Wir beginnen diese Folge dort, wo früher vieles besser, manches
schlimmer und Autos auf jeden Fall bunter waren: im Jahr 1994.
Helmut Kohl war Kanzler, Marusha machte Techno endgültig
gesellschaftsfähig, Wet Wet Wet erklärte uns, dass Liebe überall
sei und auf deutschen Straßen erschienen gleichzeitig Audi A8,
BMW E38, Audi RS2, Polo 6N, Opel Tigra, Ford Puma und einige
andere Autos, bei denen man heute kurz innehält, wenn einem
überhaupt noch eines begegnet.
Dazu liefen Pulp Fiction, Speed und Forrest Gump im Kino, Michael
Schumacher wurde erstmals Formel 1 Weltmeister und das Wochenende
von Imola schrieb mit Ayrton Senna und Roland Ratzenberger eines
der dunkelsten Kapitel des Motorsports.
32 Jahre später ist vieles moderner. Nur Mobilfunk in Brandenburg
offenbar nicht.
Hannes war nämlich vier Tage auf der Wilden Möhre verschollen.
Mit VW Bus, Techno, Campingplatz und einer Leggings, die deutlich
mehr Aufmerksamkeit verdient hätte als sein Motörhead Shirt. Dazu
gab es veganes Gyros, Awareness Teams, Donnerbalken über
Mülltonnen, sehr naturverbundene Mitmenschen und die Erkenntnis,
dass Kunstpelz auf einem alternativen Festival offenbar
komplizierter sein kann als gedacht.
Und weil Maschinenhort immer noch ein Autopodcast ist, kommen wir
irgendwann tatsächlich wieder bei Fahrzeugen an.
Wir sprechen über kommende Events, ein völlig ernst gemeintes
1:18 Autotreffen im Männerhort, einen Porsche 911, der einen
Höhenweltrekord auf einem Vulkan aufgestellt hat, und über
Saschas Thunderbird, der jetzt tatsächlich in der aktuellen
OLDTIMER MARKT steht. Für Sascha ungefähr das automobile
Äquivalent dazu, früher zum ersten Mal seinen eigenen Namen in
der Zeitung zu lesen. Nur besser, weil ein Thunderbird
danebensteht.
Hannes bringt außerdem die Geschichte von Pololinchen mit. Ein
Polo 86C Steilheck aus erster Hand, mit wenigen Kilometern, DIN
Kennzeichen, vier Gängen und einem bisherigen Aktionsradius
zwischen Rewe, Kirche und Arzt.
Dann kam Hannes.
Ultimate in den Tank, Kuschelrock ins Kassettenradio und das
erste Mal Autobahn. Aus 55 PS wurden gefühlt 155, aus dem
Senioren Polo ein tiefer kleiner Traum auf 13 Zoll und aus einem
vermeintlich billigen Kleinwagen eines dieser Autos, an denen
plötzlich sehr viel Herz hängt.
Bis der Männerhort wegfiel und der Polo verkauft werden musste.
Die gute Nachricht: Er landete genau bei den richtigen Leuten,
wurde technisch und optisch komplett auf links gedreht und
begegnete Hannes Jahre später am Wörthersee wieder. Manche Autos
verkauft man eben. Los wird man sie trotzdem nicht.
Nebenbei knackt Saschas S500L die 200.000 Kilometer und bedankt
sich standesgemäß mit einer Motorkontrollleuchte. Und als wäre
das noch nicht genug Eskalation für eine Folge, gibt es endlich
die Nachricht, auf die wirklich niemand gewartet hat: Der
Maschinenraum bekommt eine Scheuersaugmaschine.
1994, wilde Möhren, DIN Kennzeichen, Oldtimer Markt, 175 km/h im
Polo und ein goldener Phaeton Fahrer, der aussieht, als hätte er
in den 90ern im Erotikgeschäft sehr gutes Geld verdient.
Eine vollkommen normale Stunde Maschinenhort.
Egal, was ihr untenrum tragt: Viel Spaß beim Hören.
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