt Vranitzky heute. Zehntausende DDR-Bürger:innen fliehen über Ungarn und Österreich in den Westen. Österreich hilft mit Reisedokumenten aus – abgesprochen mit Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.
Volksabstimmung und Internationale: Im Juli 1989 beantragt Österreich den Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften, dem Vorläufer der EU. Am 12. Juni 1994 stimmen zwei Drittel für den Beitritt, bei 82 Prozent Beteiligung – obwohl Jörg Haider vor „Blutschokolade“ und Blattläusen im Joghurt gewarnt hat. Im Festzelt stimmt ausgerechnet ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek die Internationale an: Die Roten kannten den Text nicht.
Christine und eine Niere: Seine Frau Christine lernt Franz Vranitzky 1958 beim Basketball kennen. 30 Jahre später versagen ihre Nieren, die erste Spenderniere hält 16, 17 Jahre. Am 31. Mai 2005 spendet ihr Franz Vranitzky im Wiener AKH eine eigene Niere. Heute sind die beiden 64 Jahre verheiratet, haben zwei Kinder, sechs Enkel und ein Urenkelkind.
Rücktritt und Albanien: Am 18. Jänner 1997 tritt Vranitzky nach zehneinhalb Jahren überraschend zurück – niemand war eingeweiht. Entzugserscheinungen hat er keine: Er hat den Entzug selbst herbeigeführt, absichtlich und vorsätzlich. Wenige Wochen später schickt ihn die OSZE als Sonderbeauftragten nach Albanien, wo nach dem Kollaps betrügerischer Pyramidenspiele der Staat zusammenbricht. Heute fürchtet Vranitzky die Rückkehr der Kriegsgefahr in Europa – und will dem Verlust demokratischer Grundwerte entgegensetzen, was er kann.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
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34 Minuten
Die sechste Staffel des Podcasts Lebende Legenden widmet sich Franz Vranitzky, österreichischer Bundeskanzler von 1986 bis 1997. In der dritten Folge erzählt der 1937 in Wien geborene Sozialdemokrat von seinem Aufstieg: vom Sohn eines zeitweise arbeitslosen Eisengießers aus Favoriten zum Vorstand zweier Banken, zum Finanzminister – und ins Kanzleramt.
Ziegelböhm und Kriegsheimkehrer: Im September 1945 spielt der siebenjährige Franz vor dem Haus, als ein Fremder mit Gehstock auf ihn zukommt: sein Vater, zu Fuß heimgekehrt aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Die Vorfahren der Vranitzkys kamen als böhmische Ziegelarbeiter nach Wien, „Ziegelböhm“ war ein Schimpfwort. Der Vater, Eisengießer und überzeugter Sozialdemokrat, verliert in der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre Arbeit und Unterstützung – und wird später in der deutschen Wehrmacht wegen seiner linken Einstellung nie befördert.
Nationalbank und Ministerbüro: 1970 macht Bruno Kreiskys Finanzminister Hannes Androsch, erst 32, dem jungen Ökonomen aus der Oesterreichischen Nationalbank ein Angebot. Dem Vater gefällt das gar nicht: Einen Posten wie in der Nationalbank gibt ein vernünftiger Mensch nicht auf.
Bankdirektor: 1976 wechselt Franz Vranitzky in den Vorstand der Creditanstalt. 1981 übernimmt er die unter der Wirtschaftskrise leidende Länderbank und saniert diese.
Alpbach und Bedenkzeit: 1984 ruft Bundeskanzler Fred Sinowatz an: Er braucht einen Finanzminister. Vranitzky erbittet zwei Tage Bedenkzeit – und liest die Entscheidung noch am selben Tag als Aufmacher der Tageszeitung Kurier. Seine Kinder sagen: Wenn du uns brauchst, um das zu überlegen, dann lass es bleiben.
VOEST und rote Nelken: Im Herbst 1985 macht die verstaatlichte VOEST (damals noch Vöst) fast zehn Milliarden Schilling Verlust, nach heutiger Kaufkraft rund 1,75 Milliarden Euro. Der Finanzminister rührt am Heiligsten seiner Partei, der Sozialdemokratie: Der Staat muss sich aus der Industrie zurückziehen und viele seiner Beteiligungen schrittweise privatisieren. Am 16. Juni 1986 wird Franz Vranitzky als Bundeskanzler angelobt. Bei einer Betriebsrätekonferenz stehen ihm 4.000 Betriebsräte schweigend Spalier – in den Händen rote Nelken mit abgeknicktem Kopf.
Nadelstreif und Bilanz: Den Spott „Nadelstreifsozialist“ kontert Vranitzky trocken: Ex-Bundeskanzler BKreisky hatte viel dickere Nadelstreifen. Vier Mal führt er die SPÖ als Spitzenkandidat in Nationalratswahlen, vier Mal wird sie Erste – während Jörg Haiders FPÖ von unter zehn auf mehr als 22 Prozent wächst. Der heutigen SPÖ rät er: „Diese Partei muss wieder eine Partei werden. Das ist jetzt ein Fleckerlteppich.“
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• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
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Ziegelböhm und Kriegsheimkehrer: Im September 1945 spielt der siebenjährige Franz vor dem Haus, als ein Fremder mit Gehstock auf ihn zukommt: sein Vater, zu Fuß heimgekehrt aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Die Vorfahren der Vranitzkys kamen als böhmische Ziegelarbeiter nach Wien, „Ziegelböhm“ war ein Schimpfwort. Der Vater, Eisengießer und überzeugter Sozialdemokrat, verliert in der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre Arbeit und Unterstützung – und wird später in der deutschen Wehrmacht wegen seiner linken Einstellung nie befördert.
Nationalbank und Ministerbüro: 1970 macht Bruno Kreiskys Finanzminister Hannes Androsch, erst 32, dem jungen Ökonomen aus der Oesterreichischen Nationalbank ein Angebot. Dem Vater gefällt das gar nicht: Einen Posten wie in der Nationalbank gibt ein vernünftiger Mensch nicht auf.
Bankdirektor: 1976 wechselt Franz Vranitzky in den Vorstand der Creditanstalt. 1981 übernimmt er die unter der Wirtschaftskrise leidende Länderbank und saniert diese.
Alpbach und Bedenkzeit: 1984 ruft Bundeskanzler Fred Sinowatz an: Er braucht einen Finanzminister. Vranitzky erbittet zwei Tage Bedenkzeit – und liest die Entscheidung noch am selben Tag als Aufmacher der Tageszeitung Kurier. Seine Kinder sagen: Wenn du uns brauchst, um das zu überlegen, dann lass es bleiben.
VOEST und rote Nelken: Im Herbst 1985 macht die verstaatlichte VOEST (damals noch Vöst) fast zehn Milliarden Schilling Verlust, nach heutiger Kaufkraft rund 1,75 Milliarden Euro. Der Finanzminister rührt am Heiligsten seiner Partei, der Sozialdemokratie: Der Staat muss sich aus der Industrie zurückziehen und viele seiner Beteiligungen schrittweise privatisieren. Am 16. Juni 1986 wird Franz Vranitzky als Bundeskanzler angelobt. Bei einer Betriebsrätekonferenz stehen ihm 4.000 Betriebsräte schweigend Spalier – in den Händen rote Nelken mit abgeknicktem Kopf.
Nadelstreif und Bilanz: Den Spott „Nadelstreifsozialist“ kontert Vranitzky trocken: Ex-Bundeskanzler BKreisky hatte viel dickere Nadelstreifen. Vier Mal führt er die SPÖ als Spitzenkandidat in Nationalratswahlen, vier Mal wird sie Erste – während Jörg Haiders FPÖ von unter zehn auf mehr als 22 Prozent wächst. Der heutigen SPÖ rät er: „Diese Partei muss wieder eine Partei werden. Das ist jetzt ein Fleckerlteppich.“
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• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
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33 Minuten
Die sechste Staffel des Podcasts Lebende Legenden erzählt das Leben von dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzk. Die zweite Folge erzählt vom Krieg, wie ihn ein Kind in Wien-Hernals erlebt, von der Befreiung 1945 und von den US-Besatzungssoldaten, die dem Buben mit Basketball, einem Radiosender und einer Bibliothek die Welt öffnen. Diese amerikanische Prägung begleitet Franz Vranitzky durch sein Berufsleben – bis ins Weiße Haus.
Erster Schultag im Krieg: Im September 1943 kommt Franz Vranitzky, noch fünf Jahre alt, in die Volksschule. Seine Mutter Rosa fotografiert ihn vor dem Schultor – mit kurzer Hose und Aktentasche, weil er keine Schultasche auf dem Rücken tragen will. Dann heult die Sirene: Fliegeralarm. Ab dem Frühling 1944 bombardieren die Alliierten Wien immer öfter, Tausende Menschen sterben. Auch auf Dornbach, wo die Familie in einer Villa lebt, fallen Bomben – zwei Nachbarn kommen ums Leben. Ein 18-jähriger Sohn aus dem Haus wird noch im Frühjahr 1945 zur Wehrmacht eingezogen und fällt wenige Wochen später. Die Erwachsenen im Haus, die nicht zur NS-Blase gehören, hören verbotene Radiosender und stellen sich zwei Fragen: Wann ist der Krieg aus? Und was wird dann sein?
Ein grinsender Kopf im Kellerfenster: Anfang April 1945 erreicht die Rote Armee Wien, die Schlacht um die Stadt dauert bis zum 13. April. Nacht für Nacht hört der Bub das Heulen der „Stalinorgeln", so nennen die Wiener die sowjetischen Raketenwerfer. Die Villa hat keinen Luftschutzkeller, die Familie schläft in Stockbetten in einer ebenerdigen Passage. Franz Vranitzky liegt oben, auf Höhe eines Kellerfensters. Eines Morgens wird das Fenster eingeschlagen, und er sieht das breit grinsende Gesicht eines sowjetischen Soldaten – seine erste Begegnung mit den Befreiern. Danach ziehen Pferdegespanne und Feldküchen in den Garten der Villa ein, ein Soldat schenkt ihm Schokoriegel, ein anderer nimmt ihm auf der Straße das Fahrrad weg.
