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  4. Warum heißt Pitigliano in der Toskana: „Klein-Jerusalem“? OMG 01
Pitigliano in der Toskana ist bekannt für seine Altstadt, seinen
Weißwein und seine besondere jüdische Geschichte. Der Ort trägt
den Beinamen „Klein-Jerusalem“ und verweist auf eine lange
kulturelle Verbindung. Die Folge geht der Frage nach, wie dieser
Beiname entstand und was heute noch an die jüdische Geschichte
von Pitigliano erinnert.

Piccola Gerusalemme: Klein-Jerusalem

Der Ort Pitigliano in der Toscana und die Geschichte
seiner jüdischen Gemeinde

Meine Reise in den südlichsten Toskana-Zipfel hatte eigentlich
schon in Berlin begonnen: in einem Schöneberger Café, bei einem
Gespräch mit Peter Petri. Er ist Maler und seit über 30Jahren
bekennender Pitigliano-Verehrer. Auf einem Vernissagen-Plakat
stand über ihn: Wohnt in Berlin und Pitigliano. Mittlerweile hat
er Berlin verlassen und ist ganz dorthin umgezogen. Von ihm
wollte ich zur Einstimmung wissen, wie Pitigliano so ist.

 

O-Ton 1 Peter Petri: Pitigliano ist eine Stadt, wie es
viele in Italien gibt, die aber schöner ist als andere. Sie hat
alles, was eine italienische Stadt hat. Sie hat eine Burg, sie
hat diese Altstadt mit den engen Gassen, sie ist auf einem Felsen
gelegen.

Es ist eine kleine Stadt, in der sich alles konzentriert.
Die ist (...) weitab von allen Zentren, von allen Großstädten.
(...) Sie zieht Leute an aus aller Welt (...), besonders im
Sommer, im Winter ist es sehr ruhig. (...) Und die ganze Gegend
drum herum ist wunderschön.

 (...) Es hat mir gleich gefallen. Und es hat mich
auch an meine Heimat erinnert, die Eifel, weil, die Landschaft
ist sehr ähnlich, vulkanisch, es gibt Tuff, es gibt Bergformen,
es gibt Maare wie in der Eifel, der Laacher See, und ich fühlte
mich gleich zuhause.

Obwohl Pitigliano schon viel spektakulärer sei, legt Peter Petri
nach. Das stimmt. Vor allem dann, wenn man sich dem Ort von
Nordwesten über die Serpentinen aus dem Tal des Fiora-Flusses
nähert. Dann taucht er Stück für Stück auf, hoch gelegen auf
einem 300 Meter hohen Tufffelsen, wie viele Orte hier in der
Region, stellenweise gestützt von mächtigen Fundamten, die tief
in den Tuff hineingebaut sind. Die mehrgeschossigen Häuser
darüber sind am äußeren Rand dieser Empore aufgereiht wie
Basaltsäulen in einem Steinbruch.

Von den Fenstern dieser Häuser geht der Blick je nachdem bis weit
in die westliche Maremma oder schwindelerregend tief hinunter in
die grünen Täler rundherum.

Pitigliano hat rund 2500 Einwohner. Die sind alle katholisch,
versichert man mir. Bis auf einige wenige, die jüdischen Glaubens
sind. Pitigliano war mal ein verschlafenes Nest, das mittlerweile
doch schon ein wenig touristisch geworden sei, hatte Peter Petri
mich vorgewarnt. Immer mehr Leute kommen nämlich, um den
trutzigen Palazzo Orsini zu sehen. Der beherbergt außerdem zwei
Museen: das eine für Archäologie – kein Wunder, wir befinden uns
hier im Kernland der alten Etrusker. Das andere ist das Museum
für sakrale Kunst. Kein Wunder: Eine weitere lokale Attraktion
ist nämlich der Dom: Pitigliano ist immerhin Bischofssitz.

