Deutschland hat zu wenige Kinder. Also generell.
Aber selbst mit Geburtenraten wie in den 60ern mangelte es uns
wohl immer noch an leisen, wohlerzogenen Kindern, die sich
benehmen wie 50-jährige Steuerberater.
Wir sind natürlich alle kinderfreundlich. Grundsätzlich. Solange
Kinder sich wie kleine Erwachsene verhalten. Sie sollen geboren
werden – aber bitte nicht im Restaurant stören. Draußen spielen
ja, aber halt nicht vor unserem Haus. Selbstständigkeit wäre
toll, idealerweise direkt nach der Geburt. Bitte danke. Und wehe,
nach 18 Uhr fährt ein Bobbycar über Laminat.
“Störfaktor” Kind: Kinder sind laut. Sie nehmen Platz ein. Sie
kleckern, rennen, fragen, weinen, lachen und drücken ungefähr
14-mal auf denselben Fahrstuhlknopf. We know. Das ist keine
Fehlfunktion. Das ist Kindheit.
Wie kinderfreundlich ist eine Gesellschaft wirklich, wenn Kinder
vor allem dann willkommen sind, wenn man sie möglichst wenig
bemerkt? Warum zählen Kinder nicht unmittelbar als Teil der
Gesellschaft, sondern fristen an deren Rand ihr Dasein als
zukünftige Erwachsene?
In dieser Folge geht es nicht darum, ob Kinder in Deutschland
oder den USA freier aufwachsen. Oder gesünder ernährt werden.
Oder weniger fremdbetreut sind.
Wir schauen auf etwas anderes: Wie begegnen wir Kindern und
Eltern in der Öffentlichkeit?
Warum wirken die USA in manchen Situationen überraschend
kinderfreundlich, während deutsche Familienfreundlichkeit trotz
Sozialleistungen oft bei Wickeltischen endet?
Zwischen Restaurantbesuch, Flugzeug, Supermarkt und dem
missbilligenden Blick aus Reihe 17 stellt sich die zentrale
Frage: Wann haben wir beschlossen, dass Kinder sich an eine Welt
anpassen müssen, die Erwachsene komplett für sich eingerichtet
haben?
Wir sprechen darüber,
– wo Kinderfreundlichkeit endet und Elternfreundlichkeit
beginnt
– warum die Toleranzzone zwischen „süß“ und „störend“ so schmal
ist
– wie Elternschaft unter den Argusaugen von Helga, Claudia und
Manfred funktioniert
– warum Restaurants, Flugzeuge und Spielplätze gesellschaftliche
Hochrisikogebiete sein können
– wie Deutschland mehr Kinder wollen kann, ohne mehr Kinderlärm
aushalten zu wollen
Eine Folge über Kinder, Eltern und eine Gesellschaft, die
dringend Nachwuchs braucht – aber beim Geräusch eines Bobbycars
schon vorsorglich die Hausordnung laminiert.
Kinderlärm ist Zukunftsmusik. Isso.
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