Basketball, Blue Danube Network und Hemingway: Im September 1945 teilen die vier Siegermächte Wien in Sektoren auf, der 17. Bezirk gehört zum amerikanischen. Ab 1947 besucht Franz Vranitzky das Gymnasium in der Geblergasse, das eine Bombe teilweise zerstört hat. Die US-Soldaten renovieren zuerst den Turnsaal und hängen Basketballkörbe auf. Im Messepalast, dem heutigen MuseumsQuartier, betreiben die Amerikaner eine Basketballhalle mit versiegeltem Boden und elektrischer Anzeigetafel – dort trinkt Franz Vranitzky sein erstes Coca-Cola. Er wechselt vom Fußball beim Wiener Sportclub zum Basketball. Mit seinen Mitschülern wetteifert er, wer die neuesten Sendungen des US-Soldatensenders Blue Danube Network gehört hat, im Amerikahaus leiht er sich amerikanische Literatur aus. Seine Englischprofessorin bescheinigt seinem Vater, der Sohn spreche wie ein Engländer – und gibt ihm trotzdem einen Vierer, weil er Hemingway liest, die „Literatur eines besoffenen Amerikaners".
Nationalteam hinter dem Eisernen Vorhang: Kurz nach der Matura schafft es Franz Vranitzky als einer der jüngsten Spieler ins österreichische Basketball-Nationalteam, 42 Länderspiele wird er bestreiten. 1957 fährt er zur Europameisterschaft nach Sofia – sein erster Aufenthalt in einem Staat des Ostblocks, der kommunistischen Staaten unter Führung der Sowjetunion, die der Eiserne Vorhang vom Westen trennt. Die Ostblock-Teams dominieren das Turnier, viele ihrer Spieler sind Armeeangehörige, die sich nach Trikotnummern aufstellen müssen. Was er vom Basketball mitnimmt: dass man sich auf dem kleinen Spielfeld nie ausruhen kann – und seine Frau.
Erste Begegnung mit seiner späteren Ehefrau: Nach einem schweren Unfall als Fußgänger trägt Franz Vranitzky 1958 einen langen Armgips, als ihn im Palais Ferstel in der Wiener Herrengasse – wo damals in einer baufälligen Halle Basketball gespielt wird – ein Mädchen anspricht: Christine Kristen, 18, Leichtathletin, Wiener Jugendmeisterin im Speerwerfen. Er ist 21. Sie gehen ins Kino. Er studiert an der Hochschule für Welthandel, der Vorläuferin der heutigen Wirtschaftsuniversität, und heiratet erst nach dem Diplom: im Juni 1962. Die Kinder Claudia und Robert kommen 1966 und 1969 zur Welt. Die Familie zieht von der Untermiete in eine Genossenschaftswohnung. Die Hauptarbeit in der Erziehung trägt Christine Vranitzky, ihr Mann hat mit der Karriere immer weniger Zeit.
Ein Hotdog und ein Budweiser: Ab 1961 arbeitet Franz Vranitzky in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Österreichischen Nationalbank und verantwortet die Berichterstattung über Nordamerika. Mitte der 1960er-Jahre schickt ihn die Bank für mehrere Monate nach Washington und New York: Er soll die Geldstromrechnung der US-Notenbank Federal Reserve, den „Flow of Funds", studieren, damit Österreich eine eigene bekommt. Er besucht Währungsfonds, Weltbank und Börse, geht zu Fuß durch Washington und schaut sich im Madison Square Garden Basketball, Eishockey und Leichtathletik an. Im Hotelfernseher sieht er am 25. Februar 1964, wie der 22-jährige Cassius Clay den als unbesiegbar geltenden Weltmeister Sonny Liston schlägt – bald darauf nennt er sich Muhammad Ali. Es sind die Jahre der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, im Süden gilt noch die Rassentrennung. In vielen Gesprächen hört Vranitzky: tolle Sportler – aber Schwarze. Die Kontakte, die er damals knüpft, nützen ihm Jahrzehnte später als Finanzminister.
Reagan, Bush, Clinton: Im Mai 1987, ein Jahr im Amt, reist Bundeskanzler Franz Vranitzky nach Washington, weil Bundespräsident Kurt Waldheim von der westlichen Welt geächtet wird. US-Präsident Ronald Reagan, der frühere Schauspieler, empfängt ihn höflich – Österreich ist ihm weit weg. Auf die UN-Drogenkonferenz in Wien angesprochen, verweist er auf seine Frau: Nancy Reagan führt als First Lady die Kampagne „Just Say No" gegen Drogenmissbrauch. Mit George Bush senior sitzt Vranitzky bei OSZE-Treffen zwischen Armenien und Aserbaidschan, die sich wegen des Konflikts um Bergkarabach nicht nebeneinandersetzen wollen. Bill Clinton lernt er 1991 bei der Bilderberg-Konferenz in Baden-Baden kennen, einem vertraulichen Jahrestreffen von Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Beide reden viel von ihren Müttern, beide sind nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren – die Freundschaft hält bis heute. Beim Trauerakt der EU für Helmut Kohl 2017 erinnert Clinton daran, wie viel der deutsche Kanzler beim Abendessen essen konnte.
Rechtsruck in Europa und den USA: Gefragt nach Donald Trump, der seit 2025 zum zweiten Mal US-Präsident ist, sieht Franz Vranitzky Parallelen zwischen den USA und Europa. Sein Appell: Demokratie nicht nur verteidigen, sondern aktiv leben und gestalten – und nicht erst darüber nachdenken, was passiert, wenn rechtsaußen stehende Parteien regieren. Und seine Lebensweisheit für junge Menschen: so viel Wissen wie möglich erwerben, um nicht in die Irre zu gehen – oder in die Irre geschickt zu werden.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
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Eine Produktion von Storytime MEDIA.
Musik: Patrick Pulsinger
Artdirektion: Christian Sulzenbacher
Ton & Schnitt: Soundfiler
Vermarktung: Missing Link Media
Gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien (einem Fonds der Stadt Wien) und dem Media Innovation Lab der WZ GmbH – bei redaktioneller Unabhängigkeit.
#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
Erster Schultag im Krieg: Im September 1943 kommt Franz Vranitzky, noch fünf Jahre alt, in die Volksschule. Seine Mutter Rosa fotografiert ihn vor dem Schultor – mit kurzer Hose und Aktentasche, weil er keine Schultasche auf dem Rücken tragen will. Dann heult die Sirene: Fliegeralarm. Ab dem Frühling 1944 bombardieren die Alliierten Wien immer öfter, Tausende Menschen sterben. Auch auf Dornbach, wo die Familie in einer Villa lebt, fallen Bomben – zwei Nachbarn kommen ums Leben. Ein 18-jähriger Sohn aus dem Haus wird noch im Frühjahr 1945 zur Wehrmacht eingezogen und fällt wenige Wochen später. Die Erwachsenen im Haus, die nicht zur NS-Blase gehören, hören verbotene Radiosender und stellen sich zwei Fragen: Wann ist der Krieg aus? Und was wird dann sein?
Ein grinsender Kopf im Kellerfenster: Anfang April 1945 erreicht die Rote Armee Wien, die Schlacht um die Stadt dauert bis zum 13. April. Nacht für Nacht hört der Bub das Heulen der „Stalinorgeln", so nennen die Wiener die sowjetischen Raketenwerfer. Die Villa hat keinen Luftschutzkeller, die Familie schläft in Stockbetten in einer ebenerdigen Passage. Franz Vranitzky liegt oben, auf Höhe eines Kellerfensters. Eines Morgens wird das Fenster eingeschlagen, und er sieht das breit grinsende Gesicht eines sowjetischen Soldaten – seine erste Begegnung mit den Befreiern. Danach ziehen Pferdegespanne und Feldküchen in den Garten der Villa ein, ein Soldat schenkt ihm Schokoriegel, ein anderer nimmt ihm auf der Straße das Fahrrad weg.
Basketball, Blue Danube Network und Hemingway: Im September 1945 teilen die vier Siegermächte Wien in Sektoren auf, der 17. Bezirk gehört zum amerikanischen. Ab 1947 besucht Franz Vranitzky das Gymnasium in der Geblergasse, das eine Bombe teilweise zerstört hat. Die US-Soldaten renovieren zuerst den Turnsaal und hängen Basketballkörbe auf. Im Messepalast, dem heutigen MuseumsQuartier, betreiben die Amerikaner eine Basketballhalle mit versiegeltem Boden und elektrischer Anzeigetafel – dort trinkt Franz Vranitzky sein erstes Coca-Cola. Er wechselt vom Fußball beim Wiener Sportclub zum Basketball. Mit seinen Mitschülern wetteifert er, wer die neuesten Sendungen des US-Soldatensenders Blue Danube Network gehört hat, im Amerikahaus leiht er sich amerikanische Literatur aus. Seine Englischprofessorin bescheinigt seinem Vater, der Sohn spreche wie ein Engländer – und gibt ihm trotzdem einen Vierer, weil er Hemingway liest, die „Literatur eines besoffenen Amerikaners".
Nationalteam hinter dem Eisernen Vorhang: Kurz nach der Matura schafft es Franz Vranitzky als einer der jüngsten Spieler ins österreichische Basketball-Nationalteam, 42 Länderspiele wird er bestreiten. 1957 fährt er zur Europameisterschaft nach Sofia – sein erster Aufenthalt in einem Staat des Ostblocks, der kommunistischen Staaten unter Führung der Sowjetunion, die der Eiserne Vorhang vom Westen trennt. Die Ostblock-Teams dominieren das Turnier, viele ihrer Spieler sind Armeeangehörige, die sich nach Trikotnummern aufstellen müssen. Was er vom Basketball mitnimmt: dass man sich auf dem kleinen Spielfeld nie ausruhen kann – und seine Frau.