Atmo Kirchenglocken

Und natürlich die malerische Altstadt. Durch das ehemalige
Stadttor stößt man erst auf die Piazza Garibaldi mit dem Rathaus.
An den hohen Bögen eines ehemaligen römischen Aquädukts entlang
geht es bis zur großen Piazza della Republica mit den beiden
großen Brunnen an jeder Stirnseite. Der eine beplätschert eine
Bar, der andere eine Osteria. In der Bar sitzen nachmittags nicht
nur Einheimische und Touristen, sondern auch südamerikanische
oder afrikanische Krankenschwestern aus dem Krankenhaus in der
Neustadt. Als wir abends In der Osteria essen, sitzt am
Nebentisch der Bischof . Wohnen tut der ein Haus weiter, im
Palazzo Orsini.

Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt, die von der Piazza
abgehen, führen zwei Hauptwege zum Ortsrand: die Via Roma und die
Via Zucharelli. Die eine, Via Roma, ist immer schon gesäumt
gewesen von Alimentari, also den italienischen Tante-Emma-Läden,
und winzigen Geschäften für Haushaltswaren, Elektrobedarf,
Bäckerei und Metzgerei. Neuerdings sind es ein paar mehr, für
Antiquitäten, Seifen oder Reiseandenken. Alles ist umrahmt von
Wäscheleinen vor den Fenstern und Stromverteilerkästen, von denen
Bündel von Kabeln nach links und rechts abgehen. Eines fällt
außerdem auf: Es kann noch so eng sein: Platz für ein paar Tische
und Stühle ist fast immer, für eine Osteria oder Pizzeria. Hier
wird gut gegessen. Das weiß nicht nur der Bischof. Getrunken wird
ebenfalls vom Feinsten. Beispielsweise der bekannte Bianco di
Pitigliano, den die Landwirtschaftliche Genossenschaft, die
Cooperativa Sociale, produziert. Der wird auch heute noch in den
Tuffstein-Höhlen unter den Häusern der Weinbauern gelagert, wie
schon in etruskischen Zeiten.

Zurück auf die Via Roma. Die führt an besagtem Dom vorbei zur
Chiesa die San Rocco. Hier trifft sie mit der Via Zuccarelli
zusammen, über die man wieder zurück zur großen Piazza kommt, und
zwar durch das ehemalige jüdische Ghetto, vorbei an der
dazugehörigen Synagoge und dem Museum für Jüdische Kultur. Warum
all das für den Ort etwas Besonderes ist, erklärt uns Dottoressa
Claudi Elmi, die Museumskuratorin.

O-Ton 2 Claudia Elmi: Perchè il Museo Ebraico di
Pitigliano è molto particolare, quasi unico al mondo, perché
oltre la Sinagoga ed il museo si può fare una passeggiata in
quelli che erano i locali dell'antico quartiere ebraico scavati
nel tufo, quindi rimangono sottoterra, e utilizzati dalla
Comunità Ebraica di Pitigliano nel momento in cui, quando questa
zona venne governata dai Medici, signori di Firenze,  nel
1622 venne imposto il ghetto quindi vennero costretti a vivere in
questa piccola zona di paese, dove già c'era la Sinagoga e dove
già, probabilmente, la maggior parte della Comunità Ebraica
viveva, gli altri venner obbligati a stare qua e quindi, siccome,
il posto non era molto esteso, utilizzarono per la loro vita
quotidiana e di comunità gli ambienti sotto scavati nel tufo e
facendo una passeggiata sotto, infatti, si può visitare la
cantina kasher, il macello, il forno, i locali della tintoria il
bagno rituale di purificazione, quindi una cosa particolare, è
veramente suggestiva.

 

O-Ton 2 Claudia Elmi: Weil das Jüdische Museum von
Pitigliano sehr besonders ist, fast einzigartig in der Welt, sagt
sie. Denn zusätzlich zu der Synagoge und dem Museum kann man
einen Spaziergang in den Räumlichkeiten des alten jüdischen
Viertels machen, die in den Tuffstein gegraben worden sind. Die
wurden von der jüdischen Gemeinde von Pitigliano zu der Zeit
benutzt, als dieses Gebiet von den Medici regiert wurde, den
Herren von Florenz, die sie im Jahr 1622 ins Ghetto verbannt
haben, so dass sie gezwungen waren, in diesem kleinen Bereich des
Ortes zu leben. (...) Und da der Ort für ihr tägliches Leben sehr
begrenzt war, haben sie ihn nach unten erweitert, in den
Tuffstein, wo man heute wieder den koscheren Keller, das
Schlachthaus, die Bäckerei, die Färberei und das Bad besichtigen
kann.

