Was passiert, wenn eine Führungskraft gekündigt hat, formal aber
noch monatelang Verantwortung trägt und gleichzeitig das Gefühl
bekommt, im eigenen Unternehmen bereits aus dem Spiel genommen zu
werden?
In dieser Folge von Mit Brille und Bart beschäftigen sich Armin
Ziesemer und Thomas Böhlefeld mit der Zuschrift einer
Führungskraft, die uns über Instagram erreicht hat.
Die Person hat gekündigt. Sechs Monate Kündigungsfrist liegen
noch vor ihr. Auf dem Papier trägt sie weiterhin volle
Verantwortung.
Doch im Alltag entsteht zunehmend eine zweite Realität.
Gespräche finden ohne sie statt.
Informationen erreichen sie über Protokolle, Flurfunk oder das
Intranet.
Entscheidungen werden getroffen, ohne sie einzubeziehen.
Persönlich bleiben gleichzeitig alle freundlich.
Und damit entsteht eine schwierige Frage:
Kämpfe ich weiter um meinen Platz oder akzeptiere ich, dass mein
Abschied längst begonnen hat?
Armin und Thomas schauen in dieser Case-Klinik tiefer in den
organisationalen Maschinenraum und sprechen darüber, was
passiert, wenn aus einem Insider langsam ein Outsider wird.
Denn Zugehörigkeit verändert sich nach einer Kündigung nicht auf
Knopfdruck. Sie verschiebt sich schrittweise. Verantwortung,
Einfluss und informelle Einbindung können dabei sehr
unterschiedliche Geschwindigkeiten entwickeln.
Dabei geht es unter anderem um:
• Workplace Ostracism und subtile Formen der Ausgrenzung
• den Übergang vom Insider zum Outsider
• formale und informelle Organisation
• den psychologischen Vertrag zwischen Führungskraft und
Unternehmen
• Kränkung, Trauer und Selbstwert während eines Abschieds
• psychologische Spiele und das Dramadreieck der
Transaktionsanalyse
• Selbstwirksamkeit in einer Situation mit schwindendem Einfluss
• die Frage, wie professionelles Offboarding wirklich aussehen
kann
Besonders spannend wird es dort, wo die eigene Wahrnehmung ins
Spiel kommt.
Ist wirklich jedes Gespräch ohne mich bereits Ausgrenzung?
Oder beginnt die Organisation schlicht damit, die Zeit nach
meinem Weggang vorzubereiten?
Wer sich ausgeschlossen fühlt, kann schnell selbst in den
Kampfmodus geraten. Informationen werden zurückgehalten,
Allianzen entstehen und aus dem Gefühl, Opfer der Situation zu
sein, wird plötzlich der Versuch, wieder Kontrolle zu gewinnen.
Doch damit verlässt man das Spiel nicht.
Man wechselt lediglich die Rolle.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Werde ich hier ausgegrenzt?
Sondern auch:
Wie möchte ich selbst diese letzten Monate gestalten?
Was würde passieren, wenn eine Führungskraft offen sagt:
„Ich habe gekündigt und möchte diese sechs Monate professionell
mit euch zu Ende führen.“
Vielleicht beginnt genau dort ein anderer Umgang mit Trennung.
Nicht als monatelanges Aussitzen.
Nicht als Verteidigung eines Platzes, der sich längst verändert.
Sondern als gemeinsam ausgehandelter Übergang.
Denn professionelles Durchhalten bedeutet nicht, den alten
Einfluss mit aller Kraft festzuhalten.
Es bedeutet, den tatsächlich vorhandenen Handlungsspielraum zu
nutzen, loszulassen, was nicht mehr zu halten ist, und einen
guten letzten Platz in der Organisation zu finden.
Wie gelingt ein Abschied, bei dem Verantwortung und Zugehörigkeit
nicht einfach still verschwinden?
Reinhören lohnt sich!
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Zu Armin Ziesemer
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kommitment – Entwicklung wirksamer Zusammenarbeit
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