Erste Begegnung mit seiner späteren Ehefrau: Nach einem schweren Unfall als Fußgänger trägt Franz Vranitzky 1958 einen langen Armgips, als ihn im Palais Ferstel in der Wiener Herrengasse – wo damals in einer baufälligen Halle Basketball gespielt wird – ein Mädchen anspricht: Christine Kristen, 18, Leichtathletin, Wiener Jugendmeisterin im Speerwerfen. Er ist 21. Sie gehen ins Kino. Er studiert an der Hochschule für Welthandel, der Vorläuferin der heutigen Wirtschaftsuniversität, und heiratet erst nach dem Diplom: im Juni 1962. Die Kinder Claudia und Robert kommen 1966 und 1969 zur Welt. Die Familie zieht von der Untermiete in eine Genossenschaftswohnung. Die Hauptarbeit in der Erziehung trägt Christine Vranitzky, ihr Mann hat mit der Karriere immer weniger Zeit.
Ein Hotdog und ein Budweiser: Ab 1961 arbeitet Franz Vranitzky in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Österreichischen Nationalbank und verantwortet die Berichterstattung über Nordamerika. Mitte der 1960er-Jahre schickt ihn die Bank für mehrere Monate nach Washington und New York: Er soll die Geldstromrechnung der US-Notenbank Federal Reserve, den „Flow of Funds", studieren, damit Österreich eine eigene bekommt. Er besucht Währungsfonds, Weltbank und Börse, geht zu Fuß durch Washington und schaut sich im Madison Square Garden Basketball, Eishockey und Leichtathletik an. Im Hotelfernseher sieht er am 25. Februar 1964, wie der 22-jährige Cassius Clay den als unbesiegbar geltenden Weltmeister Sonny Liston schlägt – bald darauf nennt er sich Muhammad Ali. Es sind die Jahre der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, im Süden gilt noch die Rassentrennung. In vielen Gesprächen hört Vranitzky: tolle Sportler – aber Schwarze. Die Kontakte, die er damals knüpft, nützen ihm Jahrzehnte später als Finanzminister.
Reagan, Bush, Clinton: Im Mai 1987, ein Jahr im Amt, reist Bundeskanzler Franz Vranitzky nach Washington, weil Bundespräsident Kurt Waldheim von der westlichen Welt geächtet wird. US-Präsident Ronald Reagan, der frühere Schauspieler, empfängt ihn höflich – Österreich ist ihm weit weg. Auf die UN-Drogenkonferenz in Wien angesprochen, verweist er auf seine Frau: Nancy Reagan führt als First Lady die Kampagne „Just Say No" gegen Drogenmissbrauch. Mit George Bush senior sitzt Vranitzky bei OSZE-Treffen zwischen Armenien und Aserbaidschan, die sich wegen des Konflikts um Bergkarabach nicht nebeneinandersetzen wollen. Bill Clinton lernt er 1991 bei der Bilderberg-Konferenz in Baden-Baden kennen, einem vertraulichen Jahrestreffen von Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Beide reden viel von ihren Müttern, beide sind nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren – die Freundschaft hält bis heute. Beim Trauerakt der EU für Helmut Kohl 2017 erinnert Clinton daran, wie viel der deutsche Kanzler beim Abendessen essen konnte.
Rechtsruck in Europa und den USA: Gefragt nach Donald Trump, der seit 2025 zum zweiten Mal US-Präsident ist, sieht Franz Vranitzky Parallelen zwischen den USA und Europa. Sein Appell: Demokratie nicht nur verteidigen, sondern aktiv leben und gestalten – und nicht erst darüber nachdenken, was passiert, wenn rechtsaußen stehende Parteien regieren. Und seine Lebensweisheit für junge Menschen: so viel Wissen wie möglich erwerben, um nicht in die Irre zu gehen – oder in die Irre geschickt zu werden.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
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• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
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34 Minuten
Die sechste Staffel des Podcasts Lebende Legenden erzählt das Leben von Franz Vranitzky, österreichischem Politiker und Sozialdemokrat, geboren 1937 in Wien. Von 1986 bis 1997 ist er österreichischer Bundeskanzler. Die erste Folge erzählt von seiner Kindheit unterm Hakenkreuz in Wien-Hernals und von den Jahren, in denen er als Bundeskanzler einem Bundespräsidenten gegenübersitzt, mit dem kein westliches Staatsoberhaupt mehr reden will.
Der Leitspruch der Familie: Franz Vranitzkys Vater, ebenfalls Franz, ist Eisengießer und Sozialdemokrat. Seit Kriegsbeginn 1939 ist er als Soldat der deutschen Wehrmacht an der Front, nur selten auf Heimaturlaub zu Hause. Seine Kindheit verbringt Franz Vranitzky deshalb hauptsächlich mit seiner Mutter Rosa. Der Vater prägt trotzdem den Leitspruch der Familie: "Die Nazi sind a Gsindel". Als die Volksschule im Herbst 1944 Wintermützen mit Hakenkreuz-Kokarde verteilt, trennt Rosa Vranitzky das Hakenkreuz mit der Schere ab. Schulwart und Oberlehrer bestellen sie deswegen ein und beschimpfen sie – Rosa Vranitzky lässt sich nicht beeindrucken..
Villa in Dornbach: Rosa Vranitzky arbeitet als Hausgehilfin und Hausbesorgerin in einer Villa in Wien-Dornbach. Die Besitzerfamilie sind überzeugte Nationalsozialisten, im Stiegenhaus grüßt man mit Heil Hitler. Der kleine Franz Vranitzky grüßt nicht mit, die Hausherren beschweren sich deshalb bei seiner Mutter. Während der Bombenangriffe ab 1942/43 nimmt Rosa Vranitzky trotzdem ein jüdisches Ehepaar aus der Nachbarschaft mit in den gemeinsamen Keller. Sie selbst stammt aus dem burgenländischen Lackenbach, einer der sogenannten Sieben Gemeinden mit großer jüdischer Bevölkerung – die Nationalsozialisten zerstörten diese Gemeinden 1938.
Waldheim, Sinowatz und die Isolation: 1986 kandidiert Kurt Waldheim, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen, für die ÖVP als Bundespräsident. Im Wahlkampf kommt heraus, dass er seine Jahre als Wehrmachtsoffizier auf dem Balkan verschwiegen hat. Am 8. Juni 1986 gewinnt Waldheim die Stichwahl, tags darauf tritt Bundeskanzler Fred Sinowatz zurück. Am 16. Juni 1986 wird Franz Vranitzky Bundeskanzler – und übernimmt damit die Auseinandersetzung um einen Bundespräsidenten, den die westliche Welt meidet. In Wien demonstrieren Zehntausende gegen Waldheim, der Bildhauer Alfred Hrdlicka baut Sinowatz' Spott über die SA-Reiterstandarte in Holz nach: ein Pferd mit SA-Kappe. Im April 1987 setzen die USA Waldheim auf die Watchlist. Vranitzky fliegt daraufhin zu US-Präsident Ronald Reagan, der ihm sagt, er habe nichts gegen Österreich, nur gegen Waldheim.
Der Bericht der Historikerkommission: Auf Waldheims eigenen Wunsch setzt die Bundesregierung im Mai 1987 eine internationale Historikerkommission ein, sieben Historiker aus sieben Ländern, darunter Israel und die USA. Im Februar 1988 übergibt sie ihren Bericht an Bundeskanzler Franz Vranitzky: Waldheim sei an keinen Verbrechen beteiligt gewesen, habe aber von Mordbefehlen und Deportationen gewusst und über seine eigene Vergangenheit falsche Angaben gemacht. Waldheim fordert Vranitzky auf, den Bericht zurückzuziehen, Vranitzky lehnt ab. Waldheim bleibt bis zum Ende seiner sechsjährigen Amtszeit Bundespräsident, verzichtet aber auf eine zweite Kandidatur – das persönliche Verhältnis zu Vranitzky bleibt bis zuletzt frostig.
Die Rede vom 8. Juli 1991: Während in Jugoslawien mit dem Zerfall des Staates ein neuer Krieg beginnt, hält Franz Vranitzky am 8. Juli 1991 im Parlament eine historische Rede. Erstmals bekennt ein österreichischer Bundeskanzler die Mitschuld von Österreicherinnen und Österreichern an den Verbrechen des Nationalsozialismus – und bricht damit mit der bis dahin offiziellen Erzählung, Österreich sei nur das erste Opfer Hitlers gewesen. 1993 wiederholt Vranitzky die Gedanken bei einem offiziellen Besuch in Israel, dem ersten eines österreichischen Bundeskanzlers, und erhält dort ein Ehrendoktorat der Hebräischen Universität Jerusalem.
Nahost in der Gegenwart: Am 7. Oktober 2023 überfallen Terroristen der Hamas Israel, ermorden 1.195 Menschen und verschleppen mehr als 200 Geiseln nach Gaza. Auch dazu äußert sich Franz Vranitzky im Gespräch. Er verurteile Antisemitismus uneingeschränkt, könne aber auch das Vorgehen der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung nicht billigen. Sein Appell: die Sensibilität im Umgang mit dem Schicksal vieler Menschen nicht zu verlieren.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
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#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
Der Leitspruch der Familie: Franz Vranitzkys Vater, ebenfalls Franz, ist Eisengießer und Sozialdemokrat. Seit Kriegsbeginn 1939 ist er als Soldat der deutschen Wehrmacht an der Front, nur selten auf Heimaturlaub zu Hause. Seine Kindheit verbringt Franz Vranitzky deshalb hauptsächlich mit seiner Mutter Rosa. Der Vater prägt trotzdem den Leitspruch der Familie: "Die Nazi sind a Gsindel". Als die Volksschule im Herbst 1944 Wintermützen mit Hakenkreuz-Kokarde verteilt, trennt Rosa Vranitzky das Hakenkreuz mit der Schere ab. Schulwart und Oberlehrer bestellen sie deswegen ein und beschimpfen sie – Rosa Vranitzky lässt sich nicht beeindrucken..