Dabei gibt es das Museum noch nicht allzu lange. Die Synagoge
schon. Sie war allerdings nach dem zweiten Weltkrieg verwaist und
ist irgendwann zur Hälfte ins Tal gerutscht. Anfang der neunziger
Jahre hat die Gemeinde Pitigliano sie endlich wieder aufgebaut.
Damals beschlossen die letzten verbliebenen Juden, hier einen
Verein zu gründen, um an das jahrhundertelange jüdische Leben in
Pitigliano zu erinnern. Neben der Synagoge ist das Museum für
Jüdische Kultur, das der Verein ins Leben gerufen hat.
Vereinsmitglieder gibt es nicht nur in Pitigliano, sondern 
in ganz Italien und sogar in den USA.  Der Verein wurde La
Piccola Gerusalemme, Klein-Jerusalem, genannt. Diesen Beinamen
erhielt nämlich Pitigliano um 1850, erzählt Claudia Elmi.

 

O-Ton 3 Claudia Elmi: La denominazione Piccola
Gerusalemme fu data a Pitigliano quando la Comunità Ebraica
raggiunse il suo massimo splendore. Siamo intorno alla prima metà
del 1800. Questo nome fu dato dai correligionari di Livorno
perché a Pitigliano c'era una Comunità Ebraica molto viva,
florida che aveva un impatto molto importante sulla Comunità
Cattolica.

O-Ton 3 Claudia Elmi: Den Namen Piccola Gerusalemme hat
man Pitigliano in seiner Glanzzeit gegeben. Das war etwa in der
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es waren Glaubensbrüder und
-schwestern aus Livorno, die auf diesen Namen gekommen sind. Weil
es in Pitigliano eine sehr lebendige, blühende jüdische Gemeinde
gab, die auch einen sehr wichtigen Einfluss auf die katholische
Gemeinde hatte.

Dass es hier diese große, lebendige und blühende Gemeinschaft
gab, liegt vor allem an der Lage Pitiglianos nur fünf Kilometer
von der Grenze zu Latium und 150 Kilometer von Rom entfernt. Weil
sie aus dem Vatikanstaat vertrieben wurden, zogen seit der Mitte
des 16. Jahrhunderts immer mehr Juden nach Norden in die Toskana.
Hier waren sie willkommen. Langsam erhöhte sich ihre Zahl auch in
Pitigliano, bis sie Anfang des 18. Jahrhunderts ihren Höchststand
erreicht hatte: mit über 300, das waren damals mehr als 10
Prozent der Bevölkerung des Ortes.  So entwickelte sich im
Lauf der Zeit ein umtriebiges jüdisches Kulturleben hier, das so
aktiv war, dass man Pitigliano den Beinamen Piccola Gerusalemme
gab.

Die massive antisemitische Propaganda in den1930er-Jahren und die
Einführung der Rassengesetze 1938 in Italien bedeuteten das Ende
der jüdischen Gemeinde in Pitigliano. Wer konnte, emigrierte,
andere wurden deportiert. Nicht zuletzt durch die Hilfe von
katholischen Italienern haben aber offenbar alle Juden, die in
dieser Zeit noch in Pitigliano geblieben waren, die Zeit der
Verfolgungen überlebt. Dazu gehört auch Elena Servi. 

O-Ton 4 Elena Servi: Alcune famiglie che
avevano, lavoravano nelle strutture pubbliche, c’era per esempio
l'ingegnere comunale, ebreo, che andò via , andò a Roma perse il
posto; c'era il direttore del Monte die Paschi di Siena che
dovette lasciare il posto quindi andò a  Firenze. Alcune
famiglie si trasferirono chi a Roma chi a Firenze. Rimasero qui
quelle poche famiglie che, come mio padre, avevano un‘attività
privata, avevano un negozio c’era chi aveva un negozio di
alimentari  e mio padre come ho già detto di
tessuti

(...) Poi, una brutta sera, chiamarono alla Casa del
Fascio i capifamiglia, quelli che erano rimasti, perché alcuni se
ne erano andati via, e dissero che avrebbero dovuto
lasciare  Pitigliano.  Ora, naturalmente,  non era
facile, mio padre avere tre figli, la moglie e la mamma molto
anziana, cercò di andare a Firenze ma non gli riuscì e quindi
rimarremo qui.

