Stammtisch: ein RefLab-Podcast Archiv
203 Episoden
42 Minuten
Sebastián stammt aus Kolumbien und wurde als 4-Jähriger von einer Schweizer Familie adoptiert. 18 Jahre später reist er in seine fremde Heimat – mit existenziellen Fragen. Mayk Wendt hat Sebastian begleitet und spricht mit Nadja und Luca über seine Reise und die Erfahrungen, die sie gemacht haben. Zwischen 2012 und 2017 war Mayk Wendt in der Leitung der Bergschule Avrona im Engadin tätig. Diese Sonderschule nimmt Jugendliche in Notsituationen auf. Sebastián war im Internat der Institution untergebracht und lernte Wendt 2015 kennen. Während zwei Jahren wurde er von ihm intensiv begleitet. Auch mit den Adoptiveltern hatte Wendt Kontakt. 2021 meldete sich Sebastián mit einer Kurznachricht und fragte ihn, ob er ihn als ehemalige Bezugsperson auf die Reise nach Kolumbien begleiten würde. Er wolle seine leibliche Mutter treffen.
43 Minuten
Ein ganzes Dorf wird abgerissen: Lützerath fällt dem Braunkohleabbau zum Opfer. Wochen und Monate haben Menschen vor Ort demonstriert gegen die Ausweitung des Tagebaus, den Energiekonzern RWE und die Rodungen und Abrissarbeiten in dem Ort. Für Klimaaktivisten ist der Kompromiss, den die deutsche Regierung mit RWE geschlossen hat, ungenügend. Tobias Adam ist Aktivist bei Christian Climate Action, Theologiestudent und sitzt für die religiös-soziale Fraktion in der Zürcher Kirchensynode. Gemeinsam mit Felix Reich und Janna Horstmann diskutiert er über Klimapolitik und Frust, Kompromisse und die Notwendigkeit des Protests. Er erzählt von seinen Eindrücken aus Lützerath und warum für ihn das Demonstrieren auch eine Form von Gebet sein kann.
39 Minuten
Das Programm «Chancengerechtigkeit durch Arbeit an der Lernlaufbahn» (Chagall) unterstützt Jugendliche mit Migrationshintergrund darin, die Aufnahmeprüfung in ein Gymnasium, eine Fachmittelschule oder an eine Berufsmittelschule zu bestehen. Entwickelt wurde es vom Gymnasium Unterstrass, inzwischen haben weitere Kantonsschulen das Modell übernommen. Zu Beginn hatten Stiftungen das Programm finanziert, danach sprang der Kanton ein. Doch diese Finanzierung läuft im Sommer aus. Eva Ebel ist Direktorin des Gymnasiums Unterstrass. Mit Felix Reich und Luca Zacchei diskutiert sie am Stammtisch über Chancengerechtigkeit im Bildungssystem. Und sie erzählt, welche Jugendlichen von Chagall profitieren, und sagt, weshalb es eigentlich eine Staatsaufgabe wäre, Systemfehler zu korrigieren und so für mehr Diversität an Mittelschulen zu sorgen.
33 Minuten
Woke (aus dem Englischen: erwacht) wurde ab dem Jahr 2014 als Begriff nach der Ermordung des 18-jährigen Afroamerikaners Michael Brown in den USA populärer. Die Black Lives Matter-Bewegung, die ursprünglich auf die systematische Benachteiligung der Schwarzen und auf die Polizeiübergriffen hinwies, hat dann im Verlauf der letzten Jahre verschiedene Gesellschaftsbereiche tangiert und neue Diskurse in Politik, Kunst und Kultur angeregt. Im besten Fall hat die Wokeness-Bewegung mit dem Finger auf Ungerechtigkeiten gezeigt und auf subtile und weniger subtile Diskriminierungen hingewiesen. Im schlimmsten Fall hat sie hingegen eine «Angstkultur» geschürt (Wer darf überhaupt was sagen, schreiben oder performen?) und für eine mediale Polarisierung gesorgt. Beim RefLab haben wir kürzlich in einer Blogserie diese Thematik aufgenommen. Wir freuen uns auf deine Kommentare und Anregungen zur Folge und zum Thema an contact@reflab.ch.