Villa in Dornbach: Rosa Vranitzky arbeitet als Hausgehilfin und Hausbesorgerin in einer Villa in Wien-Dornbach. Die Besitzerfamilie sind überzeugte Nationalsozialisten, im Stiegenhaus grüßt man mit Heil Hitler. Der kleine Franz Vranitzky grüßt nicht mit, die Hausherren beschweren sich deshalb bei seiner Mutter. Während der Bombenangriffe ab 1942/43 nimmt Rosa Vranitzky trotzdem ein jüdisches Ehepaar aus der Nachbarschaft mit in den gemeinsamen Keller. Sie selbst stammt aus dem burgenländischen Lackenbach, einer der sogenannten Sieben Gemeinden mit großer jüdischer Bevölkerung – die Nationalsozialisten zerstörten diese Gemeinden 1938.
Waldheim, Sinowatz und die Isolation: 1986 kandidiert Kurt Waldheim, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen, für die ÖVP als Bundespräsident. Im Wahlkampf kommt heraus, dass er seine Jahre als Wehrmachtsoffizier auf dem Balkan verschwiegen hat. Am 8. Juni 1986 gewinnt Waldheim die Stichwahl, tags darauf tritt Bundeskanzler Fred Sinowatz zurück. Am 16. Juni 1986 wird Franz Vranitzky Bundeskanzler – und übernimmt damit die Auseinandersetzung um einen Bundespräsidenten, den die westliche Welt meidet. In Wien demonstrieren Zehntausende gegen Waldheim, der Bildhauer Alfred Hrdlicka baut Sinowatz' Spott über die SA-Reiterstandarte in Holz nach: ein Pferd mit SA-Kappe. Im April 1987 setzen die USA Waldheim auf die Watchlist. Vranitzky fliegt daraufhin zu US-Präsident Ronald Reagan, der ihm sagt, er habe nichts gegen Österreich, nur gegen Waldheim.
Der Bericht der Historikerkommission: Auf Waldheims eigenen Wunsch setzt die Bundesregierung im Mai 1987 eine internationale Historikerkommission ein, sieben Historiker aus sieben Ländern, darunter Israel und die USA. Im Februar 1988 übergibt sie ihren Bericht an Bundeskanzler Franz Vranitzky: Waldheim sei an keinen Verbrechen beteiligt gewesen, habe aber von Mordbefehlen und Deportationen gewusst und über seine eigene Vergangenheit falsche Angaben gemacht. Waldheim fordert Vranitzky auf, den Bericht zurückzuziehen, Vranitzky lehnt ab. Waldheim bleibt bis zum Ende seiner sechsjährigen Amtszeit Bundespräsident, verzichtet aber auf eine zweite Kandidatur – das persönliche Verhältnis zu Vranitzky bleibt bis zuletzt frostig.
Die Rede vom 8. Juli 1991: Während in Jugoslawien mit dem Zerfall des Staates ein neuer Krieg beginnt, hält Franz Vranitzky am 8. Juli 1991 im Parlament eine historische Rede. Erstmals bekennt ein österreichischer Bundeskanzler die Mitschuld von Österreicherinnen und Österreichern an den Verbrechen des Nationalsozialismus – und bricht damit mit der bis dahin offiziellen Erzählung, Österreich sei nur das erste Opfer Hitlers gewesen. 1993 wiederholt Vranitzky die Gedanken bei einem offiziellen Besuch in Israel, dem ersten eines österreichischen Bundeskanzlers, und erhält dort ein Ehrendoktorat der Hebräischen Universität Jerusalem.
Nahost in der Gegenwart: Am 7. Oktober 2023 überfallen Terroristen der Hamas Israel, ermorden 1.195 Menschen und verschleppen mehr als 200 Geiseln nach Gaza. Auch dazu äußert sich Franz Vranitzky im Gespräch. Er verurteile Antisemitismus uneingeschränkt, könne aber auch das Vorgehen der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung nicht billigen. Sein Appell: die Sensibilität im Umgang mit dem Schicksal vieler Menschen nicht zu verlieren.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
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32 Minuten
Die fünfte Staffel des Podcasts Lebende Legenden widmet sich dem österreichischen Maler und Musiker Christian Ludwig Attersee. Der 1940 geborene Künstler zählt zu den erfolgreichsten Österreichs. Die vierte und letzte Folge erzählt vom Leben neben der Kunst: von den Frauen, den Jahren als Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien, der Musik und der Bilanz eines Lebenswerks.
Bootssteg und „Sommerfrauen“: Die Liebe beginnt am Bootssteg. Die erste längere Freundin heißt Elfe. Die „Sommerfrauen“ seiner Jugend verabschieden sich jeden Winter zu anderen Männern – bis der junge Attersee eine Winterliebe findet, die sich auch im Sommer hält. Ab Mitte der Sechzigerjahre macht der Künstler seine Bisexualität in ironischen Fotozyklen öffentlich zum Thema. Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen stehen in Österreich zu dieser Zeit noch unter einem generellen strafrechtlichen Verbot; es fällt erst 1971. Ein Linzer Ausstellungshaus beschied ihm damals: Einen Schwulen stelle man nicht aus.
Hauptfrauen und Häuser: Seine langen Beziehungen nennt Attersee seine „Hauptfrauen“. Mit ihnen wechseln die Orte. Mit dem Fotomodell Susi Sept baut er ab 1975 ein Haus im südlichen Burgenland auf. Mit der Galeristin Evelyn Oswald kauft er 1990 ein Anwesen am Semmering; das Atelier dort finanziert der Verkauf seiner Dieter-Roth-Sammlung. Seine letzte große Liebe findet er mit 60: die Kunsthistorikerin Ingried Brugger, langjährige Direktorin des Bank Austria Kunstforums Wien. Die beiden sind bis heute verheiratet. Seine Bilanz nach einem Leben voller Lieben: Er kenne keine böse Trennung.
Kinder und Egoismus: Der Malerkollege Ernst Fuchs hatte 16 Kinder mit sieben Frauen. Attersee entscheidet sich bewusst dagegen. Ein Kind braucht Zeit und Liebe, sagt er, und der Egoismus des Künstlers sei dafür zu stark. Er habe viele unglückliche Kinder von Künstlern kennengelernt.
Professur und Eichkätzchen: Im Jahr 1990 kehrt Attersee als Professor an die Universität für angewandte Kunst Wien zurück, an der er ab 1957 selbst studiert hat. Ab 1992 leitet er dort die Klasse für Malerei, Animationsfilm und Tapisserie. Computer verbietet er – nach drei Monaten ist der letzte weg. Wer nicht mehr nachschauen kann, wie ein Eichkätzchen aussieht, muss es eben malen. So entstehen Elefanten, denen die Hörner aus den Brüsten wachsen. Seiner Meinung nach zu braven Bildern malt er hinein, wie sie eigentlich ausschauen könnten. Auch an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg unterrichtet er, 1953 von Oskar Kokoschka als „Schule des Sehens“ gegründet. Seine Studierenden führt er auf Dutzenden Reisen durch die wichtigsten Museen Mitteleuropas.
Rock ’n’ Roll und Sprechgesang: Die Musik bleibt zeitlebens seine zweite Leidenschaft. Mitte der Fünfzigerjahre singt der Teenager im Linzer Phoenix-Kino Rock ’n’ Roll – „mit einer Stimme, die Elvis gern gehabt hätte“, wie er selbst meint. Die Erwachsenen sind empört und bringen ihm Brote, damit er aufhört. Später entwickelt Attersee seine eigene Musik: Sprechgesang aus Bildtiteln, rund 25 CDs, Auftritte mit dem Künstlerkollektiv „Selten gehörte Musik“ gemeinsam mit Hermann Nitsch, Dieter Roth, Oswald Wiener und Gerhard Rühm. Im 20er Haus, dem heutigen Belvedere 21, führt die Gruppe sogar eine Oper mit zwei Klavieren auf.
Bilanz und Bild Nummer 10.400: Attersee zählt mehr als 500 Einzelausstellungen. Wie sein Jugendvorbild Wassily Kandinsky will er ein Lebenswerk hinterlassen, das sich vom ersten bis zum letzten Bild nachvollziehen lässt – beim Gespräch hält er bei Nummer 10.400. Stolz ist er nicht. Sein Grundprinzip: zehnmal besser sein als alle anderen. Er malt Tag und Nacht, ohne Feiertag und ohne Sonntag. Ein großer Plan bleibt: Aus Erik Saties symphonischem Drama Socrate von 1918 möchte er eine transportable Ballettoper formen – er will die Komposition „atterseeisieren“. Seine Lebensweisheit: Das Leben ist dazu da, um das Leben zu leben.
Damit endet die fünfte Staffel. In der nächsten Staffel erzählt der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky sein Leben. Er spricht über seine Kindheit unterm Hakenkreuz und seine mutige Mutter, über die Waldheim-Jahre, in denen er Bundeskanzler war, und über jene Rede, mit der sich Österreich von der Erzählung verabschiedete, es sei nur das erste Opfer der Nazis gewesen.
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Bootssteg und „Sommerfrauen“: Die Liebe beginnt am Bootssteg. Die erste längere Freundin heißt Elfe. Die „Sommerfrauen“ seiner Jugend verabschieden sich jeden Winter zu anderen Männern – bis der junge Attersee eine Winterliebe findet, die sich auch im Sommer hält. Ab Mitte der Sechzigerjahre macht der Künstler seine Bisexualität in ironischen Fotozyklen öffentlich zum Thema. Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen stehen in Österreich zu dieser Zeit noch unter einem generellen strafrechtlichen Verbot; es fällt erst 1971. Ein Linzer Ausstellungshaus beschied ihm damals: Einen Schwulen stelle man nicht aus.