 

O-Ton 4 Elena Servi: Einige Familien,
erzählt sie, arbeiteten in öffentlichen Einrichtungen. Da war zum
Beispiel der jüdische Stadtingenieur. Der verlor seine Arbeit und
ging nach Rom. Oder der Direktor der Bank Monte di Paschi di
Siena, der seine Arbeitsstelle verlassen musste. Also ging er
nach Florenz.

Die wenigen Familien, die hier geblieben sind, wie mein
Vater mit uns, hatten ein privates Geschäft, die einen einen
Lebensmittelladen, mein Vater hatte ein Textilgeschäft. Wie
konnten nicht einfach weg.

Dann, eines schlimmen Abends, wurden die
Familienoberhäupter, also der Familien, die übrig geblieben
waren, in die Casa del Fascio, die lokale Zentrale der
Faschisten, gerufen. Und man sagte ihnen, sie müssten Pitigliano
verlassen.  Nun war das natürlich nicht einfach, mein Vater
hatte drei Kinder, seine Frau, und seine Mutter war sehr alt. Er
versuchte, mit uns nach Florenz zu gehen. Aber das klappte
nicht.

 

Also blieb die Familie in Pitigliano.  Glück im Unglück war
das gute Verhältnis zu den katholischen Nachbarn.

 

O-Ton 5 Elena Servi: Tant'èvero che quando nel 1943 i
tedeschi occuparono granparte dell‘Italia e quindi cominciò la
caccia all'ebreo noi scappammo dalla nostra casa e trovammo
rifugio presso i contadini della zona, prima nel Comune di
Pitigliano poi in quello di Farnese poi in quello di
Valentano

(...) per alcuni mesi fummo presso i  contadini,
anche se dovevamo cambiare posto ogni tanto,

(...) poi gli ultimi tre mesi da Marzo a Giugno li
passammo in una grotta, sempre però aiutati dai
contadini.

 

O-Ton 5 Elena Servi: Das war so gut, dass wir, als 1943
die Deutschen den größten Teil Italiens besetzten und damit die
Jagd auf Juden begann, aus unserem Haus flohen und bei den Bauern
der Gegend Zuflucht fanden. (...) Auch wenn wir ab und zu den Ort
wechseln mussten (...). Die letzten drei Monate von März bis Juni
1945 verbrachten wir in einer Höhle. Aber die Bauern haben uns
immer geholfen.

Zum Gedenken an die, die ihr eigenes Leben riskierten, um andere
zu retten, wurde die Gemeinde Pitigliano und deren Synagoge von
der Internationalen Raoul-Wallenberg-Stiftung zu einem „Haus des
Lebens“ erklärt.

Elena Servi hat überlebt und lebt heute immer noch in Pitigliano.
Mit ihr zusammen und ihrem Sohn und ihrer Schwester gibt es hier
noch drei jüdische Mitbewohner.

Eine vierte Mitbewohnerin ist vor wenigen Jahren erst gestorben.
Ihre letzte Ruhestätte hat sie als vorerst letzte Verstorbene auf
dem jüdischen Friedhof am Fuß des Ortes gefunden. Er erinnert
mehr an einen Garten als an einen Friedhof, mit Zypressen und
hohem Gras mit Wiesenblumen bewachsen, über drei Terrassen den
Hang hinunter, mit vielen Grabplatten oder Sarkophag-artigen
Grabstellen. Viele tragen die Namen Sedun, Paggi oder auch Servi.
Alle sind schlicht und ohne Grabschmuck, wie es die jüdische
Tradition verlangt. Nur ein paar der neueren Gräber haben sich
ganz offensichtlich an der katholischen Umgebung orientiert:
beispielsweise mit einer großen Engelfigur. Oder einer
schneeweißen kleinen Mädchenskulptur auf einem Kindergrab.