52 Minuten
Felix hat eine fantastische Schriftstellerin mit ins Podcast-Studio gebracht: Dana Grigorcea. Ihr Roman «Die nicht sterben» war für den Deutschen Buchpreis 2021 gelistet. Der Literaturkritiker sagte der politische Schauerroman sei für ihn «Liebe auf den ersten Blick» gewesen. Johanna ging es genauso. Und Felix ist schon länger ein Grigorcea-Fan. Im Podcast spricht die Autorin über die Veränderungskraft der Kunst und die Notwendigkeit der Begeisterung. Zudem erklärt sie, weshalb ihr gefeierter Roman Die nicht sterben eigentlich ein christliches Buch sei, obwohl das bisher kaum jemand gemerkt habe.
45 Minuten
Der Kirchenratspräsident Michel Müller sieht Kirchen in einer massiven Glaubwürdigkeitskrise. Er regt an, politische Konstellationen stärker als bisher in theologische Reflexion einzubeziehen. Skeptisch reagiert er, wenn Gesinnungsethik realpolitisches Nachdenken über Konsequenzen von Handlungen ersetzt. Der Redaktionsleiter der auflagenstarken Zeitung «reformiert.» hat zwar grundsätzlich Sympathie für einen realistischen Pazifismus. Ein solcher Pazifismus lehnt Militarismus ab, ohne aber das Recht auf Notwehr abzustreiten. In Ausnahmefällen aber seien selbst militärische Interventionen zu erwägen (Beispiel Nato-Eingreifen im Jugoslawien-Krieg). Johanna aus dem RefLab lebt erst seit kurzem in der Schweiz. Sie möchte wissen, welche Alternativen es zu Waffenlieferungen gibt, um der Ukraine zu helfen. Ausführlich diskutiert wird in dem Podcast auch die Forderung des Ausschlusses der Putin-treuen russisch-orthodoxen Kirche aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen ÖRK. Die Gemeinschaft von rund 350 Kirchen aus 120 Ländern hat ihren Sitz in Genf. Ihr Ziel ist die christliche Einheit.
27 Minuten
Wie feierst Du Weihnachten und was fühlst Du während der Adventszeit? Janna verbindet diese sinnbetonte Zeit insbesondere mit Musik und Nieselregen, Luca mit Süssigkeiten und Kindheitserinnerungen, Felix mit geliebten Menschen und Bachs Weihnachtsoratorium. Welche Traditionen pflegst Du (noch)? Und was hoffst Du in diesem Jahr? Schreib' doch uns an contact@reflab.ch. Wir wünschen Dir eine besinnliche Adventszeit.
30 Minuten
Die Spendensammelsaison ist bereits in vollem Gange. Was soll ich mit meiner Spende tun? Und wie kann ich mehr Verantwortung für mein Geld übernehmen? Effektive Altruisten möchten Gutes tun, aber gleichzeitig ihre Projektunterstützungen rational begründen. Sie wollen mit ihren eingesetzten Mitteln am meisten bewirken. Ist die Perspektive des «Effektiven Altruismus» elitär und kann sie auch ins Ideologische kippen? Wir reden in dieser Stammtisch-Folge mit Christian Kaiser (Journalist beim reformiert.) über die Stärken und die Schwächen des Modells. Christian studierte in St. Gallen Wirtschafts-, Rechts- und Staatswissenschaften und interessiert sich für philosophische Fragen.
38 Minuten
Die Fussballweltmeisterschaften 2022 werden am Sonntag in Katar starten, ob wir’s gut finden oder nicht. Luca hat auf dem Blog tüchtig moralisiert und bereits über die «WM der eigenen Schande» geschrieben. Felix findet die Empörung ein bisschen scheinheilig und fühlt sich nicht persönlich mitschuldig. Der Fussballkonsum ist ihm trotzdem verleidet. Die Kommerzialisierung des Fussballs ist nicht nur bei der Fussball-WM eine problematische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Wir reden mit dem Sportjournalisten (und Coach der E-Juniorinnen des FC Wiedikon) Marcel Rohner über die Schattenseiten des Fussballs, über Doppelmoral und natürlich auch über Sportliches. Eure Kommentare gerne an contact@reflab.ch.