Hauptfrauen und Häuser: Seine langen Beziehungen nennt Attersee seine „Hauptfrauen“. Mit ihnen wechseln die Orte. Mit dem Fotomodell Susi Sept baut er ab 1975 ein Haus im südlichen Burgenland auf. Mit der Galeristin Evelyn Oswald kauft er 1990 ein Anwesen am Semmering; das Atelier dort finanziert der Verkauf seiner Dieter-Roth-Sammlung. Seine letzte große Liebe findet er mit 60: die Kunsthistorikerin Ingried Brugger, langjährige Direktorin des Bank Austria Kunstforums Wien. Die beiden sind bis heute verheiratet. Seine Bilanz nach einem Leben voller Lieben: Er kenne keine böse Trennung.
Kinder und Egoismus: Der Malerkollege Ernst Fuchs hatte 16 Kinder mit sieben Frauen. Attersee entscheidet sich bewusst dagegen. Ein Kind braucht Zeit und Liebe, sagt er, und der Egoismus des Künstlers sei dafür zu stark. Er habe viele unglückliche Kinder von Künstlern kennengelernt.
Professur und Eichkätzchen: Im Jahr 1990 kehrt Attersee als Professor an die Universität für angewandte Kunst Wien zurück, an der er ab 1957 selbst studiert hat. Ab 1992 leitet er dort die Klasse für Malerei, Animationsfilm und Tapisserie. Computer verbietet er – nach drei Monaten ist der letzte weg. Wer nicht mehr nachschauen kann, wie ein Eichkätzchen aussieht, muss es eben malen. So entstehen Elefanten, denen die Hörner aus den Brüsten wachsen. Seiner Meinung nach zu braven Bildern malt er hinein, wie sie eigentlich ausschauen könnten. Auch an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg unterrichtet er, 1953 von Oskar Kokoschka als „Schule des Sehens“ gegründet. Seine Studierenden führt er auf Dutzenden Reisen durch die wichtigsten Museen Mitteleuropas.
Rock ’n’ Roll und Sprechgesang: Die Musik bleibt zeitlebens seine zweite Leidenschaft. Mitte der Fünfzigerjahre singt der Teenager im Linzer Phoenix-Kino Rock ’n’ Roll – „mit einer Stimme, die Elvis gern gehabt hätte“, wie er selbst meint. Die Erwachsenen sind empört und bringen ihm Brote, damit er aufhört. Später entwickelt Attersee seine eigene Musik: Sprechgesang aus Bildtiteln, rund 25 CDs, Auftritte mit dem Künstlerkollektiv „Selten gehörte Musik“ gemeinsam mit Hermann Nitsch, Dieter Roth, Oswald Wiener und Gerhard Rühm. Im 20er Haus, dem heutigen Belvedere 21, führt die Gruppe sogar eine Oper mit zwei Klavieren auf.
Bilanz und Bild Nummer 10.400: Attersee zählt mehr als 500 Einzelausstellungen. Wie sein Jugendvorbild Wassily Kandinsky will er ein Lebenswerk hinterlassen, das sich vom ersten bis zum letzten Bild nachvollziehen lässt – beim Gespräch hält er bei Nummer 10.400. Stolz ist er nicht. Sein Grundprinzip: zehnmal besser sein als alle anderen. Er malt Tag und Nacht, ohne Feiertag und ohne Sonntag. Ein großer Plan bleibt: Aus Erik Saties symphonischem Drama Socrate von 1918 möchte er eine transportable Ballettoper formen – er will die Komposition „atterseeisieren“. Seine Lebensweisheit: Das Leben ist dazu da, um das Leben zu leben.
Damit endet die fünfte Staffel. In der nächsten Staffel erzählt der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky sein Leben. Er spricht über seine Kindheit unterm Hakenkreuz und seine mutige Mutter, über die Waldheim-Jahre, in denen er Bundeskanzler war, und über jene Rede, mit der sich Österreich von der Erzählung verabschiedete, es sei nur das erste Opfer der Nazis gewesen.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
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Eine Produktion von Storytime MEDIA.
Musik: Patrick Pulsinger
Artdirektion: Christian Sulzenbacher
Ton & Schnitt: Soundfiler
Vermarktung: Missing Link Media
Gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien (einem Fonds der Stadt Wien) und dem Media Innovation Lab der WZ GmbH – bei redaktioneller Unabhängigkeit.
#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
24 Minuten
Die fünfte Staffel des Podcasts Lebende Legenden widmet sich dem Maler Christian Ludwig Attersee. Die dritte Folge dokumentiert den maßgeblichen Namenswechsel des Künstlers. Während einer Zugreise nach Graz im Jahr 1968 legt er seinen bürgerlichen Namen ab. Er verlässt die Enge Wiens und betritt die Bühnen des internationalen Kunstmarkts.
Aufruhr und Gerichtssaal: Die Wiener Avantgarde provoziert in den späten Sechzigerjahren laute Skandale. Attersee inszeniert eine stille Performance in einem aufblasbaren Jesusmantel aus Plastik. Die Polizei stürmt diese Veranstaltung mit fünfzig Schäferhunden. An der berüchtigten Uni-Ferkelei nimmt der Maler nicht teil. Ein Richter lädt ihn später in dieser Sache als Zeugen vor, verweigert jedoch die Aussageaufnahme und rügt den Künstler ausschließlich für langes Haupthaar.
West-Berlin und Zürich: Der Künstler sucht Zuflucht im günstigen West-Berlin. Er bewohnt ein ungeheiztes Zimmer, den Tatort eines vorangegangenen Tötungsdelikts. Mit dem Werk „Objekt Vagina“ erzeugt er in einer Berliner Galerie große Empörung. Der finanzielle Durchbruch gelingt schließlich in Zürich. Der Galerist Bruno Bischofberger erwirbt 54 Bilder, vervielfacht die Preise und verlangt eilige Auftragsarbeiten für amerikanische Museen. Attersee verweigert sich dieser Fabrikarbeit.
New York und Venedig: Eine Reise nach New York führt zur flüchtigen Begegnung mit dem Maler Andy Warhol. Attersee logiert mit dem Galeristen Kurt Kalb im Broadway Central Hotel, einem Gebäude, das wenige Monate später in sich zusammenfällt. Nach einem Raubüberfall auf offener Straße kleiden sich die beiden Österreicher aus Geldnot mit weggeworfenen Textilien ein. Die späte offizielle Anerkennung in der Heimat folgt im Jahr 1984. Der Architekt Hans Hollein beauftragt ihn, den nationalen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu bespielen.
Klavierspiel und Schulden: In den Neunzigerjahren finanziert der Maler das Wiener Lokal Neu Wien. Die Räumlichkeiten etablieren sich rasch als Zentrum der Kulturszene. Politiker wie Jörg Haider erhalten Hausverbot. Der Inhaber unterhält die Gäste oft bis zum frühen Morgen am Klavier. Angestellte unterschlagen hohe Summen. Ein Schuldenberg zwingt Attersee zum Verkauf einer Immobilie am Semmering. Er blickt gänzlich ohne Reue auf diese Jahre zurück.
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Aufruhr und Gerichtssaal: Die Wiener Avantgarde provoziert in den späten Sechzigerjahren laute Skandale. Attersee inszeniert eine stille Performance in einem aufblasbaren Jesusmantel aus Plastik. Die Polizei stürmt diese Veranstaltung mit fünfzig Schäferhunden. An der berüchtigten Uni-Ferkelei nimmt der Maler nicht teil. Ein Richter lädt ihn später in dieser Sache als Zeugen vor, verweigert jedoch die Aussageaufnahme und rügt den Künstler ausschließlich für langes Haupthaar.
West-Berlin und Zürich: Der Künstler sucht Zuflucht im günstigen West-Berlin. Er bewohnt ein ungeheiztes Zimmer, den Tatort eines vorangegangenen Tötungsdelikts. Mit dem Werk „Objekt Vagina“ erzeugt er in einer Berliner Galerie große Empörung. Der finanzielle Durchbruch gelingt schließlich in Zürich. Der Galerist Bruno Bischofberger erwirbt 54 Bilder, vervielfacht die Preise und verlangt eilige Auftragsarbeiten für amerikanische Museen. Attersee verweigert sich dieser Fabrikarbeit.
New York und Venedig: Eine Reise nach New York führt zur flüchtigen Begegnung mit dem Maler Andy Warhol. Attersee logiert mit dem Galeristen Kurt Kalb im Broadway Central Hotel, einem Gebäude, das wenige Monate später in sich zusammenfällt. Nach einem Raubüberfall auf offener Straße kleiden sich die beiden Österreicher aus Geldnot mit weggeworfenen Textilien ein. Die späte offizielle Anerkennung in der Heimat folgt im Jahr 1984. Der Architekt Hans Hollein beauftragt ihn, den nationalen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu bespielen.
Klavierspiel und Schulden: In den Neunzigerjahren finanziert der Maler das Wiener Lokal Neu Wien. Die Räumlichkeiten etablieren sich rasch als Zentrum der Kulturszene. Politiker wie Jörg Haider erhalten Hausverbot. Der Inhaber unterhält die Gäste oft bis zum frühen Morgen am Klavier. Angestellte unterschlagen hohe Summen. Ein Schuldenberg zwingt Attersee zum Verkauf einer Immobilie am Semmering. Er blickt gänzlich ohne Reue auf diese Jahre zurück.
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42 Minuten
Der Podcast Lebende Legenden widmet sich dem Maler Christian Ludwig Attersee. In der zweiten Folge der fünften Staffel erinnert sich der Künstler an seine frühen Jahre. Er kommt im August 1940 in Bratislava zur Welt. Eine unheilbare Mittelohrentzündung führt im Kleinkindalter zu einem dauerhaften Gehörverlust auf einem Ohr und vereitelt den Plan, Opernsänger zu werden. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs flieht die Familie vor der Front nach Österreich und strandet im oberösterreichischen Landshaag.