Als erste beigesetzt wurde hier übrigens Mitte des 16.
Jahrhunderts die Ehefrau des jüdischen Arztes in Pitigliano. Er
war der Leibarzt des damaligen Grafen Orsini. Auch er, der Arzt,
war wegen der Vertreibung der Juden aus dem Vatikanstaat nach
Pitigliano gekommen. Das Land für den neuen Friedhof hat der
damalige Graf Orsini der jüdischen Gemeinde geschenkt.

Synagoge und Museum und die jüdische Geschichte des Ortes haben
hat sich mittlerweile zum Publikumsmagneten entwickelt. Mehr als
30.000 Besucher aus der ganzen Welt kommen jedes Jahr in die Via
Zuccarelli, vor allem auch aus Deutschland.

O-Ton 6 Claudia Elmi :Lei pensi che
all'inizio, quando cominciai a lavorare qua, nel 2003, la via
Zuccarelli che è questa del ghetto che porta alla Sinagoga era
abbandonata, non c'era un negozio non c'era niente e piano piano
invece, siccome, da lì, dalla piazza si prende via Zuccarelli e
si arriva al museo ebraico e alla Sinagoga, hanno cominciato ad
aprire piccoli negozi e se lei ha visto  sono tutti
artigiani, poi c'è un ristorante, ma gli altri sono tutti negozi,
quindi, abbiamo dato vita, secondo me, cioè l'apertura della
Sinagoga e del museo ebraico ha dato vita  a via Zuccarelli
che era completamente deserta e era tutto concentrato nella
paralella che è via del Corso, la via principale di Pitigliano,
via Roma (...) Quindi un impulso forte.

O-Ton 6 Claudia Elmi: Am Anfang, erzählt Claudi
Elmi, als sie hier angefangen habe zu arbeiten, im Jahr
2003, war die Via Zuccarelli, die durch das Ghetto zur Synagoge
führt, verlassen. Es gab keinen Laden, es gab nichts.  Aber
mittlerweile haben die Leute auch hier angefangen, kleine Läden
zu eröffnen. Alles Kunsthandwerker, wie man sehen könne, dann
gibt es mittlerweile auch ein Restaurant. Das heißt: Die
Wiedereröffnung der Synagoge und das jüdische Museum haben der
Via Zuccarelli zu dem Leben verholfen, das sich bisher nur auf
die Hauptstraße von Pitigliano, die Via Roma, konzentriert hatte.
Die Restaurierung der Synagoge und das Museum sind ein starker
Impuls für den Tourismus gewesen.

Atmo draußen Leute in der Gasse

Trotz der Aufmerksamkeit aus der ganzen Welt hat sich Pitigliano
viel von seiner liebenswürdigen Abgeschiedenheit bewahrt. Zum
Beispiel auf den winzigen Piazza Antoni Becherini, zu der man
kommt, wenn man nach dem Zusammentreffen der beiden Hauptstraßen
noch knapp einhundert Meter weitergeht, bis zu einer hüfthohen
Mauer: Hier ist der Ort zu Ende. Und hier ist übrigens auch das
Atelier von Peter Petri zu finden.

Als ich an meinem letzten Abend vom Essen aus der Osteria, wo
auch der Bischof speist, hierher zu meiner Wohnung zurückkomme,
ist mächtig was los. Eine Nachbarin, Francesca, hat Geburtstag.
Die Feier findet draußen auf der Gasse zwischen den Häusern
statt. An den Häuserwänden hängen ein paar Luftballons. Es wird
laut durcheinander geredet, ab und zu singt der ein oder anderen
der männlichen Gäste etwas, das sich immer nach einer Opern-Arie
anhört. Dann ganz plötzlich heißt es „Buna notte, gute Nacht
zusammen, schlaf gut Francesca, bis morgen, ciao, ciao.“ Ein paar
Holztüren werden rumpelnd geschlossen. Und dann ist es ganz sehr
still. Nur der Wind pfeift ganz leise über den Mauerrand am
Gassenende. Und ganz weit weg, irgendwo auf der anderen Talseite,
quält sich ein Weilchen noch ein Moped knödelnd den Berg hoch.
Dann ist Ruhe.  
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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