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Lebende Legenden
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Beschreibung
vor 13 Stunden
Die fünfte Staffel des Podcasts Lebende Legenden widmet sich dem
österreichischen Maler und Musiker Christian Ludwig Attersee. Der
1940 geborene Künstler zählt zu den erfolgreichsten Österreichs.
Die vierte und letzte Folge erzählt vom Leben neben der Kunst:
von den Frauen, den Jahren als Professor an der Universität für
angewandte Kunst Wien, der Musik und der Bilanz eines
Lebenswerks.
Bootssteg und „Sommerfrauen“: Die Liebe beginnt am Bootssteg.
Die erste längere Freundin heißt Elfe. Die „Sommerfrauen“ seiner
Jugend verabschieden sich jeden Winter zu anderen Männern – bis
der junge Attersee eine Winterliebe findet, die sich auch im
Sommer hält. Ab Mitte der Sechzigerjahre macht der Künstler seine
Bisexualität in ironischen Fotozyklen öffentlich zum Thema.
Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen stehen in Österreich zu
dieser Zeit noch unter einem generellen strafrechtlichen Verbot;
es fällt erst 1971. Ein Linzer Ausstellungshaus beschied ihm
damals: Einen Schwulen stelle man nicht aus.
Hauptfrauen und Häuser: Seine langen Beziehungen nennt
Attersee seine „Hauptfrauen“. Mit ihnen wechseln die Orte. Mit
dem Fotomodell Susi Sept baut er ab 1975 ein Haus im südlichen
Burgenland auf. Mit der Galeristin Evelyn Oswald kauft er 1990
ein Anwesen am Semmering; das Atelier dort finanziert der Verkauf
seiner Dieter-Roth-Sammlung. Seine letzte große Liebe findet er
mit 60: die Kunsthistorikerin Ingried Brugger, langjährige
Direktorin des Bank Austria Kunstforums Wien. Die beiden sind bis
heute verheiratet. Seine Bilanz nach einem Leben voller Lieben:
Er kenne keine böse Trennung.
Kinder und Egoismus: Der Malerkollege Ernst Fuchs hatte 16
Kinder mit sieben Frauen. Attersee entscheidet sich bewusst
dagegen. Ein Kind braucht Zeit und Liebe, sagt er, und der
Egoismus des Künstlers sei dafür zu stark. Er habe viele
unglückliche Kinder von Künstlern kennengelernt.
Professur und Eichkätzchen: Im Jahr 1990 kehrt Attersee als
Professor an die Universität für angewandte Kunst Wien zurück, an
der er ab 1957 selbst studiert hat. Ab 1992 leitet er dort die
Klasse für Malerei, Animationsfilm und Tapisserie. Computer
verbietet er – nach drei Monaten ist der letzte weg. Wer nicht
mehr nachschauen kann, wie ein Eichkätzchen aussieht, muss es
eben malen. So entstehen Elefanten, denen die Hörner aus den
Brüsten wachsen. Seiner Meinung nach zu braven Bildern malt er
hinein, wie sie eigentlich ausschauen könnten. Auch an der
Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg
unterrichtet er, 1953 von Oskar Kokoschka als „Schule des Sehens“
gegründet. Seine Studierenden führt er auf Dutzenden Reisen durch
die wichtigsten Museen Mitteleuropas.
Rock ’n’ Roll und Sprechgesang: Die Musik bleibt zeitlebens
seine zweite Leidenschaft. Mitte der Fünfzigerjahre singt der
Teenager im Linzer Phoenix-Kino Rock ’n’ Roll – „mit einer
Stimme, die Elvis gern gehabt hätte“, wie er selbst meint. Die
Erwachsenen sind empört und bringen ihm Brote, damit er aufhört.
Später entwickelt Attersee seine eigene Musik: Sprechgesang aus
Bildtiteln, rund 25 CDs, Auftritte mit dem Künstlerkollektiv
„Selten gehörte Musik“ gemeinsam mit Hermann Nitsch, Dieter Roth,
Oswald Wiener und Gerhard Rühm. Im 20er Haus, dem heutigen
Belvedere 21, führt die Gruppe sogar eine Oper mit zwei Klavieren
auf.
Bilanz und Bild Nummer 10.400: Attersee zählt mehr als 500
Einzelausstellungen. Wie sein Jugendvorbild Wassily Kandinsky
will er ein Lebenswerk hinterlassen, das sich vom ersten bis zum
letzten Bild nachvollziehen lässt – beim Gespräch hält er bei
Nummer 10.400. Stolz ist er nicht. Sein Grundprinzip: zehnmal
besser sein als alle anderen. Er malt Tag und Nacht, ohne
Feiertag und ohne Sonntag. Ein großer Plan bleibt: Aus Erik
Saties symphonischem Drama Socrate von 1918 möchte er eine
transportable Ballettoper formen – er will die Komposition
„atterseeisieren“. Seine Lebensweisheit: Das Leben ist dazu da,
um das Leben zu leben.
Damit endet die fünfte Staffel. In der nächsten Staffel erzählt
der ehemalige Bundeskanzler Franz Vranitzky sein Leben. Er
spricht über seine Kindheit unterm Hakenkreuz und seine mutige
Mutter, über die Waldheim-Jahre, in denen er Bundeskanzler war,
und über jene Rede, mit der sich Österreich von der Erzählung
verabschiedete, es sei nur das erste Opfer der Nazis gewesen.
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ÜBER LEBENDE LEGENDEN.
In diesem Podcast stellen wir keine Fragen. Wir hören zu.
Menschen über 75 Jahren aus dem DACH-Raum erzählen ihr Leben in
ihren eigenen Worten – von Entscheidungen, Liebe, Brüchen und
dem, was rückblickend wirklich zählt.
Ein Monat, eine Legende, in vier Folgen. Jeden Donnerstag neu.
• Gelebte Geschichte: Wir bewahren individuelle Erinnerungen als
Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
• Generationen-Dialog: Wir schlagen eine Brücke zwischen Jung und
Alt und zeigen, dass Alter höchste Relevanz hat.
• Aktives Zuhören: Wir begreifen Zuhören als politischen Akt, der
den sozialen Zusammenhalt stärkt.
• Echte Stimmen:Ein Format mit journalistischem Anspruch, das
durch generative KI nicht ersetzt werden kann.
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Artdirektion: Christian Sulzenbacher
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