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Beschreibung
vor 5 Jahren
Loide! Und nun dreht sich das Karussell, ist im Himmel gleich
wieder Jahrmarkt. Weil Jogi Löw, der sich in den vergangenen drei
Jahren stoisch ins Abseits gemerkelt hat, endlich seinen auch
schon sehr alten Hut nimmt und auf einem mit Sommersonne
betankten Coffee Racer zurück in den Breisgau fährt. Womit er
neben viel Erleichterung aber auch eine zumindest mittelgroße
Lücke hinterlässt, die nun geschlossen werden muss. Und schon
greifen die gewohnten Reflexe, werden die üblichen Verdächtigen
in Überlebensgröße auf die Leinwand der Spekulationen geworfen.
Gesichter im Konjunktiv. Könnten sie denn? Würden sie womöglich?
Viel Hoffen, viel Bangen und natürlich auch Ferndiagnosen, die
vom Heimweh nach Erfolg erzählen. Aber der Reihe nach. Da ist,
sowieso immer schon, Jürgen Klopp, der in Liverpool gerade seine
Abschiedssaison beim BVB nachtanzt und nicht mehr so genau weiß,
ob ihm das eigene Lächeln noch passt. Den wilden Wünschen der
Deutschen allerdings hat er sogleich den Zahn gezogen. Klopp, so
viel ist klar, wird eher nicht von der Mersey an den Main
wechseln. Wer will es ihm verdenken. Liverpool, das sind die
Beatles, Gerry and the Pacemakers, Elvis Costello. Frankfurt ist
Snap! Da bleibt er lieber in seiner lichtdurchfluteten Küche und
wartet am Fenster, bis Steven Gerrard irgendwann aus seinem
Ranger steigt. Beim DFB dürften sie mit dieser Ad-hoc-Absage
gerechnet haben und ohnehin längst ganz anders planen. Mit einem
durchaus alten Bekannten, der bereits bewiesen hat, dass er die
Nationalelf entscheidend wiederbeleben kann. Schließlich war es
Hansi Flick, der die Standardsituationen vor der WM 2014 aus der
Mottenkiste der Geschichte geholt und damit jene Macheten
geschliffen hat, mit denen sich die Deutschen durch das Dickicht
des Turniers schlagen konnten, vom Campo Bahia bis nach Rio de
Janeiro. Nun endlich könnte er der Welt zeigen, dass er schon
lange besser ist als Jogi. Allerdings wissen auch die Bayern, wen
sie da unter Vertrag haben. Und eher würde Kalle seine Uhren
verzollen, als jetzt seinen Trainer freizugeben. Weshalb der
Hansi dort in München so fest im Sattel sitzt, dass ihm selbst
der galoppierende Schwachsinn der anderen nichts anhaben kann.
Und wer sechs Titel hat, braucht am Ende auch keinen fünften
Stern. Bleiben noch Ralf Rangnick und, kein Scherz, Lothar
Matthäus. Die großen Außenseiter, jeder für sich schon ein
Statement. Denn Rangnick wäre die bitter nötige Zumutung, ein
Erneuerer mit Flipchart. Wie Klinsmann, nur mit
Fußballsachverstand. Und Matthäus, immerhin vom Kaiser
unterstützt, wäre die große Pointen eines sehr langen
Treppenwitzes. Rangnick allerdings wird wohl eher seinem
heimlichen Heimweh und damit den Königsblauen in die Zweite Liga
folgen, also lieber mit Schalke in den Keller gehen als mit
Keller nach Katar. Und Lothar Matthäus, der noch nicht Kult ist,
aber irgendwie immer noch BILD, kann beim DFB allenfalls das
Maskottchen für die EM 2024 werden, weil der neue Job nun mal
auch zu den Schuhen passen muss. So wird es am Ende wohl doch
Stefan Kuntz. Die Säge. Aber vielleicht ist das ja genau das
richtige Werkzeug, um beim DFB etwas Neues aufzubauen.
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