FrauenFunk.at! Archiv
84 Episoden
25 Minuten
Ina Wagner ist eine bescheiden wirkende Frau, die von sich selbst jedoch sagt, sie habe es in der Männerdomäne Informatik geschafft, weil sie schlichtweg stur sei. Sie ließe sich nicht gerne von anderen einordnen und schon gar nicht durch irgendein Suffix klein machen. So gründete sie an der Informatik in Wien das neue Fachgebiet „Multidisziplinäres Systemdesign“, das aus Informatik, Sozialwissenschaften, Kunst und Frauenforschung besteht. Und sie leitete viele Jahre das Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung. Studiert hat Frau Prof. Wagner Kernphysik, obwohl – wie sie selbst sagt – sie in Mathematik gar nicht besonders gut gewesen sei. Aber sie habe sich das einfach in den Kopf gesetzt. Sie hat zwei Habilitationen: eine in Informatik an der TU Wien und eine in Bildungswissenschaften der Universität Klagenfurt.
26 Minuten
Sibylle Hamann gehört zu den meist-ausgezeichneten Journalist*innen in Österreich. Sie hat zwei Mal die Medienlöwin gewonnen, wurde mit dem Kurt-Vorhofer-Preis und dem Prälat-Leopold-Unger-Preis ausgezeichnet und etlichen mehr. Das ist ein deutliches Zeichen für die Qualität ihrer Arbeit und die hieß immer – egal, ob es um Ruanda, die USA, China oder die Kärntner Saualm ging: Ich fahr' dorthin und schau mir das an und mache mir ein Bild. Und das macht sie auch als frischgebackene Politikerinnen für die Grünen noch immer. Sie bekomme zahlreiche Mails und Anfragen, „weil viele Leute wollen einfach gehört werden. Und dann sage ich oft, kann ich mir das bitte anschauen!" So ist sie und das macht ihre Lebendigkeit aus.
23 Minuten
Sie hat ihr gesamtes berufliches Leben in den Dienst der Frauengesundheit gestellt. Beate Wimmer-Puchinger ist studierte Psychologin und legt seit mehr als einem Vierteljahrhundert die Finger auf die Stellen, wo es den Frauen oft am meisten weh tut: auf ihren Körper. 1996 hat sie den ersten Wiener Frauengesundheitsbericht erstellt. Der hat geschlechtsspezifische Gesundheits- und Krankheitsindikatoren aufgezeigt. Aber auch die Defizite in der Prävention und Versorgung betont. Dieser Bericht hatte zur Folge, dass in Wien ein Frauengesundheitsprogramm gestartet wurde, 1999 umgesetzt von Beate Wimmer-Puchinger.
24 Minuten
Das Gespräch mit der Sprachwissenschafterin Ruth Wodak nahm gleich zu Anfang eine interessante Wendung. Ich stellte aus Neugier die Frage, warum sie die Akademie der Wissenschaften 2012 verlassen habe und die Antwort fiel länger aus und machte mich sprachlos. Wodak erzählt ganz zu Beginn unseres Gespräches darüber, wie sie zuerst ein Angebot der Akademie der Wissenschaften bekommen habe, ihren Wittgensteinpreis (dotiert mit rund 1 Mio. Euro) dort anzusiedeln, als sie nützlich war für den Ruf Österreichs während der EU-Sanktionen und der Regierung Schwarz-Blau 1. Gleich danach aber folgten Schikanen und Mobbing. Über ihre Zeit in der Akademie der Wissenschaften sagt Wodak: „Ich war das Feindbild, ich war wie die rote Hexe! Man wusste, ich bin sekuläre Jüdin, komme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und äußere mich auch politisch in diese Richtung, ich forsche zu diesen Themen (Migration, Rassismus, Xenophobie) und bin Feministin. Mehr hab ich dort nicht gebraucht. Es gibt in der Akademie der Wissenschaft alte Nazis und auch junge schlagende Burschenschafter. Und die wollten mich dort nicht.“
27 Minuten
Heide Schmidt an der Seite des Volksanwalts im ORF-TV in den 1980er-Jahren: eloquent, eine tolle Stimme, gutaussehend, selbstbewußt und gescheit. So haben sie sicher noch etliche in Erinnerung. Die andere deutliche Erinnerung ist jene an ihre Zeit an der Seite von FPÖ-Chef Jörg Haider, der sie gezielt in die Partei holte und sie zur ersten weiblichen Generalsekretärin machte. Und es ist für viele wohl auch die langjährige Mitgliedschaft in der Haider-FPÖ, die ihr manche nicht verziehen haben. Sie selbst sagt heute, sie sei in manchen Dingen naiv gewesen und habe deshalb etliches nicht gesehen.