32 Minuten
46 Minuten
Wer heute reformierte Pfarrperson ist, kann sich die Gemeinde in der Regel aussuchen: Die Kirche leidet an Personalmangel. Damit rücken auch die Arbeitsbedingungen und die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Behörden in den Fokus. Ein Artikel auf ref.ch sorgte kürzlich für Zündstoff, weil er dies thematisierte. Ein Pfarrer kritisierte das bestehende System scharf: Die Zusammensetzung von kirchlichen Behörden (Kirchenpflege) sei eine "Lotterie". "Die Organisation der Kirchgemeinden ist ein grosses Problem. Das ehrenamtliche Leitungssystem braucht dringend eine Reform" – so zitiert der ref.ch-Artikel Thomas Schaufelberger. Er ist selber ordinierter Pfarrer, leitet die Abteilung Kirchenentwicklung in der Zürcher Landeskirche und ist verantwortlich für Aus- und Weiterbildung der Pfarrpersonen in einem grossen Teil der Deutschschweiz. Felix Reich, Chefredaktor der Zeitschrift "reformiert." und Co-Host dieses Podcasts, sieht in der demokratischen Form der kirchlichen Behörden nach wie vor viel Potenzial. Zusammen mit Evelyne Baumberger, die neben ihrer RefLab-Tätigkeit Theologie studiert und in der Ausbildung zur Pfarrerin ist, diskutieren wir über Konflikt- und Frustpotenzial in der kirchlichen Zusammenarbeit. Und darüber, was richtig gemacht wird, wenn diese Arbeit gelingt. Was denkt ihr darüber? Schreibt gerne einen Kommentar auf reflab.ch oder ein Mail an contact@reflab.ch.
38 Minuten
Die Evangelische Gesellschaft des Kantons Zürich wird 175 Jahre alt. Aus der Gesellschaft sind unzählige Projekte entstanden, die sich dann verselbständigt haben, wie z.B. die «Dargebotene Hand», die «Stadtmission» (heute «Solidara») oder das «Spital Zollikerberg». Brauchen die Stadt und den Kanton Zürich mit ihrem ausgebauten Sozialstaat und den vielen Hilfswerken die Evangelische Gesellschaft heute überhaupt noch? Der Geschäftsführer der Stiftung, Michael Wilke, findet: unbedingt! Die Geschichte habe mehrmals aufgezeigt, dass aufmerksame Beobachter:innen, Lücken im Sozialnetz gefunden hätten, die dann tatkräftig geschlossen wurden. Das sei soziales Engagement mit Taten und Worten, nicht von ungefähr der Claim der Stiftung. Das jüngste Projekt der Gesellschaft ist ein Waschsalon, den Studierende, Leute, die im Quartier wohnen, Obdachlose und Menschen in prekären Situationen nutzen können. Und wie beim «Caffè sospeso» in Süditalien: Ein Gast bezahlt zwei Waschgänge, nutzt aber nur einen. Der zweite kommt jemandem zugute, der sich keinen leisten kann.
37 Minuten
In dieser Stammtischausgabe tauschen sich Andy, Fabienne und Johanna über ihr tiefsten Ängste aus und über persönliche Strategien gegen Panikanfälle.
35 Minuten
Was sollen wir heute mit der Taufe anfangen? Der massive Einbruch der Taufzahlen in den letzten 20 Jahren macht deutlich, dass dieses fundamentale christliche Ritual in die Krise gekommen ist. Evelyne Baumberger unterhält sich in diesem Stammtisch mit Felix Reich und Manuel Schmid über ihre jeweiligen Tauferfahrungen – und über die Bedeutung, die sie der Taufe auch heute noch beimessen. Ist die Zeit für ein Revival der Taufe gekommen? Anmerkung: Evelyne hat heute auch einen persönlichen Blogbeitrag zu Taufe veröffentlicht: https://www.reflab.ch/taufe-heute-ritual/
41 Minuten
Die Reformierte und die Katholische Kirche im Kanton Zürich vergeben im Rahmen des Zurich Film Festival (ZFF) den mit 10’000 Franken dotierten «Filmpreis der Zürcher Kirchen». Der Preis fördert das Filmschaffen und den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen. Kirchenrat Andrea Marco Bianca sitzt in der Jury für den Filmpreis der Kirchen. Wir reden mit ihm über den diesjährigen Gewinnerfilm von Carmen Jaquier «Foudre/Thunder». In der Programmsektion thematisiert übrigens das ZFF in diesem Jahr unter #MyReligion Filme zum Thema Glauben, moderne Gottheiten und neue Altare.