Wasser und Wettbewerb: Der Vater errichtet eine Holzkonstruktion auf zwei flachen Donaubooten. Das Gefährt dient der Familie zunächst als Aufenthaltsort, später nutzen es die Söhne als Schlafplatz am Attersee. Der Bub wächst in dieser Umgebung auf und erzielt rasch Erfolge im Segelsport. Als Zwölfjähriger gewinnt er die österreichische Jugendmeisterschaft. Eine Einladung zur Weltmeisterschaft nach Florida im Jahr 1962 desillusioniert ihn jedoch zutiefst. Er entscheidet sich gegen eine professionelle Laufbahn auf dem Wasser und wählt die Malerei.
Provozierte Eskalation: Die erste Einzelausstellung in Österreich findet im Februar 1967 in der Wiener Galerie im Griechenbeisl statt. Ein absurder Satz auf dem Plakat, der das Aufblasen von Hunden in Aussicht stellt, provoziert einen Menschenauflauf sowie Morddrohungen. Eine mit Fahrradketten bewaffnete Gruppe zieht durch die Innenstadt, irrt sich in der Adresse und verwüstet ein benachbartes Restaurant. Wenige Tage nach der Eröffnung stirbt der Vater an einem Herzleiden.
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Diese Folge des Podcasts thematisiert sexuelle Gewalt an Minderjährigen. Die österreichische Telefonseelsorge antwortet in akuten Krisensituationen unter der Rufnummer 142. Die Notrufnummer 147 von Rat auf Draht bietet Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen rasche und vertrauliche Hilfe. Die Männerberatung Wien leistet unter der Nummer 01 603 28 28 spezifische Hilfe für männliche Betroffene sexualisierter Gewalt.
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Wasser und Wettbewerb: Der Vater errichtet eine Holzkonstruktion auf zwei flachen Donaubooten. Das Gefährt dient der Familie zunächst als Aufenthaltsort, später nutzen es die Söhne als Schlafplatz am Attersee. Der Bub wächst in dieser Umgebung auf und erzielt rasch Erfolge im Segelsport. Als Zwölfjähriger gewinnt er die österreichische Jugendmeisterschaft. Eine Einladung zur Weltmeisterschaft nach Florida im Jahr 1962 desillusioniert ihn jedoch zutiefst. Er entscheidet sich gegen eine professionelle Laufbahn auf dem Wasser und wählt die Malerei.
Provozierte Eskalation: Die erste Einzelausstellung in Österreich findet im Februar 1967 in der Wiener Galerie im Griechenbeisl statt. Ein absurder Satz auf dem Plakat, der das Aufblasen von Hunden in Aussicht stellt, provoziert einen Menschenauflauf sowie Morddrohungen. Eine mit Fahrradketten bewaffnete Gruppe zieht durch die Innenstadt, irrt sich in der Adresse und verwüstet ein benachbartes Restaurant. Wenige Tage nach der Eröffnung stirbt der Vater an einem Herzleiden.
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Diese Folge des Podcasts thematisiert sexuelle Gewalt an Minderjährigen. Die österreichische Telefonseelsorge antwortet in akuten Krisensituationen unter der Rufnummer 142. Die Notrufnummer 147 von Rat auf Draht bietet Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen rasche und vertrauliche Hilfe. Die Männerberatung Wien leistet unter der Nummer 01 603 28 28 spezifische Hilfe für männliche Betroffene sexualisierter Gewalt.
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27 Minuten
Christian Ludwig Attersee begreift sich selbst als „Kunstmaschine“. Die erste Folge der fünften Staffel begleitet den Sechzehnjährigen im Jahr 1957 an die Wiener Akademie für angewandte Kunst. Der Student durchlebt prekäre Wohnverhältnisse am Naschmarkt und unmittelbare Begegnungen im Milieu der Prostitution.
Bühnenbild und Meisterklasse: Der junge Mann fasst zunächst eine Laufbahn als Opernsänger ins Auge. Ein Gehörfehler aus Kindertagen und das Fehlen geeigneter Lehrer vereiteln den Plan. Zur Vorbereitung auf ein Bühnenbildstudium zeichnet er in Linz monatelang Zündholzschachteln aus sämtlichen Perspektiven. Als Sechzehnjähriger besteht er die Aufnahmeprüfung in Wien. Er absolviert zwei Jahre in der Klasse für Bühnenbild, verlässt das Fach und studiert fortan Malerei bei Eduard Bäumer.
Tropea: Auf einer Klassenreise in das süditalienische Tropea bricht er 1961 mit den Konventionen der Landschaftsmalerei. Er platziert Fleischstücke in das Meer und begründet damit seine erste anerkannte Werkserie.
Kaffeehaus und Prothesen: Attersee verkehrt als jüngster Künstler in den Zirkeln der Wiener Avantgarde um Oswald Wiener, Hermann Nitsch und Gerhard Rühm. Fehlt ihm eine Unterkunft, nächtigt er heimlich im Café Hawelka.
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Diese Folge thematisiert sexuelle Gewalt und Alkoholismus.
Die Frauenhelpline gegen Gewalt berät Betroffene kostenfrei unter der Rufnummer 0800 222 555.
Die österreichische Telefonseelsorge antwortet in akuten Krisen unter 142.
Der Verein Dialog bietet österreichweite Beratung zu Suchtfragen unter 01 205 552. Der österreichweite Männernotruf unterstützt Männer in Krisensituationen rund um die Uhr unter 0800 246 247.
Die Männerberatung Wien leistet unter 01 603 28 28 Hilfe für männliche Opfer sexualisierter Gewalt.
Queere Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, finden bei der Beratungsstelle Courage unter der Rufnummer 01 585 69 66 fachkundige Ansprechpartner:innen.
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Bühnenbild und Meisterklasse: Der junge Mann fasst zunächst eine Laufbahn als Opernsänger ins Auge. Ein Gehörfehler aus Kindertagen und das Fehlen geeigneter Lehrer vereiteln den Plan. Zur Vorbereitung auf ein Bühnenbildstudium zeichnet er in Linz monatelang Zündholzschachteln aus sämtlichen Perspektiven. Als Sechzehnjähriger besteht er die Aufnahmeprüfung in Wien. Er absolviert zwei Jahre in der Klasse für Bühnenbild, verlässt das Fach und studiert fortan Malerei bei Eduard Bäumer.
Tropea: Auf einer Klassenreise in das süditalienische Tropea bricht er 1961 mit den Konventionen der Landschaftsmalerei. Er platziert Fleischstücke in das Meer und begründet damit seine erste anerkannte Werkserie.
Kaffeehaus und Prothesen: Attersee verkehrt als jüngster Künstler in den Zirkeln der Wiener Avantgarde um Oswald Wiener, Hermann Nitsch und Gerhard Rühm. Fehlt ihm eine Unterkunft, nächtigt er heimlich im Café Hawelka.
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Diese Folge thematisiert sexuelle Gewalt und Alkoholismus.
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Der Verein Dialog bietet österreichweite Beratung zu Suchtfragen unter 01 205 552. Der österreichweite Männernotruf unterstützt Männer in Krisensituationen rund um die Uhr unter 0800 246 247.
Die Männerberatung Wien leistet unter 01 603 28 28 Hilfe für männliche Opfer sexualisierter Gewalt.
Queere Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, finden bei der Beratungsstelle Courage unter der Rufnummer 01 585 69 66 fachkundige Ansprechpartner:innen.
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34 Minuten
In der vierten Folge erzählt Erika Pluhar über ihren Weg von der Schauspielerin zur selbstbestimmten Autorin und Sängerin. Sie analysiert ihre Ehe mit dem jungen Kultur-Zampano André Heller, trauert um den Schauspieler Peter Vogel und verteidigt ihre politische Unabhängigkeit.
Kult und Krise: Sie ehelicht den zehn Jahre jüngeren Radiomoderator André Heller. Beide avancieren zur Kultfigur der Wiener Szene. Die Verbindung scheitert an seiner Untreue. Dennoch steht Heller ihr nach dem Tod der Tochter als wichtigste Stütze bei.
Landleben und Suizid: Die Jahre mit dem Schauspieler Peter Vogel bezeichnet sie als ihre glücklichste Zeit. Die schwere Suchtkrankheit des Mannes zerstört das Idyll auf dem Bauernhof. Vogel nimmt sich das Leben, um dem endgültigen Verfall zu entgehen.
Widerworte und Emanzipation: Sie verfasst zunehmend eigene Texte. Das Lied „Frau, lauf weg“ markiert den Bruch mit dem Bild der gefälligen Verführerin. Die Zeilen wecken das Interesse der Publizistin Alice Schwarzer und festigen Pluhars Ruf als eigenständige Stimme.
Verriss und Bestseller: Die Kritikerin Sigrid Löffler verurteilt das erste belletristische Werk der Autorin scharf. Pluhar schreibt unbeeindruckt weiter und wird auch erfolgreiche Autorin. Jahrzehnte später landet sie einen literarischen Bestseller, der die körperliche Liebe im Alter schonungslos benennt.
Hasspost und Politik: Die Künstlerin bekämpft den aufkommenden Rechtspopulismus unter Jörg Haider. Anonyme Schreiber reagieren mit Verhöhnung ihres toten Kindes. Offerten für hohe politische Ämter schlägt sie aus. Den Krisen der Gegenwart begegnet sie mit unbedingter Arbeitsdisziplin.
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Die österreichweiten Anlaufstellen für Suizidprävention:
Telefonseelsorge: Die Notrufnummer 142 bietet Menschen in Krisensituationen rund um die Uhr gebührenfreie Unterstützung.
Kriseninterventionszentrum: Die Ambulanz berät Betroffene von Montag bis Freitag unter der Wiener Rufnummer 01 406 95 95.
Ö3-Kummernummer: Das Rote Kreuz betreibt unter 116 123 täglich von 16 bis 24 Uhr eine anonyme Erstanlaufstelle für persönliche Notlagen.