25 Minuten
Es ist ihre bescheidene, unaufdringliche Art, die einem sofort auffällt. Sie spricht unaufgeregt, aber doch sehr bestimmt. Sätze wie, „damit müssen die Männer halt leben lernen“, klingen bei ihr mehr wie eine Lebenshilfe denn eine Zurechtweisung. Hilde Stockhammer ist nicht die Frau großer Inszenierungen. Sie ist jemand, dem Zahlen und Fakten wichtig sind und an denen hantelt sie sich entlang in ihrer Arbeit für die Frauen. So hat sie es als Leiterin der Frauenabteilung im Arbeitsmarktservice gemacht und auch als Gleichstellungsbeauftragte im AMS hat sich ihre bedächtige, aber hartnäckige Art durchgesetzt.
23 Minuten
Univ. Prof. Dr. Gabriele Fischer ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und leitet am Allgemeinen Krankenhaus in Wien die Drogenambulanz. Sie arbeitet seit vielen Jahren in der Suchtforschung und Suchttherapie und hat mehrere Jahre in den USA gearbeitet und geforscht. Sie war Vorsitzende des Universitätsrates an der Medizinischen Universität Innsbruck und ist Konsulentin der WHO, UNO und des Europaparlaments. Darüberhinaus leitet sie eine Menschenrechtskommission. Sie ist Mitbegründerin der Plattform „Frauen für Frauen: Gesundheit im Brennpunkt“ und war von 1994 bis 2003 Mitglied des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Medizinischen Fakultät der Uni Wien. Seit vielen Jahren kämpft sie für eine besser ausgestattete Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie ist Mutter von drei Söhnen.
25 Minuten
Elfriede Hammerl ist in Österreich eine feministische Institution. Seit 36 Jahren schreibt die Journalistin, Buch- und Drehbuchautorin eine feministische Kolumne im Wochenmagazin „profil“. In dieser Kolumne legt Elfriede Hammerl die Finger auf die Wunden und Narben der Gesellschaft und oft tut das wirklich weh. Sie schreibt mit einer Hingabe satirisch, ernst, aber auch oft humorvoll und sie schreibt immer wieder über den Alltag. Denn dort schmerzen fehlende Gleichbehandlung, Patriarchat und strukturelle Diskriminierung besonders. Ihre journalistische Karriere begann Hammerl bei der Zeitung „Neues Österreich“ und sie arbeitete u.a. auch beim ORF. Sie schrieb für internationale Magazine wie Stern, Vogue, Cosmopolitan und Marie-Claire. Sie verfasste Romane, Drehbücher, Theaterstücke und Kabaretttexte.
25 Minuten
Astrid Zimmermann war und ist für mich ein Vorbild. Sie denkt strategisch und strukturiert. Sie kennt Statuten im Schlaf und ist ein Ass in der Gremienarbeit. All das hat viele Frauen, die sich 1999 auf ihre Initiative hin im unabhängigen Frauennetzwerk-Medien zusammenschlossen, immens vorangebracht. Darüberhinaus hat sie als Betriebsrätin und dann als Chefin der JournalistInnengewerkschaft viele Frauen in ihrem beruflichen Werdegang unterstützt und Wege aufgezeigt, wie Gleichstellung zu erreichen ist. Zwischen 2010 und 2018 hat sie als Generalsekretärin den Presseclub Concordia auf gänzlich neue Beine gestellt. Als Mitgesellschafterin des Medienhauses Wien hat sie im Forschungsbereich über Medien und Journalismus in Österreich ihre gesamte Medienerfahrung der Vorjahre einbringen können: Sie war journalistisch in der „Arbeiterzeitung“ der SPÖ tätig. Nach dem Ende der AZ hat sie die Chefredaktion beim Oberösterreichischen und Salzburger Tagblatt übernommen. Dann zog es sie wieder nach Wien: zuerst zu NEWS und dann zur Tageszeitung „Standard“.
23 Minuten
Sandra Frauenbergers Leidenschaft ist der Kampf um mehr Gerechtigkeit. Deshalb engagierte sie sich zuerst in der Gewerkschaft der Privatangestellten, wo sie Frauensekretärin war und 1999 die Leitung der Frauenabteilung übernahm. Auf den Aufstieg in der GPA folgte die Politikkarriere. Sandra Frauenberger Übernahm im Jänner 2007 als amtsführende Stadträtin die Ressorts Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal. Zehn Jahre später folgte sie der scheidenden Sonja Wehsely als Gesundheitsstadträtin. Auch die Sozialagenden und das Ressort Frauen und Generationen gehörten zu ihrem Aufgabenbereich.
