Annika Reuter war 14 Jahre lang Gymnasiallehrerin für Englisch
und Französisch — zwei Korrekturfächer, verbeamtet auf
Lebenszeit. Von außen ein sicheres, gelungenes Leben. Acht Jahre
lang wusste sie, dass sie da raus will. Und acht Jahre lang blieb
sie trotzdem.Sie kommt aus einer Lehrerfamilie: Mutter, Vater,
Stiefvater — alle Lehrer. Auf ihrer eigenen Liste der Jobs, die
sie niemals machen wollte, stand Lehrerin auf Platz zwei.
Geworden ist sie es trotzdem. Nach dem Abitur, erzählt Annika,
sei sie in eine Art Schockstarre gefallen und habe sich einen
Lebensentwurf gesucht, der ihr Entscheidungen abnimmt. Sie setzte
ihren Waggon auf die Schienen und fuhr los — und wachte Jahre
später auf, ohne noch zu wissen, wer sie eigentlich war.Der
Wendepunkt kam nicht in der Schule, sondern auf Sri Lanka. Am
Rand einer Nationalparkstraße saß ein winziger Hundewelpe, den
sie sechs Stunden lang nicht aus dem Kopf bekam. Was in den drei
Tagen danach passierte, hat bei ihr mehr bewegt als Jahre des
Nachdenkens, des Abwägens und der Therapie. Wenige Wochen später
war die Klarheit da: So macht sie nicht weiter.Ihre
Entlassungsurkunde hielt Annika an einem Freitag, dem 13. März
2020, in den Händen — ausgerechnet an dem Tag, an dem die
coronabedingten Schulschließungen beschlossen wurden. Ihr erster
Gedanke: dass sie absolut irre ist.In dieser Folge sprechen Eva
und Annika über den Glaubenssatz „Ich muss leisten, um eine
Existenzberechtigung zu haben", über einen Körper, der irgendwann
keine Wahl mehr ließ, über Neid und Sprachlosigkeit im Kollegium
und über den letzten Schultag, an dem plötzlich all die
Wertschätzung kam, die zwölf Jahre lang gefehlt hatte. Sie
sprechen über das, was der Ausstieg gekostet hat — Gehalt,
Pensionsansprüche, Sicherheit — und darüber, was schwerer war:
den Beamtenstatus loszulassen oder sichtbar zu werden.Außerdem
erzählt Annika, warum das Schreiben ihres ersten Buches für sie
ein Exorzismus war, welche Erfahrungen von Machtmissbrauch aus
Studium und Referendariat dabei hochkamen, warum sie ihre Bücher
heute im Selbstverlag herausbringt, was sie beim Reiten über die
eigene Kraft gelernt hat — und weshalb auf ihrer Website eine
Rubrik über Arschlöcher steht.
Gast: Annika Reuter, ehemalige Gymnasiallehrerin, Autorin,
Coachin und Sängerin (Känguru Coaching)
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