Rat auf Draht: Die Notrufnummer 147 richtet sich als kostenloses Hilfsangebot direkt an Kinder und Jugendliche.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
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Kult und Krise: Sie ehelicht den zehn Jahre jüngeren Radiomoderator André Heller. Beide avancieren zur Kultfigur der Wiener Szene. Die Verbindung scheitert an seiner Untreue. Dennoch steht Heller ihr nach dem Tod der Tochter als wichtigste Stütze bei.
Landleben und Suizid: Die Jahre mit dem Schauspieler Peter Vogel bezeichnet sie als ihre glücklichste Zeit. Die schwere Suchtkrankheit des Mannes zerstört das Idyll auf dem Bauernhof. Vogel nimmt sich das Leben, um dem endgültigen Verfall zu entgehen.
Widerworte und Emanzipation: Sie verfasst zunehmend eigene Texte. Das Lied „Frau, lauf weg“ markiert den Bruch mit dem Bild der gefälligen Verführerin. Die Zeilen wecken das Interesse der Publizistin Alice Schwarzer und festigen Pluhars Ruf als eigenständige Stimme.
Verriss und Bestseller: Die Kritikerin Sigrid Löffler verurteilt das erste belletristische Werk der Autorin scharf. Pluhar schreibt unbeeindruckt weiter und wird auch erfolgreiche Autorin. Jahrzehnte später landet sie einen literarischen Bestseller, der die körperliche Liebe im Alter schonungslos benennt.
Hasspost und Politik: Die Künstlerin bekämpft den aufkommenden Rechtspopulismus unter Jörg Haider. Anonyme Schreiber reagieren mit Verhöhnung ihres toten Kindes. Offerten für hohe politische Ämter schlägt sie aus. Den Krisen der Gegenwart begegnet sie mit unbedingter Arbeitsdisziplin.
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Die österreichweiten Anlaufstellen für Suizidprävention:
Telefonseelsorge: Die Notrufnummer 142 bietet Menschen in Krisensituationen rund um die Uhr gebührenfreie Unterstützung.
Kriseninterventionszentrum: Die Ambulanz berät Betroffene von Montag bis Freitag unter der Wiener Rufnummer 01 406 95 95.
Ö3-Kummernummer: Das Rote Kreuz betreibt unter 116 123 täglich von 16 bis 24 Uhr eine anonyme Erstanlaufstelle für persönliche Notlagen.
Rat auf Draht: Die Notrufnummer 147 richtet sich als kostenloses Hilfsangebot direkt an Kinder und Jugendliche.
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29 Minuten
Erika Pluhar reüssiert als junge Frau am Wiener Burgtheater. Die dritte Folge erzählt von einem Leben im Spannungsfeld zwischen eiserner Bühnendisziplin und privaten Schicksalsschlägen. Die Schauspielerin schildert ihre Ehe mit dem späteren Mörder Udo Proksch, das Ringen um familiäre Ordnung und den jähen Tod ihrer Tochter Anna.
Sportwagen und Ehe: Nach einer kurzen Liaison mit dem Künstler Walter Pichler heiratet die Schauspielerin den Designer Udo Proksch. Sie lebt zwischen Theater, Mutterschaft und den Alkoholexzessen ihres Mannes, stets flott unterwegs in ihrem schwarzen Porsche.
Bruch am Telefon: Eine Affäre mit dem Kollegen Helmut Griem bei Dreharbeiten in Stuttgart beendet die Ehe abrupt. Pluhar diktiert Proksch die Trennung in den Hörer, fährt für den Gerichtstermin nach Wien und kehrt am selben Tag an das schwäbische Filmset zurück.
Das Verbrechen: Nach der Ehe mit Erika Pluhar steigt Udo Proksch mit dem Club 45 zum Strippenzieher und Enfant terrible der Republik auf, bevor das Gericht ihn für den versicherten Untergang des Frachtschiffs Lucona und den Tod von sechs Seeleuten zu lebenslanger Haft verurteilt. Pluhar wahrt Distanz zu den Vorgängen, besucht ihn jedoch in der Strafanstalt Karlau.
Asthma und Abwesenheit: Die Tochter Anna leidet körperlich unter den unruhigen Verhältnissen und der abwesenden Mutter. Ein Aufenthalt in einem Schweizer Kinderheim lindert ihr schweres Asthma. Ihre Selbstvorwürfe formuliert die Autorin später in dem Buch „Anna, eine Kindheit“.
Tonstudio und Todesnachricht: Kurz nach Pluhars Abschied vom Burgtheater im Jahr 1999 stirbt Anna unerwartet. Die Todesnachricht erreicht Erika Pluhar, während sie im Studio das Lied „I will survive /Ich gib nicht auf“ einsingt. Einzig die Verantwortung für den fünfzehnjährigen Adoptivsohn Ignaz zwingt sie, am Leben zu bleiben.
Hören, was bleibt.
___________________________
ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
BLEIBEN WIR IN KONTAKT.
Gefällt dir der Podcast? Wir freuen uns über eine positive Bewertung! Feedback oder Legenden-Vorschläge an: office@storytime-media.at
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Eine Produktion von Storytime MEDIA.
Musik: Patrick Pulsinger
Artdirektion: Christian Sulzenbacher
Ton & Schnitt: Soundfiler
Vermarktung: Missing Link Media
Gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien (einem Fonds der Stadt Wien) und dem Media Innovation Lab der WZ GmbH – bei redaktioneller Unabhängigkeit.
#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
Sportwagen und Ehe: Nach einer kurzen Liaison mit dem Künstler Walter Pichler heiratet die Schauspielerin den Designer Udo Proksch. Sie lebt zwischen Theater, Mutterschaft und den Alkoholexzessen ihres Mannes, stets flott unterwegs in ihrem schwarzen Porsche.
Bruch am Telefon: Eine Affäre mit dem Kollegen Helmut Griem bei Dreharbeiten in Stuttgart beendet die Ehe abrupt. Pluhar diktiert Proksch die Trennung in den Hörer, fährt für den Gerichtstermin nach Wien und kehrt am selben Tag an das schwäbische Filmset zurück.
Das Verbrechen: Nach der Ehe mit Erika Pluhar steigt Udo Proksch mit dem Club 45 zum Strippenzieher und Enfant terrible der Republik auf, bevor das Gericht ihn für den versicherten Untergang des Frachtschiffs Lucona und den Tod von sechs Seeleuten zu lebenslanger Haft verurteilt. Pluhar wahrt Distanz zu den Vorgängen, besucht ihn jedoch in der Strafanstalt Karlau.
Asthma und Abwesenheit: Die Tochter Anna leidet körperlich unter den unruhigen Verhältnissen und der abwesenden Mutter. Ein Aufenthalt in einem Schweizer Kinderheim lindert ihr schweres Asthma. Ihre Selbstvorwürfe formuliert die Autorin später in dem Buch „Anna, eine Kindheit“.
Tonstudio und Todesnachricht: Kurz nach Pluhars Abschied vom Burgtheater im Jahr 1999 stirbt Anna unerwartet. Die Todesnachricht erreicht Erika Pluhar, während sie im Studio das Lied „I will survive /Ich gib nicht auf“ einsingt. Einzig die Verantwortung für den fünfzehnjährigen Adoptivsohn Ignaz zwingt sie, am Leben zu bleiben.
Hören, was bleibt.
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#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
40 Minuten
Erika Pluhar wird gleich nach dem Max Reinhardt-Seminar Burgschauspielerin. In dieser Folge schildert sie ihren Widerstand gegen das traditionelle Frauenbild der 1950er-Jahre, der in eine schwere Magersucht mündet. Sie berichtet von frühen Beziehungen und ihrer vier Jahrzehnte währenden Karriere am wichtigsten Theater des Landes.
Lebensbedrohliche Verweigerung: Die Lektüre feministischer Literatur und die bürgerliche Enge der Nachkriegszeit treiben die Jugendliche in die Anorexie. Ein unbeschwerter Sommer am Attersee bewirkt ihre körperliche Heilung.
Selbstbestimmte Sexualität: Sie entzieht sich den Annäherungen eines Tanzschulpartners durch eine nächtliche Flucht quer durch Wien. Später wählt sie bewusst einen Chemiestudenten als ersten Liebhaber aus.
Trümmer und Reinhardt Seminar: In Floridsdorf inszeniert das Mädchen erste Theaterstücke auf einem Schutthaufen. Nach der Matura besteht sie die Aufnahmeprüfung am Max Reinhardt Seminar und feiert unter der Patronanz von Susi Nicoletti rasche Erfolge.
Vier Jahrzehnte Burgtheater: Unmittelbar nach der Ausbildung engagiert das Haus die junge Darstellerin als Elevin. Sie erlebt die politische Öffnung der Bühne unter Direktor Achim Benning und übernimmt in einem englischen Stück die erste Nacktrolle in der Geschichte des Theaters. In Tom Stoppards Komödie „Akrobaten“ übernimmt sie die erste Nacktrolle in der Geschichte des Hauses. Sie verkörpert darin exakt jene Figur, die in England Diana Rigg spielte, dem heutigen Publikum bekannt als Olenna Tyrell aus der Serie „Game of Thrones“.
Widerstand gegen Peymann: Als Claus Peymann die Direktion übernimmt, weist sie seine Annäherungsversuche entschieden zurück. Sie verlässt das Ensemble an ihrem sechzigsten Geburtstag nach einer festlichen Vorstellung mit einem selbstbestimmten Abschied.
Hilfe bei Essstörungen Kostenlose und anonyme Ersteinschätzung sowie telefonische Beratung bieten folgende Anlaufstellen:
Bundesweite Hotline für Essstörungen: 0800 / 20 11 20 (Mo–Do 12:00–17:00 Uhr). E-Mail-Beratung: hilfe@essstoerungshotline.at. Zentrale Erstanlaufstelle zur Orientierung und Vermittlung von Therapieplätzen.
Netzwerk Essstörungen: 0512 / 57 60 26 (Mo, Mi, Fr 9:00–13:00 Uhr; Di, Do 13:00–18:00 Uhr). Bundesweit erreichbar. E-Mail: info@netzwerk-essstoerungen.at.
