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Dem Nächsten dienen: Ein Ritter des 21.
Jahrhunderts

Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn: Vom Familienvater zum
Ordensmann – ein ungewöhnlicher Weg

Was bedeutet es heute, Ritter zu sein – ohne
Rüstung, ohne Schwert, aber mit einem klaren Auftrag zur
Nächstenliebe? In der neuen Folge des Podcasts „Orden on air“
spricht Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Großprior des
Souveränen Malteser Ritter-Ordens in Österreich, über die fast
1.000-jährige Geschichte seines Ordens, über humanitäre
Diplomatie und darüber, warum es auch im 21. Jahrhundert Ritter
braucht. 

„Statt des Schwertes haben wir heute bestenfalls ein
Taschenmesser mit. Und statt des Pferdes habe ich ein Fahrrad,
auf dem ein Schelm ‚GroßprioRAD‘ draufgeschrieben hat. Dazu
stehe ich gerne, ich reite auf dem Drahtesel“, sagt Fra’
Gottfried Kühnelt-Leddihn mit einem Schmunzeln. Der Großprior
des Souveränen Malteser Ritter-Ordens in Österreich beschreibt
den Ritter des 21. Jahrhunderts als einen Menschen, der sich in
einem ritterlichen Selbstverständnis um die ihm anvertrauten
Menschen kümmert und Hilfe gibt, wo Hilfe benötigt wird. Dieses
Selbstverständnis leben die Malteser Ritter bereits seit fast
tausend Jahren. Die Malteserritter haben sich dem Dienst an
Kranken und Menschen in Not verschrieben – und sind diesem bis
heute treu geblieben.

Gefragt, ob ihn die langjährige Geschichte seines Ordens stolz
macht, antwortet er: „Stolz steht einem Ordensmann nicht zu.
Demut ist angesagt und man darf natürlich immer Freude haben.
Freude brauchen wir, um in anderen zu entzünden, was in uns
brennt.“

Hospitalität und Souveränität
Der
vollständige Name lautet: Souveräner Ritter- und Hospitalorden
vom Heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta. In
diesem langen Namen steckt viel Geschichte. Gegründet im Umfeld
des Königreichs Jerusalem zur Zeit der Kreuzritter war der
Orden von Anfang an primär eines: ein Pflegeorden. „Das
Ursprüngliche, die erste Tätigkeit, die wir ausgeübt haben, ist
die Hospitalität – die Pflege der Kranken“, erklärt Fra’
Gottfried. Der militärische Schutz kam später. Heute ist der
Orden mit rund 13.000 Ordensmitgliedern, etwa 100.000
Freiwilligen und über 50.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern in mehr als 120 Ländern tätig.

Was den Malteserorden zugleich von anderen Ordensgemeinschaften
unterscheidet: Er ist ein souveränes Völkerrechtssubjekt mit
eigener Verfassung, Pässen, eigener Währung und diplomatischen
Beziehungen zu über 115 Staaten. Diese Souveränität ist kein
historisches Relikt, sondern ein wirksames Werkzeug der
humanitären Arbeit. „Unsere Diplomatie ist eine humanitäre
Diplomatie, keine politische“, sagt der Großprior. So konnten
Malteser-Botschafter Medikamente hinter dem Eisernen Vorhang
liefern, ein Ultraschallgerät als Diplomatengepäck unverzollt
nach Südafrika bringen, oder eine ukrainische Ärztin aus der
Gefangenschaft in Mariupol herausholen. „Unsere Souveränität
wird wirklich nur zum Wohle benachteiligter Menschen eingesetzt
– derjenigen, denen wir zu dienen gelobt haben“, beschreibt der
Großprior den diplomatischen Einsatz für Frieden und
Nächstenliebe. 

Von Bethlehem und Gaza bis Amstetten
Im
Heiligen Land, wo der Orden gegründet wurde, ist er bis heute
aktiv. In Bethlehem betreiben die Malters das Holy Family
Hospital, ein gynäkologisches Krankenhaus auf europäischem
Standard, in dem Patientinnen nur zahlen, was sie können. In
Gaza arbeitet der Orden derzeit daran, ein Ambulatorium in
Betrieb zu nehmen – ein Unterfangen, das Fra’ Gottfried als
„enormen Balanceakt“ beschreibt.

Auch in Österreich ist der Orden in verschiedensten Aktivitäten
sichtbar: im Malteser Ordenshaus in Wien, im Rettungsdienst –
ausschließlich ehrenamtlich – oder auch im Malteser Kinderhilfe
Hilde Umdasch Haus in Amstetten, einem Palliativhaus für Kinder
und Jugendliche mit lebensverkürzender Diagnose. „Dieses Haus
ist wirklich großartig“, sagt Fra’ Gottfried mit spürbarer
Überzeugung. 

Ein persönlicher Weg
Fra’ Gottfried kam
1969 eher zufällig zu den Maltesern, seit 1970 ist er Mitglied
im Malteser Hospitaldienst Austria, seit 1983 Mitglied im
Orden. Er heiratete, zog gemeinsam mit seiner Frau fünf Kinder
groß und war jahrzehntelang im Hospitaldienst aktiv. Nach dem
Tod seiner Frau nach 32 Jahren Ehe, entschloss er sich die
ewigen Gelübde abzulegen. „Es war ein logischer Schritt. Ich
spürte, dass das offensichtlich, die Berufung ist, die mir nach
dem Tod meiner Frau ein erfülltes Leben gewährt“, sagt Fra‘
Gottfried sichtlich gerührt. Seit 2022 ist er Großprior in
Österreich.

In Österreich gibt es zwei Professritter – also
Ordensmitglieder, die alle drei Gelübde abgelegt haben. Auf die
Frage, ob ihm die Zahl Sorgen macht, antwortet er: „Sorge und
auch pathologischer Optimismus sind nicht angesagt. Ich bin
zuversichtlich.“ Und er zitiert den Ordensgründer, den Seligen
Gerhard: Diese Bruderschaft werde unvergänglich sein, weil sie
im Elend der Welt wurzelt – und weil es immer Menschen geben
wird, die daran arbeiten, dieses Elend erträglicher zu machen.

„Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften
Österreich
Das Medienbüro der
Ordensgemeinschaften Österreich hat im März 2022 den Podcast
„Orden on air“ ins Leben gerufen. Der Titel ist Programm:
Ordensfrauen und -männer kommen vor den Vorhang – und vor das
Mikrofon. Ziel ist es, Persönlichkeiten vorzustellen, Einblicke
in das Leben von Ordensgemeinschaften zu geben und das
Engagement von Ordensleuten in vielfältigen Bereichen sichtbar
zu machen. Der Podcast ist überall zu hören, wo es Podcasts
gibt, sowie auf www.ordensgemeinschaften.at
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„79: Dem Nächsten dienen: Ein Ritter des 21. Jahrhunderts“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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