26 Minuten
Den Verein Sprungbrett gibt es seit 1987 als Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen, wo sie herausfinden können, wer sie sind, was sie möchten, welcher Beruf wirklich zu ihnen passt und wo auch Betriebe gesucht werden, die zu diesen jungen Frauen passen. Susanne Gugrel ist dort eine von zwei Geschäftsführerinnen und auch für die Medienarbeit zuständig. Daher kennen wir einander seit vielen Jahren und ich schätze, die ruhige, umsichtige Art von Susanne Gugrel. Ihr Engagement für feministische Mädchenarbeit ist auch nach fast 25 Jahren ungebrochen.
24 Minuten
Svetlana Ilić ist eine auffällige Frau, eine Naturgewalt: 1,80 groß, roter Pagenkopf, hohe Wangenknochen, schlank und langbeinig. Ein Model. Und wenn sie spricht, dann rollt ihr serbisches R. Ihr Deutsch ist makellos und fehlerfrei, erlernt in Österreich mit 11 Jahren, als sie mit ihrer Mutter und dem Bruder endlich dem Vater nachzog aus Jugoslawien. Eine Gastarbeiterfamilie der ersten Stunde. Da hatte das aufschwingende Österreich sich noch gedacht, wir holen Arbeitskräfte und irgendwann gehen die wieder nach Hause. Aber sie blieben. Svetlana besuchte die Hauptschule in Wien, wechselte dann auf die Handelsakademie, ihre Bruder ging auf eine HTL. Sie hatten einen fördernden Lehrer, der auf sie schaute. Beide waren begabt. Dennoch wurde Svetlana Puljarevic, wie sie damals noch hieß, nicht nur gut behandelt in der Schule als Gastarbeiterkind.
24 Minuten
Andrea Brem und ich hatten beruflich miteinander zu tun: Sie als Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser und ich als Ressortleiterin der Chronik im ORF Fernsehen. Leider waren es da immer die traurigen Nachrichten über misshandelte Frauen oder aus dem Ruder laufende Obsorgestreitigkeiten, die in den Medien für Schlagzeilen sorgten, die uns zusammenbrachten. Doch in jedem einzelnen Fall fiel mir auf, mit welcher Empathie und Energie Andrea Brem darum kämpfte, dass Frauen und Kinder Freiräume brauchen, wo sie sich wieder sicher fühlen können. Wie sie diese Schicksale seit mehr als 30 Jahrzehnten aushält, erzählt sie in unserem Gespräch. Ein großes Sorgenkind ist die geplante automatische Obsorge. Sie bringe für Frauen eine enorme Verschlechterung, weil sie den Partner einfach nicht loswerden bis die Kinder großjährig sind.
23 Minuten
Wann immer ich valide Vergleichsdaten zur Lage der Frauen in Österreich wissen wollte, griff ich zum Frauenbericht. Und der wurde mehrfach von Susanne Feigl publiziert im Auftrag des Frauenministeriums. Den jährlichen Frauenbericht gibt es in dieser Form schon länger nicht mehr (der letzte erschien 2010), aber die Autorin ist nach wie vor aktiv und publiziert nun zu anderen Themen.
27 Minuten
Sie gilt nach wie vor als die “Prinzipalin des Wiener Theaters”, die Doyenne unter den Theaterdirektorinnen - die ehemalige Direktorin des Volkstheaters, Emmy Werner. Ich lernte Sie bei der Verleihung des Wiener Frauenpreises zum ersten Mal persönlich kennen. Ihre Schlagfertigkeit und ihre Selbstironie nahmen mich sofort für sie ein. Sie hat Humor und Durchsetzungskraft, sie hat Feuer und auch ein paar Narben, wie sie selbst sagt. Aber das Theater war ihre Welt. Nach einem erfolgreichen Start als Schauspielerin am Theater der Jugend, am Josefstädter Theater und am Volkstheater, gründete Emmy Werner 1981 das Theater Drachengasse, das sie sieben Jahre später in neue weibliche Hände legte. Denn es ereilte sie der Ruf ans Volkstheater, das sie dann 17 Jahre lang sehr erfolgreich leitete und auch Regie führte. Besonders wichtig waren Emmy Werner zeitgenössische Autoren und Autorinnen.