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Lebensbedrohliche Verweigerung: Die Lektüre feministischer Literatur und die bürgerliche Enge der Nachkriegszeit treiben die Jugendliche in die Anorexie. Ein unbeschwerter Sommer am Attersee bewirkt ihre körperliche Heilung.
Selbstbestimmte Sexualität: Sie entzieht sich den Annäherungen eines Tanzschulpartners durch eine nächtliche Flucht quer durch Wien. Später wählt sie bewusst einen Chemiestudenten als ersten Liebhaber aus.
Trümmer und Reinhardt Seminar: In Floridsdorf inszeniert das Mädchen erste Theaterstücke auf einem Schutthaufen. Nach der Matura besteht sie die Aufnahmeprüfung am Max Reinhardt Seminar und feiert unter der Patronanz von Susi Nicoletti rasche Erfolge.
Vier Jahrzehnte Burgtheater: Unmittelbar nach der Ausbildung engagiert das Haus die junge Darstellerin als Elevin. Sie erlebt die politische Öffnung der Bühne unter Direktor Achim Benning und übernimmt in einem englischen Stück die erste Nacktrolle in der Geschichte des Theaters. In Tom Stoppards Komödie „Akrobaten“ übernimmt sie die erste Nacktrolle in der Geschichte des Hauses. Sie verkörpert darin exakt jene Figur, die in England Diana Rigg spielte, dem heutigen Publikum bekannt als Olenna Tyrell aus der Serie „Game of Thrones“.
Widerstand gegen Peymann: Als Claus Peymann die Direktion übernimmt, weist sie seine Annäherungsversuche entschieden zurück. Sie verlässt das Ensemble an ihrem sechzigsten Geburtstag nach einer festlichen Vorstellung mit einem selbstbestimmten Abschied.
Hilfe bei Essstörungen Kostenlose und anonyme Ersteinschätzung sowie telefonische Beratung bieten folgende Anlaufstellen:
Bundesweite Hotline für Essstörungen: 0800 / 20 11 20 (Mo–Do 12:00–17:00 Uhr). E-Mail-Beratung: hilfe@essstoerungshotline.at. Zentrale Erstanlaufstelle zur Orientierung und Vermittlung von Therapieplätzen.
Netzwerk Essstörungen: 0512 / 57 60 26 (Mo, Mi, Fr 9:00–13:00 Uhr; Di, Do 13:00–18:00 Uhr). Bundesweit erreichbar. E-Mail: info@netzwerk-essstoerungen.at.
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• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
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41 Minuten
Erika Pluhar, eine der prägendsten österreichischen Burgschauspielerinnen, Sängerinnen und Autorinnen, durchlebt eine Kindheit im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Sie schildert ihre frühen Jahre zwischen dem besetzten Lemberg, den zerstörten Straßen Wiens und der rettenden Provinz in Oberösterreich. Dabei reflektiert sie die Verstrickung ihres Vaters in den Nationalsozialismus und den familiären Umgang mit dieser historischen Schuld.
Idylle neben dem Grauen: Im besetzten Galizien arbeitet der Vater im Büro des SS-Gouverneurs Otto Wächter. Während rundherum die systematische Vernichtung jüdischen Lebens stattfindet, entdeckt sie als kleines Mädchen die Natur am Ende des eigenen Gartens. Als sich der Vater für den Frontdienst meldet, kehrt die schwangere Mutter mit den Töchtern nach Wien zurück.
Trauma im Luftschutzkeller: In Wien-Döbling angekommen, wird die Familie von den heftigen alliierten Luftangriffen eingeholt. Der Klang der Sirenen, ein naher Bombeneinschlag und die teilweise Zerstörung des eigenen Wohnhauses brennen sich tief in ihr Gedächtnis ein.
Illusion und Wirklichkeit: Während der kriegsbedingten Evakuierung in das oberösterreichische Pfaffstätt sieht sie ihren allerersten Kinofilm. Die tröstenden Worte ihrer Mutter über die Leinwandhandlung lehren sie den essenziellen Unterschied zwischen filmischer Fiktion und kriegerischer Realität.
Rückkehr und Neuanfang: Nach Kriegsende bringt ein Viehwaggon die Familie zurück in die hungernde Hauptstadt. Der entnazifizierte Vater kehrt früh aus britischer Gefangenschaft heim, worauf sich die Familie im Arbeiterbezirk Floridsdorf unter beengten Verhältnissen eine neue bürgerliche Existenz aufbaut.
Schulische Aufklärung: Eine mutige Lehrerin am Mädchen-Realgymnasium konfrontiert die Schülerinnen Mitte der 1950er-Jahre detailliert mit den Verbrechen des Holocaust. Diese historische Wahrheit prallt ungebremst auf die familiäre NSDAP-Vergangenheit und führt zu einer heftigen, aber befreienden Auseinandersetzung mit den Eltern.
Hören, was bleibt.
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Idylle neben dem Grauen: Im besetzten Galizien arbeitet der Vater im Büro des SS-Gouverneurs Otto Wächter. Während rundherum die systematische Vernichtung jüdischen Lebens stattfindet, entdeckt sie als kleines Mädchen die Natur am Ende des eigenen Gartens. Als sich der Vater für den Frontdienst meldet, kehrt die schwangere Mutter mit den Töchtern nach Wien zurück.
Trauma im Luftschutzkeller: In Wien-Döbling angekommen, wird die Familie von den heftigen alliierten Luftangriffen eingeholt. Der Klang der Sirenen, ein naher Bombeneinschlag und die teilweise Zerstörung des eigenen Wohnhauses brennen sich tief in ihr Gedächtnis ein.
Illusion und Wirklichkeit: Während der kriegsbedingten Evakuierung in das oberösterreichische Pfaffstätt sieht sie ihren allerersten Kinofilm. Die tröstenden Worte ihrer Mutter über die Leinwandhandlung lehren sie den essenziellen Unterschied zwischen filmischer Fiktion und kriegerischer Realität.
Rückkehr und Neuanfang: Nach Kriegsende bringt ein Viehwaggon die Familie zurück in die hungernde Hauptstadt. Der entnazifizierte Vater kehrt früh aus britischer Gefangenschaft heim, worauf sich die Familie im Arbeiterbezirk Floridsdorf unter beengten Verhältnissen eine neue bürgerliche Existenz aufbaut.
Schulische Aufklärung: Eine mutige Lehrerin am Mädchen-Realgymnasium konfrontiert die Schülerinnen Mitte der 1950er-Jahre detailliert mit den Verbrechen des Holocaust. Diese historische Wahrheit prallt ungebremst auf die familiäre NSDAP-Vergangenheit und führt zu einer heftigen, aber befreienden Auseinandersetzung mit den Eltern.
Hören, was bleibt.
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In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu. Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
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30 Minuten
Das ist die letzte von vier Folgen mit Friedl Koncilia. Der vermeintlich geruhsame Ruhestand in Bad Ischl gerät unerwartet zum existenziellen Kampf. Weitab der öffentlichen Aufmerksamkeit holt den ehemaligen Torhüter die physische Vergangenheit ein. Die späten Folgen seines schweren Wirbelbruchs auf dem Grazer Rasen zwingen ihn als Notfall in das Wiener AKH, wo Mediziner seinen Fuß amputieren müssen.
Auf diese körperliche Zäsur folgt eine bürokratische. Der Patient sieht sich gezwungen, sein altes politisches Netzwerk zu mobilisieren, um gegen den Widerstand der zuständigen Gebietskrankenkasse eine elektronische Prothese zu erstreiten. Sein privater Alltag gewährt ihm ungeachtet dieser Schicksalsschläge späte Erfüllung. Während seine zweite Frau Jasmin den Betrieb ihres familiären Hotels leitet, findet Koncilia Genugtuung in der Gartenpflege und widmet sich der Erziehung seiner beiden jungen Kinder.
Die Lektion von London: Die historische Niederlage im Wembley-Stadion dient dem Sohn heute als Anschauungsunterricht für Resilienz auf dem Golfplatz.
Medizinischer Notstand: Die fatale Durchblutungsstörung als Spätfolge des Grazer Unfalls führt unmittelbar vor Weihnachten zur Amputation.
Bürokratische Hürden: Der zähe Konflikt um die Bewilligung eines adäquaten Heilbehelfs.
Alltag in Bad Ischl: Ein spätes Familienglück und die bewusste Abkehr vom Scheinwerferlicht.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
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Musik: Patrick Pulsinger
Artdirektion: Christian Sulzenbacher
Ton & Schnitt: Soundfiler
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Gefördert von der Wirtschaftsagentur Wien (einem Fonds der Stadt Wien) und dem Media Innovation Lab der WZ GmbH – bei redaktioneller Unabhängigkeit.
#LebendeLegenden #PodcastAT #Zeitgeschichte #GenerationenDialog #Biografie #Lebenserfahrung #Psychologie #Erinnerungskultur #Zeitzeugen #Gesellschaft #Persönlichkeitsentwicklung #Inspiration #Wien #DACHregion #Zuhören #StorytimeMEDIA
Auf diese körperliche Zäsur folgt eine bürokratische. Der Patient sieht sich gezwungen, sein altes politisches Netzwerk zu mobilisieren, um gegen den Widerstand der zuständigen Gebietskrankenkasse eine elektronische Prothese zu erstreiten. Sein privater Alltag gewährt ihm ungeachtet dieser Schicksalsschläge späte Erfüllung. Während seine zweite Frau Jasmin den Betrieb ihres familiären Hotels leitet, findet Koncilia Genugtuung in der Gartenpflege und widmet sich der Erziehung seiner beiden jungen Kinder.
Die Lektion von London: Die historische Niederlage im Wembley-Stadion dient dem Sohn heute als Anschauungsunterricht für Resilienz auf dem Golfplatz.
Medizinischer Notstand: Die fatale Durchblutungsstörung als Spätfolge des Grazer Unfalls führt unmittelbar vor Weihnachten zur Amputation.
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